Jagdhornbläser

Jagdhornbläser in der Steiermark

Steirisches Jagdhornbläser-Profil

Die bisherige Führung der steirischen Jagdhornbläsergruppen lag in der Hand eines einzigen Leiters (Einsatzleiters), der die Geschicke der steirischen Jagdhornbläsergruppen beim Steirischen Jagdschutzverein (StJSV), dem die Gruppen organisatorisch zugeordnet sind, leitete.

Eine innere Ordnung unter den Bläsergruppen – wir nennen es Profil -, repräsentiert eine demokratisch orientierte Arbeitsweise, die auf durchchschaubare Teamarbeit aufgebaut ist. Mit dem Logo “Hörnerklang und Jagdgesang” sollen sich alle Jagdfreunde identifizieren können und dabei Freude haben.

Es besteht künftig die Möglichkeit, sich monatlich in der Zeitschrift “Der Anblick” einzubringen. So ist etwa die Vorstellung der einzelnen steirischen JHBG in Wort und Bild geplant. Gruppen, die daran interessiert sind, können Informationen zu ihrer JHBG (Gründungsjahr, Anzahl der Mitglieder, Besetzung der Gruppe, Auftritte Probenarbeit u. a.; ca. 1 DIN A4-Seite) so wie ein scharfes Bild an die unten angeführte Adresse senden:
Dr. Josef Pöschl, A-8101 Gratkorn, Felix Seyfert Weg 3, Tel. & Fax 03124/23 0 46
E-Mail: p.e.p.o@gmx.net
Internet: http://jagd.phonia.org

Zur Geschichte der steirischen Jagdhornbläser

Als im Jahre 1841 im steirischen Straden, im heutigen Bezirk Radkersburg (Süd-Ost-Steiermark)ein kleiner Bub zur Welt kam, hätte niemand erahnen können, dass aus ihm eines Tages der Vertreter der österreichischen Jagdmusik hervorgehen und er der gesamten europäischen Jagdmusik seinen Stempel aufdrücken würde. Es handelt sich um Josef Schantl (1841-1902), der durch einen Kompositionsauftrag für den Makartfestzug anlässlich der Silberhochzeit (1879) von Kaiser Franz Joseph und seiner Gattin Elisabeth einen unvergesslichen jagdmusikalischen Beitrag leistete. Eine Hochblüte österreichischer Jagdmusik mit einer Dauer von etwa 30 Jahren wurde mit diesem Ereignis eingeleitet. Diese fand jedoch gleich zu Beginn des Ersten Weltkrieges ein jähes Ende. Politische und wirtschaftliche Differenzen führten zu Krisen, für kulturelle Dinge hatte man kein offenes Ohr. Die beiden Weltkriege trugen dazu bei, Österreich wirtschaftlich und auch kulturell in den Ruin zu führen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg faßte man wieder Mut und Kraft, neues Kulturgut zu schaffen.

Auf dem Gebiet der Jagdkultur, im speziellen der Jagdmusik, griffen in der Steiermark in den späten 40er Jahren zunächst einige Jäger und schließlich auch einzelne Jägergruppierungen zu einem Jagdhorn, das nicht aus der vorher erwähnten österreichischen Tradition der Kaiserzeit stammte, sondern bereits in der Ära des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik in Mode gekommen war. Walter Frevert, Carl Clewing und die nach dem Krieg sich stark engagierenden Spezialisten auf dem Gebiete der Jagdmusik Hermann Neuhaus und Reinhold Stief, waren auch für die Steiermark die Vorreiter dieser neuen Jagdmusikpraxis. Dieses kleine Jagdhorn, auch Fürst-Plesshorn genannt, war leicht zu blasen, günstiger in der Anschaffung und wurde daher gleichzeitig mit dem Parforcehorn in B von den steirischen Jägern bervorzugt angenommen. In den 50er Jahren entstanden in der Steiermark die ersten Jagdhornbläsergruppen, der Steirische Jagdschutzverein bot sich als Schirmherr der Bläser an, und somit stand einer organisierten steirischen Jagdhornszene nichts mehr im Wege.

Älteste Jagdhornbläsergruppen der Steiermark (Gründungsjahr)

1956 1. JBG Horrido Mürzzuschlag
1957 2. JBG St. Kathrein in der Laming
3. JBG Schladming
1960 4. JBG St. Martin am Grimming
1962 5. JBG Pölstal
1963 6. JBG Friedberg
7. JBG Vorau
1964 8. JBG Gesäuse – Admont
9. JBG Weißkirchen
10. JBG Ligist

Der erste Gesamtleiter der steirischen Jagdhornbläser war der Grazer Dr. Walter Truger (1968-1972), ihm folgte der Gleisdorfer Othmar Janisch bis zum Jahre 1980, der bereits sehr offen seine Version einer zeitgemäßen Führung deponierte. Nach Janisch übernahm Alexander Ertl aus Köflach die Führung, der bis 1998 die Geschicke der steirischen JagdhornbläserInnen als Einsatzleiter &endash; so der Name dieser Funktion &endash; lenkte. Mit Herbst 1998 folgte ihm der Grazer Peter Paul Maierhofer, der die Verwirklichung seiner Ideen in einer für die BläserInnen kontinuierlichen und transparenten Teamarbeit sieht.

Bis heute wuchs die Zahl der steirischen JBG auf 78 an, dies sind über 600 ausführende JagdhornbläserInnen. 13 Jagdhornbläserwettbewerbe konnten in der Steiermark bisher durchgeführt werden, wobei die meisten unter den steirischen JagdhornbläserInnen selbst ausgetragen wurden. Am Bewerb im Jahre 1985 in St. Lamprecht nahmen auch Bläsergruppen anderer Bundesländer teil, der 10. Wettbewerb auf Schloss Halbenrain war sogar auf internationale Beteiligung ausgerichtet. Der 13. Bewerb fand im August 2000 in Bad Radkersburg statt und war ein Landeswettbewerb mit Auslandsbeteiligung.

In den letzten Jahren ist unter den steirischen Gruppen ein Zugang zu den Parforcehörnern in Es zu bemerken, was sehr erfreulich ist. Damit wird die Bereitschaft bekundet, auch Jagdmusik auf schwieriger zu blasenden Instrumenten zu erlernen. Von einigen steirischen JHBG wird somit neben jagdpraktischer Arbeit mit den Plesshörnern auch die Kultur des Jagdhornblasens aus der Kaiserzeit wieder praktiziert.

Josef Pöschl

Aktuelles Heft