{"identifier":"498d8c9b-d954-4678-8726-a735effc9fc2","nodeType":"Inoovum.Site:Document.App.Article","properties":{"title":"Die Elchjagd des kleinen  Mannes","subTitle":"Die Rehwildjagd hat ihren ganz eigenen Platz im norwegischen J\u00e4gerleben: weniger monumental als die Elchjagd, ein wenig allt\u00e4glicher und deutlich weniger gesellschaftlich verpflichtend oder aufwendig \u2013 und gerade deshalb gesch\u00e4tzt.&nbsp;","teaserText":null,"uriPathSegment":"die-elchjagd-des-kleinen-mannes","dateTime":null,"image":"https:\/\/assets.inoovum.io\/_Resources\/Persistent\/6edc1e4931ac5947749f02900e1df25f85eb543d\/fcc0c410786623d553cd953ff9175d48884b96d3\/Bilder_1200x616_Jagareien-Norwegen_01-1024x526.jpg","images":[],"categories":[{"identifier":"5980b1c9-d48d-4bd2-a98c-51174e187aa7","title":"Unter J\u00e4gern"}],"categories2":[{"identifier":"5ceabebb-1c98-448c-8803-557b025e1fe2","title":"Jagareien aus ..."}],"public":null},"childNodes":[{"identifier":"15f32a5e-f455-4d59-ad2a-c72ab866dd4d","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/assets.inoovum.io\/_Resources\/Persistent\/6edc1e4931ac5947749f02900e1df25f85eb543d\/fcc0c410786623d553cd953ff9175d48884b96d3\/Bilder_1200x616_Jagareien-Norwegen_01-1024x526.jpg","caption":""}},{"identifier":"ac74d7fd-bea7-4b26-b20e-761d216a5899","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p style=\"text-align:justify;\">Rund 32.900 Rehe wurden im Jagdjahr 2025 in Norwegen erlegt, w\u00e4hrend etwas mehr als 7.000 dem Stra\u00dfenverkehr zum Opfer fielen. Besonders im S\u00fcdosten des Landes, entlang der schwedischen Grenze, kommen nicht nur bemerkenswert starke B\u00f6cke vor, sondern auch gute Dichten von bis zu 30 St\u00fcck pro 100 Hektar.<\/p><p><strong>Von Feldern zu Fjorden und Eismeer<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Rehe kommen heute in fast ganz Norwegen vor, doch sie haben klare Vorlieben: Ihr Kerngebiet liegt im S\u00fcden und S\u00fcdosten des Landes, wo milde Winter, landwirtschaftlich gepr\u00e4gte Landschaften und strukturreiche Waldr\u00e4nder ideale Lebensbedingungen bieten \u2013 hier sind die Best\u00e4nde am dichtesten und Begegnungen sind f\u00fcr J\u00e4ger wie Spazierg\u00e4nger selbstverst\u00e4ndlich. Entlang der fjordreichen Westk\u00fcste sind Rehe ebenfalls anzutreffen, wenn auch etwas verstreuter; dort f\u00fchren sie gewisserma\u00dfen ein \u201elandschaftlich anspruchsvolleres\u201c Leben zwischen den teilweise extrem steilen Fjordh\u00e4ngen und K\u00fcstenlandschaften. Besonders bemerkenswert ist ihre Ausbreitung in den letzten Jahrzehnten: Rehe sind kontinuierlich nach Norden und in h\u00f6here Lagen vorgedrungen und besiedeln inzwischen Regionen bis nach Mittelnorwegen und sogar Teile des Nordens, die fr\u00fcher als zu unwirtlich galten. Dennoch bleiben sie vorsichtige Pioniere \u2013&nbsp;<br>mit zunehmender H\u00f6he und n\u00f6rdlicher Breite wird ihre Verbreitung l\u00fcckenhafter. Selbst im Pasviktal, unmittelbar an der russischen Grenze am n\u00f6rdlichsten Zipfel Norwegens an der Barentssee, wurden bereits Rehe nachgewiesen. Der Winter ist die unsichtbare Grenze dieser dynamischen Verbreitung: Milde, schneearme Jahre beg\u00fcnstigen ihre Ausbreitung, w\u00e4hrend strenge, schneereiche Winter die Best\u00e4nde wieder zur\u00fcckdr\u00e4ngen. Ihr Lebensraum gleicht daher keiner festen Grenze, sondern vielmehr einer beweglichen Frontlinie, die sich st\u00e4ndig mit Klima und Witterung verschiebt.<\/p><p><strong>Treffsicherheit als Pflicht<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Die Vorbereitung auf die Schalenwildjagd in Norwegen, unabh\u00e4ngig von der Art, beginnt bereits im Fr\u00fchjahr, und zwar mit einem sehr praxisnahen und zugleich strengen Schie\u00dfnachweis. Jeder J\u00e4ger ist gesetzlich verpflichtet, j\u00e4hrlich 30 Trainingssch\u00fcsse zu absolvieren, verteilt auf mindestens zwei unterschiedliche Tage. Diese Sch\u00fcsse werden per App elektronisch registriert und offiziell best\u00e4tigt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Scheibe tats\u00e4chlich getroffen wird oder welche Munition verwendet wird \u2013 wichtig ist allein, dass geschossen wird. Entscheidend ist vielmehr, dass die Sch\u00fcsse mit genau der B\u00fcchse abgegeben werden, die sp\u00e4ter auch auf der Jagd eingesetzt wird. Wer mehrere Waffen f\u00fchren m\u00f6chte, muss folglich f\u00fcr jede einzelne den vollst\u00e4ndigen Trainingsnachweis erbringen. Erst anschlie\u00dfend folgt die eigentliche Schie\u00dfpr\u00fcfung: f\u00fcnf Sch\u00fcsse mit Jagdgewehr und Jagdmunition (deren Verwendung kontrolliert wird) auf eine Rentierscheibe auf 100 Meter, von denen alle sicher im Trefferbereich mit einem Durchmesser von etwa 30 Zentimetern sitzen m\u00fcssen. Die Pr\u00fcfung erfolgt \u201eblind\u201c, das hei\u00dft ohne unmittelbare R\u00fcckmeldung, und wird erst im Anschluss ausgewertet. Die Schie\u00dfstellung ist wahlfrei und die meist schie\u00dfen liegend; ein Schie\u00dfriemen ist als Hilfe zul\u00e4ssig, jedoch strikt ohne Auflage, Zweibein oder sonstige St\u00fctze. Einen Bergstock verwenden die Norweger so oder so nicht. Aber wer auf norwegisches Schalenwild jagt, soll sein Werkzeug nicht nur besitzen \u2013 sondern es auch sicher beherrschen.<\/p><p><strong>Jagd ohne Bedienungsanleitung<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Ganz abgesehen vom Schie\u00dftest ist die Rehwildjagd in Norwegen \u00e4u\u00dferst pragmatisch und beinahe provokativ unkompliziert. Jeder Grundeigent\u00fcmer, der \u00fcber eine gewisse Mindestgr\u00f6\u00dfe an jagdbarer Fl\u00e4che verf\u00fcgt, erh\u00e4lt vom zust\u00e4ndigen Bezirkswildbiologen jedes Jahr eine Quote f\u00fcr Rehwild zugeteilt. Die erforderliche Mindestgr\u00f6\u00dfe wird regional festgelegt und variiert je nach Gebiet zwischen etwa 25 und 70 Hektar pro Reh. Ob der Grundeigent\u00fcmer seine Quote selbst nutzt, den Abschuss verkauft oder sie gar ungenutzt l\u00e4sst, bleibt ihm vollst\u00e4ndig \u00fcberlassen. Daneben existieren aber auch Gebiete mit quotenfreier Jagd auf Rehe \u2013 mit anderen Worten: Es kann im Prinzip so viel erlegt werden, wie man m\u00f6chte. Klassische Abschusspl\u00e4ne gibt es nicht, und schon gar nicht die aus norwegischer Sicht kurios anmutenden Einteilungen in Klassen wie Ier-, IIer- oder IIIer-B\u00f6cke oder gar spezielle Kategorien wie Schmalgei\u00dfen. Es ist ganz einfach: Man schie\u00dft, was man will!<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Das f\u00fchrt in Norwegen zu einer mitunter etwas eigenwillig anmutenden Haltung gegen\u00fcber der Rehjagd. Man jagt Rehe durchaus gerne, doch sie genie\u00dfen l\u00e4ngst nicht den prestigetr\u00e4chtigen Status von Rotwild oder gar Elch. Gro\u00dfe, \u00fcber Generationen gewachsene und streng organisierte Jagdgemeinschaften, wie man sie etwa von der Elchjagd kennt, fehlen weitgehend. Das Reh wird vielmehr mit einer gewissen Nonchalance betrachtet \u2013 und, etwas salopp gesagt, es ist den Norwegern fast ein wenig gleichg\u00fcltig. Es ist einfach da, man jagt es gelegentlich gern, doch ein echtes Bed\u00fcrfnis, sich intensiv darum zu k\u00fcmmern oder es konsequent zu bewirtschaften, besteht meist nicht.<\/p>"}},{"identifier":"0ec8ebec-8ccc-4425-a8bb-c843dd426cd5","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/assets.inoovum.io\/_Resources\/Persistent\/6edc1e4931ac5947749f02900e1df25f85eb543d\/110320073ace27bd4aba5fd598cfdda70ae74793\/Bilder_1200x616_Jagareien-Norwegen_03-1024x526.jpg","caption":"<p>F\u00fcr viele norwegische J\u00e4ger ist der Sch\u00fcsseltrieb am Lagerfeuer der Inbegriff der Schalenwildjagd.<\/p>"}},{"identifier":"8d6b74af-2db0-4fd5-ab99-94042cbf1610","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p><strong>Vertrauen statt Vertrag<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Wer in Norwegen Rehe jagen will, muss entweder selbst Grundeigent\u00fcmer sein, jemanden kennen \u2013 direkt oder \u00fcber ein paar Ecken \u2013 oder aber h\u00f6flich an T\u00fcren klopfen und darauf hoffen, zu einer Tasse Kaffee eingeladen zu werden. Hat man es erst einmal an den K\u00fcchentisch geschafft, ist das oft schon die halbe Miete und nicht selten gleichbedeutend mit einer Jagderlaubnis. Das Verh\u00e4ltnis zwischen J\u00e4ger und Grundeigent\u00fcmer ist dabei ganz typisch und zutiefst norwegisch: Es basiert auf manchmal fast schon naivem Vertrauen. Der Grundeigent\u00fcmer verl\u00e4sst sich darauf, dass der J\u00e4ger verantwortungsvoll handelt und nicht mehr erlegt, als erlaubt ist. Der Grundeigent\u00fcmer ist gegen\u00fcber dem Bezirk zwar berichtspflichtig, delegiert diese Verantwortung jedoch oft an den J\u00e4ger. Im Gegenzug tut der J\u00e4ger gut daran, dieses Vertrauen nicht zu entt\u00e4uschen \u2013 und gelegentlich ein halbes Reh abzugeben. Das ist zwar keineswegs vorgeschrieben, geh\u00f6rt aber eindeutig zum guten Ton. Denn eines ist klar: Vertrauen verspielt man bei den Wikingern in der Regel nur ein einziges Mal.&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Das f\u00fchrt \u2013 wenig \u00fcberraschend \u2013 zu einem gewissen strukturellen Problem beim Zugang zur Rehjagd: In vielen Gebieten sind es die \u00e4lteren J\u00e4ger, die mit dem Grundeigent\u00fcmer schon die Schulbank gedr\u00fcckt haben und die seit Jahren \u2013 nicht selten seit Jahrzehnten \u2013 die Reviere innehaben und nur ungern freigeben. Sie m\u00f6chten in Ruhe ein paar Rehe im Jahr erlegen, ohne viel Trubel. F\u00fcr j\u00fcngere oder neu interessierte J\u00e4ger wird es dadurch schwierig, \u00fcberhaupt Zugang zu bekommen. Die Folge ist, dass gerade diejenigen, die motiviert w\u00e4ren, sich intensiver mit der Rehjagd auseinanderzusetzen, oft au\u00dfen vor bleiben. Diese Haltung spiegelt sich auch in der Erf\u00fcllung der Abschussquoten wider: Selbst in Gebieten mit hohen Rehwilddichten wird h\u00e4ufig nur etwa die H\u00e4lfte der vorgesehenen Quote tats\u00e4chlich erlegt \u2013 man muss es ja nicht. Die Rehjagd l\u00e4uft vielerorts eher nebenbei, gewisserma\u00dfen im Schatten der Elchjagd, die nach wie vor klar im Mittelpunkt steht und die Priorit\u00e4ten bestimmt.<\/p><p><strong>Zwei Jagdformen<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Norwegen hat im Grunde zwei Typen von Rehj\u00e4gern, die jeweils ihre eigenen Jagdzeiten, Jagdformen und Traditionen \u2013 oder eben auch keine Traditionen \u2013 haben. Die Bockjagd entspricht der klassischen Blattjagd, wie wir sie aus Mitteleuropa kennen: die gezielte Jagd mit der Kugel auf den Rehbock w\u00e4hrend der Brunft. Voraussetzung ist die verpflichtende Schie\u00dfpr\u00fcfung, ohne die keine Jagd m\u00f6glich ist. Rehb\u00f6cke d\u00fcrfen ab dem 10. August bejagt werden \u2013 dieser Tag, die sogenannte \u201eBukkepremiere\u201c, gilt als der erste \u201eechte\u201c Jagdtag des Jahres und wird von vielen mit entsprechender Erwartungshaltung begr\u00fc\u00dft. Wie die klassische Blattjagd funktioniert, muss man einem mitteleurop\u00e4ischen J\u00e4ger kaum erkl\u00e4ren. Interessanter ist, dass sich in Nordeuropa ein eigener Markt rund um Lockinstrumente entwickelt hat, mit zahlreichen skandinavischen Produkten. Nicht zuletzt haben auch soziale Medien und Jagdinfluencer ihren Teil dazu beigetragen, dass sich rund um diese Jagdform ein erstaunlich lebhafter Markt entwickelt hat \u2013&nbsp;<br>inklusive der festen \u00dcberzeugung, dass immer genau die eigene \u00ablokkefl\u00f8yte\u201c die beste ist.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Die zweite wichtige Jagdform auf Rehwild ist die Hundejagd. Sie ist gewisserma\u00dfen die eigentliche Passion und Liebe norwegischer Rehj\u00e4ger. Dabei handelt es sich um eine Form der Bewegungsjagd: Ein kurzl\u00e4ufiger St\u00f6berhund \u2013 meist ein Dackel oder Beagle \u2013 wird geschnallt, um Rehwild aufzunehmen und mit gleichm\u00e4\u00dfigem Laut zu verfolgen. \u00dcblicherweise tr\u00e4gt der Hund ein GPS-Halsband, sodass seine Bewegungen jederzeit nachvollzogen werden k\u00f6nnen. Bewusst verzichtet man auf schnelle, weitr\u00e4umig jagende Hunde \u2013 \u201eRaketen auf vier Pfoten\u201c sind nicht erw\u00fcnscht. Zugelassen sind nur Hunde bis etwa 38 Zentimeter Schulterh\u00f6he. Ziel ist, dass das Reh nicht \u00fcberst\u00fcrzt fl\u00fcchtet, sondern in ruhigem Tempo zieht. So ergeben sich f\u00fcr die J\u00e4ger kurze, kontrollierte Schussdistanzen mit der Schrotflinte. Die obligatorische Schie\u00dfpr\u00fcfung ist hierf\u00fcr nicht erforderlich. Der Beginn der \u201eordin\u00e6r jakt\u201c, also der allgemeinen Rehwildjagd mit Schrot, liegt \u00fcblicherweise am 25. September. Erst ab diesem Zeitpunkt sind nicht mehr nur B\u00f6cke, sondern alle Rehe frei. Beide Jagdzeiten enden jedoch am 23. Dezember.<\/p><p><strong>Bukkekongen \u2013 der Bockk\u00f6nig<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Ein Bekannter, Ole Jacob, ist der Inbegriff des klassischen Bockj\u00e4gers. Man k\u00f6nnte ihn fast den norwegischen Bukkekongen \u2013&nbsp;<br>\u201eBockk\u00f6nig\u201c \u2013 nennen, denn Rehb\u00f6cke sind seine gro\u00dfe Leidenschaft. In seiner Garage hat er sich einen eigenen Jagdraum eingerichtet, dessen W\u00e4nde dicht an dicht mit Rehtroph\u00e4en beh\u00e4ngt sind. Ein allseits bekannter \u00f6sterreichischer Wildbiologe ist schon einmal dort gestanden und hat vor Erstaunen fast die Fassung verloren \u2013 so viele und so eindrucksvolle B\u00f6cke auf einmal sieht man selbst mit mitteleurop\u00e4isch verw\u00f6hnten Augen nicht alle Tage. Diese W\u00e4nde haben zweifellos das Potenzial, bei anderen J\u00e4gern leisen Neid zu wecken \u2013&nbsp;<br>laut Ole Jacob sind die meisten Krickeln auch genau deshalb in der Garage. Die wirklich guten B\u00f6cke allerdings, die liegen in seinem Wohnzimmer. Nicht kunstvoll arrangiert oder besonders dekorativ pr\u00e4sentiert, sondern eher pragmatisch auf einer Ablage \u2013 aber doch so, dass man sie als echter J\u00e4ger kaum \u00fcbersehen kann.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Gei\u00dfen und Kitze schie\u00dft Ole Jacob kaum und auch bei B\u00f6cken ist er w\u00e4hlerisch: Alles, was nicht deutlich \u00fcber einem einfachen Knopfbock steht, darf in der Regel weiterziehen. Diese Konsequenz kostet Zeit \u2013 und die investiert er. Denn w\u00e4hrend andere noch schlafen, sitzt Ole Jacob im Fr\u00fchjahr und Sommer nahezu jeden Tag um f\u00fcnf Uhr morgens im Pick-up und f\u00e4hrt durch sein Revier. Er pirscht nicht zu Fu\u00df, sondern beobachtet, kontrolliert, fotografiert \u2013 und dokumentiert \u201eseine\u201c B\u00f6cke mit bewundernswerter Akribie.&nbsp;<\/p>"}},{"identifier":"38af7b67-5aac-4936-975e-a5673ea1042b","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/assets.inoovum.io\/_Resources\/Persistent\/6edc1e4931ac5947749f02900e1df25f85eb543d\/9e41ce375fb3dacc454d97518ca44091c19fa372\/Bilder_1200x616_Jagareien-Norwegen_02-1024x526.jpg","caption":"<p>Ole Jacob ist der Inbegriff des klassischen Bockj\u00e4gers. Man k\u00f6nnte ihn fast den norwegischen \u201eBockk\u00f6nig\u201c nennen, denn Rehb\u00f6cke sind seine gro\u00dfe Leidenschaft. 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Seine Troph\u00e4en sind letztlich Ausdruck eines Systems, das er \u00fcber Jahre hinweg gepflegt hat. Er kennt viele seiner B\u00f6cke \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume, verfolgt ihre Entwicklung und wei\u00df nahezu punktgenau, wann ein Rehbockgeweih seinen H\u00f6hepunkt erreicht hat. Gelegentlich wird auch einmal ein mittelm\u00e4\u00dfiger Bock entnommen, um Platz f\u00fcr einen besseren zu machen. Und fast jedes Jahr bringt sein Revier ein oder zwei wirklich starke Goldmedaillen-B\u00f6cke hervor \u2013 eine echte jagdliche Edelmetallschmiede. Eines muss man Ole Jacob lassen: Rehb\u00f6cke \u2013 die kann er wirklich.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Die meisten norwegischen Bockj\u00e4ger sind allerdings nicht so akribisch und professionell wie Ole Jacob \u2013 und in der Regel auch deutlich weniger selektiv. Oft wird ganz einfach der erste Bock erlegt, der w\u00e4hrend der Brunft mehr oder weniger sauber aufs Blatt springt. Nat\u00fcrlich hoffen die meisten J\u00e4ger auf einen starken Bock, aber sie sind eben auch Pragmatiker und normalerweise wird der erste Bock, egal wie stark oder schwach, geschossen; weil, man kann eh schie\u00dfen, was man will, und wenn man gen\u00fcgend Rehe auf der Quote hat, geht man halt in den n\u00e4chsten Tagen nochmals raus. Oder aber der 10. August kommt n\u00e4chstes Jahr garantiert wieder und au\u00dferdem will man sich ja noch ein paar B\u00f6cke f\u00fcr die Hundejagd aufbehalten.<\/p><p><strong>Hundjegern<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Ein anderer guter Bekannter, Per J\u00f8rgen, ist der klassische norwegische Hundej\u00e4ger. Im Gegensatz zu vielen mitteleurop\u00e4isch gepr\u00e4gten J\u00e4gern interessiert ihn die Blattjagd w\u00e4hrend der Brunft nur wenig \u2013&nbsp;<br>sie ist ihm zu statisch und bietet ihm zu wenig \u201eAction\u201c. Ihm geht es vor allem um die Zusammenarbeit mit dem Hund; Jagd bedeutet f\u00fcr ihn Bewegung und Aktivit\u00e4t im Gel\u00e4nde. Die Troph\u00e4e ist zwar ein netter Nebeneffekt, steht aber nicht im Mittelpunkt. Dementsprechend h\u00e4ngen bei Per J\u00f8rgen auch nur wenige Geweihe an der Wand \u2013 das Wildbret im Tiefk\u00fchler ist ihm wichtiger.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Der klassische norwegische Rehwildhund ist ein leicht giftiger Rauhaardackel. Auch Beagles werden h\u00e4ufig eingesetzt, vereinzelt findet man zudem Dachsbracken. Entscheidend ist, dass der Hund nicht zu schnell jagt, damit die Rehe in ruhigem Tempo ziehen und den Sch\u00fctzen kontrolliert vorwechseln. Die meisten Rehjagden mit Hund sind eher klein organisiert und bestehen aus zwei oder drei J\u00e4gern, einschlie\u00dflich des Hundef\u00fchrers. Die technische Ausr\u00fcstung mancher Hundej\u00e4ger kann sich fast schon mit milit\u00e4rischen Sondereinheiten messen: Jeder tr\u00e4gt ein Funkger\u00e4t, hat einen GPS-Empf\u00e4nger mit Schirm, auf dem die Bewegung des Hundes verfolgt wird, und \u00fcber eine Handy-App l\u00e4sst sich jederzeit nachvollziehen, wo sich die anderen J\u00e4ger befinden. Ein W\u00e4rmebildger\u00e4t um den Hals geh\u00f6rt inzwischen ebenfalls fast zur Standardausr\u00fcstung. Geschossen wird in der Regel, was kommt, egal ob Bock, Gei\u00df oder Kitz; Abschussplan gibt es ja keinen!<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Per J\u00f8rgen stellt in der Regel seine Sch\u00fctzen an und geht dann selbst ins Gel\u00e4nde, um den Hund zu schnallen. Manchmal wartet er, bis der Hund eine Spur findet, manchmal l\u00e4sst er ihn einfach frei laufen, bis er selbstst\u00e4ndig anzieht und Laut gibt. Als erfahrener Hundef\u00fchrer erkennt Per J\u00f8rgen meist sofort, ob sein Hund einem Reh folgt \u2013 oder ob es vielleicht doch ein Elch ist. Selbst Hase oder Fuchs kann er am Laut unterscheiden.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Ebenso gut kennt er die Bewegungsmuster von Reh und Elch im Gel\u00e4nde. Als Sch\u00fctze verfolgt man auf dem GPS, wie sich Hund und Wild in eine Richtung bewegen, w\u00e4hrend Per J\u00f8rgen \u2013 scheinbar ohne ersichtlichen Grund \u2013 in eine ganz andere geht. Stunden k\u00f6nnen vergehen, in denen man \u00fcber Funk und Bildschirm verfolgt, wie sich das Geschehen entwickelt. Manchmal f\u00e4llt irgendwo ein Schuss. Dann hei\u00dft es, genau zuzuh\u00f6ren: Kommt eine knappe Erfolgsmeldung \u201egeit ligger\u201c (Gei\u00df liegt) \u2013 oder nur ein trockenes \u201ejeg bomma\u201c (verfehlt)? Am Ende jedoch zeigt sich meistens, dass es Per J\u00f8rgen ist, der genau an der richtigen Stelle steht und die Quote erf\u00fcllt. Wie der Gauner das schafft \u2013 selbst in Revieren, die er nicht in- und auswendig kennt \u2013 bleibt ein wenig sein Geheimnis. Eines muss man ihm einfach lassen: Hundejagd, die beherrscht er wirklich.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Der traditionelle Abschluss einer Hundejagd auf Rehwild ist ein Lagerfeuer im Wald. Jeder hat seinen Stuhlrucksack dabei, die Thermoskanne mit Kaffee ist ohnehin Pflicht. Oft liegen auch ein paar W\u00fcrste im Gep\u00e4ck, die am Feuer gebraten werden. So klingt der Jagdtag aus \u2013 einfach, gesellig und ungezwungen.<\/p><p style=\"text-align:right;\"><em>Andreas Zedrosser<\/em><\/p>"}}]}