{"identifier":"a0d6b76e-9fcb-440b-bccb-eaeb05ecee21","nodeType":"Inoovum.Site:Document.App.Article","properties":{"title":"Im Reich der Sinne","subTitle":"Das Reich der Sinne bleibt bei allem modernen Wissen ein geheimnisvolles. Wir k\u00f6nnen nicht nachempfinden, wie das Ultraschall-Echobild der Fledermauswelt aussieht. Oder sich die Unterwasserwelt durch die \u201eAugen\u201c des Seitenlinienorgans einer Forelle darstellt. 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Und es funktioniert \u2013&nbsp;<br>als wohldurchdachte Erfindung \u2013 immer gleich: ein Signal, etwa ein Geruch oder ein Ger\u00e4usch, trifft auf einen genau darauf abgestimmten Empf\u00e4nger, klickt dort so etwas wie einen Schalter an und schickt dadurch eine Meldung nach oben. Na ja, bei vielen Tieren wohl eher nach vorne, denn nicht bei allen liegt die Kommandozentrale wie bei uns an h\u00f6chster Stelle des K\u00f6rpers.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Und was bedeutet genau abgestimmt? Ja, was w\u00fcrde denn das Leuchten der Balzrosen n\u00fctzen, wenn der Rest der Hahnengesellschaft kein Rot sehen k\u00f6nnte? Was das machtvolle R\u00f6hren des Hirsches, wenn das Geh\u00f6r der Damen nicht aus seiner Frequenz die St\u00e4rke des Herrn ablesen k\u00f6nnte? Was der bet\u00f6rende Geruch eines Kadavers, wenn die Nase des Geiers nicht genau auf diesen spezialisiert w\u00e4re? Oh ja, V\u00f6gel k\u00f6nnen riechen. Aber davon sp\u00e4ter.<\/p><p>Da Sinnesleistungen \u00fcber all die Informationen, die sie liefern \u2013 wo lebt sich\u2018s am besten, wo gibt es Nahrung, wer ist Feind, wer Freund \u2013, dem \u00dcberleben dienen, haben sie sich im Laufe der Evolution nat\u00fcrlich nicht nur dem jeweiligen Tier, sondern auch seinem Lebensraum und seiner Lebensform angepasst.&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Bei unseren Vorfahren war es nicht anders. H\u00e4tten die Wildbeuter nicht mindestens so ausgepr\u00e4gte Sinne zu nutzen verstanden wie ihre Beutetiere, h\u00e4tten sie nicht \u00fcberlebt. Zur Speicherung und Verarbeitung ihrer Sinneseindr\u00fccke verf\u00fcgten sie deshalb auch \u00fcber ein gr\u00f6\u00dferes Gehirn als der heutige Homo sapiens. Leider ist es damit ab dem Zeitpunkt der Sesshaftigkeit bergab gegangen. Wie wir wissen, haben ja auch Haustiere kleinere Gehirne als ihre wild lebenden Verwandten. Auch unser Hund \u2026 Luna, verzeih!<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Wir k\u00f6nnen vielleicht erahnen, was so ein Steinzeitj\u00e4ger gerochen oder geh\u00f6rt hat, die Sinneswahrnehmung eines Tieres ist f\u00fcr uns aber nicht vorstellbar. Und das ist schon eine der wichtigsten meiner Botschaften \u2013 versuchen Sie niemals, Vergleiche anzustellen. Das geht schief. Jedes Tier schaut durch sein eigenes \u201esensorisches Fenster\u201c, wie schon vor gut 100 Jahren der baltische Biologe Jakob von Uexk\u00fcll erkannte. Wir k\u00f6nnen nicht nachempfinden, wie das Ultraschall-Echobild der Fledermauswelt aussieht. Oder sich die Unterwasserwelt durch die \u201eAugen\u201c des Seitenlinienorgans einer Forelle darstellt. Wir erforschen elektrische Signale, be\u00e4ugen Sinneszellen im Elektronenmikroskop und so weiter. Nachempfinden k\u00f6nnen wir nichts. Das Reich der Sinne bleibt bei allem modernen Wissen ein geheimnisvolles. Verborgenes. Ist das nicht spannend?<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Beatrix Ster<\/p>"}},{"identifier":"52bc58cc-c341-4772-9eca-046da2ad88e9","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p style=\"text-align:justify;\">Unter Sinn verstehen wir in diesem Fall das Wahrnehmungsverm\u00f6gen eines Sinnesorgans. Und es funktioniert \u2013 als wohldurchdachte Erfindung \u2013 immer gleich: ein Signal, etwa ein Geruch oder ein Ger\u00e4usch, trifft auf einen genau darauf abgestimmten Empf\u00e4nger, klickt dort so etwas wie einen Schalter an und schickt dadurch eine Meldung nach oben. Na ja, bei vielen Tieren wohl eher nach vorne, denn nicht bei allen liegt die Kommandozentrale wie bei uns an h\u00f6chster Stelle des K\u00f6rpers.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Und was bedeutet genau abgestimmt? Ja, was w\u00fcrde denn das Leuchten der Balzrosen n\u00fctzen, wenn der Rest der Hahnengesellschaft kein Rot sehen k\u00f6nnte? 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Oder sich die Unterwasserwelt durch die \u201eAugen\u201c des Seitenlinienorgans einer Forelle darstellt. Wir erforschen elektrische Signale, be\u00e4ugen Sinneszellen im Elektronenmikroskop und so weiter. Nachempfinden k\u00f6nnen wir nichts. Das Reich der Sinne bleibt bei allem modernen Wissen ein geheimnisvolles. Verborgenes. Ist das nicht spannend?<\/p><p style=\"text-align:right;\"><em>Beatrix Sternath<\/em><\/p>"}}]}