{"identifier":"9f81ded1-a579-4c6a-961e-bf3d63a77469","nodeType":"Inoovum.Site:Document.App.Article","properties":{"title":"Was kommt nach dem Feuer?","subTitle":"Menschen verbinden Br\u00e4nde mit existenzbedrohenden oder lebensgef\u00e4hrlichen Situationen, doch Wildfeuer sind so wie auch Lawinen oder \u00dcberflutungen nat\u00fcrliche Ereignisse, an die sich Wildtiere genauso wie B\u00e4ume und Str\u00e4ucher \u00fcber Jahrtausende angepasst haben. Die Wiederbesiedelung verkohlter Fl\u00e4chen erfolgt oft erstaunlich schnell.","teaserText":null,"uriPathSegment":"was-kommt-nach-dem-feuer-1","dateTime":null,"image":"https:\/\/assets.inoovum.io\/_Resources\/Persistent\/6edc1e4931ac5947749f02900e1df25f85eb543d\/e9cf4e756057a710fe573bed0e9d0c8d9472e6a9\/Brand_2-1024x526.jpg","images":[],"categories":[],"categories2":[],"public":null},"childNodes":[{"identifier":"0a604344-5f5a-40f4-b101-81d6f7d7d080","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/assets.inoovum.io\/_Resources\/Persistent\/6edc1e4931ac5947749f02900e1df25f85eb543d\/f1057491a6f4c075341d44e168b1681d6086ddc5\/Bilder_1200x616_Waldbrand_04-1024x526.jpg","caption":""}},{"identifier":"ed41d981-1b56-476c-8528-26226b09e119","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p style=\"text-align:justify;\">Die kleine Stadt Leuk befindet sich im Schweizer Kanton Wallis. Der Ort liegt im Tal der Rhone und ist schon seit der Steinzeit besiedelt. Im August 2003 legte ein Brandstifter am Steilhang oberhalb der Gemeinde ein Feuer, das 300 Hektar Wald vernichtete. Es war der gr\u00f6\u00dfte Waldbrand im Wallis seit 100 Jahren. Das Feuer brannte von etwa 800 Meter Seeh\u00f6he bis zur Waldgrenze auf \u00fcber 2.100 Meter auf einer Breite von bis zu einem Kilometer. Das Besondere daran: Die Schweizer haben Auswirkungen und Entwicklungen danach \u00fcber Jahrzehnte beobachtet und aufgezeichnet.<\/p><p><strong>Waldumwandlung<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Tausende Helikoptereins\u00e4tze waren n\u00f6tig, um das Feuer mit s\u00e4mtlichen Glutnestern zu l\u00f6schen. Allein die Brandbek\u00e4mpfung kostete rund zwei Millionen Franken. Ein Teil der Fl\u00e4che wurde wiederaufgeforstet, Steinschlagnetze und D\u00e4mme wurden zum Schutz der Stra\u00dfe und des Siedlungsraumes errichtet. Teilweise wurden Schneerechen aufgestellt, an besonders steilen Stellen sind die verbannten B\u00e4ume quer zum Hang geschl\u00e4gert worden, um Erosion zu verhindern. Wo notwendig, wurde das Niederschlagswasser gezielt abgeleitet. In den Randzonen zum benachbarten Wald ist der Borkenk\u00e4fer gezielt bek\u00e4mpft worden.&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Vor dem Waldbrand dominierten hier Wei\u00dfkiefern und Flaumeichen, in h\u00f6heren Lagen L\u00e4rchen, dazwischen Fichte. Mit Ausnahme der Randbereiche sowie einzelner Flecken war das Feuer sehr intensiv. Das hei\u00dft, nicht nur die Bodenvegetation brannte, auch die meisten Baumkronen verbrannten vollst\u00e4ndig. Neben V\u00f6geln und einzelnen S\u00e4ugetieren haben nur tief im Boden lebende Arten, wie zum Beispiel Ameisen, \u00fcberlebt. Um die Wiederbewaldung zu beschleunigen, wurde in den steilsten Gebieten aufgeforstet. Dazu sind in dem warmen, trockenen s\u00fcdalpinen Tal vorwiegend Flaumeichen, Mehlbeeren, Vogelkirschen, aber auch Elsbeeren und Speierlinge gepflanzt worden \u2013 daneben Kreuzdorn, Schlehdorn, Felsenbirne und Berberitze zur Hangstabilisierung. Die Auswahl zeigt: Hier ging es nicht um Forstwirtschaft, sondern um den Schutz vor Erosion und Beschattung durch einen Vorwald. Der Gro\u00dfteil der Fl\u00e4che blieb jedoch sich selbst \u00fcberlassen. Danach wurde dieser Hang zum Freilandlabor, in dem Forstleute, Ornithologen und Botaniker die Entwicklung und nat\u00fcrliche Wiederbesiedlung der Brandfl\u00e4che beobachten konnten.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Das Feuer oberhalb von Leuk hat die Fl\u00e4che v\u00f6llig umgestaltet. Wo vorher die Kiefer dominierte, nimmt heute der Laubwald drei Viertel der Fl\u00e4che ein. Dieser Wald unterscheidet sich stark von den einstigen F\u00f6hrenbest\u00e4nden, die im unteren Drittel des Hanges dominierten. W\u00e4hrend die Kiefern durch Kronenfeuer vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt wurden, haben die Flaumeichen nach dem Brand wieder ausgetrieben. Das hei\u00dft konkret: Praktisch alle verkohlten Eichenst\u00f6cke haben nach dem Feuer wieder neue Triebe gebildet \u2013 oft erst nach mehreren Jahren. Rund ein Drittel der Eichenverj\u00fcngung kam aus Stockausschlag. Eichelh\u00e4her brachten zudem Eicheln oft von weit entfernten Mutterb\u00e4umen ins Gebiet. Die H\u00e4her spielten bei der Ausbreitung der Eichensaat eine wichtige Rolle, was dazu f\u00fchrte, dass die schweren Samen weiter und rascher auf der Fl\u00e4che verteilt wurden als die leichten Samen von Kiefern oder Fichten, die der Wind vertr\u00e4gt. Am schnellsten haben typische Pionierbaumarten wie Pappeln, Weiden oder Birken Fu\u00df gefasst. Ihre leichten Samen werden weit vom Wind verfrachtet. Neben den Eichen ergr\u00fcnte auch wieder gut die H\u00e4lfte aller L\u00e4rchen oberhalb von 1.600 Metern \u2013 oft erst im Verlauf von etwa vier Jahren. Es zahlt sich also aus, vermeintlich abgebrannte L\u00e4rchen l\u00e4nger stehen zu lassen, sie k\u00f6nnen wieder als Mutterb\u00e4ume dienen. Die meisten Fichten wurden vernichtet oder stark besch\u00e4digt.&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Die Untersuchungen in Leuk zeigen, dass sich dort die Natur nach dem Waldbrand schnell wieder erholt hat. Zun\u00e4chst wurden gro\u00dfe Fl\u00e4chen vom Wald-Weidenr\u00f6schen besiedelt. Im Englischen hei\u00dft die Pflanze \u201eFireweed\u201c \u2013 Weidenr\u00f6schen sind typische Pioniere nach Forstfeuern. Nach zw\u00f6lf Jahren war die Brandfl\u00e4che ergr\u00fcnt und fast \u00fcberall wieder zugewachsen. Pionierbaumarten bildeten zun\u00e4chst einen Gro\u00dfteil der Verj\u00fcngung. Was die Forscher \u00fcberraschte, war der rasante Anstieg der Artenvielfalt. K\u00e4fer, Spinnen, Ameisen, vor allem aber viele Vogelarten, die offene oder halboffene Lebensr\u00e4ume bevorzugen, besiedelten die Fl\u00e4che schnell. Nach dem Brand konnten auf dem Hang rund 50 verschiedene Vogelarten kartiert werden. Viele davon sind in der heutigen Kulturlandschaft gef\u00e4hrdet. Allein f\u00fcr den Gartenrotschwanz wurden bereits nach f\u00fcnf Jahren rund 100 Reviere auf der Brandfl\u00e4che nachgewiesen. So wie das Gebiet zuwuchs, gingen die Best\u00e4nde aber auch wieder zur\u00fcck. Dasselbe gilt f\u00fcr Arten wie Wendehals oder Steinr\u00f6tel. Beim Berglaubs\u00e4nger hielt die Bestandeszunahme \u00fcber Jahre an. Steinhuhn, Zaunk\u00f6nig, Girlitz oder Zilpzalp erreichten ebenfalls Dichten, die \u00fcberraschten. Die Forscher folgern daraus: \u201eObwohl Br\u00e4nde im inneralpinen Raum seltener sind als anderswo, k\u00f6nnen sie eine wichtige Rolle in der Dynamik von \u00d6kosystemen spielen und gro\u00dfen Einfluss auf die Artenzusammensetzung in einem Gebiet haben.\u201c<\/p>"}},{"identifier":"5a7f0315-e758-45d3-b4e9-e037251162e5","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/assets.inoovum.io\/_Resources\/Persistent\/6edc1e4931ac5947749f02900e1df25f85eb543d\/4b6e36eba1348bf011a2645fd79fc097bc3b181a\/Bilder_1200x616_Waldbrand_03-1024x526.jpg","caption":"<p>Zun\u00e4chst werden Brandfl\u00e4chen h\u00e4ufig vom Wald-Weidenr\u00f6schen besiedelt. 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Heute erreichen Br\u00e4nde immer \u00f6fter katastrophale Ausma\u00dfe, die Lebensr\u00e4ume gro\u00dffl\u00e4chig zerst\u00f6ren und Wildtiere ums Leben bringen. Megafeuer z\u00e4hlen aktuell weltweit zu den gro\u00dfen Umweltkatastrophen.&nbsp;<\/p><p>Feuer kann Wildtiere t\u00f6ten. Rauchvergiftung, Hitzestress oder Verbrennungen sind direkte Auswirkungen. Dennoch gibt es \u00fcberraschend wenige Todesf\u00e4lle, wenn sich die Br\u00e4nde nicht rasant \u00fcber riesige Fl\u00e4chen ausbreiten. Gr\u00f6\u00dfere S\u00e4ugetiere fliehen, Kleins\u00e4uger, Amphibien, Schlangen oder Reptilien suchen Schutz in Erdl\u00f6chern, unter Totholz oder Steinen. V\u00f6gel fliegen davon, kritisch wird die Situation f\u00fcr sie jedoch dann, wenn Eier oder noch flugunf\u00e4hige Jungv\u00f6gel in den Nestern sind.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Waldbrandbek\u00e4mpfung ist heute zu einer enormen Herausforderung geworden, weil Br\u00e4nde oft riesige Fl\u00e4chen v\u00f6llig zerst\u00f6ren. Wildfeuer wurden aber auch schon in historischer Zeit bek\u00e4mpft, was dazu f\u00fchrte, dass typische Lebensgemeinschaften aus weiten Teilen Nordamerikas verschwunden sind. Herbert Stoddard war noch vor Aldo Leopold der erste Wildbiologe, der die Zusammenh\u00e4nge bereits in den 1920er-Jahren erkannt hat. Es ging um die Virginiawachtel in den Sumpfkiefernw\u00e4ldern im S\u00fcdosten der USA. Stoddard pl\u00e4dierte f\u00fcr ein \u201eWildtiermanagement mit Feuer\u201c, um die Wachteln zu erhalten. Forstleute haben damals von dem Ansatz wenig gehalten. Regelm\u00e4\u00dfig wiederkehrende leichte Bodenfeuer spielen im Lebensraum der Sumpfkiefernw\u00e4lder jedoch eine wichtige Rolle, weil sie Str\u00e4ucher, d\u00fcrres Gras und Nadelstreu beseitigen. Die dickborkigen Kiefern sind gut gegen Feuer gesch\u00fctzt. So entsteht immer wieder ein Mosaik aus frischen Gr\u00e4sern, Str\u00e4uchern und Bl\u00fctenpflanzen. Von Licht und W\u00e4rme profitieren Insekten, f\u00fcr die Wachteln gibt es damit Nahrung und Deckung, zudem k\u00f6nnen sie sich am Waldboden gut bewegen. Durch das kontrollierte Brennen werden aber auch schwere Waldbr\u00e4nde verhindert, da sich auf diese Weise keine gro\u00dfen Mengen an brennbarem Material im Wald anh\u00e4ufen.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Bekannt ist heute das kontrollierte Abbrennen, das zur Lebensraumverbesserung der Moorschneeh\u00fchner in Schottland eingesetzt wird. Auch diese H\u00fchnerv\u00f6gel profitieren vom Einsatz des Feuers. \u00dcber das \u201eHeather Management\u201c schaffen die schottischen Grouse-J\u00e4ger ein Mosaik aus verschieden altem Heidekraut. Die jungen Calluna-Str\u00e4ucher bieten gute \u00c4sung, die verholzten \u00e4lteren Stauden bieten Deckung und Brutpl\u00e4tze. Neben den schottischen Moorschneeh\u00fchnern profitieren auch Goldregenpfeifer, Brachv\u00f6gel, Sumpfohreule und Birkhuhn. Erw\u00e4hnt sei hier zudem, dass fr\u00fcher auch im Alpenraum viel gebrannt wurde. Das Feuer wurde vor allem im zentralalpinen Bereich zur F\u00f6rderung der Weidequalit\u00e4t und zum Zur\u00fcckdr\u00e4ngen der Zwergstr\u00e4ucher eingesetzt. So entstand auch hier ein Mosaik, das wiederum zwei H\u00fchnerv\u00f6geln zugutekam \u2013 Birkhuhn und Steinhuhn profitierten davon.&nbsp;<\/p>"}},{"identifier":"1a60a120-5527-4201-a4ef-387b01cb171e","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/assets.inoovum.io\/_Resources\/Persistent\/6edc1e4931ac5947749f02900e1df25f85eb543d\/4065ef7683d9bea81b82cb5587e44ed0a098e202\/Bilder_1200x616_Waldbrand_02-1024x526.jpg","caption":"<p>Moorschneeh\u00fchner profitieren vom Einsatz des Feuers. \u00dcber das \u201eHeather Management\u201c schaffen schottische Grouse-J\u00e4ger durch das gezielte Abbrennen von Fl\u00e4chen ein Mosaik aus verschieden altem Heidekraut.&nbsp;<\/p>"}},{"identifier":"9c205a37-6931-43f2-82c1-b3b67d236eda","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p><strong>Waldbrand und Wildschaden<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Hierzulande dominiert nach dem Waldbrand meist das Thema Wildsch\u00e4den. Nach einem intensiven Brand fehlt die Vorverj\u00fcngung. Das sind jene jungen B\u00e4umchen, die unter dem Altholzschirm warten, bis eine L\u00fccke g\u00fcnstige Lichtverh\u00e4ltnisse bietet, wodurch das H\u00f6henwachstum gef\u00f6rdert wird. Das ist ein markanter Unterschied zu Windwurffl\u00e4chen. Nach dem Sturm stellt die Vorverj\u00fcngung ein wichtiges Potenzial f\u00fcr den Wiederaufbau des zuk\u00fcnftigen Waldes dar \u2013 nach dem Feuer fehlt dieses Verj\u00fcngungsreservoir. Wer dann hergeht und die Fl\u00e4che vielleicht eins\u00e4t, um Bodenabtrag zu verhindern, der schafft aufgrund der hohen N\u00e4hrstoffmobilisierung auf der Brandfl\u00e4che beste \u00c4sungsfl\u00e4chen f\u00fcr Wiederk\u00e4uer \u2013 genau so wie die Hirten in der Bronzezeit. Was vielleicht gut gemeint ist, kann das Aufkommen der Waldverj\u00fcngung jedoch wesentlich erschweren. Pionierh\u00f6lzer, die meist offenen Boden bevorzugen, haben in der darauffolgend oft dichten Bodenvegetation ebenso wie auch die L\u00e4rche als \u201eRohbodenkeimer\u201c wenig Chancen. Solche Fl\u00e4chen sind meist extrem schwierig zu verj\u00fcngen. Schweizer Untersuchungen zeigen jedoch, dass gerade Pioniervegetation zumindest einen Teil des Verbissdruckes abfangen kann. Auf einer 50 Hektar gro\u00dfen subalpinen Brandfl\u00e4che in einem Fichten-Zirben-Wald oberhalb von M\u00fcstair im Engadin wurden Verbissbaumarten sogar gezielt gepflanzt, um Wildverbiss von den frisch gepflanzten B\u00e4umen abzuhalten. Mit diesen Ma\u00dfnahmen gelang es in den ersten Jahren, Rot- und Rehwild von den gepflanzten B\u00e4umen abzulenken. Verbissen wurden haupts\u00e4chlich Laubh\u00f6lzer, Nadelh\u00f6lzer kaum. Holunder und Vogelbeere sind in M\u00fcstair vollst\u00e4ndig verbissen worden, Aspen und diverse Weiden zu \u00fcber 50 Prozent. Dazu wurde auf die Schlagr\u00e4umung bewusst verzichtet, nur Steige und Wildwechsel wurden freiger\u00e4umt, damit das Wild die Fl\u00e4chen schneller durchqueren kann. Nach f\u00fcnf Jahren ist der Schutz durch das liegen gelassene Holz unwirksam geworden und eine gezielte Bejagung des Rehwildes wurde n\u00f6tig.&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Der Brand in M\u00fcstair hat 1983 den gesamten Jungwuchs vernichtet und gro\u00dfteils sogar Humusauflagen und organische Bestandteile des Bodens zerst\u00f6rt. Die Schweizer interessierte hier der Vergleich zwischen nat\u00fcrlicher und k\u00fcnstlich eingebrachter Verj\u00fcngung. Die Aufforstung erfolge in Rotten, das hei\u00dft, in Gruppen von bis zu 20 B\u00e4umen. \u00dcber alle Baumarten summiert hatte die nat\u00fcrliche Verj\u00fcngung zehn Jahre nach dem Brand die Aufforstung zahlenm\u00e4\u00dfig eingeholt. Bei der nat\u00fcrlichen Verj\u00fcngung \u00fcberwog das Laubholz stark, bei der Pflanzung hingegen das Nadelholz. Vergleichen wir nur die Nadelholzarten, so ben\u00f6tigte die Naturverj\u00fcngung 16 Jahre, um mit der Aufforstung gleichzuziehen. Nach 24 Jahren waren die mittleren Baumh\u00f6hen der aufgeforsteten Pflanzen aber immer noch deutlich gr\u00f6\u00dfer als der Durchschnitt der etwas j\u00fcngeren, nat\u00fcrlich verj\u00fcngten B\u00e4ume. Die Aufforstung war ein Wegbereiter, quasi ein Vorbau f\u00fcr die nat\u00fcrliche Verj\u00fcngung. Nach 25 Jahren war die Brandfl\u00e4che in M\u00fcstair weitgehend bestockt und die Wiederbewaldung gesichert.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Der Standort spielt im Zuge der Wiederbewaldung eine entscheidende Rolle. Auf schattigen Nordh\u00e4ngen kommt die Verj\u00fcngung viel reichhaltiger und schneller als auf trockenen S\u00fcdh\u00e4ngen. Dasselbe gilt f\u00fcr tiefere Lagen im Vergleich mit Hochlagen. Damit f\u00e4llt der Wildverbiss je nach Standort auch ganz unterschiedlich ins Gewicht. F\u00fcr die Biodiversit\u00e4t stellt ein Waldbrand hierzulande keine Katastrophe dar. Die neu entstandenen Lebensr\u00e4ume werden rasch besiedelt. Brandfl\u00e4chen kommen vor allem Tier- und Pflanzenarten offener Lebensr\u00e4ume zugute. Sie sind heute vielerorts ohnehin selten geworden. Kleinere Brandfl\u00e4chen kann man also durchaus auch einmal sich selbst \u00fcberlassen, die Natur wei\u00df sich schon selbst zu helfen. In Zukunft wird es aber nicht nur im S\u00fcden, sondern auch im Zentrum Europas h\u00e4ufiger brennen. Der Mensch hat \u00fcber Klimawandel und Landnutzung Bedingungen geschaffen, die dem Feuer heute eine Macht verleihen, die es bisher noch nie gehabt hat. In Australien brennen riesige Buschfeuer, Feuer in den Tropen und Subtropen zerst\u00f6ren dort ebenso Waldfl\u00e4chen wie im borealen Nadelwaldg\u00fcrtel. Wissenschaftler sprechen von einem neuen Zeitalter \u2013 dem \u201ePyroz\u00e4n\u201c. Das Z\u00fcndholz h\u00e4lt meist ein Mensch in der Hand \u2013 es liegt also fast immer an uns, wenn der Hut brennt.<\/p><p style=\"text-align:right;\"><em>Hubert Zeiler<\/em><\/p>"}}]}