{"identifier":"924fc813-eb94-4f97-bc82-562bde1ae416","nodeType":"Inoovum.Site:Document.App.Article","properties":{"title":"\u201eHundemalaria\u201c breitet sich aus","subTitle":"Die Babesiose ist vielen Hundehaltern bisher kaum bekannt, obwohl sie lebensbedrohlich f\u00fcr die Tiere verlaufen kann. Diese Parasitose der roten Blutk\u00f6rperchen sowie damit einhergehende Intensivbehandlungen von Hunden nehmen in Mitteleuropa deutlich zu. Fr\u00fcher war sie vor allem als (Jagd-)Reisekrankheit oder bei importierten Hunden bekannt.","teaserText":null,"uriPathSegment":"hundemalaria-breitet-sich-aus","dateTime":{"date":"2026-07-29 02:00:00.000000","timezone_type":3,"timezone":"Europe\/Berlin"},"images":[],"categories":[{"identifier":"aff27094-6b27-4f5b-9bd4-bfadbb2b7fba","title":"Im Revier"}],"categories2":[{"identifier":"c3a14aa2-b454-4f9f-866b-076dd835eaa5","title":"Wildtiergesundheit"}],"public":null},"childNodes":[{"identifier":"74edbcf2-b1f9-40dc-a6d0-61e133e2d185","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/assets.inoovum.io\/_Resources\/Persistent\/6edc1e4931ac5947749f02900e1df25f85eb543d\/e19fd3c92ee1937a122d19c1b6d237ccd6352488\/Aktuelles_1800x1200_Hundemalaria-1024x683.jpg","caption":""}},{"identifier":"2f9c5abd-afc8-4139-8e38-18577b1f9eff","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p style=\"text-align:justify;\">Die Babesiose oder Piroplasmose der Hunde, umgangssprachlich auch \u201eHundemalaria\u201c genannt, ist eine potenziell lebensbedrohliche Parasitose, die vermutlich auch wegen der Ausbreitung der beiden Haupt\u00fcbertr\u00e4ger, der Auwaldzecke und der Braunen Hundezecke, bei uns zunimmt. Urspr\u00fcnglich kam die Auwaldzecke vor allem in S\u00fcd- und Osteuropa vor, seit einigen Jahren breitet sie sich in Mitteleuropa aus. Sie ist mit bis zu f\u00fcnf Millimetern etwas gr\u00f6\u00dfer als der Gemeine Holzbock, unsere h\u00e4ufigste Zeckenart. Vollgesogene Weibchen messen bis zu 1,6 Zentimeter K\u00f6rperl\u00e4nge. In milden Wintern ist die Auwaldzecke bis in den Januar\/Februar hinein aktiv und schon im M\u00e4rz kann sie ihre Winterstarre verlassen, wenn die Temperaturen langfristig \u00fcber 3\u00b0 C steigen, weshalb sie auch als \u201eWinterzecke\u201c bezeichnet wird. Empfindlicher reagiert sie auf Trockenheit und Hitze. Endwirte der Auwaldzecke sind viele Wild- und Nutztierarten, der Mensch wird nur sehr selten befallen. Zu den beliebtesten Habitaten dieser Zeckenart z\u00e4hlen Wald- und Wegr\u00e4n-<br>der sowie Auw\u00e4lder.&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Die k\u00e4lteempfindliche Braune Hundezecke ist in Mitteleuropa noch selten, ihr Verbreitungsgebiet reicht aber bis in die Schweiz, S\u00fcdtirol und \u00d6sterreich s\u00fcdlich der Alpen, weitverbreitet ist sie im Mittelmeerraum und in Nordafrika. Zu uns wird diese Zeckenart \u00fcber Hunde, die in den Urlaub beziehungsweise auf Jagdreisen mitgenommen oder aus S\u00fcdeuropa zugekauft werden, eingeschleppt. Nach der Einschleppung halten sich diese w\u00e4rmeliebenden Zecken in Wohnungen, Zwingern, Tierheimen, Hundeboxen oder isolierten Hundeh\u00fctten auf.<\/p><p><strong>Erreger leben in Blutk\u00f6rperchen<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Babesien sind mikroskopisch kleine Parasiten, die rote Blutk\u00f6rperchen befallen, sich dort vermehren und dadurch die roten Blutk\u00f6rperchen zum Platzen bringen. Die austretenden Babesien befallen in der Folge weitere rote Blutk\u00f6rperchen. Die zunehmende Zerst\u00f6rung der Erythrozyten tr\u00e4gt dazu bei, dass der Hund an einer Blutarmut leidet. Mittlerweile sind durch neue Diagnoseverfahren zumindest neun verschiedene Erregerspezies beim Hund bekannt, die in gro\u00dfe (wie Babesia canis) und kleine Babesienarten (wie Babesia gibsoni) unterschieden werden. Das ist auch f\u00fcr die Therapie relevant, da sich Infektionen mit kleinen Arten schwerer behandeln lassen. Babesienarten vom Rind und von Nagetieren k\u00f6nnen selten auch Erkrankungen beim Menschen ausl\u00f6sen, Babesien des Hundes sind hingegen keine Zoonoseerreger. Die \u00dcbertragungszeit von Babesien von der Zecke auf den Hund betr\u00e4gt wenige Stunden bis rund zwei Tage. Nach weiteren sieben bis \u200a20 Tagen treten dann Krankheitssymptome auf.&nbsp;<\/p><p><strong>Symptome<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">In der Regel verl\u00e4uft die Erkrankung akut und f\u00fchrt, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird, bis zu Multiorganversagen und Tod. Typische klinische Symptome sind Mattigkeit, hohes Fieber, starker Durst, Appetitlosigkeit, blasse Schleimh\u00e4ute infolge einer Blutarmut sowie dunkel verf\u00e4rbter Harn durch ausgeschiedenen Blutfarbstoff und rascher Konditions- und Gewichtsverlust. Ein chronischer Krankheitsverlauf ist vor allem bei Infektionen mit kleinen Babesien beschrieben und \u00e4u\u00dfert sich durch&nbsp;geschw\u00e4chte und abgemagerte Tiere mit Fiebersch\u00fcben, Apathie und Blutarmut \u00fcber Monate. Ist im Laufe der Erkrankung das zentrale Nervensystem betroffen, kommt es zu L\u00e4hmungserscheinungen, Bewegungsst\u00f6rungen oder epileptischen Anf\u00e4llen. Schreitet die Erkrankung fort, kann es zus\u00e4tzlich zu einem akuten Nierenversagen oder blutigem Durchfall kommen.<\/p><p><strong>Behandlung<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Die Behandlung und der Behandlungserfolg sind stark abh\u00e4ngig von der Babesien-art, mit der der Hund angesteckt wurde. Der Krankheitsverlauf kann zudem durch Begleiterkrankungen verkompliziert werden. Die Behandlungsma\u00dfnahmen werden dadurch erschwert, dass geeignete Pr\u00e4parate zur Therapie in \u00d6sterreich und Deutschland nicht zugelassen sind und \u00fcber eine Genehmigung importiert werden m\u00fcssen. Eine unterst\u00fctzende Therapie mit Infusionen, Bluttransfusion oder gerinnungsstabilisierende Behandlungen sowie eine station\u00e4re Aufnahme sind bei schweren Babesiose-Infektionen erforderlich.&nbsp;<\/p><p><strong>Rat zu ganzj\u00e4hrigem Zeckenschutz<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Neben t\u00e4glicher Kontrolle des Hundes und Entfernung vorhandener Zecken sind&nbsp; Mittel zur Bek\u00e4mpfung von Milben und Zecken zur Verhinderung eines Zeckenbefalles geeignet. Da die Auwaldzecke auch in milden Wintern aktiv sein kann, wird \u2013&nbsp;<br>zumindest in Gebieten, in denen schon Babesiose-F\u00e4lle bei Hunden aufgetreten sind \u2013 ein ganzj\u00e4hriger Zeckenschutz empfohlen. Zeckenschutz gibt es in Form von Halsb\u00e4ndern, Tropfen, (Kau-)Tabletten oder als Injektion. F\u00fcr Hausmittel wie Kokos\u00f6l, Knoblauch oder \u00e4therische \u00d6le ist eine zuverl\u00e4ssige Wirkung nicht belegt.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Die Wirkung von Anti-Zecken-Mitteln beruht auf unterschiedlichen Effekten: Der Parasit wird vom behandelten Wirt ferngehalten; er wird davon abgehalten, den Wirt zu stechen; er wird gel\u00e4hmt oder get\u00f6tet.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Zu den&nbsp;Akarizid-Halsb\u00e4ndern f\u00fcr Hunde mit Wirkung gegen Zecken und Zulassung in Deutschland und \u00d6sterreich geh\u00f6ren beispielsweise Scalibor\u00ae (Wirkstoff Deltamethrin, Wirkungsdauer f\u00fcnf bis sechs Monate) oder Seresto\u00ae (Wirkstoff Flumethrin\/Imidacloprid, Wirkungsdauer sieben bis acht Monate). Zudem gibt es eine Reihe von Spot-on-Produkten, die \u00fcblicherweise alle vier Wochen auf den Hund aufgebracht werden. Bei&nbsp;Reisen in Babesiose-Risikogebiete sollte eine Behandlung im 14-t\u00e4gigen Rhythmus erfolgen. Mittlerweile sind auch orale Anti-Zecken-Mittel als Kautabletten f\u00fcr Hunde verf\u00fcgbar. Es handelt sich hierbei um systemische Akarizide der Wirkstoffklasse der Isoxazoline. Aktuell sind vier zugelassene Wirkstoffe f\u00fcr den Hund erh\u00e4ltlich. Je nach Wirkstoff h\u00e4lt die Wirkung gegen Zecken vier bis zw\u00f6lf Wochen an und besitzt abh\u00e4ngig vom Wirkstoff eine Abt\u00f6tungsgeschwindigkeit bei Zecken zwischen acht und 48 Stunden.&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:right;\"><em>Dr. Armin Deutz<\/em><\/p>"}}]}