{"identifier":"3194748b-c792-414b-b0ac-41d88d13f133","nodeType":"Inoovum.Site:Document.App.Article","properties":{"title":"Wozu Biodiversit\u00e4t im Wald?","subTitle":"Vom Wienerwald im Osten bis zum Bregenzerwald im Westen unterscheiden wir in \u00d6sterreich 125 verschiedene Waldgesellschaften. Das sind Pflanzengemeinschaften, die von einer oder mehreren Baumarten dominiert werden. Das stellt die Basis f\u00fcr die m\u00f6gliche Artenvielfalt von Wildtieren dar.","teaserText":null,"uriPathSegment":"wozu-biodiversitaet-im-wald","dateTime":{"date":"2026-07-28 02:00:00.000000","timezone_type":3,"timezone":"Europe\/Berlin"},"image":"https:\/\/assets.inoovum.io\/_Resources\/Persistent\/6edc1e4931ac5947749f02900e1df25f85eb543d\/eb7eed606db4df89a90efe28765b20efe8ba8f79\/Bilder_1200x616_Zeiler_01-1024x526.jpg","images":[],"categories":[{"identifier":"aff27094-6b27-4f5b-9bd4-bfadbb2b7fba","title":"Im Revier"}],"categories2":[{"identifier":"dbe6ddd5-a55e-454f-b8b9-ffd1af98f948","title":"Sukzession \u2013\u00a0alles Leben ist Ver\u00e4nderung"}],"public":null},"childNodes":[{"identifier":"5b2f415b-c0f5-4195-83bf-4774606811e8","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p style=\"text-align:justify;\">Von allen Lebensr\u00e4umen an Land beherbergen W\u00e4lder die h\u00f6chste Artenvielfalt. Der \u00fcberwiegende Teil aller Wirbeltiere in n\u00f6rdlichen und gem\u00e4\u00dfigten Breiten nutzt Waldhabitate. W\u00e4lder bedecken beinahe die H\u00e4lfte der Landesfl\u00e4che \u00d6sterreichs. Damit wird deutlich: Rund um die Artenvielfalt haben W\u00e4lder eine enorm gro\u00dfe Bedeutung. Den weitaus \u00fcberwiegenden Teil der Waldfl\u00e4che nutzt und gestaltet die Forstwirtschaft. \u201eBiodiversit\u00e4t\u201c war dabei im letzten halben Jahrhundert eher ein Randthema. Das \u00e4ndert sich zunehmend.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Produktion und Nutzung von Holz stehen nach wie vor im Zentrum. In der Vergangenheit waren Erschlie\u00dfung, Entwicklung moderner Forsttechnik, Nutzungs- und Verj\u00fcngungsverfahren, Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung sowie Zuwachs- und Massenleistungen einzelner Baumarten zentrale Themen. Klimatische Ver\u00e4nderungen, Sturm und Borkenk\u00e4fer bringen jedoch zunehmend Aufgaben und Motive rund um die Artenvielfalt aufs Tapet. Immer mehr Gewicht erh\u00e4lt dabei die Frage: Wie kann Waldwirtschaft so ausgerichtet werden, dass dabei Biodiversit\u00e4t erhalten und gef\u00f6rdert wird? Ein neu erschienener Leitfaden zum Thema \u201eHolzernte und Biodiversit\u00e4t\u201c liefert eine praktische Grundlage daf\u00fcr.&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">&nbsp;<\/p><p><strong>Baukasten<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Auf die Frage \u201eWozu Biodiversit\u00e4t im Wald?\u201c hat Aldo Leopold bereits vor 100 Jahren eine einfache Antwort gegeben. Leopold \u2013 Forstmann und Wildbiologe \u2013 hat gemeint:&nbsp; \u201e\u2026 ein intelligenter Bastler schaut drauf, dass er von seinem Baukasten nichts verliert.\u201c Neben der Zahl der Arten geht es auch um die genetische Variation innerhalb von Populationen und auch um Diversit\u00e4t \u2013 also die Vielfalt innerhalb von Lebensgemeinschaften und \u00d6kosystemen. Rund um die Auswirkung von h\u00f6heren Temperaturen und Wassermangel auf bestimmte Baumarten kommt der genetischen Anpassung eine zentrale Rolle zu. B\u00e4ume sind Lebewesen, die mehrere Hundert Jahre leben. In diesen Zeitr\u00e4umen ver\u00e4ndern sich Umweltbedingungen, wodurch wiederum die Aktivit\u00e4t der Gene beeinflusst und ver\u00e4ndert wird. Diese Ver\u00e4nderungen finden bei B\u00e4umen ebenso wie bei Wildtieren und auch beim Menschen statt. Ein Beispiel ist die zunehmende Vorverlegung der Setzzeit beim Rotwild.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Wenn rund die H\u00e4lfte der Landesfl\u00e4che \u00d6sterreichs bewaldet ist, dann hei\u00dft das, beinahe in jedem Jagdrevier gibt es auch einen Flecken Wald. Die meisten Reviere im Alpenraum haben hohe Waldanteile. Rund 40 Prozent der Alpen sind von W\u00e4ldern bedeckt. Mit den Alpen verbinden viele zwar Berge und Gipfel, die Alpen sind jedoch ein \u201eWaldland\u201c. Der Wald nimmt den gr\u00f6\u00dften Fl\u00e4chenanteil ein. Das betrifft damit immer auch Wildtierlebensr\u00e4ume. Vom Wienerwald im Osten bis zum Bregenzerwald im Westen unterscheiden wir in \u00d6sterreich 125 verschiedene Waldgesellschaften. Das sind Pflanzengemeinschaften, die von einer oder mehreren Baumarten dominiert werden. In die Beschreibung dieser Gesellschaften werden typische Waldbodenpflanzen miteinbezogen. Das gibt einen ersten Einblick in die Vielfalt der W\u00e4lder \u2013 auch wenn diese h\u00e4ufig durch die forstliche Nutzung \u00fcberpr\u00e4gt sind. Unter diese Waldgesellschaften fallen zum Beispiel Fichten-Tannen-Buchen-W\u00e4lder, Eichen-Hainbuchen-W\u00e4lder, subalpine Fichtenw\u00e4lder oder L\u00e4rchen-Zirben-W\u00e4lder. Der l\u00fcckige L\u00e4rchen-Zirben-Wald mit Heidelbeere und Almrausch bietet gute Sommerlebensr\u00e4ume f\u00fcr Hirsch, Reh und Gams. Auerwild, Schneehase und Raufu\u00dfkauz sind hier ebenfalls daheim \u2013 Wildverbiss spielt in der Regel eine geringe Rolle. Der montane Fichten-Tannen-Buchen-Wald vertr\u00e4gt weniger Schalenwild \u2013 h\u00f6here Wilddichten k\u00f6nnen hier rasch zum Ausfall der Tanne f\u00fchren. Durch die Forstwirtschaft wurden viele dieser Best\u00e4nde in der Vergangenheit stark zugunsten der Fichte \u00fcberpr\u00e4gt. Dem Einfluss des Schalenwildes wie auch der Bedeutung der Jagd kommt demnach je nach Waldgesellschaften, die ein Revier einschlie\u00dft, ganz unterschiedliche Bedeutung zu. Innerhalb der gro\u00dfen Waldregionen gibt es in Eu-ropa ann\u00e4hernd tausend nat\u00fcrliche Waldgesellschaften. Damit wird rasch deutlich: Wer nur vom Wald-Wild-Konflikt spricht, der l\u00e4sst vieles unter den Tisch fallen.<\/p>"}},{"identifier":"0ab8afc1-dfd6-422a-b012-d666db4aa8f9","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/assets.inoovum.io\/_Resources\/Persistent\/6edc1e4931ac5947749f02900e1df25f85eb543d\/c3dc9f5f4aaf4ce5ef968db16fc78bd6988e277b\/Bilder_1200x616_Zeiler_02-1024x526.jpg","caption":"<p>Der Einsatz von unterschiedlichen Nutzungs- und Verj\u00fcngungsverfahren bei der Holzernte gew\u00e4hrt eine Vielfalt an m\u00f6glichen Eingriffen, die auch lichtbed\u00fcrftigen Tier- und Pflanzenarten zugutekommt.&nbsp;<\/p>"}},{"identifier":"d8b80e8e-9c2e-4f25-8d88-50f5bb25e7a0","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p><strong>Zahlen<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">\u00d6sterreichs W\u00e4lder beherbergen heute noch immer 67.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten, darunter 65 Baumarten und 40.000 Insekten. In 200 Naturwaldreservaten werden rund 9.000 ha Wald einer nat\u00fcrlichen Entwicklung \u00fcberlassen. Die Zahl der B\u00e4ume im Land \u00fcbertrifft die Zwei-Milliarden-Marke. Wer immer hier gez\u00e4hlt oder hochgerechnet hat, Aufz\u00e4hlungen dieser Art sollen zun\u00e4chst einmal die Bedeutung dieses Lebensraumes untermauern. Zusammengefasst beherbergen W\u00e4lder die meisten Arten, aber auch die meisten Biotoptypen in \u00d6sterreich. Das ergibt sich allein aus der Fl\u00e4che, die der Wald einnimmt. \u201eBiotoptypen\u201c fassen \u00e4hnliche Lebensr\u00e4ume oder Landschaftseinheiten zusammen. Um hier nochmals zwei Zahlen einzuwerfen: Es gibt in \u00d6sterreich insgesamt \u00fcber 500 verschiedene Biotoptypen. Das reicht von der Au \u00fcber Ackerland, Streuobstwiesen, Brachfl\u00e4chen, Hecken, Strauchg\u00fcrtel oder Fettwiesen bis zu den unterschiedlichen Almen. Der Mensch ordnet und teilt ein. In den W\u00e4ldern werden 93 verschiedene Lebensraumtypen unterschieden. Damit kommen wir den Anspr\u00fcchen von Wildtieren nun schon etwas n\u00e4her \u2013 auch wenn Pflanzengesellschaften meist die Richtung vorgeben. Eine Einteilung nach Tragf\u00e4higkeit, Lebensraumqualit\u00e4t und Bedeutung f\u00fcr bestimmte Wildarten k\u00f6nnte im Kontext mit den Zielen der Landnutzung eine wertvolle Grundlage im ewigen Diskurs rund um das Wald-Wild-Thema sein. Damit fehlt aber immer noch der letzte Schritt, um Lebensr\u00e4ume f\u00fcr Wildtiere zu erfassen, zu bewerten und schlussendlich zu erhalten. Die aktuelle Ausweisung von Vorrang- und Eignungszonen f\u00fcr den Ausbau der Windenergie im Bergland zeigt anschaulich, welche Bedeutung diesem Wissen um die Habitatanspr\u00fcche einzelner Wildarten heute und wohl auch in Zukunft zukommt. Einerseits soll der Ausbau erneuerbarer Energietr\u00e4ger gef\u00f6rdert, andererseits soll die Biodiversit\u00e4t erhalten werden. Beide Ziele sind in nationalen Strategiepapieren festgehalten. Windparks im Auer- oder Birkwildlebensraum kollidieren immer wieder mit den Lebensraumanspr\u00fcchen dieser Wildarten. Ein Ausbau ist daher nicht \u00fcberall m\u00f6glich. Ausgleichs- und Ersatzma\u00dfnahmen f\u00fcr den Verlust oder die Beeintr\u00e4chtigung von Lebensr\u00e4umen sind ein zentrales Thema, denn die Anlagen werden zunehmend in Wald\u00f6kosystemen errichtet. Der Begriff \u201eLebensraum\u201c ist dabei zu wenig zielsicher. Worum geht es also, wenn wir von Wildtierlebensr\u00e4umen sprechen?<\/p><p style=\"text-align:justify;\">&nbsp;<\/p><p><strong>Das Habitat<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Brenda McComb war Professorin im Department f\u00fcr Wald\u00f6kosysteme und Gesellschaft an der Oregon State University. Sie hat zahlreiche Artikel verfasst, die sich mit Themen zu Wald- und Wildtier\u00f6kologie sowie Lebensraum und Lebensraummanagement auseinandersetzen. Eines ihrer B\u00fccher tr\u00e4gt den Titel \u201eWildlife habitat management\u201c. Darin stellt sie gleich zu Beginn die Frage: Was ist ein Habitat?&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Jede Art \u2013 jeder Pilz, jede Pflanze, jedes Tier \u2013 ben\u00f6tigt ein spezifisches Habitat \u2013 oder je nach Jahreszeit gleich mehrere davon. Pilze bilden Lebensgemeinschaften mit bestimmten Baumarten, Pflanzen brauchen einen geeigneten Standort, der ihnen gute Wuchsbedingungen bietet, und Tiere sind angewiesen auf Setzeinst\u00e4nde, Nistpl\u00e4tze, Brunftpl\u00e4tze, \u00c4sungsfl\u00e4chen, Balzpl\u00e4tze, Jungenaufzuchtgebiete, Deckung und Einstand. Der Begriff Habitat leitet sich vom lateinischen \u201ehabitare\u201c f\u00fcr bewohnen ab. Das Habitat ist demnach ein Wohnplatz. Es bezieht sich konkret auf die Lebensbed\u00fcrfnisse einer Art. Der Wald als Lebensraum kann viele Habitate beherbergen. Das kann ein St\u00fcck totes Eichenholz f\u00fcr eine Hirschk\u00e4ferlarve sein, das kann eine Dickung mit ein paar Erlen oder Weiden sein, die im Winterlebensraum eines Haselhuhnes Nahrung bieten. Sind die Erlen weg, geht das Winterhabitat verloren, fehlt der vermodernde liegende Eichenstamm, fehlt auch der Hirschk\u00e4fer. McComb vereinfacht die Zusammenh\u00e4nge dahingehend, indem sie festh\u00e4lt, dass Habitate jene Menge an notwendigen Ressourcen bieten, um \u00fcber das Einzeltier hinaus Populationen oder Best\u00e4nde \u00fcber Raum und Zeit hinweg zu erhalten. Ein Vergleich macht deutlich, was gemeint ist: Die Stadt bietet Lebensraum f\u00fcr viele Menschen. Jeder von ihnen braucht eine Wohnung, Heizung, Nahrung, Verkehrswege, Schulen, Arbeitspl\u00e4tze und Erholungsr\u00e4ume \u2013 das ist nur ein kleiner Ausschnitt, denn je nach Alter wechseln die Bed\u00fcrfnisse, die abgedeckt werden m\u00fcssen. Auch die Anspr\u00fcche von Wildtieren lassen sich nicht auf Deckung und Nahrung reduzieren. Die Nahrungsgrundlage ist zwar ein zentraler Dreh- und Angelpunkt, Sicherheit, Ruhe, Komfortverhalten, Sozialverhalten umfassen jedoch ein weit breiteres Spektrum an Anspr\u00fcchen, die ein gutes Habitat bietet. Im Wald ist die Habitatqualit\u00e4t oft gar nicht so leicht zu erkennen. Woran kann man sich also orientieren?<\/p>"}},{"identifier":"9cdf705e-54a7-4154-a027-61c6df68c2ab","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/assets.inoovum.io\/_Resources\/Persistent\/6edc1e4931ac5947749f02900e1df25f85eb543d\/e0b419b36201d9894ba41aa471b2020de191f546\/Bilder_1200x616_Zeiler_03-1024x526.jpg","caption":"<p>Dem Einfluss des Schalenwildes wie auch der Bedeutung der Jagd kommt je nach Waldgesellschaften, die ein Revier einschlie\u00dft, ganz unterschiedliche Bedeutung zu.&nbsp;<\/p>"}},{"identifier":"fd79ce2b-06dd-4eb0-9641-dee4f75c052c","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p><strong>Drei Typen<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Vereinfacht kann zwischen drei Typen von Wildtieren im Wald unterschieden werden. Sie verfolgen unterschiedliche Strategien. Es gibt Tierarten, die m\u00f6glichst konstante Habitatbedingungen brauchen. Sie ziehen den \u201eInnenwald\u201c vor, das sind meist Altholzbest\u00e4nde mit geringerem Nahrungs-angebot. Dazu geh\u00f6ren Schwarzspecht, Waldkauz, Baummarder, Habicht, Feuersalamander oder Hirschk\u00e4fer. Daneben gibt es jene Arten, die als eher kurzlebige Generalisten gerne St\u00f6rungsfl\u00e4chen mit hohem Nahrungsangebot besiedeln. Sie werden auch als \u201eKatastrophenarten\u201c bezeichnet. Spitz- und W\u00fchlm\u00e4use, Zaunk\u00f6nig, Zilpzalp, Waldeidechse, Haselhuhn oder Rehwild z\u00e4hlen dazu. In die dritte Kategorie fallen Tierarten, die Waldl\u00fccken bevorzugen. W\u00e4lder mit Altholz, Verj\u00fcngungsinseln, R\u00e4ndern und Lichtungen erm\u00f6glichen diesen \u201eGrenzg\u00e4ngern\u201c den Wechsel zwischen unterschiedlichen Habitatteilen. Auch sie sind von St\u00f6rungsfl\u00e4chen abh\u00e4ngig. Auerhuhn, Habichtskauz, Dachs, Wildkatze, Waldmaus, Siebenschl\u00e4fer, Waldameisen und eine Reihe von typischen Waldschmetterlingen z\u00e4hlen dazu. Das ist eine grobe Einteilung, Opportunisten wie Reh oder Rotfuchs k\u00f6nnen dazwischen wechseln, dennoch gibt die Gliederung eine Vorstellung davon, wo der Schwerpunkt der Lebensraumnutzung einzelner Arten liegt. Dabei geht der Lebensraumverlust des einen immer wieder auch auf Kosten des anderen.&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">&nbsp;<\/p><p><strong>Stabilit\u00e4t und Gleichgewicht<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Die Forderung nach Stabilit\u00e4t oder das Streben nach Gleichgewicht mit einem Klimaxstadium im Dauerwald wurde \u00fcber lange Zeit als ideales waldbauliches Nutzungskonzept verfolgt. Auch wenn in der Praxis kaum umgesetzt, Ziel waren jedenfalls stabile W\u00e4lder mit konstanten, nachhaltigen Holzertr\u00e4gen. St\u00f6rungen sollten mit dem Dauerwaldkonzept m\u00f6glichst vermieden oder vermindert werden. Tats\u00e4chlich steht das im Widerspruch zu den heutigen Erkenntnissen \u00fcber die Bedeutung und den Einfluss von nat\u00fcrlichen St\u00f6rungen in Wald\u00f6kosystemen. St\u00f6rereignisse wie Windwurf, Schneebruch, Borkenk\u00e4fer, Feuer oder Lawinen sind sowohl auf Bestandesebene als auch gro\u00dffl\u00e4chig \u201eImpulsgeber\u201c f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t in mitteleurop\u00e4ischen W\u00e4ldern. Sie k\u00f6nnen die gerichtete Waldsukzession jederzeit unterbrechen. Die angestrebte Entwicklung von der Verj\u00fcngungsphase \u00fcber Dickung und Stangenholz zur Optimalphase ist also um die zuf\u00e4llige St\u00f6rungskomponente zu erweitern. St\u00f6rungen im Wirtschaftswald erfolgen aber auch ohne Sturm und Borkenk\u00e4fer \u00fcber die Holznutzung regelm\u00e4\u00dfig in kurzen Zeitr\u00e4umen. Der Einsatz von unterschiedlichen Nutzungs- und Verj\u00fcngungsverfahren gew\u00e4hrt dabei eine Vielfalt an m\u00f6glichen Eingriffen, die auch lichtbed\u00fcrftigen Arten zugutekommt. Allein naturnaher Waldbau sichert zwar unsere W\u00e4lder und damit den fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dften Lebensraum- oder Landschaftstyp, er nivelliert jedoch oft durch kurze Umtriebszeiten und F\u00f6rderung von wenigen Zielbaumarten. Dadurch vermag er auch nur teilweise jene Bedingungen zu schaffen, die von zentraler Bedeutung f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t im Wald sind. Etwa 90 Prozent der B\u00e4ume in \u00d6sterreichs W\u00e4ldern erreichen nie ihre nat\u00fcrliche Altersgrenze. Es fehlt die Alters- und Zerfallsphase mit ihren Biotopb\u00e4umen, Altholzinseln, mit stehendem und liegendem Totholz, Grenzlinien, einem Mosaik aus verschiedenen Vegetationstypen und einem reichen Nischenangebot. Durch all diese Elemente wird die Vielfalt an Lebensr\u00e4umen im Wald vergr\u00f6\u00dfert.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Stabile W\u00e4lder werden nach wie vor das Ziel jeder Forstwirtschaft sein \u2013 und das soll auch so bleiben. Dar\u00fcber hinaus geht es um die Erhaltung einer funktionsf\u00e4higen und produktiven Landschaft als Lebensgrundlage f\u00fcr Mensch und Tier. Wir wissen heute sehr gut, welche Naturwaldelemente fehlen und wie sie gef\u00f6rdert werden k\u00f6nnen. Der zu Beginn erw\u00e4hnte Leitfaden von BIOSA (Biosph\u00e4re Austria) und Partnern gibt dazu grundlegende Hinweise. Dazu kommt, dass einzelne Waldbesitzer ihren Fokus auch auf bestimmte Wildarten legen, wenn sie ihren Wald bewirtschaften. Auerhuhn und Haselhuhn sind bekannte Beispiele. Dienen sie als Ziel- oder Leitarten, k\u00f6nnen damit gesamte Lebensgemeinschaften gef\u00f6rdert oder unterst\u00fctzt werden. Das reicht von der Roten Waldameise bis zum Sperlingskauz beim Auerhuhn und betrifft vor allem Pionierh\u00f6lzer beim Haselhuhn.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Dynamische Entwicklungen werden mittel- und langfristig viel wichtiger als kurzfristiges Konservieren eines derzeit akzeptierten Zustandes, denn durch das Streben nach einem vermeintlichen Gleichgewicht wird allzu schnell festgelegt, wie die Natur in unserem Sinne sein soll. Wolfgang Scherzinger \u2013 heute einer der bekanntesten Wald\u00f6kologen Deutschlands \u2013 hielt bereits vor Jahren fest, dass Naturschutz immer auch eine kulturelle Leistung ist. Sie orientiert sich am gesellschaftlichen Wertesystem. Scherzinger macht dabei deutlich, dass das Engagement vor allem von emotionalen Motiven angetrieben wird. Auch wenn sich Motivation und Ansichten unterscheiden, spielt in der Jagd das emotionale Moment jedenfalls eine zentrale Rolle, wenn es um den Schutz und die Erhaltung von Lebensr\u00e4umen geht. Das ist zwar oft schwer zu vermitteln und wird meist zu wenig gesch\u00e4tzt, aber J\u00e4ger als Lebensraumpartner bieten ein erhebliches Potenzial, das \u2013 wenn auch recht vielgestaltig \u2013 gro\u00dfe R\u00e4ume abdeckt. Wissen, Kontakte, Arbeitspotenzial ebenso wie Mitteleinsatz sind einige Schlagworte dazu. Aus der Nutzung nehmen stellt in einer Kulturlandschaft ebenso wie der R\u00fcckzug ins Reservat keine L\u00f6sung dar. Vielmehr braucht es eine Vielfalt von Konzepten, die nat\u00fcrliche Abl\u00e4ufe und Ereignisse in die Landnutzung miteinbeziehen. Allm\u00e4hlich entstehen Leitlinien daf\u00fcr. Wesentlich ist dabei immer auch die philosophische Grundlage. Vielfalt ist jedenfalls kein Indiz f\u00fcr konstante Stabilit\u00e4t und Naturn\u00e4he. Im Gegenteil, h\u00e4ufig ist sie mit St\u00f6rungen verbunden. Das kann durch Landnutzung ebenso wie durch nat\u00fcrliche Ereignisse geschehen. Windwurf, Borkenk\u00e4fer und Waldbrand haben w\u00e4hrend der letzten Jahre viele wachger\u00fcttelt. Vielleicht hatte Hannah Arendt recht, wenn sie meinte: \u201eDie Welt wird nicht von Ideen ver\u00e4ndert, sondern von Ereignissen.\u201c<\/p><p style=\"text-align:right;\"><em>Hubert Zeiler<\/em><\/p>"}},{"identifier":"ee5104cd-b8f0-4836-ae80-580051d5adb8","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p><em>Download-Tipp: In diesem <\/em><a href=\"https:\/\/www.biosa.at\/images\/Leitfaden-BIOSA_Holzernte_und_Biodiversitaet_FINAL_Web.pdf\"><em>Leitfaden<\/em><\/a><em> erh\u00e4lt man viele Ideen und Tipps wie man im Zuge der Nutzung die Biodiversit\u00e4t im Wald f\u00f6rdern kann.<\/em><\/p>"}}]}