{"identifier":"0931a30e-1e32-43ea-90d4-b56df7e4d191","nodeType":"Inoovum.Site:Document.App.Comment","properties":{"title":"Ohne B\u00fcchse und S\u00e4ge","subTitle":null,"teaserText":null,"uriPathSegment":"ohne-buechse-und-saege","dateTime":null,"images":[],"categories":[{"identifier":"aff27094-6b27-4f5b-9bd4-bfadbb2b7fba","title":"Im Revier"}],"categories2":[{"identifier":"0946f97e-aac5-41fc-8513-002d3a4b42c5","title":"Forstler & J\u00e4ger"}],"public":null},"childNodes":[{"identifier":"4f6dc384-516b-42c0-925e-2124cc604600","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":""}},{"identifier":"206b1b13-7757-4b32-b72c-e4da21014d4e","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p style=\"text-align:justify;\">Ab und zu gehe ich auf dem Weg ins Revier durch eine kleine Siedlung, die frisch erweitert wurde. Neue, sch\u00f6ne Fertigteilh\u00e4user mit netten G\u00e4rten und alternativ angehauchten jungen Familien \u2013&nbsp;<br>das Habitat von \u201eBio-Bernhard\u201c und \u201eDinkel-Doris\u201c. Kurzum: nicht so ganz meine Welt.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Als ich so an Windspielen und Feuerschalen entlangschleiche, spielen vor mir einige Kinder auf der Stra\u00dfe. Ich l\u00fcfte meinen Hut und gr\u00fc\u00dfe freundlich. Da fragt mich eines der M\u00e4dchen, ob sie meinen Hund streicheln darf. Nat\u00fcrlich darf sie das. Ein Bub im Volksschulalter h\u00e4lt etwas Abstand und fragt schlie\u00dflich, ob mein Gewehr echt sei. Ich bejahe es und der Kleine fragt ganz frech, ob er es einmal anfassen darf.&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Vor zwanzig Jahren h\u00e4tte ich, ohne eine Sekunde zu z\u00f6gern, die Waffe von der Schulter genommen. Jetzt stand ich da und z\u00f6gerte. Nicht das Gewehr, aber die Sache an sich k\u00f6nnte nach hinten losgehen.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Im Erzherzog-Johann-Jodler wird das \u201eknallende B\u00fcchserl\u201c noch besungen, aber heute w\u00e4re so ein Text vermutlich nicht mehr sensibel genug. Das Handwerkszeug, das den J\u00e4ger von allen anderen im Wald unterscheidet, verschwindet zunehmend aus der Darstellung jagdlichen Tuns. Freilich will niemand die Zeiten zur\u00fcck, in denen der Stutzen die ganze Jagdsaison auf der R\u00fcckbank des Autos lag oder die Dinger an der Wirts\u00adhausgarderobe hingen. Und doch sagt es einiges \u00fcber unsere Zeit aus, wenn Weidfrau und Weidmann ohne B\u00fcchserl dastehen. Der Forstpartie geht es \u00e4hnlich: Wo man fr\u00fcher mit Zugs\u00e4ge und sp\u00e4ter mit der Motors\u00e4ge posierte, werden Darstellungen mit Forstger\u00e4t oder geschl\u00e4gertem Holz immer seltener. Und wenn es um die Holzernte geht, wird sie gerne mit einem Weichmacher versehen. Da wird dann von \u201eschonender Holzernte\u201c oder \u201e\u00f6kologisch vertr\u00e4glicher Nutzung\u201c gesprochen. Es f\u00fchlt sich ein bisschen so an, als w\u00fcrde man sich fast schon kleinlaut daf\u00fcr rechtfertigen, der Natur \u00fcberhaupt etwas zu entnehmen.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Aktiv zu nutzen und das auch zu zeigen, scheint zusehends weniger opportun. Jagd und Forst haben zweifelsohne mehr zu bieten, als nur zu s\u00e4gen oder zu schie\u00dfen \u2013 und doch sind es gerade diese Aspekte, die sie von passiven Naturnutzern oder Naturschutzvereinen unterscheiden. Statt sich zu erkl\u00e4ren und um Verst\u00e4ndnis zu werben, wird darum gerittert, wer sich einem immer urbaner werdenden Publikum am besten anschmiegt. Wo ges\u00e4gt wird, fallen Sp\u00e4ne, wo geschossen wird, f\u00e4rbt es rot. Das ist dem modernen Menschen scheinbar nicht mehr zuzumuten.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Naturschutz wird oft nur noch mit Au\u00dfernutzungstellungen in Verbindung gebracht, wo doch gerade unsere multifunktionale Waldwirtschaft eine gewaltige zivilisatorische Leistung ist, auf die wir stolz sein k\u00f6nnen. Nutzung und Schutz der Lebensr\u00e4ume k\u00f6nnen Hand in Hand gehen. Doch das ist schwer zu erkl\u00e4ren und darum redet man lieber nicht \u00fcber die rund 20 Millionen Festmeter Holz, die j\u00e4hrlich nachhaltig aus unseren W\u00e4ldern kommen, oder die etwa 270.000 Rehe, die Jahr f\u00fcr Jahr in \u00d6sterreich erlegt werden. Man bringt lieber leicht verdauliche Meldungen dar\u00fcber, wie viele B\u00e4umchen gepflanzt werden, wie viele Hecken neu entstehen oder wie die Haselmaus gesch\u00fctzt wird. Die moderne Medienwelt spielt da nur zu gerne mit.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Das alles blitzte durch meinen Kopf, als ich vor dem Kind stand und nicht wusste, was ich tun sollte. Aus meiner kurzen Ratlosigkeit heraus sagte ich dem Buben, er k\u00f6nne mein Gewehr anfassen, wenn seine Mutter es erlauben w\u00fcrde. Blitzartig war er weg und kam mit seiner Mama wieder. Die war absolut tiefenentspannt, geerdet und fragte am Ende sogar, wo man denn Wildbret herbekommen k\u00f6nnte.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Und schon wurde aus der \u201eDinkel-Doris\u201c die Sonja, ihr Sohn wurde um eine Erfahrung reicher \u2013 und ein alter Grantler um ein Klischeebild im Kopf \u00e4rmer.<\/p><p style=\"text-align:right;\">&nbsp;<em>Harald Chapin<\/em><\/p>"}}]}