{"identifier":"cef7381c-c06c-49b4-a19e-179699d77a69","nodeType":"Inoovum.Site:Document.App.Article","properties":{"title":"\u00d6sterreich bietet viel Lebensraum f\u00fcr W\u00f6lfe, aber nicht \u00fcberall","subTitle":"Die R\u00fcckkehr des Wolfes ist ein europ\u00e4isches Ph\u00e4nomen. Die aktuelle Dynamik ist mittlerweile auch in \u00d6sterreich vielerorts sp\u00fcrbar. Wo es in \u00d6sterreich gute Lebensr\u00e4ume gibt und wie sich diese mit Nutztierrissen \u00fcberlagern, hat nun eine neue Studie der BOKU festgestellt.","teaserText":null,"uriPathSegment":"oesterreich-bietet-viel-lebensraum-fuer-woelfe-aber-nicht-ueberall","dateTime":{"date":"2026-10-29 01:00:00.000000","timezone_type":3,"timezone":"Europe\/Berlin"},"image":"https:\/\/assets.inoovum.io\/_Resources\/Persistent\/6edc1e4931ac5947749f02900e1df25f85eb543d\/41a19cda0061b8268322f55c8b812d6db6be0c21\/Bilder_1200x616_Kunz_01-1024x526.jpg","images":[],"categories":[{"identifier":"aff27094-6b27-4f5b-9bd4-bfadbb2b7fba","title":"Im Revier"}],"categories2":[],"public":null},"childNodes":[{"identifier":"f295c8e0-4789-4681-8d0b-fe0c8e8a4a98","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p style=\"text-align:justify;\">Die R\u00fcckkehr des Wolfes in der j\u00fcngsten Vergangenheit verlief in den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern sehr unterschiedlich. In Brandenburg etwa siedelte sich das erste Wolfspaar bereits 2007 an, die ersten Welpen wurden 2009 nachgewiesen. Knapp 20 Jahre sp\u00e4ter leben dort nun insgesamt 54 Rudel und sechs Paare auf einer Fl\u00e4che, die in etwa so gro\u00df wie Nieder- und Ober\u00f6sterreich zusammen ist. In \u00d6sterreich gibt es seit den fr\u00fchen 2000ern sporadische Wolfspr\u00e4senzen, das erste Rudel hat sich 2016 in Allentsteig etabliert. Seither sind die Nachweise stetig angestiegen, 2025 wurde mit 121 bekannten Individuen (davon sind allerdings viele Individuen durchziehende Einzeltiere, aktuell gibt es acht ans\u00e4ssige Rudel) vorl\u00e4ufig der bisherige H\u00f6chstwert erreicht. Mit den Wolfszahlen stiegen seit 2009 allerdings auch die dokumentierten Verluste an Nutztieren, vor allem in der Almwirtschaft. Nutztierrisse durch W\u00f6lfe sind kein \u00f6sterreichisches Problem, sondern stellen auch international eine Herausforderung im Umgang mit dem Wolf dar. In \u00d6sterreich wiegen sie jedoch aufgrund der Strukturierung der landwirtschaftlichen Betriebe besonders viel: Die durchschnittliche Betriebsgr\u00f6\u00dfe liegt laut dem Gr\u00fcnen Bericht 2025 des BMLUK bei 36 Rindern oder 35 Schafen und 26 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fl\u00e4che (Daten aus 2023). Zwischen 2009 und 2022 kam es insgesamt zu 3.381 dokumentierten Nutztierverlusten, dabei werden gerissene, verletzte oder im Rahmen von Rissereignissen abg\u00e4ngige Nutztiere zusammengenommen. Die Anzahl der Nutztierverluste ist dabei allerdings nicht direkt mit dem Wolfsbestand erkl\u00e4rbar, wie die stark gesunkenen Zahlen der letzten Jahre zeigen. W\u00e4hrend 2022 mit 1.780 Verlusten der bisherige H\u00f6chststand vermerkt wurde, haben die Nutztierverluste in den Folgejahren um etwa 30 Prozent abgenommen, siehe dazu den Statusbericht Wolf 2025 des \u00d6sterreichzentrums B\u00e4r, Wolf, Luchs.<\/p>"}},{"identifier":"093a8ea3-327e-4f01-b058-4c0d61a40306","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/www.anblick.at\/media\/thumbnail\/930f11ef-083b-4629-9a43-9ec49bcf9a2b","caption":"<p>47 % der Fl\u00e4che \u00d6sterreichs sind aufgrund ihrer Umweltbedingungen als Lebensraum f\u00fcr W\u00f6lfe geeignet.<\/p>"}},{"identifier":"e5ec7dcc-2494-482a-9888-a00f3bf7d8fe","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/www.anblick.at\/media\/thumbnail\/3e94ac7e-79ce-4246-8129-32d87ddd9eb7","caption":"<p>Das Konfliktpotenzial mit W\u00f6lfen korreliert direkt mit der Freilandhaltung von Nutztieren.<\/p>"}},{"identifier":"fba350b6-d8ee-4bd0-9b91-6bd4cc82aca2","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/www.anblick.at\/media\/thumbnail\/415962e1-f980-42d5-8a4d-cc3cb7204747","caption":"<p>Die Verschneidung von Lebensraumpotenzial und Konfliktzonen ergibt 800.000 ha Landesfl\u00e4che, wo ein Management des Wolfes hochrelevant wird.&nbsp;<\/p>"}},{"identifier":"068fb422-a6df-45d4-ba5d-1fd495b25007","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p><strong>Auftrag an die Wissenschaft<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Ein wirksames Wolfsmanagement braucht eine belastbare Entscheidungsgrundlage. Relevant ist hierf\u00fcr etwa, wo sich W\u00f6lfe k\u00fcnftig ansiedeln und wo dadurch Konflikte mit der Nutztierhaltung entstehen k\u00f6nnten. Eine solche r\u00e4umliche Grundlage in einem f\u00fcr die Praxis verwertbaren Detailgrad zu erstellen, ist allerdings anspruchsvoll.&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Eine aktuelle Studie des Instituts f\u00fcr Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ) der BOKU University, finanziert vom Bundesministerium f\u00fcr Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, hat sich dieser Aufgabe erstmals \u00f6sterreichweit angenommen. Ziel war es, wesentliche Grundlagen f\u00fcr das Management zu erarbeiten, die<\/p><p style=\"text-align:justify;\">1) aufzeigen, wo es Lebensraumpotenzial f\u00fcr W\u00f6lfe in \u00d6sterreich gibt, &nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">2) darstellen, in welchen Gebieten Nutztiere besonders anf\u00e4llig f\u00fcr Risse sind, und&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">3) zu identifizieren, ob sich diese Fl\u00e4chen \u00fcberschneiden, sodass eine besonders hohe Managementpriorit\u00e4t besteht.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Daf\u00fcr wurden alle verf\u00fcgbaren Pr\u00e4senzpunkte des \u00d6sterreichzentrums B\u00e4r, Wolf, Luchs (erg\u00e4nzende Daten der L\u00e4nder wurden ebenfalls integriert) sowie einige Punkte eines besenderten Wolfs aus Allentsteig (LF1-TVG-59\/002-2023, gef\u00f6rdert vom Land Nieder\u00f6sterreich), und Nachweisdaten durch ein Kamerafallenprojekt (Goldschakalprojekt \u00d6sterreich) in umfangreichen wissenschaftlichen Analysen verwendet. Die Nachweisdaten wurden dabei in Pr\u00e4senznachweise und Nutztierrisse unterschieden, um Analysen des Lebensraumpotenzials und der Anf\u00e4lligkeit gegen\u00fcber Nutztierrissen unabh\u00e4ngig voneinander durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen. Eine besondere Herausforderung stellten dabei die Pr\u00e4senznachweise dar, die in \u00d6sterreich \u00fcberwiegend opportunis-tisch erfasst werden. W\u00f6lfe zu beob-achten oder Spuren wie Losungen zu finden, ist auf offenen Fl\u00e4chen und in Stra\u00dfenn\u00e4he deutlich wahrscheinlicher als in schwer zug\u00e4nglichen Waldgebieten, was zu einer Verzerrung des dokumentierten Vorkommens f\u00fchrt. F\u00fcr die hier vorgestellte Studie mussten daher umfangreiche Analysemethoden entwickelt werden, um Verzerrungen der Daten weitgehend zu korrigieren. Diese Analytik kann nun auch in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern mit \u00e4hnlichen Herausforderungen \u00fcbernommen werden. Neben den Pr\u00e4senznachweisen waren auch Umweltvariablen f\u00fcr eine fl\u00e4chige Modellierung erforderlich. Hierf\u00fcr wurden 37 verschiedene Faktoren identifiziert und kartografisch dargestellt, unter anderem der Wald-<br>anteil, Gel\u00e4ndefaktoren oder auch Variablen zur Nutztierdichte oder Rotwildanwesenheit.&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">&nbsp;<\/p><p><strong>Drei Fragen, drei Karten<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Die Analysen am IWJ resultierten in drei Karten, die nun als Grundlagen f\u00fcr das Management zur Verf\u00fcgung stehen: eine Karte des Lebensraumpotenzials, eine Karte zur Nutztierrissanf\u00e4lligkeit und eine Karte zur Fl\u00e4chenpriorisierung, die beides mittels eines neu geschaffenen Index vereint und Fl\u00e4chen von besonderer Bedeutung identifiziert. &nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Das Lebensraumpotenzial beschreibt, wie gut sich eine Fl\u00e4che aufgrund ihrer Umweltbedingungen als Lebensraum f\u00fcr W\u00f6lfe eignet. Die Karte zeigt, dass knapp 47 Prozent der Landesfl\u00e4che \u00d6sterreichs als guter Lebensraum f\u00fcr W\u00f6lfe infrage kommen; das klingt viel, \u00fcberschneidet sich aber in gro\u00dfen Teilen mit der \u00f6sterreichischen Waldbedeckung. Besonders gute Fl\u00e4chen zeichnen sich durch einen mittleren bis hohen Waldanteil und Entfernung zu Siedlungen aus. Geeignete Wolfslebensr\u00e4ume sind dabei aber nicht automatisch gleichbedeutend mit einem hohen Konfliktpotenzial. Dieses h\u00e4ngt auch von anderen Faktoren ab, wie zum Beispiel der Nutztierrissanf\u00e4lligkeit. Die Nutztierrissanf\u00e4lligkeit beschreibt, wie stark eine Fl\u00e4che aufgrund ihrer Landschaftsmerkmale, etwa Waldrandn\u00e4he, Weidelage und Nutztierdichte, f\u00fcr Risse gef\u00e4hrdet ist. Besonders anf\u00e4llige Fl\u00e4chen zeichnen sich neben der Anwesenheit von Nutztieren vor allem durch die Distanz zum Wald und die Gel\u00e4ndeneigung aus.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Und wo trifft nun Lebensraum auf hohe Rissanf\u00e4lligkeit? Um diese Frage zu beantworten, hat die Studie einen Index entwickelt. Dieser bewertet Fl\u00e4chen nach ihrer Rissanf\u00e4lligkeit und ihrem Lebensraumpotenzial, wobei eine hohe Rissanf\u00e4lligkeit nicht automatisch durch einen schlechten Lebensraum kompensiert wird, denn auch in schlechteren Lebensr\u00e4umen kann sie zu Problemen f\u00fchren. Der Index zeigt, dass knapp 800.000 Hektar von einem Zusammenspiel von hoher Rissanf\u00e4lligkeit und guten Lebensr\u00e4umen betroffen und damit f\u00fcr das Management hochrelevant sind. Am st\u00e4rksten gef\u00e4hrdet sind alpine Weidefl\u00e4chen in unmittelbarer N\u00e4he zum Waldrand sowie kleine, vollst\u00e4ndig von Wald umschlossene Weiden. Das liegt daran, dass W\u00f6lfe die N\u00e4he zum Waldrand als Deckung und R\u00fcckzugsort nutzen k\u00f6nnen. Die so identifizierten Fl\u00e4chen stehen den L\u00e4ndern zur Verf\u00fcgung und k\u00f6nnen im Management vorausschauend ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>"}},{"identifier":"bfa0fc1a-7f44-406e-820e-c6409673791d","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/www.anblick.at\/media\/thumbnail\/8ed33929-4f97-454c-a067-f98daeddaf90","caption":"<p>Am st\u00e4rksten gef\u00e4hrdet sind alpine Weidefl\u00e4chen in unmittelbarer N\u00e4he zum Waldrand sowie kleine, vollst\u00e4ndig von Wald umschlossene Weiden. Das liegt daran, dass W\u00f6lfe die N\u00e4he zum Waldrand als Deckung und R\u00fcckzugsort nutzen k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>"}},{"identifier":"1091ee03-ec98-476c-b129-4735f961e8ba","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p><strong>Von der Reaktion zur Vorsorge<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Um ein nachhaltiges Wolfsmanagement durchzuf\u00fchren, bedarf es mehrerer Instrumente. Ein Fokus liegt dabei auf der Vorbeugung; mit dem Wissen \u00fcber besonders gef\u00e4hrdete Fl\u00e4chen kann nun gezielt vorgesorgt werden. Schutzma\u00dfnahmen sind darauf ausgelegt, Risse und damit verbundene Konflikte zu verhindern, bevor sie entstehen. Gerade im alpinen Gel\u00e4nde sind klassische Schutzma\u00dfnahmen wie gro\u00dffl\u00e4chige Festz\u00e4une nur schwer umsetzbar bzw. k\u00f6nnen f\u00fcr Wildtiere auch Barrieren sein. Mobile Elektroz\u00e4une, Nachtpferche, Behirtung und Herdenschutzhunde sind im Alpenraum bekannt und k\u00f6nnen je nach Standort deshalb in Kombination mit weiteren Ma\u00dfnahmen zum Einsatz kommen. F\u00fcr Nutztierhalter bedeutet das zus\u00e4tzlichen Aufwand und damit verbundene Mehrkosten. R\u00e4umliche Zonierungskonzepte k\u00f6nnen dabei zur Konfliktl\u00f6sung beitragen, setzen aber auch einen g\u00fcnstigen Erhaltungszustand voraus. Aktuell l\u00e4uft am IWJ ein Folgeprojekt, in dem Grundlagen f\u00fcr die Bewertung des g\u00fcnstigen Erhaltungszustand unter anderem anhand der Ergebnisse der vorgestellten Studie, erarbeitet werden.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Um das Wolfsmanagement auch in Zukunft zu evaluieren und weiterzuentwickeln, sind Studien wie diese essenziell. Am IWJ werden bereits seit einigen Jahren Projekte unternommen, um Grundlagen f\u00fcr ein wissensbasiertes Management zu schaffen. So wurde unter anderem ein Modellkonzept zur Darstellung und Extrapolation einer Wolfspopulation entworfen, das es erm\u00f6glicht, die Populationen unter verschiedenen Szenarien f\u00fcr die Zukunft zu prognostizieren und Auswirkungen von Ma\u00dfnahmen auf eine Population zu simulieren und zu erkennen. Dieses Modell findet auch bereits Anwendung, unter anderem im Wolfsmanagement von Niedersachsen und in den Gebirgskantonen der Schweiz. Die Ergebnisse der letzten Jahre zeigen, dass durch die erfolgreiche Zusammenarbeit von Wissenschaft, Praxis und Verwaltung Grundlagen geschaffen werden k\u00f6nnen, um den aktuellen Herausforderungen im Wildtiermanagement zu begegnen.<\/p><p style=\"text-align:justify;\"><br>&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\"><strong>Autorenkontakt:<\/strong> Florian Kunz, Luca Fuchs, Matthias Amon, Klaus Hackl\u00e4nder, Fabian Knufinke und Jennifer Hatlauf, BOKU University, Institut f\u00fcr Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ), <a href=\"mailto:florian.kunz@boku.ac.at\">florian.kunz@boku.ac.at<\/a><\/p>"}}]}