{"identifier":"4723c622-378b-4823-aaff-d6420d3f34d7","nodeType":"Inoovum.Site:Document.App.Article","properties":{"title":"Tannen und Rehe","subTitle":"Die Tanne z\u00e4hlt zu jenen Baumarten, die immer wieder im Zentrum stehen, wenn es Diskussionen rund um den Konflikt zwischen Forst und Jagd gibt. Zum einen wird ihr zugeschrieben, dass sie gute Voraussetzungen mitbringt, um mit dem aktuellen Klimawandel zurechtzukommen. Zum anderen wird gerade sie gerne vom Wild verbissen.&nbsp;","teaserText":null,"uriPathSegment":"tannen-und-rehe","dateTime":{"date":"2026-10-30 01:00:00.000000","timezone_type":3,"timezone":"Europe\/Berlin"},"image":"https:\/\/assets.inoovum.io\/_Resources\/Persistent\/6edc1e4931ac5947749f02900e1df25f85eb543d\/8cebe65cb4134a166dcc657b6d129d7ed81b5196\/Bilder_1200x616_Zeiler_03-1024x526.jpg","images":[],"categories":[{"identifier":"aff27094-6b27-4f5b-9bd4-bfadbb2b7fba","title":"Im Revier"}],"categories2":[{"identifier":"dbe6ddd5-a55e-454f-b8b9-ffd1af98f948","title":"Sukzession \u2013\u00a0alles Leben ist Ver\u00e4nderung"}],"public":null},"childNodes":[{"identifier":"3143afcf-4746-4b71-90d8-8fec81b1d39a","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p style=\"text-align:justify;\">Wei\u00dftannen geh\u00f6rten einst zu den m\u00e4chtigsten B\u00e4umen in Europa. Die \u201eGro\u00dfe Tanne\u201c im Urwald von Ko\u010devski Rog in Slowenien ist 52 Meter hoch. Ihr Stamm umfasst ein Volumen von 38 Kubikmetern, das Alter wird auf 500 Jahre gesch\u00e4tzt. W\u00e4hrend der letzten Eiszeit \u00fcberlebte die Baumart in R\u00fcckzugsgebieten am Balkan, am Apennin sowie im Umfeld der Pyren\u00e4en. Von dort ausgehend, hat die Tanne ihr Verbreitungsgebiet nach der Eiszeit vor etwa 9.500 Jahren wieder ausgedehnt. Dabei reden wir zwar von ein und derselben Baum-art, aber zwischen den Nachkommen der Tanne, die auf unterschiedlichen Wegen wieder nach Mitteleuropa eingewandert sind, gibt es deutliche genetische Unterschiede. Vor allem im Alpenraum, wo das Angebot an Standorten enorm vielf\u00e4ltig ist, weisen Tannen aufgrund der jahrtausendelangen Anpassung eine ganze Reihe von genetisch unterschiedlichen Formen auf. Tanne ist also nicht gleich Tanne.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Im Alpenraum ist die Baumart manchmal inselartig verbreitet. Im zentralen Teil der Alpen fehlt die Tanne, weil sie das kontinentale Klima mit sehr kalten und trockenen Wintern schwer ertr\u00e4gt. Auf der Alpens\u00fcdseite kommt sie bis in die subalpine Stufe vor. In weiten Teilen Mitteleuropas ist sie eine typische Baumart der Mittelgebirge. In tieferen Lagen wird die Buche konkurrenzst\u00e4rker, in h\u00f6heren Lagen die Fichte. Tannen geh\u00f6ren zu den Baumarten des Schlusswaldes. Das hei\u00dft, folgt man einer Waldentwicklung, dann siedeln zun\u00e4chst Pionierbaumarten wie Weiden oder Birken, ihnen folgen Halbschattbaumarten wie Fichten, Linden, Hainbuchen oder Bergahorn, am Ende r\u00fccken Schattbaumarten wie Tannen, Buchen oder Eiben nach. Diese Schattbaumarten sind typisch f\u00fcr die Schlusswaldphase, das Endstadium einer nat\u00fcrlichen Waldentwicklung. In einem Mischwald besetzen die erw\u00e4hnten Baumarten nebeneinander Nischen und Standorte, die ihnen zusagen und wo sie besonders konkurrenzf\u00e4hig sind. Nach der Alters- und Zerfallsphase oder wenn St\u00fcrme, K\u00e4fer oder Feuer auftreten, kann der Kreislauf von vorne beginnen.<\/p>"}},{"identifier":"c1b6c972-45ee-48f1-9ec0-6b3fa2b7a3fd","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/www.anblick.at\/media\/thumbnail\/7f6bd1ae-8d13-429b-b066-e5e3410fc421","caption":"<p>Einige wenige Tannen in einem \u00e4sungsarmen Fichtenreinbestand ohne Unterwuchs sind rasch verschwunden \u2013 daf\u00fcr braucht es nicht viele Rehe. Im Tannenoptimum mit reicher Naturverj\u00fcngung und hohem nat\u00fcrlichen \u00c4sungsangebot kann die Rehwilddichte deutlich h\u00f6her sein und trotzdem entsteht kein Schaden.&nbsp;<\/p>"}},{"identifier":"b24fca5e-e2f0-4926-98ae-d9f3c47747b4","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p><strong>Die Tanne kann warten<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Die Tanne ist eine Baumart, die in der Jugend viel Schatten vertr\u00e4gt. Man nimmt an, dass die erw\u00e4hnte gro\u00dfe Tanne im Urwald von Ko\u010devski Rog etwa hundert Jahre im Schatten gewartet hat, bis endlich eine L\u00fccke im Kronendach frei wurde und der Baum umsetzen und in die H\u00f6he wachsen konnte. Tannen k\u00f6nnen auch noch im hohen Alter auf Licht und wegfallende Konkurrenz reagieren. Sie eignen sich aufgrund dieser Eigenschaft gut f\u00fcr Plenterwirtschaft oder Dauerwald, wo andauernd eine \u201eReserve\u201c von verschiedenen alten B\u00e4umen vorhanden ist, die nach der Nutzung der st\u00e4rksten Dimensionen in den frei gewordenen Raum vorsto\u00dfen. Diese beiden forstlichen Nutzungsformen versuchen, den Wald m\u00f6glichst andauernd in der schattenreichen Schlusswaldphase zu halten. Im Schatten stehen die Nadeln seitlich ab, damit m\u00f6glichst viel Licht eingefangen wird. Im Kronenbereich stehen die dicht sitzenden Nadeln nach allen Seiten. Tannen behalten Nadeln acht bis zw\u00f6lf Jahre an den Zweigen \u2013 ausnahmsweise sogar bis 25 Jahre. Um m\u00f6glichst viel Licht einzufangen, bilden junge Tannen oft einen langen Seitentrieb aus. So kann die Baumart Jahre im Unterstand aushalten. Gleichzeitig werden dabei aber oft nur kurze Terminaltriebe ausgebildet. Die Pflanze w\u00e4chst kaum in die H\u00f6he \u2013 womit sie lange im Bereich des \u00c4sers bleibt. Analysen aus dem Wildeinflussmonitoring ergeben, dass die Tanne deutlich st\u00e4rker als die Fichte verbissen wird.&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">&nbsp;<\/p><p><strong>\u00c4sung und Standort<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Sind gen\u00fcgend Tannen vorhanden, dann spielen ein paar Jahre Wartezeit keine Rolle. Gibt es nur vereinzelten Jungwuchs, dann k\u00f6nnen auch wenige Rehe oder der ein oder andere Gams bereits zum Ausfall der sp\u00e4rlichen Tannenverj\u00fcngung f\u00fchren. Dazu kommt: In W\u00e4ldern, wo wenig Licht auf den Waldboden f\u00e4llt, gibt es auch wenig Bodenvegetation. Das hei\u00dft, das \u00c4sungs-angebot im Wald ist dort ohnehin gering \u2013&nbsp;<br>womit der Ausfall der wenigen Tannen eher gegeben ist. Ein gro\u00dfer Teil der \u00f6sterreichischen Waldfl\u00e4che wird entweder von Freifl\u00e4chen unterbrochen \u2013 das sind Bl\u00f6\u00dfen, L\u00fccken, Kahlschl\u00e4ge und Wege \u2013 oder grenzt an benachbartes Offenland. Unsere W\u00e4lder sind demnach keine gro\u00dfen, in sich geschlossenen \u00d6kosysteme, R\u00e4nder und Randlinien sind ein wesentliches Element davon. Konkret hei\u00dft das: Auf rund der H\u00e4lfte der gesamten \u00f6sterreichischen Waldfl\u00e4che gibt es Einwirkungen von Freifl\u00e4chen oder benachbartem Offenland. Rehe sind Randlinienbewohner. Sie profitieren also ganz grunds\u00e4tzlich von Waldverteilung und Waldbewirtschaftung. Ein entscheidender Punkt ist dabei neben der Wilddichte das \u00c4sungsangebot.&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">F\u00fcr die Tannenjugend sind drei Faktoren von Bedeutung: Zun\u00e4chst ist das der Standort selbst. Dort, wo die Tanne im Optimum ist, ist sie stammzahlreich, vital und konkurrenzstark. Untersuchungen, die wir in der Steiermark am Alpenostrand und den \u00f6stlichen Landesteilen durchgef\u00fchrt haben, zeigen, dass auch die Konkurrenz durch andere Baumarten stark auf die Stammzahl der Tannenverj\u00fcngung einwirkt \u2013 der Platz wird knapp, wenn es viele Mitbewerber gibt. Die Konkurrenz durch andere Baumarten kann sich st\u00e4rker auswirken als die Wilddichte. Hier kann der Forstmann eingreifen und helfen, wenn er die Tanne will. Ein weiterer Faktor ist das alternative \u00c4sungsangebot. Erhoben wurde das \u00fcber die Dichte der Randlinien. R\u00e4nder sind mit Licht und Bodenvegetation verbunden. Unsere Untersuchung zeigte: Je h\u00f6her die Randliniendichte war, desto geringer war der Einfluss der Rehwilddichte auf die Stammzahl der Tanne. Bleibt das \u00c4sungs-angebot gering, nimmt der Einfluss der Wilddichte zu, die Stammzahl verringert sich stark. Ist das \u00c4sungsangebot hoch, kann die Rehwilddichte in einem weiten Bereich schwanken, ohne dass es Effekte auf die Stammzahl in der Verj\u00fcngung gibt. Liegen im Winter die \u00c4cker in der S\u00fcdoststeiermark brach, muss der Wald den \u00c4sungsmangel vielfach abpuffern. Winterbegr\u00fcnung w\u00fcrde W\u00e4lder entlasten und gleichzeitig auch dem Niederwild helfen.&nbsp;<\/p>"}},{"identifier":"8e18219e-c7fb-4667-b7a8-f55f5fc06319","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/www.anblick.at\/media\/thumbnail\/39415f1e-aab3-49e5-8362-759e1ab2870a","caption":"<p>Ist das \u00c4sungsangebot hoch, kann die Rehwilddichte in einem weiten Bereich schwanken, ohne dass es Effekte auf die Stammzahl in der Verj\u00fcngung gibt.&nbsp;<\/p>"}},{"identifier":"a8e0fd83-37ed-46a0-8fdc-6282c74e06aa","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p><strong>Verbissprozent<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Unsere Untersuchung zeigte ebenfalls, dass der Anteil an verbissenen Tannen (das Verbissprozent) deutlich \u00fcber jenem der Fichte lag. Sie wurde etwa viermal so stark verbissen wie die Fichte. Das betrifft verschiedene Wuchsh\u00f6hen ebenso wie unterschiedliche Seeh\u00f6hen. Das Verbissprozent stieg mit der Rehwilddichte. Je mehr Rehe auf der Fl\u00e4che, desto h\u00f6her der Anteil an verbissenen Tannen. Womit noch nichts \u00fcber Sch\u00e4den ausgesagt ist. Der Punkt dabei ist: Eine Verbissinventur ist keine Wildschadenserhebung. Die Verbissinventur dokumentiert einen Prozess, w\u00e4hrend die Wildschadenserhebung die Auswirkungen dieses Prozesses erfasst. Im Zuge der Erhebungen durch das \u00f6sterreichische Wildeinflussmonitoring (WEM) werden keine Sch\u00e4den festgestellt \u2013 obwohl die Ergebnisse noch immer im \u00f6sterreichischen Wildschadensbericht ver\u00f6ffentlicht werden. Es erfolgt jedoch eine Bewertung nach Soll-Ist-Vergleichen. Diese Richtwerte geben einen Rahmen f\u00fcr den Wildeinfluss, der sich aus dem Verbissprozent ergibt. Damit sind Ziele vermittelbar.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Wildverbiss kann das H\u00f6henwachstum der Baumart stark beeintr\u00e4chtigen, sie reagiert dann zeitlich verz\u00f6gert mit neuer Leittriebbildung und verliert dadurch an Konkurrenzkraft. Die verbissene Pflanze ben\u00f6tigt l\u00e4ngere Durchwuchszeiten, sie kann bei weiterem Verbiss ausfallen oder w\u00e4chst oft nur sehr langsam in die oberen H\u00f6henklassen ein. Am Ende fehlt die Tanne dann oft im Endbestand. Im Fichten-Tannen-Buchen-Wald und im Fichten-Tannen-Wald ist sie jedoch Zielbaumart. Dort gibt es wenig Toleranz. Mittlerer Wildeinfluss wird hier bereits festgestellt, wenn 15 bis 30 Prozent der Tannen auf einem Kontrollpunkt verbissen sind. Starker Wildeinfluss besteht, wenn \u00fcber 30 Prozent verbissen sind. In einer Waldgesellschaft mit Tanne als Leitbaumart wird die kritische Schwelle also rasch \u00fcberschritten. In Nadelholzbest\u00e4nden mit Fichte und L\u00e4rche werden bis zu 30 Prozent Verbiss als geringer Wildeinfluss eingestuft, wobei damit noch nichts \u00fcber die Wilddichte ausgesagt ist.&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Auch wenn der Anteil der verbissenen Pflanzen mit der Rehwilddichte ganz allgemein steigt, kann ein und dieselbe Rehwilddichte mit hohem und geringem Verbissdruck verbunden sein. Einige wenige Tannen in einem \u00e4sungsarmen Fichtenreinbestand ohne Unterwuchs sind rasch verschwunden \u2013&nbsp;<br>daf\u00fcr braucht es nicht viele Rehe. Im Tannenoptimum mit reicher Naturverj\u00fcngung und hohem nat\u00fcrlichen \u00c4sungsangebot kann die Rehwilddichte deutlich h\u00f6her sein und trotzdem entsteht kein Schaden. Die Tragf\u00e4higkeit des Lebensraumes ist also entscheidend! Es gilt \u201eviele Rehe \u2013 wenig Verbiss\u201c ebenso wie \u201ewenige Rehe \u2013 hoher Verbiss\u201c. Erst \u00fcber die oben zitierten Soll-Werte wird der Wildeinfluss eingeordnet. Das hei\u00dft aber auch: Der Ruf nach genereller Absenkung der Wilddichte f\u00fchrt zu keinem befriedigenden Ergebnis, wenn nicht auf Lebensraum oder Standort eingegangen wird. Ein Beispiel zeigt, was gemeint ist.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">&nbsp;<\/p><p><strong>Der Standort<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Der Kogel hinter unserem Haus in K\u00e4rnten hei\u00dft \u201eKolm\u201c. Wir wohnen \u201eunterm Kolm\u201c. Die Ortsbezeichnung kommt im Alpenraum \u00f6fter vor. Wobei das auf zwei unterschiedliche Sprachwurzeln zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Im Lateinischen bedeutet \u201eculmen\u201c Gipfel oder Bergkuppe, im Slawischen geht das Wort ebenfalls auf H\u00fcgel oder Berg zur\u00fcck. Der Kulm oder Kolm ist in der Regel kein hoher Berg, sondern eine exponierte Kuppe mit Abh\u00e4ngen nach allen vier Himmelsrichtungen. Auf der nordseits gelegenen Schattseite geht unser Kolm \u00fcber in ein kleines, feuchtes Wiesental, ein Bergbach entw\u00e4ssert die H\u00e4nge. S\u00fcdseitig ist der Kolm zum Teil extrem trocken, die H\u00e4nge sind hoher Sonneneinstrahlung ausgesetzt, in den steileren Lagen gibt es hier nur geringe Humusauflagen. Auf der Nordseite ist die Wei\u00dftanne im Optimum. Zwischen den kristallinen Zentralalpen im Norden und den Kalkalpen im S\u00fcden zieht sich hier ein Band von r\u00f6tlich gef\u00e4rbtem Sandstein. Der Fichten-Tannen-Wald mit einzelnen Buchen und L\u00e4rchen w\u00e4re hier die nat\u00fcrliche Waldgesellschaft. Auf den steilen, seichtgr\u00fcndigen Bereichen des S\u00fcdhanges dominiert Kalkbuchenwald mit Kiefer, Hopfenbuche und Blumenesche. Wo immer m\u00f6glich, werden am Kolm Fichte und L\u00e4rche forstlich gef\u00f6rdert. Das betrifft vor allem die Ost- und Westh\u00e4nge sowie die besseren Standorte am S\u00fcdhang. Das gesamte Gebiet umfasst etwa 500 Hektar \u2013 also eine sch\u00f6ne Eigenjagd. Vereinfacht ist die Tanne am Nordhang im Optimum, die Rehwilddichte kann hier lokal hoch sein, ohne dass damit die Baumart gef\u00e4hrdet wird. Die Wiesen bieten zudem alternatives \u00c4sungsangebot. Am S\u00fcdhang ist die Tanne, wenn \u00fcberhaupt, nur vereinzelt anzutreffen. Wer hier k\u00fcnstlich Tannen f\u00f6rdern m\u00f6chte, der wird wenig Erfolg haben \u2013 sie tut sich schwer und ist nicht Teil dieser Waldgesellschaft. Eine verbissene Tanne stellt demnach weder am Nord- noch am S\u00fcdhang einen gro\u00dfen Schaden dar. Das Beispiel zeigt: Allein die Zuordnung zu einer nat\u00fcrlichen Waldgesellschaft ist eine Voraussetzung, um die Bedeutung der Tanne richtig einzustufen. Vielfach ist das heute in unseren wirtschaftlich \u00fcberpr\u00e4gten W\u00e4ldern gar nicht einfach.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">&nbsp;<\/p><p><strong>Forst und F\u00f6rderung<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Im Zuge der Wiederaufforstung der gro\u00dfen Windwurf- und K\u00e4ferschl\u00e4ge wird gefordert, dass Tannen neben Fichten, L\u00e4rchen und Bergahorn aufgeforstet werden m\u00fcssen. Fehlt die Beratung, dann treibt das oft besondere Bl\u00fcten. Das geht dann so weit, dass auf gro\u00dfen s\u00fcdseitigen Kahlfl\u00e4chen Tannen neben Birken gepflanzt werden. Mit ein paar Birken m\u00f6chte man einen Vorwald schaffen \u2013 was wenig aussichtsreich ist. Ohne die Waldentwicklung abzuwarten, wird dann jedoch neben der Pionierbaumart auch gleich die Schlusswaldbaumart gesetzt. Das Beispiel ist nicht konstruiert \u2013 oft ist das mit der Vergabe von F\u00f6rderungen verbunden. In der Folge vertrocknen die Tannen dann ganz einfach. Im letzten Sommer war das extrem. Es ging viel wertvolles Pflanzmaterial verloren. Wer Tannen aufforsten will oder muss, der sollte das jedenfalls nicht auf s\u00fcdseitigen Kahlschl\u00e4gen ohne schattenspendenden Restbestand tun.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Als Hilfe und Planungswerkzeug f\u00fcr \u00f6sterreichische Waldbesitzer wurde die \u201eBaum-artenampel\u201c ausgearbeitet. Mit ihr soll eingesch\u00e4tzt werden, welche Baumarten in welchem Wuchsgebiet je nach Seeh\u00f6he mit dem Klimawandel besonders gut zurechtkommen werden. Die Tanne wird dabei als besonders \u201eklimafit\u201c eingestuft, weil sie ein tiefreichendes Wurzelsystem ausbildet, weil sie resistent gegen Sch\u00e4dlinge wie Borkenk\u00e4fer ist, weil sie auf vielen B\u00f6den zurechtkommt und weil sie zur Stabilit\u00e4t von Best\u00e4nden beitr\u00e4gt. Fakt ist, dass Tannen nur dann tie-<br>fere Bodenschichten erreichen k\u00f6nnen, wenn der Boden auch tiefgr\u00fcndig ist. In den Karstw\u00e4ldern Sloweniens \u00fcbersteht die Fichte mit ihrem weit ausgreifenden Wurzelsystem St\u00fcrme weit besser als die Tanne. Die Bodenm\u00e4chtigkeit spielt also eine wesentliche Rolle, wenn wir von der Tanne als \u201eSturmriegel\u201c sprechen. Fakt ist auch, dass sich Tannen nicht zur Aufforstung auf s\u00fcdseitigen Kahlschl\u00e4gen eignen. Eine Schattbaumart wie die Tanne ist jedenfalls kein \u201eAllheilmittel\u201c, im Gegenteil braucht sie deutlich mehr waldbauliches Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen als viele andere Baumarten. Wer \u201eklimafitte\u201c W\u00e4lder aufbauen m\u00f6chte, sollte daher zuerst einmal der nat\u00fcrlichen Entwicklung etwas Freilauf lassen. Danach spielen forstliche Sachkenntnis und Beratung im Zuge von Aufforstung und Waldumwandlung eine grundlegende Rolle. Allein Zahlen \u00fcber Tausende gepflanzte Jungb\u00e4ume sagen wenig. Der Einsatz von Millionensummen verleiht den Bem\u00fchungen um die Wiederbewaldung Gewicht und Bedeutung, damit ist aber noch nichts \u00fcber die notwendige sachkundige Umsetzung von Ma\u00dfnahmen gesagt. Die Jagd kann hier einen Beitrag leisten, wenn jedoch etwas mehr eingeordnet und differenziert w\u00fcrde, dann sollte das auch zu besserem Verst\u00e4ndnis f\u00fchren \u2013 und zwar aufseiten von Waldbesitzern und J\u00e4gern. Wildtiere und W\u00e4lder k\u00f6nnten davon profitieren.<\/p>"}}]}