{"identifier":"9089039d-9739-40fb-adc5-a902a8f4a607","nodeType":"Inoovum.Site:Document.App.Article","properties":{"title":"Platzhirsche bevorzugt!","subTitle":"Erfolgreiche Damhirsche k\u00f6nnen in ihrem Leben \u00fcber 100 K\u00e4lber zeugen, viele nehmen dagegen gar nicht aktiv an der Brunft teil und gehen leer aus. Die Wahl des passenden Hirsches geht dabei von den Tieren aus, die solche im Zentrum des Brunftgeschehens bevorzugen.","teaserText":null,"uriPathSegment":"platzhirsche-bevorzugt","dateTime":{"date":"2026-09-30 02:00:00.000000","timezone_type":3,"timezone":"Europe\/Berlin"},"images":[],"categories":[{"identifier":"aff27094-6b27-4f5b-9bd4-bfadbb2b7fba","title":"Im Revier"}],"categories2":[],"public":null},"childNodes":[{"identifier":"949ddebc-be05-496b-ba31-eeba1ec4594d","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/www.anblick.at\/media\/thumbnail\/696d9e02-25db-4580-a0fb-4b750199be76","caption":"<p>Ab dem Alter von f\u00fcnf Jahren sind Damhirsche in der Lage, eine Brunftkuhle zu besetzen und sie dann f\u00fcr bis zu zwei Wochen zu verteidigen.<\/p>"}},{"identifier":"ee8bc447-7e09-4de8-a3f9-20ef6a25631b","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p style=\"text-align:justify;\">Ein allj\u00e4hrliches Naturschauspiel ist die Damwildbrunft ab Mitte Oktober, die nicht nur aus jagdlicher Sicht sehr beeindruckend ist. Besonders imposant sind Beobachtungen an Gro\u00dfbrunftpl\u00e4tzen, wenn sich dort mehrere Hundert St\u00fcck Kahlwild und einige Dutzend Platzhirsche auf kleiner Fl\u00e4che konzentrieren. Die Brunft des Damwildes ist auch deshalb sehr reizvoll, weil es weniger st\u00f6rungssensibel ist als das Rotwild und die St\u00fccke in dieser Zeit praktisch \u00fcber den ganzen Tag hinweg aktiv sind. In lichten Altholzbest\u00e4nden ist die hohe Zeit der Schaufler daher besonders intensiv erlebbar. Auch wenn die hei\u00dfe Phase der Brunft erst ab 20. Oktober beginnt, ist die Phase der Vorbrunft f\u00fcr einen Hirsch bereits richtungsweisend. Denn ob sich Hirsche letztlich durchsetzen k\u00f6nnen, liegt auch daran, inwieweit sie in der Lage sind, in der Feistzeit dominant zu sein. Hirsche, die in Hirschrudeln hohe Positionen einnehmen k\u00f6nnen, werden auch in der Brunft durchsetzungsf\u00e4higer sein. Das korrespondiert in erster Linie mit ihrer K\u00f6rpermasse. Die ist wiederum Voraussetzung f\u00fcr ein starkes Geweih. Ein 50 Kilo schwerer Damhirsch ist physiologisch schlicht nicht in der Lage, ein vier Kilogramm schweres Geweih zu schieben. Starke Hirsche dagegen schon. Unter idealen Bedingungen k\u00f6nnen sie sogar f\u00fcnf Kilogramm und mehr erreichen. Entsprechend werden bis zu zehn Gramm Geweihmasse pro Tag gebildet. Bei schwachen Hirschen ist es nur etwa die H\u00e4lfte.&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">&nbsp;<\/p><p><strong>Viel Brunftbetrieb wirkt anziehend<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Starke Hirsche kommen in der Regel schon vor dem eigentlichen Brunftbeginn, also in der ersten Oktoberh\u00e4lfte, an den Brunftpl\u00e4tzen an. J\u00fcngere und schw\u00e4chere Hirsche treffen oft erst einige Tage sp\u00e4ter ein. Grunds\u00e4tzlich gibt es bei den Hirschen die Tendenz dazu, von Jahr zu Jahr denselben Brunftplatz aufzusuchen. Befinden sich aber andere Brunftpl\u00e4tze in der N\u00e4he, werden sie auch gewechselt. Die Attraktivit\u00e4t eines Brunftplatzes richtet sich in erster Linie nach dem dortigen Brunftgeschehen. Kahlwild und Hirsche neigen bei geringem Geschehen eher dazu, diesen zu verlassen und einen anderen aufzusuchen. Diese Eigenschaft beg\u00fcnstigt auch die Bildung von Gro\u00dfbrunftpl\u00e4tzen.&nbsp;<\/p>"}},{"identifier":"3a56a797-0c9a-47bc-bb26-808262d46171","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/www.anblick.at\/media\/thumbnail\/5aa91f1d-d5bb-457d-a912-d02f333dd4ca","caption":"<p>Haben sich viele ebenb\u00fcrtige Hirsche eingefunden, werden die dominanten St\u00fccke im Durchschnitt etwa alle zwei Stunden in einen Kampf verwickelt.<\/p>"}},{"identifier":"5723ee02-b18d-4cf0-801b-ea2172d3fd82","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p><strong>Zentrale Lagen entscheidend<\/strong><\/p><p>Ob sich ein Hirsch viele Beschl\u00e4ge sichern kann, h\u00e4ngt in ausschlaggebender Weise davon ab, ob er in der Lage ist, einen zentralen Bereich eines Brunftplatzes zu besetzen. Diese sind bei den Hirschen sehr umk\u00e4mpft.&nbsp; &nbsp; &gt;&gt;&gt; Oft bleiben den einzelnen Hirschen dort nur Fl\u00e4chen mit weniger als 100 Quadratmetern, in deren Zentrum eine Brunftkuhle liegt. Diese Bereiche werden gegen andere Hirsche intensiv markiert und verteidigt. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass diese Bereiche nicht verlassen werden. Denn Untersuchungen zeigen, dass nur etwa ein Drittel aller Beschl\u00e4ge auch im \u201eeigenen Revier\u201c erfolgt. Das Zentrum eines Brunftplatzes ist deshalb sehr attraktiv, weil sich dort die Zahl der weiblichen St\u00fccke konzentriert. Ab dem Alter von f\u00fcnf Jahren sind Damhirsche in der Lage, eine Brunftkuhle zu besetzen und sie dann f\u00fcr bis zu zwei Wochen zu verteidigen. Der Weg zu einem erfolgreichen Brunfthirsch ist allerdings sehr weit. Weniger als ein Viertel der Hirsche erreicht \u00fcberhaupt das notwendige Alter von mindestens vier Jahren, um aktiv an einer Brunft teilnehmen zu k\u00f6nnen. Nur etwa zehn Prozent der Hirschk\u00e4lber schaffen es sp\u00e4ter in ihrem Leben, sich erfolgreich fortzupflanzen. Ist ein Damwildbestand vom Alter her normal gegliedert, dominieren Hirsche zwischen sechs und acht Jahren das Geschehen in der Brunft. Sie k\u00f6nnen erfolgreich Brunftkuhlen besetzen und sind auch in die meisten Auseinandersetzungen verwickelt. Viele Konfrontationen werden bereits in der Fr\u00fchphase entschieden und es kommt erst gar nicht zu einem Kampf. \u00dcber 80 Prozent der Auseinandersetzungen enden auf diese Weise. Denn Hirsche k\u00f6nnen durch ritualisierte Elemente (wie Parallelgang) sehr gut die Verfassung des jeweiligen Kontrahenten einsch\u00e4tzen.&nbsp;<\/p><p>&nbsp;<\/p><p><strong>\u00dcber 20 K\u00e4mpfe pro Tag m\u00f6glich<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Starker Brunftbetrieb kann dennoch zu einem intensiven Kampfgeschehen f\u00fchren. Haben sich viele ebenb\u00fcrtige Hirsche eingefunden, werden die dominanten St\u00fccke im Durchschnitt etwa alle zwei Stunden in einen Kampf verwickelt. Es sind in der Literatur auch Hirsche dokumentiert, die zum Teil deutlich \u00fcber 20-mal pro Tag k\u00e4mpften. Statistisch gesehen, hat der Initiator eines Kampfes eine etwa doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, ihn auch zu gewinnen. Das deutet darauf hin, dass Damhirsche auch die eigenen Kampff\u00e4higkeiten sehr gut einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen. Ist ein Kampf aussichtsreich, wird er auch gef\u00fchrt. W\u00e4hrend das Abtasten der Kontrahenten l\u00e4ngere Zeit andauern kann, ist die eigentliche Kampfdauer mit bis zu drei Minuten vergleichsweise kurz.&nbsp;<\/p>"}},{"identifier":"938e48e8-38d3-48fc-b688-aef18c89b517","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/www.anblick.at\/media\/thumbnail\/03f84c7f-f51d-4d9c-8fb6-e27153127e70","caption":""}},{"identifier":"d53ec47e-28b2-4acd-a054-81d2a05386ea","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p><strong>Selbstverst\u00e4ndlich herrscht Damenwahl<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Alt- und Schmaltiere sind f\u00fcr etwa 24 Stunden \u00f6strisch. Untersuchungen zeigen, dass sich brunfterfahrene Alttiere auch nicht viel l\u00e4nger als den genannten Zeitraum an einem Brunftplatz aufhalten. Sie w\u00e4hlen gezielt einen Hirsch aus dem zentralen Bereich, lassen sich beschlagen und verlassen den Ort des Geschehens danach sofort wieder. Aufgrund der geringeren Erfahrung bei der Wahl des \u201erichtigen Hirsches\u201c halten sich Schmaltiere und junge Alttiere dagegen durchschnittlich bis zu dreimal l\u00e4nger an Brunftpl\u00e4tzen auf. Kommt es dazu, dass sie sich von einem schw\u00e4cheren Hirsch aus einem peripheren Bereich beschlagen haben lassen, wird der Brunftplatz oft nicht sofort verlassen. Im Gegenteil ist die Wahrscheinlichkeit dann hoch, dass es sp\u00e4ter zu einer weiteren Kopulation mit einem st\u00e4rkeren Hirsch kommt. Die Forscher interpretieren das als eine Art \u201eVersicherung\u201c.&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">&nbsp;<\/p><p><strong>Junge Hirsche meist erfolglos<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Da Hirsche in der Brunft kaum oder keine Nahrung aufnehmen, kommt es bei ihnen zu einer drastischen Gewichtsabnahme. Im Mittel verlieren sie in dieser Zeit ein Viertel ihrer K\u00f6rpermasse. Das ist auch der Grund, warum es in der Regel erst gegen Ende der Brunft zu K\u00e4mpfen zwischen ungleichen Gegnern kommt. Dann sind auch weniger starke Hirsche imstande, die zunehmend abgek\u00e4mpften Platzhirsche herausfordern zu k\u00f6nnen. Der Fortpflanzungserfolg mittelalter und junger Hirsche ist dennoch insgesamt sehr gering. In einer Untersuchung waren diese Hirsche nur zu unter einem Prozent an Beschl\u00e4gen von Kahlwild beteiligt und ihnen blieb oft nur die Abstauberrolle. Sehr alte Hirsche halten sich bevorzugt in der Peripherie eines Brunftplatzes auf. Sie versuchen dort, ohne viel Aufmerksamkeit zu erzeugen, einzelne St\u00fccke oder kleinere Kahlwildrudel f\u00fcr sich zu monopolisieren. Nicht selten werden diese dann so \u00e4hnlich wie beim Rothirsch auch vor Rivalen verteidigt. Die \u201eRothirschstrategie\u201c kommt also zum Teil auch bei Damhirschen vor. Ihr Fortpflanzungserfolg bleibt in der Regel aber ebenfalls \u00fcberschaubar. Grunds\u00e4tzlich sinkt der Reproduktionserfolg der Damhirsche ab dem Alter von neun Jahren. Der Alterungsprozess schreitet nun rasant voran und das nat\u00fcrliche Ende ist nah. Am Ende eines Hirschlebens kann ein erfolgreiches Exemplar mitunter \u00fcber 100 K\u00e4lber gezeugt haben.<\/p><p style=\"text-align:right;\"><em>Konstantin Boerner<\/em><\/p>"}}]}