{"identifier":"9760439c-aee3-41b8-81f3-544ccc39945c","nodeType":"Inoovum.Site:Document.App.Article","properties":{"title":"Waldbau, Wild und Klimawandel","subTitle":"Der Nationalpark Berchtesgaden ist ein Freiluftlabor, in dem die Zusammenh\u00e4nge zwischen Wild und Wald auf bewirtschafteten und unbewirtschafteten Fl\u00e4chen verglichen werden. Das Spannende daran: Auch ohne Eingriff des Menschen verj\u00fcngt sich der Wald besser als vielfach vermutet.","teaserText":null,"uriPathSegment":"waldbau-wild-und-klimawandel","dateTime":{"date":"2026-09-30 02:00:00.000000","timezone_type":3,"timezone":"Europe\/Berlin"},"image":"https:\/\/assets.inoovum.io\/_Resources\/Persistent\/6edc1e4931ac5947749f02900e1df25f85eb543d\/cc5669782a5a446d011282e9bedfb8120ca38790\/Bilder_1200x616_Zeiler_01-1024x526.jpg","images":[],"categories":[{"identifier":"aff27094-6b27-4f5b-9bd4-bfadbb2b7fba","title":"Im Revier"}],"categories2":[{"identifier":"dbe6ddd5-a55e-454f-b8b9-ffd1af98f948","title":"Sukzession \u2013\u00a0alles Leben ist Ver\u00e4nderung"}],"public":null},"childNodes":[{"identifier":"b46c91d6-9684-4b21-8a3a-ddacc2f1ffc3","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p style=\"text-align:justify;\">Rupert Seidl z\u00e4hlt zu den international herausragenden \u00d6kosystemforschern. Der Ober\u00f6sterreicher stammt aus einem F\u00f6rsterhaus im Attergau. Nach seiner forstlichen Ausbildung, die ihn von der Steiermark \u00fcber Wien bis nach Amerika und Schweden gebracht hat, ist er heute Inhaber des Lehrstuhls f\u00fcr \u00d6kosystemdynamik und Waldmanagement in Gebirgslandschaften an der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen. Professor Seidl war einer der ersten Forstwissenschaftler, die sich intensiv mit dem aktuellen Klimawandel sowie den daraus folgenden Ver\u00e4nderungen und St\u00f6rungen in W\u00e4ldern auseinandergesetzt haben. Das betrifft auch die Lebensr\u00e4ume f\u00fcr Wildtiere. Er forscht und kooperiert heute weltweit zu einer Thematik, die uns alle immer st\u00e4rker betrifft.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">&nbsp;<\/p><p><strong>Ein Nationalpark bietet M\u00f6glichkeiten<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">M\u00fcnchen ist nicht weit vom Nationalpark Berchtesgaden entfernt \u2013 dem bis heute einzigen Alpennationalpark Deutschlands. Die Region zwischen K\u00f6nigssee und Watzmann wird heute von Touristen aus aller Welt besucht. Seit der Gr\u00fcndung des Parks wurde der Forschung in Berchtesgaden besonderes Augenmerk geschenkt. Erste Telemetriestudien zur Raumnutzung von Gamswild haben dort ebenso ihren Ausgang gefunden wie die Arbeiten \u00fcber Murmeltiere von Walter Arnold, dem ehemaligen Leiter des Forschungsinstituts f\u00fcr Wildbiologie in Wien. Was liegt also n\u00e4her als eine Kooperation zwischen Nationalpark und TU M\u00fcnchen? Der Nationalpark bietet M\u00f6glichkeiten zur langfristigen Erforschung des Bergwaldes \u2013 Seidl und seine Mitarbeiter bringen nicht nur Forschungsfragen und Ideen, sondern vor allem das Fachwissen ein, um die Beobachtungen und Zeitreihen wissenschaftlich aufzuarbeiten.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">20.800 Hektar umfasst das Nationalparkgebiet heute, 1978 wurde es unter Schutz gestellt. Die Geschichte der Region war gepr\u00e4gt von der Holznutzung f\u00fcr die Salzgewinnung und auch die Jagd spielte hier \u00fcber Jahrhunderte eine zentrale Rolle. Aufgeforstet wurden die W\u00e4lder \u2013 so wie auch in vielen anderen Gebieten lange \u00fcblich \u2013 mit Fichten. Heute ist die Jagd auf 75 Prozent der Fl\u00e4che eingestellt. Das gilt f\u00fcr Rotwild. F\u00fcr Gams und Rehwild ist die jagdfreie Zone sogar noch etwas gr\u00f6\u00dfer. Das erm\u00f6glicht interessante Vergleiche zum Verhalten von Schalenwild mit und ohne Jagd. Dass Ruhe und Sicherheit vor allem f\u00fcr Rotwild besonders wichtige Faktoren sind, wenn es um Verhalten und Raumnutzung der Wildart geht, ist bekannt. Im Nationalpark kommen hier noch zwei Faktoren dazu, die in den vergangenen Jahren von Bedeutung waren: Windwurf und Borkenk\u00e4fer. Ein Gro\u00dfteil aller Windwurffl\u00e4chen wurde nicht aufgearbeitet \u2013 somit kann auch beobachtet werden, wie sich dort die Waldverj\u00fcngung entwickelt und das Wild verteilt.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">&nbsp;<\/p><p><strong>Wildtierforschung<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">F\u00fcr die Wildtierforschung im Park ist Rudolf Reiner verantwortlich. Er ist Teil des Teams von Professor Seidl, das vom Waldbau \u00fcber Biodiversit\u00e4t und St\u00f6rungs\u00f6kologie bis zur Klimafolgenforschung und eben auch Wild\u00f6kologie ein breites Feld abdeckt. Reiner ist derzeit einer der au\u00dfergew\u00f6hnlich erfolgreichen Wildbiologen, die es schaffen, modernste Methoden mit Praxiswissen zu verbinden. Dabei kommt dem geb\u00fcrtigen K\u00e4rntner auch seine jagdliche Erfahrung zugute. In Berchtesgaden verfolgt er derzeit neben einer gro\u00dfen Gamswildstudie auch \u00fcber 60 St\u00fcck Rotwild mithilfe von Satellitentelemetrie. Rotwild wird dort von Berufsj\u00e4gern auf rund 5.200 Hektar bejagt, wobei Hirsche mit einem Alter von \u00fcber vier Jahren nicht mehr erlegt werden. Was aus diesen Hirschen wird, wenn man sie in den Kalkalpen alt werden l\u00e4sst, wird im Nationalpark eindr\u00fccklich sichtbar. Ein Blick auf die Unterschiede zwischen Eingriffszone und Ruhezone zeigt aber auch deutlich, wie die Wildart ihr Verhalten an die Jagd anpasst. In der Pflegezone \u2013 das ist jener Teil, wo noch gejagt wird \u2013 steht das Rotwild bevorzugt in geschlossenen W\u00e4ldern: Es geht um die Sicherheit. In der Kernzone nutzt das Wild viel st\u00e4rker auch offene Landschaften. Noch deutlicher tritt der Gegensatz auf, wenn es um die Tag-Nacht-Aktivit\u00e4t geht. Tags\u00fcber bewegt sich Rotwild in der Pflegezone wenig, erst nachts, wenn nicht mehr gejagt wird, nutzt es dann auch dort die offenen Gebiete. In der Kernzone werden generell offene Lebensr\u00e4ume bevorzugt, das Wild bewegt sich hier sowohl tags\u00fcber als auch nachts gleichm\u00e4\u00dfig. Was geschieht aber auf den Windwurffl\u00e4chen, die nicht aufgearbeitet wurden?<\/p>"}},{"identifier":"7aa831bd-d582-465f-adea-97697031100f","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/www.anblick.at\/media\/thumbnail\/963c9442-c8b9-4755-a439-17aa39f85973","caption":"<p>Wird Schadholz nicht aufgearbeitet, w\u00e4chst der junge Wald in dem Verhau aus St\u00e4mmen bemerkenswert gut.<\/p>"}},{"identifier":"c9047d07-9659-46a5-a13e-bd0f429a17e9","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p><strong>Rotwild und Windwurf<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Nach St\u00f6rereignissen durch Windwurf oder Borkenk\u00e4fer kommt viel Licht auf den Waldboden. In der Folge steigt das Nahrungsangebot f\u00fcr Pflanzenfresser. Kreuz und quer liegende St\u00e4mme bilden gleichzeitig Schutz vor Eindringlingen. F\u00fcr Menschen bildet das Wirrwarr an abgerissenen und umgest\u00fcrzten B\u00e4umen ein Hindernis, das nicht leicht zu \u00fcberwinden ist. Rotwild ebenso wie Gams, Reh und sogar Steinwild finden \u00fcber die Zeit allerdings ihre Wechsel, viel mehr aber noch finden sie \u00c4sung und Schutz am selben Ort. Wanderungen zwischen Ruhepl\u00e4tzen und \u00c4sungsfl\u00e4chen sind also kaum notwendig. Das hei\u00dft, Rotwild ist hier tagaktiv und braucht wenig Energie. Je h\u00f6her der Jagddruck au\u00dferhalb dieser Windwurffl\u00e4chen, desto mehr werden riskante Bewegungen auf angrenzende Almen vermieden oder in die Nachtstunden verlegt. Und wie entwickelt sich die Waldverj\u00fcngung auf diesen Windwurffl\u00e4chen? Der junge Wald w\u00e4chst in dem Verhau aus St\u00e4mmen bemerkenswert gut, vor allem der Bergahorn kommt reichlich im Jungwuchs, aber auch Fichte, L\u00e4rche, Tanne, Buche, Vogelbeere und in h\u00f6heren Lagen Zirbe verj\u00fcngen sich nat\u00fcrlich.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Das ist nun kein genereller Aufruf zum Liegenlassen von Schadholz. Im Nationalpark kann aber gezeigt werden, dass die Welt auch nicht zusammenbricht, wenn ein Windwurf einmal nicht aufgearbeitet wird. Dazu erkl\u00e4rt Professor Seidl, dass die Waldentwicklung gerade durch St\u00f6rereignisse heute meist schneller abl\u00e4uft als noch vor einigen Jahrzehnten. Licht ist dabei ein entscheidender Faktor. 50 Jahre nach Gr\u00fcndung des Nationalparks wird das deutlich sichtbar. 1978 war das Gebiet noch stark menschlich \u00fcberpr\u00e4gt. Dann wurde in der Pflegezone der Waldumbau aktiv gef\u00f6rdert. Zu Beginn wurde auch noch intensiv jagdlich reguliert, um tragf\u00e4hige Wildbest\u00e4nde zu erreichen.&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Seidl: \u201eMit Einstellung von Jagd und Waldbau auf einem Gro\u00dfteil der Fl\u00e4che war die Sorge verbunden, dass die Verj\u00fcngung ausbleibt. Heute sehen wir, dass sich der Wald auch in der nicht bewirtschafteten Kernzone gut entwickelt. Er wird vielf\u00e4ltiger und bunter, auch wenn wir nichts tun. Und St\u00f6rungen wie Windwurf und Borkenk\u00e4fer k\u00f6nnen diese Entwicklung noch beschleunigen.\u201c&nbsp;<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Rudolf Reiner meint dazu, dass das immer auch ein Verteilungsthema bleiben wird, denn im besten Gamswildwinterlebensraum wird die Tannenverj\u00fcngung stets Schwierigkeiten haben. Dazu erg\u00e4nzt Rupert Seidl, dass Modellfl\u00e4chen ohne Eingriff immer auch wichtig f\u00fcr die Wissenschaft sowie f\u00fcr Studierende sind. Damit sehen wir, wohin sich ein Wald entwickelt, wenn wir nicht eingreifen. Gleichzeitig wird ebenso deutlich, wo wir im bewirtschafteten Wald steuernd eingreifen m\u00fcssen. Das h\u00e4ngt in den Hochlagen vor allem mit der Schutzfunktion von W\u00e4ldern zusammen, in den tieferen Lagen geht es vor allem um Waldleistungen wie die Holzproduktion.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">&nbsp;<\/p><p><strong>Von lokaler Forschung auf Europaebene<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Die Daten, die Seidl mit seinem Team im Nationalpark erhebt, werden heute auf Europaebene und auch weltweit mit jenen aus anderen Studien verbunden. Das hei\u00dft, immer \u00f6fter wird das Datenmaterial aus verschiedenen Forschungsprojekten zusammengebracht und gemeinsam ausgewertet. Damit sind Aussagen m\u00f6glich, die sich nicht nur auf ein einzelnes Projektgebiet beschr\u00e4nken, sondern auf gro\u00dfe Regionen. Auch au\u00dferhalb von Nationalparks dreht sich derzeit viel um die Wechselwirkungen zwischen Schalenwildbest\u00e4nden, Waldverj\u00fcngung und nat\u00fcrlichen St\u00f6rungen, in vielen Regionen Europas ist diese Thematik derzeit hochaktuell.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">St\u00f6rereignisse in W\u00e4ldern haben in weiten Regionen zugenommen \u2013 Windwurf, Borkenk\u00e4fer oder Feuer sind nur einige Schlagworte dazu \u2013, eng verbunden ist damit die Lebensraumeignung f\u00fcr wilde Huftiere. Die Auswertung der GPS-Daten von \u00fcber 3.000 Individuen verschiedener Schalenwildarten (Reh, Rothirsch, Elch und Wisent) aus 105 Projektgebieten in Europa \u2013&nbsp;<br>darunter auch der Nationalpark Berchtes-gaden \u2013 zeigt, dass alle vier Arten Waldfl\u00e4chen nach St\u00f6rereignissen \u00fcber 35 Jahre lang bevorzugt nutzen. Wobei es nat\u00fcrlich Unterschiede gibt: Rotwild profitiert deutlich st\u00e4rker als Rehwild, die Habitateignung ist zehn bis zwanzig Jahre nach dem St\u00f6rereignis besonders hoch. F\u00fcr Elchwild werden W\u00e4lder besonders dann attraktiv, wenn Pioniergeh\u00f6lze wie Weiden, Erlen, Birken oder Pappeln aufwachsen und viel Verbiss-<br>angebot liefern. Alle vier Arten bevorzugen kleinere St\u00f6rfl\u00e4chen. Regional gibt es zwar Unterschiede, aber generell zeigen die Ergebnisse, dass sich die Lebensraumeignung f\u00fcr die vier Huftierarten nahezu in ganz Europa durch zunehmende Waldst\u00f6rungen verbessert hat. Damit kommt mehr Dynamik in die Entwicklung von Wildtierbest\u00e4nden, es braucht aber auch neue Ans\u00e4tze und Strategien in der forstlichen Nutzung.<\/p>"}},{"identifier":"3c4b4205-1b3d-4940-af00-d6302eff6d72","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/www.anblick.at\/media\/thumbnail\/5945a201-1f34-4f70-b332-07e0733ac1a0","caption":"<p>Prof. Rupert Seidl ist ein Waldbauer, der versucht, die Dynamik von \u00d6kosystemen in das Waldmanagement zu integrieren. Einer der Schwerpunkte seiner Arbeit liegt auf dem Einfluss von St\u00f6rungen in W\u00e4ldern und ihrer Widerstandsf\u00e4higkeit dagegen. Er z\u00e4hlt zu den meistzitierten Wissenschaftlern auf diesem Fachgebiet und zu den Top 100 der weltweit einflussreichsten Klimawissenschaftler. Seidl ist Mitautor des aktuellen Sachstandsberichtes des Weltklimarates. An seinem Institut werden Strategien zur Waldbewirtschaftung entwickelt, um den aktuellen Herausforderungen, denen die Forstwirtschaft gegen\u00fcbersteht, zu begegnen. Dazu werden heute verst\u00e4rkt Simulationsmodelle, aber auch Daten aus der Fernerkundung genutzt.<\/p>"}},{"identifier":"f7634151-07b5-4f89-aa4c-f50d729fb3b5","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p><em>Herr Prof. Seidl, wie sehen Sie die zuk\u00fcnftige Waldentwicklung im Kontext rund um Klimaerw\u00e4rmung und St\u00f6rereignisse?<\/em><\/p><p style=\"text-align:justify;\"><strong>Rupert Seidl:<\/strong> Ich mache mir um den Wald selbst wenig Sorgen, denn er ist unsere nat\u00fcrliche Vegetation hier in Mitteleuropa. Die Frage ist vielmehr: Welchen Wald wollen oder brauchen wir Menschen? Auch ein Birkenwald mit St\u00e4mmen von 15 cm Durchmesser sch\u00fctzt gegen Steinschlag. Die gro\u00dfen St\u00f6rungsfl\u00e4chen bedeuten aber, dass wir Priorit\u00e4ten setzen m\u00fcssen. Wir k\u00f6nnen nicht alle Freifl\u00e4chen in einer ganzen Talschaft aufforsten. Und wir m\u00fcssen das aber auch gar nicht, weil uns die nat\u00fcrliche Dynamik schon viele Ansatzpunkte f\u00fcr diverse Folgebest\u00e4nde liefert. Zudem sollten wir auch nicht wieder gro\u00dffl\u00e4chig gleichf\u00f6rmige Best\u00e4nde heranziehen. St\u00f6rungen bringen viel Heterogenit\u00e4t auf die Fl\u00e4che. Das ist auch eine gro\u00dfe Chance, denn die strukturelle Vielfalt f\u00fchrt auch zu abwechslungsreichen Lebensr\u00e4umen. In Zukunft sollten wir also St\u00f6rungen als \u201eStrukturgeber\u201c st\u00e4rker in die Bewirtschaftung miteinbeziehen. Wir versuchen, das bereits in die Ausbildung zu integrieren \u2013 wichtig ist mir dabei, dass Studierende St\u00f6rungen sowohl als Risiken als auch als Chancen erkennen k\u00f6nnen. Kurz, es gilt, einen konstruktiven Umgang mit den aktuell ablaufenden Ver\u00e4nderungen zu finden.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">&nbsp;<\/p><p><em>Welche Strategien w\u00e4ren notwendig?<\/em><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Aktuell tut sich enorm viel. Den Klimawandel sp\u00fcrt mittlerweile jeder. Im Umgang mit Wald und Wild stehen dabei zwei Fragen im Vordergrund: Was muss ver\u00e4ndert oder angepasst werden? Was ist m\u00f6glich? Und wo m\u00fcssen wir gegebenenfalls unsere Ziele anpassen? Dabei sehe ich durchaus einen Vorteil, wenn nicht jeder dasselbe macht. Beratung und Unterst\u00fctzung sind notwendig, dennoch brauchen wir verschiedene Zug\u00e4nge. Die Vielfalt an Herangehensweisen sollte nicht durch uniforme Vorgaben verloren gehen, auf der Fl\u00e4che entsteht damit Diversit\u00e4t und die ist wichtig im Umgang mit Risiko. Das ergibt sich oft schon aus der vielf\u00e4ltigen Besitzstruktur in Mitteleuropa. Grunds\u00e4tzlich braucht es Strategien, die die vom Menschen nachgefragten Leistungen aus dem Wald sicherstellen und gleichzeitig das nat\u00fcrliche Kapital und die biologische Vielfalt in unseren W\u00e4ldern langfristig erhalten. Die biologische Vielfalt ist ein zentrales Element f\u00fcr die Anpassungsf\u00e4higkeit von W\u00e4ldern. In Zeiten gravierenden Wandels ist das von zentraler Bedeutung. W\u00e4lder nachhaltig zu bewirtschaften und die Biodiversit\u00e4t zu sch\u00fctzen, schlie\u00dft einander also nicht aus. Im Gegenteil: Eins bedingt das andere!<\/p><p style=\"text-align:justify;\">&nbsp;<\/p><p><em>Was ist Waldbau heute, wie wird er unterrichtet?<\/em><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Waldbau bedeutet, steuernd in die nat\u00fcrliche Dynamik von W\u00e4ldern einzugreifen, wo das notwendig ist, um menschliche Ziele zu erreichen. Das setzt also die Kenntnis der Waldentwicklung voraus. Es geht darum, zu verstehen, welche Prozesse in einem Wald ablaufen und zu welchen Ergebnissen sie f\u00fchren. Zus\u00e4tzlich zur Beurteilung der Auswirkungen von steuernden waldbaulichen Eingriffen kommen heute auch immer mehr Computersimulationen zum Einsatz. Wichtig ist f\u00fcr den Waldbauer jedoch ebenso, dass er viel drau\u00dfen ist, beobachtet und aus den Beobachtungen lernt. Mit den Studierenden in den Masterkursen sind wir daher mehrere Wochen im Gel\u00e4nde unterwegs. Zun\u00e4chst geht es dort darum, dass Zusammenh\u00e4nge verstanden werden und m\u00f6glichst viele verschiedene Waldbaukonzepte kennengelernt werden. Dabei reden wir nat\u00fcrlich nicht nur \u00fcber Waldbau im engeren Sinn, hier k\u00f6nnen die Studierenden die verschiedenen F\u00e4cher ihres Studiums zusammenf\u00fchren. Da ist die Jagd genauso ein Thema wie der Wegebau oder die Begr\u00fcnung von \u00c4sungsfl\u00e4chen. Aus dieser gesamtheitlichen Betrachtung entstehen dann waldbauliche Entscheidungen. Oft wird mit den Studenten dann intensiv diskutiert, welche M\u00f6glichkeiten es f\u00fcr gewisse Situationen gibt. A priori gibt es hier f\u00fcr mich nicht das eine \u201erichtige\u201c Waldbaukonzept, sondern viele m\u00f6gliche Zug\u00e4nge. Voraussetzung ist, dass klare Ziele definiert, die Best\u00e4nde richtig beurteilt und daraus dann schl\u00fcssige Ma\u00dfnahmen hergeleitet werden.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">&nbsp;<\/p><p><em>Und wie gehen Sie pers\u00f6nlich mit all den Szenarien und Zukunftsprognosen um?<\/em><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Ich bin trotz all der Ver\u00e4nderungen und Herausforderungen Optimist. Das liegt einerseits daran, dass ich schon viele W\u00e4lder beobachten durfte, sie sich auch nach drastischen St\u00f6rungen wieder erholt haben. W\u00e4lder sind unheimlich resilient, was mich immer wieder fasziniert! Mein Optimismus ist zu einem Gutteil aber auch darin begr\u00fcndet, weil ich das Privileg habe, viel mit jungen Menschen arbeiten zu d\u00fcrfen. Die meis-ten von ihnen nehme ich als sehr kreativ wahr. Sie nehmen zuk\u00fcnftige Herausforderungen motiviert an und finden passende L\u00f6sungen. Unsere Zukunft ist also in guten H\u00e4nden!<\/p>"}}]}