{"identifier":"06314803-1251-4e29-bddc-e560fecfe9a6","nodeType":"Inoovum.Site:Document.App.Article","properties":{"title":"Zur Psychologie des B\u00fcchsenschusses","subTitle":"Ein Grund f\u00fcr Fehlsch\u00fcsse ist h\u00e4ufig eine falsche mentale Haltung! Probleme beim Schuss liegen meistens im Kopf: Bewegungen, die vermeintlich in Fleisch und Blut \u00fcbergegangen sind, werden vergessen, weil man von pl\u00f6tzlich eintretenden Umst\u00e4nden \u00fcberrascht wird und nicht reagieren kann. Der J\u00e4ger hat jedoch meist nur einen Schuss und unter diesem Aspekt sollte man auch trainieren. Michael Gast und Sven Stollenwerk geben als J\u00e4ger und Spezialschie\u00dfausbildner wertvolle Tipps f\u00fcr die Praxis.","teaserText":null,"uriPathSegment":"zur-psychologie-des-buechsenschusses","dateTime":null,"image":"https:\/\/assets.inoovum.io\/_Resources\/Persistent\/6edc1e4931ac5947749f02900e1df25f85eb543d\/82eaa90433bfeaa22619c273f1b0a10f0bf88a13\/Bilder_1200x616_Buechsenschuss_01-1024x637.jpg","images":[],"categories":[{"identifier":"5980b1c9-d48d-4bd2-a98c-51174e187aa7","title":"Unter J\u00e4gern"}],"categories2":[{"identifier":"7e7bd067-1555-4a19-a108-5e2f6660ea52","title":"Waffe, Schuss & Optik"}],"public":null},"childNodes":[{"identifier":"4a3b97cf-cfa0-4f19-9a1d-3daf6b01688d","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p style=\"text-align:justify;\">Aus unserer Ausbildungspraxis wissen wir, dass Schie\u00dfen bzw. Spitzensport auch zu einem gro\u00dfen Teil mit dem Kopf zu tun haben. Die h\u00e4ufig erw\u00e4hnte Tagesform oder der Gesundheitszustand sind Geisteszust\u00e4nde, die den Sport bzw. das Schie\u00dfen negativ beeinflussen. Umgekehrt gibt es auch positive Faktoren, die einen guten Schuss beg\u00fcnstigen k\u00f6nnen, z. B. Ausgeruht-Sein, eine positive mentale Vorbereitung auf die Jagd oder den Wettkampf etc. Jeff Cooper hat in seinem Buch \u201ePrinciples of Personal Defense\u201c versucht, die Komplexit\u00e4t psychologischer Vorg\u00e4nge auf ein einfaches Farbenmodell zu reduzieren. Man kann es nutzen, um sich bewusst in verschiedene Geisteszust\u00e4nde zu versetzen. Ausgehend vom Jeff-Cooper-Modell werden wir in den folgenden Abschnitten auf das psychologische Moment beim Schie\u00dfen bzw. der Jagd eingehen und zeigen, welche Auswirken die mentale Vorbereitung hat.<\/p><p><strong>Jeff Coopers Farbenmodell<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Am Anfang jedes Schie\u00dftrainings sollten die mentale Vorbereitung und psychische Konditionierung auf den Schuss stehen. Unserer Erfahrung nach ist eine konditionierte Psyche eine wesentliche Voraussetzung f\u00fcr einen erfolgreichen Schuss. Deshalb werden wir hier beschreiben, wie Sie sich selbst mental konditionieren und auf eine Schussabgabe vorbereiten k\u00f6nnen. Das Modell von Jeff Cooper \u00fcbertragen wir dabei auf die Jagd.<\/p><p><strong>Bewusstseinsbildung<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Viele J\u00e4ger sind der Meinung, dass keine besonderen psychischen und charakterlichen Voraussetzungen f\u00fcr den Einsatz einer B\u00fcchse oder Flinte notwendig sind. Das ist jedoch falsch. Der Einsatz einer Flinte und mehr noch der Einsatz einer B\u00fcchse kann verheerende Folgen auf die Umgebung haben und im schlimmsten Fall Mitmenschen gef\u00e4hrden. Deshalb ist es unabdingbar, in der Schie\u00dfausbildung ein Bewusstsein f\u00fcr den Schuss und die m\u00f6glichen Konsequenzen zu schaffen. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Schie\u00dfausbildung eines J\u00e4gers besteht darin, im Schu\u0308tzen ein kritisches Urteilsverm\u00f6gen zu entwickeln, damit er die eigenen Leistungen selbstkritisch einzusch\u00e4tzen vermag und sich von \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen nicht aus dem Konzept bringen l\u00e4sst.<\/p><p><strong>Welche Jagdart ist f\u00fcr mich die richtige?<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Bei dieser Frage scheiden sich die Geister, da nur wenige J\u00e4ger bereit sind, sich selbst Schw\u00e4chen einzugestehen. Stellt man sich jedoch bewusst die Frage: \u201eReichen meine jagdlichen F\u00e4higkeiten aus, um auf die Pirsch zu gehen?\u201c, kommen vielleicht schon die ersten Zweifel auf. Jede jagdliche Situation erfordert ein anderes Ma\u00df an Schie\u00dffertigkeiten und jagdlichem Geschick und diese F\u00e4higkeiten variieren zwischen verschiedenen J\u00e4gern. Ein J\u00e4ger mit jahrelanger Auslands- und Schie\u00dferfahrung wird sich auf der Pirsch wahrscheinlich leichter tun als jemand, der gelegentlich ansitzt. Doch woran liegt das und wie kann ich mich selbst mental konditionieren, um besser auf jagdliche Situationen vorbereitet zu sein?<\/p><p><strong>Die Gedanken \u00fcberschlagen sich<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">F\u00fcr die meisten ist es schwer, jagdliche Situationen richtig einzusch\u00e4tzen, denn es gibt viele Faktoren, die bereits vor dem Schuss bedacht werden m\u00fcssen. Stellen Sie sich vor, ein starker Keiler taucht urpl\u00f6tzlich vor Ihnen auf. In dieser Situation laufen Hunderte Prozesse in Ihrem Kopf ab, denn neben der Waffenhandhabung haben Sie noch viele andere Dinge zu bedenken: In welcher Entfernung stehe ich zu dem St\u00fcck? Wie steht das Wild? Habe ich einen geeigneten Kugelfang? Woher kommt der Wind? Welchen Anschlag soll ich w\u00e4hlen? Visierbild? Wie spreche ich das St\u00fcck an? Um nur einige Beispiele zu nennen \u2026 In der Realit\u00e4t ist das richtige Einsch\u00e4tzen dieser Faktoren schwerer als gedacht, da man unter einem subjektiven Zeitmangel leidet, der in der Regel auf mangelnder Ausbildung und schlechter mentaler Vorbereitung beruht.<\/p><p><strong>Jagen, wenn man jagt!<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Jeff Coopers durchaus zutreffendes Farbenmodell f\u00fcr die mentale Bereitschaftshaltung eines Menschen in Situationen geistiger Anspannung hat noch heute seine Berechtigung. Mithilfe dieser theoretischen Grundlage kann man sich selbst im Einnehmen von Beobachtungsbereitschaft und einem situationsbezogenen mentalen Bereitschaftsgrad schulen. Nur mit diesem mentalen Grad kann man w\u00e4hrend der Jagd jederzeit auf unerwartete Situationen reagieren, l\u00e4sst sich also nicht mehr bei bestimmten Situationen \u00fcberraschen, sondern ist stets bereit, geeignete Ma\u00dfnahmen zu ergreifen.<\/p>"}},{"identifier":"5294ad5c-8127-49f0-9439-5d3ce7bd32c5","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/www.anblick.at\/media\/thumbnail\/07279a1c-af84-4db9-a83f-799e6eac1ea7","caption":"<p>Farbenpyramide der Anspannungszust\u00e4nde nach dem Jeff- Cooper-Modell.<\/p>"}},{"identifier":"83f37466-c808-4c24-bf6c-491b51ff05e8","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p><strong>Farben und Zust\u00e4nde<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">In der unten stehenden Grafik sehen Sie eine abgewandelte Darstellung der Jeff-Cooper-Farbskala mit den Stufen Wei\u00df bis Rot. Wir haben mit Absicht die Darstellungsform einer Pyramide gew\u00e4hlt, da die einzelnen Stufen nicht chronologisch durchlaufen werden m\u00fcssen. Einige Phasen k\u00f6nnen schneller durchlaufen werden als andere, um auf die h\u00f6chste Eskalationsstufe zu gelangen. Viel wichtiger ist es, sich der Eskalationsstufen bewusst zu sein und diese aktiv in die Jagd und das Training f\u00fcr die Jagd zu integrieren.<\/p><p style=\"text-align:justify;\"><strong>Wei\u00df.<\/strong> Dieser Zustand herrscht in Situationen ohne Anspannung und eigene Beobachtungen vor. Man ist nicht darauf vorbereitet, eine Handlung zu vollziehen, sondern mit Dingen besch\u00e4ftigt, die nichts mit der Jagd zu tun haben. In diesem geistigen Zustand kann man sich eigentlich nur in den eigenen vier W\u00e4nden befinden \u2013&nbsp;<br>sobald man die B\u00fcchse aus dem Schrank holt und ins Revier f\u00e4hrt, muss bereits der Zustand Gelb herrschen.<\/p><p style=\"text-align:justify;\"><strong>Gelb.<\/strong> Dies ist der Zustand geistiger Auseinandersetzung mit der Umwelt. Man achtet aufmerksam auf Signale und Beobachtungen in der Umgebung. In den Zustand Gelb muss man sich versetzen, sobald man auf dem Weg zur Jagd ist. In der Gelb-Phase wird Wild allerdings noch nicht bewusst wahrgenommen.<\/p><p style=\"text-align:justify;\"><strong>Orange. <\/strong>Nimmt man Hinweise auf Wild wahr oder beobachtet dasselbe, wechselt der Zustand von Gelb zu Orange. In dieser Phase ist es wichtig, weiterhin das gesamte Umfeld zu beobachten, ohne dabei das Wild aus den Augen zu verlieren. In der Orange-Phase sind auch bewusst Schussvorbereitungen und die wichtigsten Fragen dazu zu stellen. Gleichwohl muss sich eine Situation noch nicht sicher als idealer Jagdmoment erweisen: Bei n\u00e4herer Betrachtung kann man zu dem Schluss kommen, dass die Entfernung zum Wild zu gro\u00df oder kein Kugelfang vorhanden ist oder dass das St\u00fcck einfach nicht richtig steht oder nicht geschossen werden sollte. In diesem Fall kehrt man wieder zum Zustand Gelb zur\u00fcck. Somit ist auf der Jagd ein st\u00e4ndiger Wechsel zwischen Gelb und Orange die Regel.<\/p><p style=\"text-align:justify;\"><strong>Rot.<\/strong> Die Situation hat sich ge\u00e4ndert: Man hat ein St\u00fcck angesprochen, Kugelfang ist gegeben, eine Gef\u00e4hrdung der Umwelt kann ausgeschlossen werden, man hat den richtigen Anschlag gew\u00e4hlt, das Zielbild stimmt und man konzentriert sich auf den Schuss. Jetzt sollte Ihr Zustand im Bereich Rot, der Phase der Schussabgabe, sein. Nur in diesem Zustand der geistigen und k\u00f6rperlichen Ausrichtung auf einen bevorstehenden Schuss k\u00f6nnen Sie sich sicher sein, einen sicheren Treffer zu platzieren. Ob Sie tats\u00e4chlich schie\u00dfen, ist nat\u00fcrlich Ihre Entscheidung. Unter Umst\u00e4nden l\u00e4sst Sie auch eine pl\u00f6tzliche Ver\u00e4nderung des Umfelds,&nbsp;<br>z. B. auftauchende Jogger oder ein vorbeifahrendes Auto, aus der Phase Rot wieder zu Orange oder gar Gelb zur\u00fcckzukehren. Eine h\u00e4ufige Kritik an Coopers Farbenmodell ist \u201emangelnder Praxisbezug\u201c bzw. \u201eFehlen konkreter Handlungsanweisungen\u201c in den verschiedenen Eskalationsstufen. Das Modell hat jedoch gar nicht das Ziel, konkrete Handlungsanweisungen f\u00fcr Stresssituationen zu liefern \u2013 es ist vielmehr eine Abstraktion der Realit\u00e4t und soll dabei unterst\u00fctzen, im Training gezielt Geisteszust\u00e4nde einzunehmen, die auf der Jagd n\u00fctzlich sind. Das Modell l\u00e4sst sich auch auf andere und auf Alltagssituationen \u00fcbertragen. Beim Autofahren z. B. sollte sich niemand unterhalb des Zustandes Gelb befinden, da st\u00e4ndig mit Gefahren zu rechnen ist, schon in einer Baustelle ist der Zustand Orange gefordert, danach wechselt man in der Regel wieder zu Gelb oder ist fallweise gezwungen \u2013 kommt es in der Baustelle etwa zu einem Unfall \u2013, in den Zustand Rot zu wechseln<\/p>"}},{"identifier":"7f6751f3-95b6-4005-aee3-3924bde19f71","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/www.anblick.at\/media\/thumbnail\/48289383-eaf0-48e4-bf60-5f9c46021653","caption":"<p>Bei Hinweisen auf Wild oder dessen Anblick wird mental auf Orange gestellt.<\/p>"}},{"identifier":"f419dc3b-15c7-4395-855e-fed089a0ba1c","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p><strong>Welche Schlussfolgerungen erlaubt das Modell?<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Ein Grund f\u00fcr Fehlsch\u00fcsse ist h\u00e4ufig eine falsche mentale Haltung! Probleme beim Schuss liegen meistens im Kopf: Bewegungen, die vermeintlich in Fleisch und Blut \u00fcbergegangen sind, werden vergessen, weil man von pl\u00f6tzlich eintretenden Umst\u00e4nden \u00fcberrascht wird und nicht reagieren kann. Der J\u00e4ger hat jedoch meist nur einen Schuss und unter diesem Aspekt sollte man auch trainieren. Nur wer in der Ausbildung viele Bilder gesehen hat, kann diese in die Realit\u00e4t \u00fcbertragen: Dazu geh\u00f6rt an erster Stelle auch die mentale Vorbereitung. H\u00e4ufiges und gezieltes Training f\u00fchrt zu einer Automatisierung von Handlungsabl\u00e4ufen und schafft Platz im Kopf, sodass anderes bewusster wahrgenommen werden kann. Wer zu sehr mit seinem K\u00f6rper, der Waffe und der Beurteilung der Umgebungsbedingungen besch\u00e4ftigt ist, wird oft jagdlich erfolglos bleiben.<\/p><p><strong>Dr\u00fcckjagd-Psychologietest<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Aufgrund des fehlenden Praxisbezugs von Jeff Coopers Farbenmodell und der Kritik daran entschlossen wir uns, diesen Bezug herzustellen und das Modell mittels eines Pulsmessger\u00e4ts und des Multi-Moment-Verfahrens auf zwei Dr\u00fcckjagden nahe Dresden und Wiesbaden zu \u00fcberpr\u00fcfen und zu verifizieren. Unserer Theorie nach w\u00fcrde der Puls eines J\u00e4gers in den Momenten h\u00f6chster mentaler Anspannung ansteigen m\u00fcssen. Ziel war es, aus den im Versuch gewonnenen Daten Schl\u00fcsse f\u00fcr das eigene Training zu ziehen. Schauen wir uns einmal an, wie es uns und einem Mitj\u00e4ger bei dem Selbstversuch ergangen ist.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Zur abschlie\u00dfenden Auswertung der Daten haben wir eine Tabelle erstellt. In der Spalte \u201eZeit\u201c ist der Dr\u00fcckjagdverlauf in Zehn-Minuten-Schritten festgehalten. In der Spalte \u201eT\u00e4tigkeit\u201c wird kurz eben diese zum betreffenden Zeitpunkt beschrieben. Die Spalte \u201ePuls\u201c ist wohl selbsterkl\u00e4rend und in der Spalte \u201eJeff-Cooper-Farbe\u201c haben wir den mentalen Bereitschaftsgrad eingetragen, in dem sich der Sch\u00fctze nach eigener und \u00e4u\u00dferer Einsch\u00e4tzung befand. Die Pulswerte zeichnete w\u00e4hrend des ganzen Versuchs der Pulsmesser auf, was wir sp\u00e4ter am Computer auswerten konnten. Die Dr\u00fcckjagd dauerte in unserem Fall von 10.15 bis 13.15 Uhr. Wir trafen uns bereits um 9 Uhr und der Jagdleiter informierte uns \u00fcber die Regularien. Nach anschlie\u00dfendem Marsch zu den St\u00e4nden wurden wir vor Ort noch einmal in die jeweiligen St\u00e4nde eingewiesen, konnten diese beziehen und dann schon Entfernungen nehmen sowie das Gel\u00e4nde hinsichtlich der Schussm\u00f6glichkeiten beurteilen (Kugelfang, m\u00f6gliche Wechsel, woher kommt der Wind etc.). Nachdem wir damit fertig waren, ging die Dr\u00fcckjagd auch schon los.<\/p>"}},{"identifier":"b22cff02-142f-4f79-92e2-3496f18b6aff","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/www.anblick.at\/media\/thumbnail\/d1d67afb-7ca0-4f70-aac4-3cce9727ae39","caption":"<p>Der J\u00e4ger hat normalerweise einen Ruhepuls von 70, dieser lag schon vor Beginn der eigentlichen Jagd dar\u00fcber. W\u00e4hrend des gesamten Messzeitraums ergab sich ein Durchschnittspuls von 108. Mit dem Anblick der ersten Rotwildk\u00e4lber wechselte der J\u00e4ger bewusst auf \u201eRot\u201c und sein Puls schnellte auf 150 nach oben (ab 11.24 Uhr).&nbsp;<\/p>"}},{"identifier":"153ae0a5-8a03-4d11-b02c-475dfc54f382","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p><strong>Versuchsablauf und -ergebnisse<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Wir haben uns einen J\u00e4ger ausgew\u00e4hlt, der schon einige Dr\u00fcckjagden mitgemacht hat und routiniert ist. Auf der Jagd war \u00fcberwiegend Schwarzwild zu erwarten. Man sollte meinen, dass dies keine besonders au\u00dfergew\u00f6hnliche Situation ist. Die Abbildung auf S. 86 oben zeigt den Verlauf des Pulses unseres Probanden w\u00e4hrend der gesamten Jagd. Der J\u00e4ger hat normalerweise einen Ruhepuls von 70 und lag schon vor Beginn der eigentlichen Jagd dar\u00fcber. Dies mag zum einen an der k\u00f6rperlichen Belastung auf dem Weg zum Sch\u00fctzenstand gelegen haben, aber auch die klaren Ansagen des Jagdherrn und der generelle Respekt vor Dr\u00fcckjagden trugen nach Aussage des J\u00e4gers zu einer erh\u00f6hten Anspannung bei. W\u00e4hrend des gesamten Messzeitraums lag der Durchschnittspuls bei 108. Das entspricht einem um 67 Prozent h\u00f6heren Puls als dem f\u00fcr den Sch\u00fctzen \u00fcblichen. W\u00e4hrend des gesamten ersten Treibens pendelt der J\u00e4ger immer zwischen dem geistigen Zustand Gelb und Orange nach der Jeff-Cooper-Farbskala. Weiters wurde gemessen, dass der Puls schon etwas ansteigt, als man die Treiber h\u00f6ren kann (etwa 10 bis 10.27 Uhr), und dann wieder kurz abflacht, weil kein Wild auftaucht. Bei dessen Anblick aber steigt der Puls sofort (10.30 Uhr). Im ersten Treiben sinkt er danach vermutlich wieder stark (10.57 Uhr), weil die St\u00fccke nicht freigegeben waren. Betrachtet man den Pulsverlauf wenige Minuten vor und nach dem Schuss, zeigt sich folgendes Bild: Auf das Wahrnehmen der Treiberwehr reagiert der J\u00e4ger erneut und sein Puls steigt an (ab 11.18 Uhr). Hier befindet sich der J\u00e4ger nach eigener Einsch\u00e4tzung im Zustand Orange. Mit dem Anblick der ersten Rotwildk\u00e4lber wechselt der J\u00e4ger bewusst auf Rot und sein Puls schnellt nach oben (ab 11.24 Uhr). Bis zum Schluss sinkt der Puls jedoch wieder, um nach dem Schuss nochmals kurz anzusteigen. Nach eigener Aussage hat der J\u00e4ger mit Anblick des Wildes ein kurzes Hochgef\u00fchl gehabt, jedoch bewusst versucht, sich zu beruhigen und die Waffe in den Anschlag zu bringen. Nachdem der Schuss gefallen war, kam es erneut zu einem Hochgef\u00fchl, aber weniger aus Freude, sondern mehr aus der Erwartung eines sauberen Treffers.<\/p><p><strong>Schlussfolgerungen<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Wir erkennen, dass der J\u00e4ger w\u00e4hrend der gesamten Jagd unter erh\u00f6hter Anspannung stand. Wahrscheinlich w\u00e4re ein unerfahrener J\u00e4ger noch nerv\u00f6ser gewesen. Die Ungewissheit \u00fcber die Richtigkeit des eigenen Handelns erh\u00f6ht den Spiegel des Stresshormons Adrenalin im K\u00f6rper. Unsere Umgebung hat unmittelbare Auswirkungen auf das eigene Handeln und die eigene geistige und k\u00f6rperliche Verfassung.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Das Beispiel unseres Probanden l\u00e4sst sich mit Sicherheit auf weitere J\u00e4ger \u00fcbertragen. Jeder J\u00e4ger steht auf der Jagd unter Anspannung. Wir alle lassen uns beeinflussen und sprechen ungern dar\u00fcber. Jeder muss sich jedoch selbst treu bleiben und das eigene Handeln hinterfragen.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Unsicherheit und der verst\u00e4ndliche Respekt vor der Situation k\u00f6nnen verheerende Folgen haben. Alle Einfl\u00fcsse auf unsere Gef\u00fchlslage addiert f\u00fchren zu einem Emotionsgemenge, das bei einer unge\u00fcbten Person dazu f\u00fchren kann, Situationen falsch einzusch\u00e4tzen, Standardabl\u00e4ufe pl\u00f6tzlich nicht mehr zu beherrschen und im schlimmsten Fall dazu, dass der K\u00f6rper nicht mehr auf den Geist h\u00f6rt. Mancher nennt das Jagdfieber.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Ist es m\u00f6glich, sich davor zu sch\u00fctzen? Genau k\u00f6nnen wir diese Frage nicht beantworten \u2013 wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass ein gezieltes mentales Training, kombiniert mit einem ausgiebigen Schie\u00dftraining, viele Bilder im Kopf erzeugt, die dann in Stresssituationen nur noch abgerufen werden m\u00fcssen. Ist man auf unterschiedliche Situationen mental vorbereitet, weil man sie im Training in abgeschw\u00e4chter Form bereits \u201edurchlebt\u201c hat, f\u00e4llt es leichter, richtig zu reagieren.<\/p>"}},{"identifier":"720fff8d-39dc-4552-a64a-c046ae177914","nodeType":"Neos.NodeTypes:Image","properties":{"image":"https:\/\/www.anblick.at\/media\/thumbnail\/74debf59-391a-4921-9b75-82ead945d500","caption":"<p>Ist man auf unterschiedliche Situationen mental vorbereitet, weil man sie im Training in abgeschw\u00e4chter Form bereits \u201edurchlebt\u201c hat, f\u00e4llt es leichter, richtig zu reagieren.<\/p>"}},{"identifier":"5b64e25f-a641-4f74-8f3c-a774493113b5","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":"<p><strong>Trockentraining f\u00fcr ein Muskelged\u00e4chtnis<\/strong><\/p><p style=\"text-align:justify;\">Das Farbenmodell von Jeff Cooper soll Ihnen einen Eindruck davon vermitteln, wie man sich mental konditionieren und auf die Jagd vorbereiten kann. Aus unserer Sicht lohnt es sich, die Zeit zu investieren und ein solches regelm\u00e4\u00dfiges Training zu planen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist noch der Aspekt des Muskelged\u00e4chtnisses. Muskelged\u00e4chtnis? Das kennen auch Sie: Denken Sie noch \u00fcber den Gangwechsel beim Auto- oder Motorradfahren nach? Nach unz\u00e4hligen Schaltvorg\u00e4ngen, die Sie in Ihrem Leben bereits ausgef\u00fchrt haben, wei\u00df Ihr K\u00f6rper, wann geschaltet werden muss. Selbst nach einer l\u00e4ngeren Fahrpause k\u00f6nnen Sie Ihr Muskelged\u00e4chtnis abrufen und m\u00fcssen das Fahren oder Schalten nicht erneut lernen.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Der wichtigste Aspekt des Trockentrainings ist aber die Entwicklung eines Muskelged\u00e4chtnisses durch aufmerksames Wiederholen von Handlungsabl\u00e4ufen. Bei der Entstehung eines Muskelged\u00e4chtnisses werden einzelne Fertigkeiten verinnerlicht und sowohl auf bewusster als auch unbewusster Ebene in der Muskulatur gespeichert. H\u00e4ufig wird davon gesprochen, dass eine unterbewusste Automatisierung bestimmter Handlungsabl\u00e4ufe nach 3.000 bis 5.000 Wiederholungen eintritt. Muskelged\u00e4chtnis bedeutet, wenn man nicht mehr nachdenken muss, sondern sie unterbewusst ausf\u00fchrt.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">Was Sie beim Autofahren schaffen, schaffen Sie idealerweise auch beim Schie\u00dfen. In Stresssituationen \u2013 auch Wettk\u00e4mpfe k\u00f6nnen Stress hervorrufen \u2013 haben Sie n\u00e4mlich nicht die Zeit, jeden Handlungsablauf zu durchdenken, das muss Ihr Muskelged\u00e4chtnis f\u00fcr Sie \u00fcbernehmen.<\/p><p style=\"text-align:justify;\">&nbsp;<\/p><p><strong>Leseprobe aus:<\/strong><em> Michael Gast, Sven Stollenwerk: <\/em><strong>\u201eDer perfekte B\u00fcchsenschuss\u201c.<\/strong><em> Ein Praxishandbuch: sicher schie\u00dfen, sicher treffen mit der richtigen Technik. Kosmos-Verlag, \u20ac 28,-.<\/em><\/p>"}},{"identifier":"5f0c21d8-0dfa-4c48-8260-316d4a07c046","nodeType":"Neos.NodeTypes:Text","properties":{"text":""}}]}