Im Revier
Hegeabschüsse und Grenzfälle
Die Landesjagdgesetze erlauben mehr oder weniger gleichlautend, dass Wild, das infolge einer Verletzung an großen Qualen leidet, seuchenverdächtig oder augenscheinlich krank ist, auch während der Schonzeit und über den Abschussplan hinaus erlegt werden darf. Ob der Hegeabschuss gerechtfertigt ist, muss hinterher ein Sachverständiger klären.

Nach den meisten Jagdgesetzen besteht die Erlaubnis, krankes oder kümmerndes Wild über den Abschussplan hinaus und auch während der Schonzeit zu erlegen. Haseder und Stinglwagner definierten den Hegeabschuss in "Knaurs Großem Jagdlexikon" noch als "Abschuss allen kranken, schwachen, verletzten und überalten Wildes, das sich nicht vererben soll (Hege mit der Büchse)". Diese relativ oberflächliche und schwer abgrenzbare Festlegung würde einerseits viele Stücke betreffen und zielt andererseits auf den veralteten Begriff der "schlechten Vererber", dessen Umsetzung sogar zu einer Einengung der genetischen Breite bei einigen Wildarten geführt hat. Denken wir diesbezüglich nur an die Selektion nach gewissen Geweih- oder Kruckenmerkmalen. Auch der Begriff "krankes Wild" ist schwer zu fassen, denken wir nur an einen Parasitenbefall ohne klinische Symptome.
Vor 25 Jahren wurde im ANBLICK ein Hegeabschuss von mir wie folgt beschrieben: "Abschuss von Stücken, die deutlich kümmern, erhebliche Verletzungen oder Krankheitserscheinungen zeigen, sodass ein Verenden zu befürchten ist bzw. hochgradige Schmerzen vorliegen; weiters mutterloses Jungwild im ersten Lebensjahr bis zum Ende der gesetzlichen Schusszeiten." Damit erlaubt eine Graduierung (deutlich, erheblich, befürchtetes Verenden, hochgradige Schmerzen) sowie in der Folge eine taxative Aufzählung von Hegeabschussgründen eine nähere Einschränkung dieser meist auch aus Tierschutzgründen erforderlichen Abschüsse. Jedenfalls muss natürlich auch klar sein, dass ein Hegeabschussgrund vom Schützen bereits am lebenden Stück im Zuge des Ansprechens erkannt wurde und nicht erst nach dem Herantreten an das Stück oder gar erst beim Aufbrechen.
Der Videobeweis
Mittlerweile gibt es nur mehr wenige jagdliche Situationen, bei denen es nicht möglich wäre, Hegeabschussgründe vor dem Abschuss fototechnisch zu dokumentieren. Besonders bei Lahmheiten, zentralnervalen Störungen (z. B. Im-Kreis-Gehen) oder Verlust der Scheu vor dem Menschen ist ein Videobeweis ein wertvoller Befund für Personen, die dann die Rechtmäßigkeit des Hegeabschusses bestätigen sollen. Zweifel und oft sogar Unstimmigkeiten gibt es ohnedies fast nur bei (zu jungen) Trophäenträgern. Wenn schon kein Video vor der Erlegung möglich ist, sind oft auch Fotodokumentationen vom Erlegungsort sowie vor und nach dem Aufbrechen bzw. der Sektion hilfreich.
Grenzfälle
Neben eindeutigen Hegeabschussgründen gibt es eine Reihe von Fällen, die zu Diskussionen um die "Abschussnotwendigkeit" führen. Beispiele dafür sind Hirsche oder Gamsböcke, die (meist im Brunftkampf) ein Licht/Auge verloren haben oder die aus anderen Gründen einseitig erblindet sind. Spätestens in der nächsten Brunft sind diese Stücke jedoch stark behindert und damit in Brunftkämpfen einem höheren Verletzungsrisiko ausgesetzt. Ein weiteres Beispiel sind Hirsche mit Zaunteilen im Geweih, die beim Geweihabwurf mit abgeworfen werden würden. Zwischenzeitig könnte der Hirsch aber mit diesen Drähten irgendwo hängen bleiben und verludern.
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Jagareien aus Norwegen
Jagd bei Wickie und den starken Männern
Anders als in vielen europä-ischen Ländern, in denen die Jagd historisch dem Adel vorbehalten war, hatte Norwegen schon immer einen egalitären Ansatz. Von der Steinzeit bis heute war die Jagd für alle sozialen Schichten zugänglich. Das spiegelt auch das aktuelle Jagdwesen wider.

Die Jagd in Norwegen ist zutiefst in der Volksseele verankert. Das zeigt sich schon an der Zahl der registrierten Jäger: Im "jegerregisteret" sind für das Jagdjahr 2024/2025 über 550.000 Personen mit Jagdberechtigung eingetragen – das entspricht rund zehn Prozent der Bevölkerung. Besonders erfreulich ist der vergleichsweise hohe Anteil an Jägerinnen von etwa 17 Prozent. Und in kaum einem anderen europäischen Land würde die Jagd als legitimer Grund gelten, um Meetings zu verschieben – in Norwegen ist die erste Woche der Elchjagd fast ein nationales Heiligtum. Sogar der echte König von Norwegen nimmt sich frei, um dem König des Waldes seine jagdliche Aufwartung zu machen.

8.000 Jahre opportunistische Bejagung ...
Diese etwas sarkastische Beschreibung der Jagd in Norwegen stammt von einem norwegischen Bezirkswildtiermanager. Im Vergleich mit den extrem detaillierten mitteleuropäischen Abschussrichtlinien gestalten sich die norwegischen Richtlinien etwas einfacher. Das spiegelt sich vor allem beim Schalenwild wider. Geweihträger bei Elch und Hirsch werden so zum Beispiel nur in "1,5-Jährige" und "Erwachsen/älter als 2,5 Jahre" eingeteilt. Leicht salopp gesagt, führt das dazu, dass jeder Hirsch oder Elchbulle mit ein paar Enden mehr frei ist und die meisten Jäger auch wenig Grund sehen, auf etwas Besseres zu warten. In vielen Elchbeständen sowie in den stark anwachsenden Hirschbeständen an der Westküste Norwegens hat das zu schlechten Altersstrukturen geführt. Rehe werden überhaupt klassenfrei bejagt, manchmal nicht einmal mit festgesetzten Quoten. Fleisch im Tiefkühler ist den meisten Norwegern oft wichtiger als die Trophäe an der Wand. "Was man schießt, das isst man auch", ist ein wichtiger Grundsatz der norwegischen Jagdkultur.
Wer heute in den norwegischen Bergen unterwegs ist, entdeckt nicht selten Spuren einer uralten Jagdtradition: verfallene Gruben, lange Steinzäune – stille Zeugen einer Zeit, in der Menschen opportunistisch Jagd auf Rentiere und Elche betrieben haben. Archäologen stoßen immer wieder auf faszinierende Funde: 1.500 Jahre alte Leitmauern, die Rentiere in geschickt platzierte Fallen lenkten, oder Pfeilspitzen und Jagdgeräte, die aus schmelzenden Gletschern ans Licht kommen. Diese Relikte erzählen von ausgeklügelten Massenjagdsystemen und schlagen eine Brücke zwischen den Jägern von damals und denen von heute – ein beeindruckendes Gefühl von Kontinuität und Verbundenheit mit der Natur.
Anders als in vielen europäischen Ländern, in denen die Jagd historisch dem Adel vorbehalten war, hatte Norwegen schon immer einen egalitären Ansatz. Von der Steinzeit bis heute war die Jagd für alle sozialen Schichten zugänglich und hat so ein Gefühl von gemeinsamer Tradition und Outdoor-Kultur, dem sogenannten "friluftsliv", geschaffen. Diese Kultur ist bis heute ein prägendes Merkmal der norwegischen Jagdidentität.
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Im Revier
Mit Beller und Flöte in der Fuchsranz
Zu keiner anderen Zeit des Jahres sind Füchse so viel auf den Läufen wie zur Ranzzeit. Hasenklage und Mauspfeifchen werden jetzt meist ignoriert, denn das Hochzeitsmotto zur Ranzzeit lautet: Suchen und Finden übers Bellen und Markieren! Dabei ist immer wieder ihr heiserer Kontaktruf zu hören, den sich auch der eifrige Fuchsjäger nun zu eigen macht.

Waffe, Schuss & Optik
Sauer 101 Fieldshoot 6XC – Die neue .243 Winchester
Die Sauer 101 Fieldshoot vereint das Beste aus der Welt des Schießsports und der Jagd. Zudem wirkt ihr Äußeres sehr extravagant. Auch das Präzisionskaliber 6XC von Norma passt da gut ins Bild. Leistungsmäßig entspricht es in etwa der .243, doch wurde es in jeder Hinsicht optimiert.

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