Im Revier
Überschätzter Einfluss von Beutegreifern
In Slowenien wirken Luchse, Wölfe und Goldschakale auf Rehwild ein. Welche Auswirkungen und Folgen das auf die Bestände nach sich zieht, erforschen gegenwärtig slowenische Wildbiologen.

Praxiswissen für Revierbetreuer
Schnellansprache in der Blattzeit
Wenn in der Blattzeit ein Bock auf die verlockenden Laute des Blatters zusteht,
ist er die meiste Zeit in Bewegung und springt häufig im spitzen Winkel. Viel Zeit zum Ansprechen bleibt da nicht. Wenn er dann endlich verhofft, verdeckt ihn meist auch noch ein Hindernis. "Passt er oder nicht?", ist dann die hektische Frage.

Jagd heute
Warum Schießen zur Jagd gehört
Der Shootingpark Austria in Leobersdorf ist breit aufgestellt und bietet für alle am Schießen Interessierten umfassende Angebote in allen erdenklichen Disziplinen. Auch Behörden entsenden ihre Mitarbeiter, um hier zu üben, Sportschützen sind herzlich willkommen. Das Herzstück sind für Paul Schaufler allerdings die Jäger, die sich am Schießen erfreuen, ihre Ausrüstung überprüfen oder mit ihrer Jagdwaffe trainieren.

Herr Schaufler, wir befinden uns hier auf einem Schießstand und es geht auch um die Jagd. Was bedeutet Jagd für Sie?
Paul Schaufler: Ich komme aus einer jagdlichen Familie, schon mein Vater war sehr eng mit der Jagd verbunden. Auch meine Mutter hat Anfang der Siebzigerjahre die Jagdprüfung gemacht, das war damals eher exotisch, dass eine Frau aktive Jägerin ist. Wir haben immer Reviere in Österreich gehabt, auch in Ungarn und Tschechien, selbst als es den Eisernen Vorhang gab und die Ein- und Ausreise nicht so einfach und elegant möglich war wie heute. Deshalb habe ich schon während meiner Schulzeit die Jagdprüfung absolviert. Seit 20 Jahren habe ich ein Revier in den Donauauen, dort bin ich auch Hegeringleiter. Weiters jage ich seit vielen Jahren in der Steiermark und im Nordburgenland.
War Ihr Interesse am Schießbetrieb eher jagdlich oder sportlich geprägt?
Das war anfangs rein jagdlich. Beruflich berate ich seit vielen Jahren Klienten in ihren Veranlagungs- und Finanzierungsangelegenheiten. Vor etwa 20 Jahren war ich im Ankauf des Shootingparks von der Hirtenberger AG als Berater beteiligt. So habe ich mich erstmals wirtschaftlich mit dem Schießwesen auseinandergesetzt. Im Jahr 2020 hab ich mich mit einem Partner am Shootingpark beteiligt und danach die Mehrheit übernommen. Es gibt auch einen sportlichen Aspekt. Leider habe ich meinen Vater sehr früh verloren, ich war damals 29 Jahre alt. Unsere Familie hat daraufhin jährlich ein Hans-Schaufler-Gedenkschießen veranstaltet. Dort hat mich der Ehrgeiz gepackt und ich wollte ganz vorne mitschießen und begann, intensiv zu trainieren. In dieser Zeit habe ich mit dem Wettkampfschießen begonnen.
Nun konkret zum Schießplatz. Nicht weit vom Shootingpark Leobersdorf gibt es eine zweite Schießanlage. Ist der Bedarf für die Auslastung beider vorhanden?
Wir haben leider viel zu wenig Schießstände in Österreich. Es wäre gut, wenn wir mehr Plätze hätten, weil je höher das Angebot, umso mehr Leute kommen zu diesem Sport und der Leidenschaft. In den letzten 15 Jahre haben sicherlich mehr Schießstände zugesperrt als neu eröffnet. Ich glaube auch, dass es aufgrund der aktuellen gesetzlichen Gegebenheiten in Österreich keine neuen Schießstätten mehr geben kann. Die Umweltauflagen in Bezug auf Blei oder auch Lärm machen das meiner Ansicht nach nur noch indoor möglich. Deshalb haben wir die Erweiterungen auch indoor gemacht, weil alles andere mit extrem hohen behördlichen Auflagen verbunden ist. Wir haben 35 Hektar im Eigentum und ich weiß, wie mühsam es war, alle Genehmigungen zu bekommen. Das war ein unfassbarer zeitlicher, organisatorischer und vor allem auch wirtschaftlicher Aufwand, um das zu bewältigen.
Nun zur Frage mit den beiden Schießständen: Der zweite, der dem Niederösterreichischen Landesjagdverband gehört und von Steyr Arms betrieben wird, ist eine sehr gute Ergänzung zu uns. Sie haben eine andere Strategie, speziell was den Shop betrifft. Wir arbeiten gut zusammen und es gibt kein Konkurrenzdenken.

Was ist Ihr persönliches Gefühl: Wird die Nachfrage beim Schießen mehr oder weniger?
Gerade im jagdlichen Bereich beob-achten wir eine erfreuliche Entwicklung. Die Bereitschaft, auf den Schießstand zu gehen und zu üben und sein Equipment zu überprüfen, wächst speziell bei der jüngeren Generation. Wir verzeichnen auch eine steigende Nachfrage bei der Jungjägerausbildung, weil wir hier vor Ort alles anbieten können: sowohl den theoretischen Teil in unseren Seminarräumen als auch die praktische Übung mit Flinte und Büchse. Anders ist das durch das neue Waffengesetz nur noch schwer möglich. Es gilt ja eine vierwöchige Abkühlphase, die eingehalten werden muss.
Auch die Nachfrage nach Training mit der Kurzwaffe steigt. Ich schieße sehr gerne mit der Pistole, bin aber kein Wettkampfschütze. Was ich jetzt sage, meine ich als Jäger – ich bin in zwei Bundesländern Jagdschutzorgan und in drei Revieren Jagdleiter: Wir Jäger haben ja das Privileg, dass wir mit der Jagdkarte eine Waffenbesitzkarte bekommen, ohne all diese Schikanen, die das neue Waffengesetz mit sich bringt. Ich appelliere an alle Jäger, diesen Vorteil auch auszunutzen! Weil, wenn einmal die Politik zur Ansicht kommt, dass wir Jäger dieses Privileg zu wenig nutzen, kann es auch sehr schnell wieder entzogen werden.
Braucht man ein waffenrechtliches Dokument zum Schießen?
Ja, immer, außer man schießt gemeinsam mit einem Trainer. Jeder Gast braucht ein waffenrechtliches Dokument, wie z. B. eine Jagdkarte oder eine Waffenbesitzkarte, und muss sich persönlich registrieren.
Den ausführlichen Beitrag finden Sie in der aktuellen Printausgabe. Kostenloses Probeheft anfordern.
Im Revier
Jagdstrategien zur Schalenwildregulierung
Wie kann Jagd unter heutigen Rahmenbedingungen wirksam, fachlich fundiert und gleichzeitig gesellschaftlich tragfähig gestaltet werden? Diese Leitfrage stand im Zentrum einer ganztägigen Fachtagung des Förderungsvereins für Umweltstudien Tirol (FUST) und sollte am Beispiel der Schalenwildbejagung konkretisiert werden.

Ziel der Tagung war, Strategien für die Bejagung des Schalenwildes nicht nur aus einer einzelnen Perspektive zu bewerten, sondern als Teil eines komplexen Wirkungsgefüges zu betrachten: Wildbiologie, Land- und Forstwirtschaft, Almwirtschaft, Freizeitnutzung, Raumplanung und rechtliche Rahmenbedingungen wirken gleichzeitig auf Wildverteilung, Bejagbarkeit und Schäden. Der FUST bietet eine neutrale Plattform, auf der Wissenschaft und Praxis gezielt zusammengeführt werden – nicht als "Meinungsbörse", sondern als Ort, an dem Argumente, Daten und Erfahrungen systematisch nebeneinandergelegt und auf ihre Konsequenzen hin geprüft werden.
In der Tagung mit 13 Referenten aus Österreich, Südtirol und Deutschland wurde hervorgehoben: Wer über Bestände, Abschüsse oder Waldverjüngung spricht, muss die Wechselwirkungen in alpinen Kulturlandschaften mitdenken. Wildtiere reagieren nicht nur auf jagdliche Eingriffe, sondern genauso auf die Vielfalt menschlicher Nutzungen. Tourismus und Freizeitverhalten – längst nicht mehr nur tagsüber – verändern die Störkulisse, Forststraßen und Erschließungen verändern Flucht- und Rückzugsräume, Almwirtschaft und Weidedruck beeinflussen Äsungsangebote und die klimatische Entwicklung verschiebt Vegetationszeiten und Aufenthaltsmuster. In Summe entsteht eine dynamische "Risikolandschaft", in der Wild lernt, ausweicht, sich konzentriert oder in die Nachtaktivität abgedrängt wird. Genau diese Reaktionen sind für Jagdstrategien entscheidend – denn sie bestimmen, ob Wild überhaupt noch so bejagbar bleibt, wie es Abschusspläne und Zielvorgaben voraussetzen.
Diese räumlichen Zusammenhänge werden beim Management des Rotwildes besonders deutlich. Wissenschaftliche Langzeitdaten und Telemetrieergebnisse zeigen übereinstimmend, dass das Rotwild Lebensräume nicht flächig nutzt, sondern stark schwerpunkthaft. Ein großer Teil der Aufenthaltszeit entfällt auf vergleichsweise kleine Kernbereiche, die oft über Jahre hinweg konstant genutzt werden. Das hat praktische Konsequenzen: Nicht der Gesamtbestand im Revier ist der entscheidende Einflussfaktor für Schäden, sondern die lokale Dichte in sensiblen Räumen. Schäden entstehen selten gleichmäßig über die Fläche; sie entstehen dort, wo sich Wild konzentriert – etwa an störungsarmen Einstandsbereichen, an attraktiven Äsungs- oder Deckungsstrukturen oder in Übergangszonen, die durch menschliche Nutzung zunehmend "eng" werden. Wer solche Hotspots mit dem Gießkannenprinzip bejagt, erreicht häufig nicht die gewünschte Entlastung. Umgekehrt kann eine räumlich kluge Strategie – also das gezielte Ansetzen am richtigen Punkt – wirksamer sein als eine rein mengenorientierte Erhöhung des Jagddrucks.
Jagddruck als Steuerungsinstrument
Damit war das zweite große Thema der Tagung angesprochen: Jagddruck ist ein Steuerungsinstrument, aber er ist kein Selbstzweck. Jagd erzeugt immer Druck – unabhängig davon, ob sie als Ansitz, Pirsch, Bewegungsjagd oder mit technischen Hilfsmitteln erfolgt. Wird dieser Druck flächig und dauerhaft aufgebaut, sind die Folgen bekannt: Wild wird scheuer, weicht in dichte, schwer zugängliche Bereiche aus, verlagert Aktivität in die Nacht und wird insgesamt schwerer regulierbar. Gleichzeitig steigt lokal die Schadensintensität, weil die Tiere in genau jene Zonen gedrängt werden, die forstlich oder ökologisch besonders sensibel sind. Mehrfach wurde daher betont, dass erfolgreiche Strategien häufig weniger auf "mehr Jagd" als auf "besser gesteuerte Jagd" setzen: kurze, klar definierte Bejagungsphasen, dazwischen konsequente Ruhe und eine räumliche Planung, die das Wild nicht permanent "unter Strom" setzt.
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