Im Reich der Sinne

Tasten – der eigentliche Spürsinn

Der Tastsinn reagiert auf Druck und Bewegung. Er liefert aktiv oder passiv Informationen aus dem Nahbereich der Tiere. Das Ergebnis ist immer ein 3D-Bild der unmittelbaren Umgebung.

Im Reich der Sinne

Wer wie ich nicht mehr über die Sehkraft der Jugend verfügt und sich den Zauber der Nacht auch nicht durch Technik zerstören lässt, fragt sich zwangsläufig, wie die Tiere das hinkriegen. Wie finden sie ihre Wege im Dunkeln? Warum stolpern sie nicht, laufen nicht auf Hindernisse auf? Nun, die Antwort führt uns direkt zum nächsten der mechanischen Sinne, dem vielfach unterschätzten, wenig beachteten Tastsinn. Betrachten wir ihn anhand von Beispielen. 

Das Murmeltier ist zwar tagaktiv, verbringt aber bis zu 90 Prozent seines Lebens unter Tage. Um sich im verzweigten Bau zielsicher zu orientieren oder zu messen, ob es in eine Fluchtröhre hineinpasst, setzt es seine Vibrissen ein, spezielle Tasthaare, bei denen schon die geringste Auslenkung die an ihrer Basis sitzenden Nervenenden reizt und damit Nachrichten ans Gehirn sendet. Der übliche Schnurrbart, den ja viele andere Tiere auch nutzen, greift beim Murmeltier zu kurz. Daher trägt es seitlich an den kräftigen Vorderbeinen eine Extragarnitur stabiler Tasthaare. Zudem ist auch noch jedes einzelne Körperhaar bei allen Säugetieren (auch bei uns) an seiner Basis von Tastsinneszellen umgeben. Verbiegt eine aufsitzende Fliege auch nur zwei Härchen am Träger eines mächtigen Hirsches, wackelt der schon mit den zur Abwehr bestens geeigneten Lauschern.

Was kann der Tastsinn des Murmeltieres noch? Entdecken! Erforschen! Erkunden! Und zwar mit der unbehaarten Haut der Hände, unter der ebenso unzählige Tastkörperchen sitzen, die durch den leisen Druck des Greifens unterschiedliche Oberflächen und Gegenstände erkennen können. Zum Beispiel ob es sich beim (verbotenen) Füttern am Großglockner um Soletti handelt oder um etwas Ungenießbares. Lippen und Zunge erfüllen mit eben diesem Tastsinn bei allen Pflanzenfressern eine wesentliche Aufgabe bei der Nahrungswahl.

Wenn Auerhahn und Grünspecht ihre "Nase" in einen Ameisenhaufen stecken, verrät ihnen der feine "Spürsinn" ihres Schnabels und ihrer Zunge, wo die nahrhafte Brut zu finden ist. Der Stecher der Schnepfe bringt dieses Aufspüren zur Perfektion. Unzählige Sensoren an seiner Spitze melden beim Stochern im Boden "weich und beweglich". Abendessen! Was der Geruchssinn dazu beiträgt, werden wir ein anderes Mal besprechen.

Verbiegt eine aufsitzende Fliege auch nur zwei Härchen am Körper eines mächtigen Hirsches, wackelt der schon mit den zur Abwehr bestens geeigneten Lauschern.

Und da sind wir ja schon mittendrin im Beispiel Vögel. Der Tastsinn in ihren Füßen ermöglicht die Auswahl des Lande- und Rastplatzes in luftiger Höhe, Sensoren am Grund der Schwungfedern messen im Flug die Luftströmung. Einfach genial.

Der Tastsinn reagiert also auf Druck und Bewegung. Er liefert – aktiv oder passiv – Informationen aus dem Nahbereich der Tiere. Auslenkung kleinster Strukturen – Signal – Reaktion. Er ist neben Riechen und Hören der Schlüssel zur Orientierung für Nachtaktive, Baubewohner, Kletterer und Pflanzenfresser. Bei ihnen allen sitzen die entsprechenden Sinneszellen konzentriert dort, wo sie gebraucht werden. Das Ergebnis ist immer ein 3D-Bild der unmittelbaren Umgebung. Je mehr Empfänger, umso genauer. Ganz wie die Pixel eines Bildes. Nicht umsonst werden Pixel als Abtastwerte eines Bildes bezeichnet. Und so läuft das auch mit dem sicheren Gehen im Dunkeln. Die feinen Druckveränderungen an Fußsohlen, egal wie diese gebaut sind, zeichnen im Kopf ein Bild des Untergrunds. Wie ein Satellitenbild.

Und wissen Sie, was der Luchs kann? Nachdem er sich mit Nase, Restlichtverstärker der Augen und sämtlichen Tastorganen ein Bild von der Umgebung seines Jagdgebietes und die Beute ausfindig gemacht hat, richtet er seine Schnurrhaare gezielt und aktiv Richtung Beute, scannt sie ein und zack – gezielte Tötung. Clean shot. Ohne Technik? So würde ich das nicht sagen.

Beatrix Sternath

Im Revier 

Tierische Dialekte

Die Lautäußerungen von Tieren unterscheiden sich regional voneinander. Es sind keine Dialekte im menschlichen Sinne, dennoch tragen sie zum Zusammenhalt innerhalb einer Gruppe und der Abgrenzung nach außen bei.

Im Revier 

Im Revier

Wasser im Wald

Vom Wasserkreislauf in Ökosystemen hängt ab, wie sich Flora und Fauna entwickeln. Wälder sind diesbezüglich dankbare Lebensräume, da sie Witterungseinflüsse abpuffern. Darüber hinaus ist es mit einfachen Mitteln möglich, den Wasserrückhalt zu steigern. 

Im Revier

Pirschgang im August. Der Hund frei neben mir – plötzlich springt er zur Seite, und eh ich mir Vorwürfe mache, dass ich ihn nicht angeleint habe, steht er bei dem Wurzelstock einer alten Tanne und trinkt aus dem ausgefaulten Herzstück des Stammrestes. Ein Kontrollblick verrät, hier gibt es mehr als ausreichend Wasser für einen durstigen Hund. Mein Begleiter konnte es nicht gesehen haben – er muss Wind davon bekommen haben. Dabei kommt mir der alte Jäger Franzl in den Sinn – er war immer überzeugt: Der Jagdhund ebenso wie das Wild findet auch in den weitgehend wasserlosen Wäldern des hohen Karstes Wasser. 

Rotwildsuhlen sind hier wahre Magneten. Bär, Luchs und Wolf finden sich dort ebenso ein wie Reh, Wildschwein und eine ganze Reihe von Vogelarten. Das reicht vom Habichtskauz, der gerne ein Bad nimmt, über Bussard und Habicht bis zu Spechten, Drosseln und, nicht zu vergessen, den Ringeltauben, die hier nicht baden, aber jedenfalls Wasser trinken. Die Tauben brauchen Wasser, um ihre Nahrung zu verdauen und die Kropfmilch zu erzeugen. Mittlerweile weiß ich, dass meine Hunde entlang von Pirschwegen auch ihre "Dendrotelmen" kennen. Das sind in der Regel ausgefaulte Löcher am Stammfuß von Buchen, die mit vom Stamm abfließendem Regenwasser gefüllt sind. Der Hund zieht dann ganz bewusst dorthin. Auch wenn er nicht durstig ist, ein paar Maulvoll müssen es immer sein. Diese Dendrotelmen zählen zu den wichtigsten Brutstätten für Schwebfliegen. Deren Larven entwickeln sich hier. Neben den Bienen zählen Schwebfliegen heute zu den wichtigsten Blütenbestäubern. Auch die Bienen kommen nicht ohne Wasser aus. Sie finden es in den Wäldern ebenso wie meine Hunde – und mancher hohle, wassergefüllte Baumstumpf wird dann umschwirrt wie ein Bienenstock. Das sind nur ein paar Beobachtungen neben dem Pirschsteig zu einem Thema, das in Zukunft von immer größerer Bedeutung wird. 

Künstlich angelegte Suhlen und Tränken sind regelrechte Wildmagneten, wie die Fotos von Wildkameras eindrucksvoll belegen. 

Wasserkreislauf

Wasser im Wald tritt in vielen Formen auf – Dendrotelme und Rotwildsuhle sind zwei davon –, ob am Quellaustritt oder im Bachbett, in Waldteichen ebenso wie in Verdunstungs- oder Versickerungsmulden, auf vernässten, anmoorigen Standorten, im Auenaltarm oder als Rest vom letzten Regenguss in der Fahrrinne eines Schleppers – der Quell des Lebens hat die unterschiedlichsten Gesichter. Weit größere Dimensionen nimmt jedoch jener Wasserkreislauf ein, der nicht ins Auge fällt und den wir daher auch kaum erfassen können. Bäume verdunsten täglich enorme Mengen Wasser über Nadeln und Blätter. Ein paar Zahlen verdeutlichen, um welche Größenordnungen es hier geht. 

In Wäldern zirkuliert sehr viel Wasser. Ein Buchenaltholz verdunstet auf einem Hektar an einem schönen Sommertag bis zu 50.000 Liter Wasser. Je nach Baumartenmischung und Alter können im Sommer 20.000 bis 60.000 Liter je Tag und Hektar freigesetzt werden. Laubbäume verduns-ten grundsätzlich mehr als Nadelbäume, doch, übers Jahr gesehen, gleicht sich die Bilanz wieder aus, da bei Nadelbäumen auch im Winter die Fotosynthese ablaufen kann, während Laubbäume um die Zeit ohne Blätter sind. Fichten verduns-ten weniger als Tannen, Eichen mehr als Buchen und Birken ziehen besonders viel Wasser aus dem Waldboden, wenn es heiß wird. Abgegeben wird die Feuchtigkeit über kleine Spaltöffnungen an Blatt- oder Nadelunterseite. Zwei Schließzellen, die wie zwei Lippen einen Mund (das "Stoma") umschließen, öffnen oder schließen diese Lücken. Kohlendioxid (CO²) wird so über die Luft aufgenommen, Sauerstoff und Wasser wird abgegeben. Nur etwa zehn Prozent des Wassers, das aus dem Boden kommt, ist tatsächlich für die Fotosynthese notwendig, der Rest verdunstet. Wichtig ist der Wasserstrom dennoch, denn nur über die hohe Bindekraft der Wassermoleküle kann die Flüssigkeit in den Leitungsbahnen des Baumes weit nach oben gezogen werden. Es geht um jene Saugkraft, die entsteht, wenn Wasser in der Baumkrone verduns-tet wird. Das Besondere an den Schließzellen ist: Jede Baumart hat ihre eigenen, ganz charakteristischen, unverwechselbaren Spaltöffnungen. In der Wildbiologie macht man sich das für Nahrungsanalysen zunutze. So kann zum Beispiel aus den unverdauten Pflanzenresten in der Haselhuhnlosung bestimmt werden, was das kleine Waldhuhn frisst. Die Schließzellen verraten es.

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Praxiswissen für Revierbetreuer

Der präzise Schuss vom Hochsitz aus

Eigentlich sollte man meinen, der Schuss vom Hochsitz aus sei der einfachste, denn das Gewehr kann gut aufgelegt werden und das Wild steht ruhig wie eine Zielscheibe. Dennoch führen Fehler in der Schießtechnik auch dabei zu schlechten Schüssen. Mit wenigen Tricks lassen sich solche Missgeschicke aber auch noch wenige Tage vor Beginn der herbstlichen Schalenwildjagd ausmerzen.

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