Im Revier

Osterschinken aus dem Revier

Für Schinken, Speck und selbst Schweinsbraten mit knackiger Kruste braucht man kein Hausschwein bemühen. Richtiges Timing vorausgesetzt, liefert das Wildschwein aus dem Revier dieselben Komponenten, wie der Selbstversuch zeigt.

Im Revier

Fachtagung: Rehwild wohin?

So setzen Sie Kitze richtig um!

Drohnensuche mit Wärmebildkamera direkt vor der Mahd und das anschließende Umsetzen der Rehkitze haben sich in kurzer Zeit als sehr erfolgreiche Methode etabliert, um den kleinen Fellbündeln das Leben zu retten. Das Rehprojekt an der Universität Südost-Norwegen hat untersucht, welche Umsetzungsmethode für die Kitze am wenigsten stressig ist.

Fachtagung: Rehwild wohin?

Jeden Frühsommer liegen Tausende Rehkitze gut versteckt in den Wiesen. Ihr angeborenes Programm lautet: Stillhalten, bis die Gefahr vorbei ist. Eine super Strategie gegen Füchse – aber leider nicht gegen moderne Traktoren und Mähwerke, die schnell arbeiten und eine beeindruckende Breite haben. Für den Landwirt ist ein Kitz im hohen Gras praktisch unsichtbar.

Das Resultat: verletzte oder getötete Kitze. Und als wäre das nicht tragisch genug, können Fleischreste im Siloballen Botulismus bei Nutztieren verursachen – mit viel Stress, Tierarztkosten und wirtschaftlichen Verlusten. Verständlich also, dass kein Landwirt Kitze bei der Ernte versehentlich verletzen oder töten möchte. Die meisten Landwirte sind bereit, alles zu machen, was irgend möglich ist, um solche Vorfälle zu vermeiden.

 

Bis zur Hälfte aller Kitze können sterben

Wie groß ist das Problem wirklich? Eine schwedische Studie von 2002 zeigt, dass die Mahd vermutlich der wichtigste Todesfaktor für Rehkitze in intensiv genutzten Agrarlandschaften ist. Zwischen 25 und 44 Prozent des jährlichen Nachwuchses können im Mähwerk enden – Zahlen, die niemand hören möchte, schon gar nicht beim Frühstück.

Verschiedene Maßnahmen wurden getestet: Suche mit Hunden, Menschenketten, Duftstoffe. Manche funktionieren ein bisschen, vieles wurde jedoch kaum wissenschaftlich untersucht. Am besten dokumentiert ist der Einsatz flatternder Plastiksäcke, die die Geißen dazu bewegen sollen, ihre Kitze woanders abzulegen. Auch Feuermelder mit durchgehendem Piepton haben sich laut einer deutschen Studie bewährt, allerdings möchte wohl kaum jemand in einer Gegend spazieren gehen, bei der in jeder Wiese mehrere laut schrillende Brandmelder angebracht sind. Die Sensibilität der Rehe gegenüber diesen Methoden nimmt auch mit der Zeit ab und das Wetter hält sich ja bekanntlich nicht an die Vorhersagen, was die zuverlässige Anwendung und den Nutzen solcher Methoden erschwert.

Zum Glück gibt es mittlerweile eine moderne und sehr effektive Lösung: Drohnen mit Wärmebildkamera. Durch technische Fortschritte und sinkende Preise hat sich diese Methode in den letzten Jahren stark verbreitet. In Norwegen stehen seit 2020 vielerorts ehrenamtliche Drohnenteams zwischen drei und vier Uhr morgens bereit – während andere Menschen lieber so tun, als gäbe es keine Uhrzeit vor sechs.

Gute Planung ist die halbe Rettung

Die Arbeit beginnt mit der Absprache des Mahdzeitpunktes mit dem Landwirt. In Norwegen helfen häufig die in den Bezirken angestellten Wildökologen bei dieser Koordination. Besonders an guten Mahd-tagen kommen viele Anfragen gleichzeitig, weshalb die Drohnenteams im Morgengrauen starten und rasch zur nächsten Wiese weitereilen.

Auch funktionieren Wärmebildkameras am besten, wenn der Temperatur-unterschied zwischen Kitz und Umgebung groß ist – also früh am Morgen, wenn sogar die Vögel noch überlegen, ob sie wirklich aufstehen wollen. Der Pilot fliegt die Wiese in systematischen Bahnen ab, während Helfer bereitstehen, um gefundene Kitze vorsichtig aufzunehmen und umzusetzen. Zum Auffinden der Kitze lässt der Pilot die Drohne in ungefähr fünf Meter Höhe über dem Kitz schweben und leitet die Helfer per Funkgerät zum Liegeplatz. Ohne genaue Anweisung des Piloten und Lokalisation mit Drohnen ist es nahezu unmöglich, ein Kitz im hohen Gras zu finden. Schon mancher Helfer ist dabei versehentlich auf das gut getarnte Kitz getreten.

Die Helfer tragen Handschuhe und bringen das Kitz an einen vorher festgelegten Ort – am besten hinter ein natürliches Hindernis wie einen Bach oder eine Böschung, damit es nicht direkt zurückläuft. Größere Kitze fliehen oft schon, bevor man sie berührt, was praktisch sein kann: weniger Handling, weniger Stress. Allerdings muss man dabei aufpassen, dass von selbst flüchtende Kitze die Wiese auch tatsächlich verlassen. 

 

Wie minimiert man den Stress für die Kitze?

Das Rehprojekt der Universität Südost-Norwegen hat im Frühjahr 2024 insgesamt 316 Kitze untersucht und drei Umsetzmethoden verglichen: per Hand, im Stoffbeutel oder in einer belüfteten Pappschachtel. Bewertet wurde der Stress auf einer Skala von eins (sehr entspannt) bis fünf (viel Strampeln und Fiepen – quasi "Ich möchte hier weg!").

Das Ergebnis ist eindeutig: Umsetzen per Hand ist am stressigsten. Und: Schwerere Kitze sind insgesamt deutlich gestresster als leichte. Zwischen Stoffbeutel und Karton zeigten sich keine statistischen Unterschiede – beide Methoden verursachen merklich weniger Stress. Jüngere Kitze bleiben beim Einfangen eher passiv. Ältere entwickeln dagegen erstaunliche Fähigkeiten im Zappeln und Weglaufen – und ab etwa zehn Tagen starten viele die Flucht schon beim Näherkommen der Helfer.

Handling ist für Wildtiere immer stressig; Studien an Rentieren zeigen sogar, dass unsachgemäßer Umgang innere Verletzungen verursachen kann. Rehkitzen werden zwar nur einmal und relativ kurz gehandelt, aber wer schon einmal ein ein paar Stunden altes Rehkitz in der Hand gehabt hat, weiß, wie zart und zerbrechlich dieser Zwerg ist. Es bleibt entscheidend, möglichst schonende Methoden zu verwenden.

Funktioniert das Umsetzen? Laufen nicht viele Tiere wieder zurück in die Wiese und die ganze Arbeit war umsonst? Die gute Nachricht: Nur zwei von 188 markierten Kitzen wurden nach der Mahd tot aufgefunden; diese Tiere waren unbemerkt wieder in die Wiese zurückgekommen. GPS-Daten und Beobachtungen zeigen, dass fast alle Kitze problemlos zu ihrer Mutter zurückfinden – die Natur hat da zum Glück ein robustes System.

Praxiswissen für Revierbetreuer

Schritt für Schritt zum  fermen Schweißhund

Die Ausbildung mit dem Fährtenschuh ist eine spezielle Methode, um Schweißhunde, aber auch andere vom Wesen her für die Nachsuchenarbeit geeignete Jagdgebrauchshunde realitätsnah einzuarbeiten. 

Praxiswissen für Revierbetreuer

Branchengespräche

"Jagdtourismus muss offen und ehrlich agieren!"

Nicht alle jagdlichen Träume lassen sich im eigenen Revier realisieren. Deshalb ist es durchaus legitim, auf Jagdreise zu gehen. Helfen können dabei Jagdreiseunternehmen wie Forst Eibenstein von Familie Donhauser. Damit die Traumjagd nicht zum Albtraum wird, ist eingehende Beratung wichtig. Alle Beteiligten müssen offen und ehrlich agieren. 

Branchengespräche

Herr Donhauser, Sie leiten das Unternehmen Forst Eibenstein. Mit "Forst" verbinde ich aber nicht unbedingt ein Jagdreiseunternehmen. Woher stammt die Bezeichnung?

Jürgen Donhauser: Um es kurz zu sagen: Forst Eibenstein ist der Ursprungsname vom Betrieb und so ist auch der jagdtouristische Teil entstanden. Wir haben einige Standbeine und eines davon ist tatsächlich Forst- und Landwirtschaft. Aus dem raus ging‘s um Wildbewirtschaftung und Vermittlung von Schwarzwildjagden. Wir wollten das schöner gestalten und haben ein Drum-rum-Programm veranstaltet. Das hat die Leute dann so begeistert, dass sie mehr wollten. In der Folge haben wir dann Hirsch- und Rehjagden angeboten, da unsere Betriebe alle innerhalb Europas sind. Daraus ist innerhalb von elf Jahren ein relativ großer Reisebetrieb geworden und die Forst Eibenstein Travel Agency entstanden.

 

Sie und Ihre Kunden jagen somit praktisch auf eigenem Grund und Boden?

Der Ursprung stammt tatsächlich aus den eigenen Betrieben. Wir haben dort, wo wir Grundeigentum haben, immer auch Flächen dazugepachtet, so dass wir heute in vier Ländern vertreten sind: Deutschland, Österreich, Tschechien und Kroatien. Die Gesamtfläche, die wir aktuell jagdlich eigenbewirtschaften, beläuft sich auf 35.000 Hektar.

Der Ursprung des Unternehmens war also nicht, dass Sie auf Jagdreisen fahren wollten, sondern es ging um die Vermarktung des bestehenden Angebots?

Es ist eigentlich noch unglaublicher. Ein Banker hat mich mal gefragt: Herr Donhauser, wollen Sie nicht einmal eine Jagdreise machen? Und ich hab kategorisch abgelehnt. Dass es so endete, ist eher ein Kuriosum.

 

Es ist ganz offensichtlich anders gekommen. Wie groß ist Ihr Unternehmen derzeit, 
können Sie uns ein paar Zahlen nennen?

Wir hatten letztes Jahr über tausend Jagdgäste in der Sektion, das ist schon eine ernsthafte Größenordnung geworden. Da wir im gesamten Unternehmen 150 Mitarbeiter und entsprechend auch alle Einheiten vom Marketing über Rechtsabteilung, Datenschutz, Qualitätssicherung, Buchhaltung bis hin zu jeder Menge anderer Backoffice-Einheiten haben, brauchen wir für den Jagdreisebereich, den Abwicklungsbereich, aktuell zehn Leute und wir haben acht Berufsjäger bzw. Berufsjägerlehrlinge mitbeschäftigt.

 

Was zeichnet Forst Eibenstein aus?

Ich bin stolz darauf, dass unser Betrieb von Anfang an nicht den Zwang hatte, rasch Geld machen zu müssen. Dass er jetzt so groß geworden ist, war eher Zufall. Das Ansinnen war, dass alles, was wir im Jagdbetrieb tun, gut für Jagd und Wildtier ist. Unser Handeln sollte sich darauf ausrichten, Lebensräume, Artenvielfalt und damit den Wert und die Zukunft von Wildtieren durch das Verständnis der Jagd zu sichern. Deshalb haben wir ein relativ starkes Ethikspektrum, an dem wir arbeiten. Und wir haben gesagt, wir machen das nicht als Vermittler – abgesehen von manchen Teilbereichen. In Summe sind wir ein echter Reiseveranstalter von der Flugreise über Rücktransport bis zu Reiseversicherungsschutz aus einer Hand. Wir sind Komplett-
anbieter für sehr spezielle Jagd- und Naturreisen individueller Art und Anbieter von sehr guten Pauschalreisen, die in der Qualität nicht hintenanstehen dürfen. Man kann auch Non-Hunting- und Naturbildungsprogramme bekommen, sodass man neben der Jagd auch die Familie und auch nicht jagende Freunde einbinden kann. Die Partnerjagdgebiete müssen einen bestimmten QM-Kriterienkatalog erfüllen, den wir auch prüfen – und das knallhart. Sonst nehmen wir die Destinationen wieder raus. Wir können mit Fug und Recht sagen, dass Kunden, die mit uns reisen, eine nachhaltige und letztendlich für die dortigen Jagdverhältnisse ordentliche Jagd im Sinne von Weidgerechtigkeit erleben können. Geprüft wird das durch von uns entsendete Testreisende und durch das Feedback der Kunden selbst

Den ausführlichen Beitrag von Hubert Zeiler finden Sie in der aktuellen Printausgabe. Kostenloses Probeheft anfordern.