Jagd heute

Zeitgemäße Jagd kommt ohne Hunde nicht aus

Die Prämisse des Österreichischen Jagdgebrauchshundevereins ist, durch ein geordnetes und gutes Prüfungswesen leistungsstarke Jagdgebrauchshunde hervorzubringen. Ganz wichtig ist seinem Präsidenten die Wechselwirkung mit der Jagd. Wenn sich die Ausübung der Jagd ändert, muss auch das Hundewesen Schritt halten.

Jagd heute

Herr Anzböck, Sie sind Präsident des Jagdgebrauchshundeverbandes und natürlich auch Jäger. Wie sind Sie zur Jagd gekommen? 

Walter Anzböck: Zur Jagd bin ich schon in meiner Jugend gekommen. Ich bin im Weinviertel aufgewachsen, einer klassischen Niederwildgegend. Es hat hauptsächlich Hase, Fasan und Rebhuhn gegeben – und das in rauen Mengen. Als Jugendlicher war ich damals als Treiber und Jagdgehilfe dabei.

 

Und zum Jagdhundewesen? 

Ich bin mit Hunden aufgewachsen. Bei uns war immer ein Hund im Haus. Die Jagd war damals männerdominiert und die Männer sind ab Mitte August mit ihren Hunden auf Rebhuhnjagd gegangen. Damals waren bei uns eigentlich nur der Deutsch-Drahthaar oder der Deutsch-Kurzhaar – also klassische Vorstehhunde – präsent. Ich selbst war dann relativ lange hundelos und bin durch Zufall zu einem Labrador gekommen, der damals bei uns als Jagdhund eigentlich gar nicht salonfähig war. Dieser ist leider im Alter von drei Jahren überfahren worden. Bei den nächsten Hunden habe ich dann sehr viel in die Ausbildung investiert und bin richtig in das Jagdhundewesen hineingekippt – auch dank eines Freundes und Züchters mit seinen Deutsch-Langhaar-Hündinnen, der mich dabei sehr unterstützt hat. Mich hat dann eigentlich immer nur die Jagd mit dem Hund interessiert, sei es bei der Niederwildjagd, die bei uns große Tradition hatte, aber auch bei der Nachsuche auf Schalenwild. Die Nachsuche ist für mich – ausgeübt mit einem fermen Jagdhund – überhaupt eine der faszinierendsten Hundearbeiten.

 

Sie sprechen da ein Kernthema an. Bedingt durch den Rückgang des Niederwildes, ist ja auch der Bedarf an Hundearbeit zurückgegangen. Wie haben Sie diese Veränderungen persönlich miterlebt? 

Ich habe das in unserer Gegend im Niederwildrevier sehr massiv erlebt. Bis 2007/2008 hatten wir noch gute Hasenstrecken, das Rebhuhn war vor allem aufgrund der großen Arrondierungen in den Feldern kaum mehr präsent. Als dann auch die Hasen- und Fasanenstrecken eingebrochen sind, haben viele Jäger gesagt "Ich nehm’ mir gar keinen Hund mehr, weil der Bedarf nicht mehr da ist." Berufsbedingt und aufgrund meiner gut eingearbeiteten Hunde habe ich immer sehr viele Einladungen bekommen und für mich war es nie ein Thema, als Hundeführer aufzuhören oder den Jagdhund nicht mehr zu verwenden. Ich habe vielmehr die Arbeit und Ausbildung mit den Hunden noch intensiviert und führe meine Retriever nicht nach dem englischen Stil, sondern habe sie so ausgebildet, dass sie auch vor dem Schuss jagen. Und es ist schon interessant: Sie beginnen, sich Eigenschaften von anderen Hunden abzuschauen. Meine Hunde stehen auch vor, obwohl das nicht retrievertypisch und ganz außergewöhnlich ist, was mir aber Riesenspaß bereitet. Ich habe das Vorstehen nie trainiert, führe es aber darauf zurück, dass meine Hunde bei anderen Hunden beobachtet haben, dass das Vorstehen durchaus einen gewissen Sinn und Zweck verfolgt und auch zum Erfolg führt. 

 

Sie haben vorhin erzählt, Nachsuchen mögen Sie besonders. 

Ich bin sehr verwöhnt. Wenn das Stück nicht im Feuer liegt, hol ich immer gleich den Hund und erspare es mir, selber irgendwo herumzulaufen. Ich habe meine Hunde auf Schweiß sehr gut eingearbeitet. Ich habe mit allen Hunden die erschwerten Schweißprüfungen gemacht, mit der jungen Hündin zuletzt sogar mit Höchstpunkten. Das macht mir irrsinnig Spaß, auch wenn es wahnsinnig zeitaufwendig ist. Aber für die Praxis bringt diese Einarbeitung enorm viel, darüber braucht man erst gar nicht zu diskutieren. 

Sie attestieren den Hunde führenden Damen, dass sie sehr ehrgeizig sind. Geht es dabei aber nicht vorrangig um das Abführen, die Prüfung und weniger die Jagd? 

Da gibt es sicherlich einen Trend. Man sieht sehr viele Damen bei Prüfungen, die zum Großteil auch exzellent führen. Vor allem bei der Niederwildjagd führen dann schon etliche Hundeführerinnen ihren Hund auch ohne Flinte, was ja auch zu befürworten ist, wenn der Jagdhund gut arbeitet. Es gibt daneben aber natürlich auch sehr passionierte Jägerinnen, die gleichzeitig ihre Hunde führen. Ein bisserl anders ist das bei der Schweißarbeit oder bei den Bracken. Dort finden wir hauptsächlich Hundeführerinnen, die auch wirklich intensiv jagen.

 

Trifft dieser tendenzielle Rückgang auch auf das Zuchtgeschehen zu? 

Das Zuchtgeschehen ist nicht unbedingt weniger geworden. Nur gibt es schon Bereiche, wo man auf Zuchtmaterial aus dem Ausland zurückgreifen muss, um die Gefahr von Inzuchten zu verhindern; jetzt etwas überspitzt gesagt. Allerdings ist es schon so, dass die Rassespezialvereine genaue und moderne Zuchtordnungen haben, wo geregelt ist, welche Kriterien Hündinnen und Rüden zu erfüllen haben, um zur Zucht zuge-lassen zu werden. Das wird auch vom Österreichischen Kynologenverband ÖKV, dem die Zuchthoheit obliegt, sehr genau überprüft. Ich glaube, es ist ein ganz wichtiger Faktor, dass wir nicht nur leistungsstarke Jagdhunde, sondern auch gesunde Jagdhunde herausbringen. Da ist vor Jahrzehnten sicher viel mehr Schindluder getrieben worden, es hat viel mehr Schwarzwürfe gegeben. 

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Wo neue Hinweise auftauchen oder sogar ein Schakal auf einem Bild der Wildkamera erscheint, dauert es meist nicht lange, bis am Stammtisch die Frage aufkommt: "Frisst der Goldschakal uns das Rehwild weg?" Die Sorge scheint auf den ersten Blick plausibel, gibt es doch Beobachtungen aus Ungarn, wo sich anscheinend gar kein Rehwild mehr blicken lässt. Ein mittelgroßer, schlauer Beutegreifer, der sich in unserer Kulturlandschaft scheinbar wohlfühlt, in der Dämmerung aktiv ist und dessen Verbreitung zunimmt – dazu in Mitteleuropa Revierverhältnisse mit den höchsten Schalenwilddichten Europas. Wer nur dieses Bild im Kopf hat, könnte den Goldschakal fast zwangsläufig als neuen "Hauptfeind" des Rehwildes einordnen. Schaut man sich jedoch die Datenlage genauer an, ergibt sich ein deutlich differenzierteres Bild.

Riss, Aufbruch oder Kadaver?

Zunächst soll noch einmal darauf hingewiesen werden, dass der Goldschakal in erster Linie ein Nahrungsgeneralist ist – was im ANBLICK 12/2025 skizziert wurde. Er frisst, was gerade mit relativ leichtem Aufwand verfügbar ist: Kleinsäuger, Insekten, Früchte, Abfälle, Aas und vieles mehr – je nach Gebiet. In vielen Regionen Europas bilden Aufbruch, Schlachtabfälle und sonstige vom Menschen verursachte Nahrungsreste einen zentralen Teil des Spektrums, vor allem in der kalten Jahreszeit. 

Schalenwild gehört zwar dazu, aber in den Nahrungsanalysen zeigt sich sehr deutlich, dass ein großer Teil davon als Aas oder Aufbruch aufgenommen wird und nicht als frisch geschlagene Beute. Genau das wird im Detail sichtbar, wenn man sich Magen-analysen genauer ansieht. In Serbien etwa machten in einer großen Studie Schlachtabfälle und Aufbrüche einen erheblichen Anteil der Nahrung aus, während Schalenwild nur mit einem einstelligen Prozentanteil vertreten war – und auch hier überwiegend als Reste, nicht als frisch gerissene Beute. Ähnliches zeigen Untersuchungen aus Ungarn: Wildschwein, Rot- und Damwild tauchen in Analysen auf, aber häufig in einem Kontext, der klar auf Kadavernutzung und auf jagdlich zurückgelassene Teile hinweist. Das heißt nicht, dass der Goldschakal kein Schalenwild schlagen kann. Aber es bedeutet, dass man aus dem bloßen Vorhandensein von Reh- oder Schwarzwildresten im Magen nicht automatisch auf aktive Prädation schließen kann. 

 

Frischling ja, Keiler nein!

Besonders offensichtlich ist das beim Wildschwein: Als einzige wilde Schweineart Europas ist es weitverbreitet und entsprechend häufig findet man es in Nahrungsanalysen des Goldschakals. Auch Wildschwein wird sehr häufig in Form von Kadavern, Aufbruch oder zurückgelassenen Resten der Jagd verzehrt. Ein gesunder Keiler oder eine führende Bache sind für den einzelnen Goldschakal schlichtweg eine Nummer zu groß. Beobachtungen, bei denen eine Schakalfamilie durch Ablenkung der Bache Frischlinge erbeuten konnte, sind dokumentiert, bleiben jedoch anekdotisch. An dieser Stelle ein Aufruf: Wenn sich eine Gelegenheit bietet, in der sich eine Jagdsituation von Gold-schakalen filmen lässt, wären diese Sequenzen auch für die Forschung sehr wertvoll! Ökologisch betrachtet, könnte diese Nutzung von Aas und gelegentlich Jungtieren sogar einen gewissen regulierenden Effekt auf die stark anwachsenden Schwarzwildbestände haben – gerade dort, wo Schäden in der Landwirtschaft zunehmen, kann hier im Idealfall also zumindest mit einer kleinen Hilfe zu rechnen sein. Interessant ist zudem der Befund einer Überblicksstudie, dass Goldschakale Wildschweine dort stärker präferieren, wo kein Wolf vorkommt; ist der Wolf präsent, verändert sich das Muster und der Schakal weicht verstärkt auf andere Nahrungsressourcen aus. Die Anwesenheit größerer Beutegreifer hat also einen Einfluss auf die Beutepräferenz von Goldschakalen.

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