Praxiswissen für Revierbetreuer

Kulturzäune: Jagdwertminderung oder  jagdliche Bereicherung?

Kulturzäune im Wald sind oftmals Zankapfel zwischen Jägern und Waldbauern. Für die einen bedeuten sie die Beschneidung von Wildlebensraum, für die anderen sind sie ein notwendiges und kostspieliges Übel, um waldbauliche Ziele voranzubringen. Wie so oft im Leben bietet der goldene Mittelweg für beide Seiten eine Win-win-Situation statt der typischen Schwarz-Weiß-Malerei. 

Praxiswissen für Revierbetreuer

Ein sinnvoll angelegter Kulturzaun im Wald dient dem Schutz wertvoller Forstpflanzen, egal ob sie künstlich durch Pflanzung eingebracht werden oder als Naturverjüngung wachsen sollen. Für den Waldbesitzer ist es dabei wichtig, dass der Zaun für einen zeitlich begrenzten Abschnitt bis zur Kultursicherung dicht ist und bleibt, um pflanzenfressende Schalenwildarten von den jungen Forstpflanzen fernzuhalten. Das stellt er zum einen über die richtige Materialauswahl und den fachgerechten Aufbau des Bauwerks sicher. Zusätzlich muss der Zaun regelmäßig kontrolliert und gewartet werden, um den Schutzzweck aufrechtzuerhalten. Es kostet den Waldeigentümer viel Geld und Zeit, um seine Zielsetzung sicherzustellen – das sollte der Jäger nicht nur wissen, sondern auch respektieren und unterstützen. Nur dann ist nämlich gewährleistet, dass zur Zufriedenheit beider das Wild nur für einen minimalen Zeitrahmen ausgesperrt bleibt, nämlich so lange, bis die Forstpflanzen kräftig genug und mit dem Leittrieb aus dem Äser gewachsen sind.

 

Jäger unterstützen den Waldbauern aktiv

Damit dieser Zeitrahmen nicht unnötigerweise verlängert werden muss, können wir dem Waldbesitzer beispielsweise unser Engagement bei der Zaunkontrolle anbieten. So verhindern wir als Jäger zeitnah, dass Wild in den Kulturzaun gelangen kann und Schäden anrichtet. Besteht ein guter Kontakt zu den Grundeigentümern, erfahren wir meist rechtzeitig von dem beabsichtigten Vorhaben und können so auch argumentativ mitunter unsere Erfahrung beim richtigen Zaunbau miteinbringen. Entscheidend für die spätere Kontrolle und das Hinaustreiben eingedrungenen Wildes sind nämlich die Konstruktion und Größe der Anlage sowie die Stellen für die Tore. Nur wenn an zwei gegenüberliegenden, möglichst geräumigen Toren der Zaun nicht rechtwinkelig anschließt, sondern eher sackartig ausläuft, lässt sich später Schalenwild ohne großen Aufwand und Stress für das Tier hinaustreiben. Die Torflügel werden dabei so nach innen geklappt, dass sie das am Zaun entlanglaufende Wild über einen Zwangswechsel gleich beim ersten Versuch nach außen geleiten. Die unmittelbar anschließende Zaunkontrolle und Reparatur desselben sorgen für seine erneute Funktionstüchtigkeit. Unschätzbare Unterstützung erfahren wir bei der Zaunkontrolle von unserem Jagdhund, der sicher eingewechseltes Wild oder sogar die Löcher im Zaun anzeigen wird, wo das Wild passiert. Mit geübtem Auge und einem zielorientierten Suchschema entgehen dem erfahrenen Jäger weder Trittsiegel auf der Innenseite des Zaunes noch die frisch gefegten Stämmchen in der Kultur. Sehr bald wird der Waldbesitzer das Engagement des Jägers bemerken und sich hoffentlich an anderer Stelle dafür revanchieren.

Im Hochwildrevier sollten stabile, langfristige Kulturzäune stets mit Sauenklappen an den bevorzugten Wechseln versehen werden. Vertrautes Schwarzwild lernt sehr schnell und nimmt solche Einschlüpfe in Forstzäunen gleich an.

Kulturzäune sorgen für Wildeinstände

Im Rehwildrevier sollte der Schutzzweck des Zaunes in der Regel nach fünf bis sieben Jahren erreicht sein. Die Forstfläche ist bei umsichtiger Kontrolle so in Kürze aus dem Äser gewachsen und kann nun wieder ausgezäunt werden, um als dichter Tageseinstand des Wildes dienen zu können. Bei regelmäßigem Kontakt zu den Waldbauern oder dem zuständigen Forstbeamten kann der Jäger gerne darauf hinweisen, denn nur zu gerne bleiben Zäune deutlich länger stehen als notwendig. Für den Waldbesitzer bedeutet der Zaun keinen Nachteil. Ganz im Gegenteil – vielfach scheut er die Arbeit, das alte Zaunmaterial wieder zu beseitigen. Es wächst nicht selten ein und wird dann zur Todesfalle für Wildtiere, die sich beim Anfliehen das Genick brechen oder sich darin verfangen und strangulieren. Unser rechtzeitiges Angebot, beim Abbau des Kulturzaunes zu helfen, wird nicht nur dankbar angenommen, sondern gewährleistet unseren Teil des Planes zugunsten des Wildbestandes. Darüber hinaus festigen solche Angebote sicher die Kontakte innerhalb der Dorfgemeinschaft.

Im Hochwildrevier mit guten Wildbeständen bei Rot- und Damwild kann sich der notwendige Schutzzweck durchaus auf über zwanzig Jahre ausdehnen. Dafür sind in aller Regel auch die Zaunbaukosten deutlich teurer als bei einem Schutzzaun für Rehwild. Das versucht der Waldbauer natürlich auch auszunutzen. Da wir bereits nach wenigen Jahren die Forstfläche aber so weit gebracht haben, dass die wenigen Rehe, die es in einem Hochwildrevier gibt, den Pflanzen nichts mehr anhaben können, bietet sich der Zaun als willkommener Einstand für Sauen an. 

 

Sauenklappen installieren

Nach Absprache mit dem Waldbesitzer sollte es uns gelingen, seine Einwilligung zu bekommen, dass wir die neue Verjüngungsfläche über Sauenklappen für Schwarzwild zugänglich machen dürfen. Sauen lieben derartige Forstkulturen. Sie sind sonnig, pudeldicht, bieten undurchdringliche und vor allem beruhigte Tageseinstände, denn Waldbesucher und ihre Hunde bleiben großflächig ausgesperrt. Bereits in den Vorjahren werden wir bei unseren Kontrollgängen bemerkt haben, dass die Sauen immer wieder an denselben Stellen probierten, unter dem Zaun durchzuschlüpfen. Meist handelt es sich um traditionelle Wechsel, die mit dem Zaunbau abgeschnitten wurden. Genau an diesen Stellen installieren wir Sauenklappen, die dem Schwarzwild nun endlich Zutritt zum auserkorenen Einstand erlauben. Zeitgleich werden wir und der Waldbesitzer nun Ruhe haben, dass die Sauen ständig den Zaun heben und damit Rehwild oder sogar Kälbern den Zutritt erleichtern. Mit entsprechend schweren Pendeln aus Rundholz, die wir dicht genug über kurze Ketten beweglich halten, gelingt den Schwarzen alsbald der Zugang. Rehe werden von ihnen weitgehend abgehalten, auch wenn wenige eingedrungene Stücke nun an der Forstkultur sicherlich keinen nennenswerten Schaden mehr anrichten dürften. Hochwild bleibt zwar weiterhin aus dem Kulturzaun ausgeschlossen, sucht aber durchaus dessen direkte Nähe bewusst auf. Rotwild schätzt die beruhigten Flächen um große Zäune und genießt die sonnenbeschienenen Randbereiche direkt außerhalb des Zaunes. 

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Im Revier 

Bilanz des Lebens

Muss eine erfolgreiche Bilanz auf eine lange Lebensspanne verweisen können? Oder auf viele Nachkommen? Die Biologie weiß keine klare Antwort darauf, denn unterschiedliche Arten verfolgen in diesem Punkt unterschiedliche Strategien.

Im Revier 

Die Naturwissenschaft hat per Definition einen sehr unverklärten und nüchternen Blick auf Prozesse und Zusammenhänge der belebten und unbelebten Natur. Es verwundert vor diesem Hintergrund wenig, dass die Wildbiologie das Leben eines Wildtiers in lediglich zwei Hauptphasen unterteilt. Der erste Teil ist durch Heranreifung und Entwicklung gekennzeichnet. Der Körper wächst heran und das Tier erreicht seine Geschlechtsreife. Der zweite Lebensabschnitt ist die reproduktive Phase, in der es darum geht, die eigenen Gene in die nächste Generation zu überführen. Grundsätzlich haben Wildtiere in Sachen Fortpflanzung sehr unterschiedliche Voraussetzungen. Während bei einigen Arten der Übergang der ersten in die zweite Lebensphase schon sehr früh einsetzt, brauchen andere Tiere viele Jahre, bevor sie körperlich reif für die Reproduktion sind. Analog verhält es sich mit der Lebenserwartung: Manche haben Aussicht auf ein langes Leben, andere müssen diesbezüglich mit deutlich weniger Zeit auskommen. Entsprechend haben sich auch sehr verschiedene Strategien entwickelt. Ein praktisches Beispiel kann helfen, die Zusammenhänge besser zu verstehen. Hierfür werden die Arten Braunbär und Feldhase gegenübergestellt. Die Feldhäsin erreicht bereits nach etwa einem halben Jahr die Geschlechtsreife und weist mit bis zu 17 Jungtieren pro Jahr eine sehr hohe Fortpflanzungsrate auf. Allerdings ist ihre Lebensspanne mit fünf bis sechs Jahren in der Wildbahn vergleichsweise kurz. Ganz anders verhält es sich bei der Braunbärin: Sie wird erst im Alter von drei bis fünf Jahren geschlechtsreif und bringt pro Wurf durchschnittlich nur ein bis zwei Jungtiere zur Welt. Ihre Fortpflanzungsrate ist somit deutlich niedriger als die der Häsin. Dafür hat die Braunbärin mit bis zu 30 Jahren eine weitaus längere Lebenserwartung. 

Mutterschaft in einer frühen Lebensphase wirkt sich verkürzend auf die eigene Lebensdauer aus. Gleiches gilt für eine hohe Zahl von Nachkommen (Muffelwild, Hase ...).

Verkürzt Frühreife das Leben?

Hohe Reproduktionsraten früh im Leben sollten der Theorie nach also zu einem kürzeren Leben führen. Genau das ist zu erwarten, wenn zum Beispiel Geißkitze besonders früh reif sind. Verschiedentlich ist nachgewiesen, dass ein sehr geringer Anteil weiblicher Kitze bereits in der Winterbrunft aufnehmen kann und als Schmalreh das erste Mal setzt. Es ist davon auszugehen, dass sich diese "Taktik" negativ auf die Lebensdauer auswirkt. Um diesen Zusammenhang genauer unter die Lupe zu nehmen, wurde er auf der schottischen Insel Rum beim Rotwild untersucht. Es ist dabei vorweg zu sagen, dass der Zeitpunkt der ersten Reproduktion bei Alttieren aufgrund der sehr harten Bedingungen dort im Allgemeinen erst im Alter von drei bis vier Jahren erfolgt. Im Ergebnis konnte man tatsächlich nachweisen, dass Alttiere, die sehr früh mit der Reproduktion begannen, ab dem Alter von neun Jahren deutlich schneller alterten, als das später setzende Alttiere taten. In der Konsequenz ließ sich aus dieser Studie ableiten, dass eine zeitige Geburt des ersten Kalbes sich tatsächlich verkürzend auf die Lebensdauer auswirkt. 

 

Viel Nachwuchs hat seinen Preis

Ein ähnlicher Zusammenhang lässt sich auch bei einer gesteigerten Reproduktionsleistung erwarten. In einer fortpflanzungsbiologischen Untersuchung am Damwild konnte ich Alttiere nachweisen, die – wenn auch selten – dazu neigen, Zwillinge zu setzen. Diese erhöhte Reproduktionsrate hat offensichtlich einen Einfluss auf die Lebenserwartung, die dadurch reduziert wird. Ein vergleichbares Phänomen zeigt sich auch beim Muffelwild: Einige Altschafe neigen dazu, unter bestimmten Bedingungen zweimal innerhalb eines Jahres zu lammen. Die sogenannten Herbstlämmer werden zwischen Ende Oktober und Anfang November geboren. Die doppelte Investition in den Nachwuchs muss jedoch dazu führen, dass sich die Lebensspanne entsprechend verkürzt. Auch bei den langlebigen Albatrossen zeigt sich die Verbindung zwischen Reproduktionsleistung und Lebenserwartung. Manche Arten pflanzen sich nur alle zwei Jahre fort und erreichen dadurch ein deutlich höheres Alter als ihre jährlich reproduzierenden Verwandten. Grundsätzlich zahlt sich die Strategie, früh und viel zu reproduzieren, jedoch nur dann aus, wenn die Tiere einer Population eine geringe Lebenserwartung haben.

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Im Revier

Wer Ohren hat, der höre!

Der Gehörsinn ist bei den meisten Wildarten wesentlich besser ausgebildet als bei uns Menschen. Radargeräten gleich können sie damit Unfassbares leisten.

Im Revier

Es beglückt mich immer wieder zutiefst, wenn über meinem Sitz im eindunkelnden Himmel die Fledermäuse zu jagen beginnen. Lautlose, akrobatische, hochpräzise Jäger voller Eleganz. Lautlos sind sie natürlich nur für uns mit unseren "patscherten" Ohren. Für mich mit dem für Rechtsschützen typischen Hörverlust auf der linken Seite sowieso. In Wahrheit schreien sie im Flug ununterbrochen mit der Lautstärke eines Presslufthammers, fangen mit ihren Ohren das Echo ihrer Laute so präzise auf, dass sie in einem völlig dunklen Raum einem Bindfaden ausweichen und draußen die Flugrichtung ihrer Beute messen können. Sie filmen ihre Umwelt mithilfe von Ultraschall. Was für eine Technik!

Wir starten diesmal mit einem der mechanischen Sinne. Sie erinnern sich aus der Schulzeit an Physik? Mechanik? Wenn man mir damals klargemacht hätte, dass alles Leben Physik und Chemie ist, hätte ich besser aufgepasst. Das Gehör hört also auf einen mechanischen Reiz. Auf die Kraft der Schallwellen. 

Nehmen wir zum Beispiel einen Hirschlauscher. Die außen liegenden großen "Tüten" fangen den Schall ein. Da sie unabhängig voneinander bewegt werden können, funktioniert das aus allen Richtungen. Stereo. Die in der Ohrmuschel verlaufenden Knorpel- und Haarleisten lenken den Schall durch den Gehörgang ans Trommelfell. Durch diese Flächenverkleinerung mehrfach verstärkt, wandert er weiter durch das Mittelohr bis ans Innenohr, wo er feinste Härchen streift wie die Saiten einer Harfe. Schön, nicht?

Für uns interessant ist allerdings, dass das Rotwild einen wesentlich größeren Frequenzbereich hören kann als wir. Fazit – 
es hört Geräusche, die wir als Jäger verursachen, ohne sie selbst wahrzunehmen! Beim Schwarzwild ist es nicht anders. Zusammen mit seinem herausragenden Geruchssinn kann es die schwachen Äuglein daher getrost verschmerzen.

Die Leistungen des Gehörs passen, wie bei Sinnen immer, exakt zu den Anforderungen der jeweiligen Wildart. Rehe hören beispielsweise in dem Frequenzbereich am besten, in dem sie selbst kommunizieren. Der Fuchs nimmt genau die Töne wahr, die Mäuse von sich geben. Wir hören da oben genau gar nichts. Dazu neigt er auch noch seinen Kopf nach rechts und links, um aus den sich ergebenden Geräuschdreiecken die exakte Herkunft zu berechnen. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere daran, wir hatten das schon: Triangulation, höhere Mathematik.

Eulenvögel können das noch toppen. Hier dienen die Gesichtsfedern dazu, Schallwellen an die kurzen Gehörgänge zu leiten. Da diese unterschiedlich hoch sitzen, trifft der Schall in ungleichen Winkeln auf. Das Gehirn berechnet daraus wie ein Vermessungsinstrument den Punkt, an dem die Maus sozusagen auf dem Schafott sitzt. Das muss ja auch so sein. Denn glauben Sie mir, im Stockdunkeln ist eine Eule genauso blind wie wir. Und das ist ja auch der Sinn des Hörsinns – er funktioniert im Dunkeln, über Hindernisse hinweg und auf mehr oder weniger große Entfernungen. Nicht einmal der Wind kann ihm allzu viel anhaben. Und um unbedeutende Nebengeräusche auszublenden, brauchen Wildtiere keine ausgeklügelten Geräte. Das machen sie im Kopf. Mit ihrer Erfahrung.

Eins noch: Tiere empfangen auch Infraschallwellen, wie sie von aufziehenden Unwettern erzeugt werden. Und von den an der Säule vorbeiziehenden Rotorblättern der Windräder.

Waffe, Schuss & Optik

Geradezu(g) perfekt

Geradezugrepetierer erfreuen sich bei vielen Jägern großer Beliebtheit. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis die Mauser-Ingenieure ein Geradezugsystem ins Programm aufnahmen. DER ANBLICK hat Reviererfahrungen mit der M25 gesammelt und konnte überprüfen, ob sich das Modell"herausgemausert" hat.

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