Im Revier

Bibermanagement in Kärnten – Entnahme als Ventil

Der Biberbestand ist massiv angestiegen und gilt in Kärnten als nicht mehr gefährdet. Bei Konflikten oder Schäden dürfen bis 2030 jährlich 148 Biber entnommen werden. Einerseits werden Schäden minimiert, andererseits wirkt allein die Möglichkeit der Entnahme bereits als Ventil, um Druck aus der Sache zu nehmen.

Durch seine aktive Lebensraumgestaltung ist der Biber ein wahrer Baumeister der Natur. In der Kulturlandschaft entsteht dadurch jedoch ein recht hohes Konfliktpotenzial, denn was der Biber für sich passend macht, ist oft für den Menschen nicht ganz so passend. 

 

Lokalaugenschein im Gailtal

"Wir befinden uns im Unteren Gailtail, zwischen Feistritz an der Gail und Vorderberg. Hier ist auch das Natura-2000-Gebiet Götschacher Moos", erklärt Robin Hintner, Sachverständiger für Wildbiologie im Amt der Kärntner Landesregierung. Im Gailtal kam es zu einem jahrelangen Nutzungskonflikt zwischen Naturschutzgebiet und landwirtschaftlichen Nutzflächen. Biber stauen Lauengewässer auf, in diesem Fall Nebenarme der Gail. Dadurch steigt der Wasserspiegel und Ackerflächen vernässen. "Es ist ökologisch faszinierend, wie schnell das geht, wie schnell die natürliche Vegetation sich wieder ausbreitet", so der Biberbeauftragte von Kärnten. "Solche Landschaften, kombiniert mit Altarmflüssen und umgeben von Auwäldern, sind der perfekte Lebensraum für den Biber. Dass er sich hier ansiedelt, ist fast schon selbsterklärend." 

Sein Kollege Roman Kirnbauer ergänzt: "Viele betroffene landwirtschaftliche Nutzflächen wurden bereits aufgelassen. Innerhalb von zwei Jahren wachsen auf diesen aufgelassenen Feldern bereits Weiden und Rohrkolben. Oder ein anderes Beispiel: In einer speziellen Situation hat der Biber das Gewässer durch den Dammbau so umgeleitet, dass er einen zwei Hektar großen Maisacker zu drei Viertel geflutet hat. Der Mais konnte dadurch nicht mehr geerntet werden. So wurde dieses Areal zu einem attraktiven Äsungsplatz für Enten, Schnepfen und sogar die Doppelschnepfe. Es ist sozusagen von einem einfachen Maisacker zu einem Limikoleneldorado geworden."

Entlang des Hauptdammes

Beim Gang über die mittlerweile vernässte und verwilderte Ackerfläche schmatzt der nasse Boden unter den Stiefeln. Der Drainagegraben ist trocken gefallen, da Biber den Abfluss blockiert haben. Langsam wird während des Gehens inmitten der Ebene das Plätschern immer lauter: "Wenn es plätschert, ist das ein sicheres Indiz für Biberaktivität", erklärt Roman Kirnbauer, bevor langsam der Blick auf den Zufluss zur Gail frei wird. Ein Damm versperrt dem ansonsten schrittbreiten Bächlein den Weg, wodurch ein Staubereich entstand. Robin Hintner betritt ihn und erklärt: "Das ist ein Hauptdamm, die wichtigste Struktur im Biberlebensraum. Mit ihm staut der Biber das Wasser so weit auf, dass der Eingang zu seiner Burg mindestens 70 Zentimeter unter Wasser liegt. Wäre das nicht der Fall, wären die Jungtiere dem Raubwild schutzlos ausgeliefert." 

Der Damm ist von der Struktur her zweigeteilt. "Die vordere Hälfte, wo das Holz ist, ist über die Jahre in Absprache mit dem Wasserbau bereits mehrmals abgetragen und sogar mit einer Dammdrainage versehen worden. Mit dieser war es möglich, den Wasserstand im Staubereich abzusenken, ohne den Damm gänzlich zu entfernen. Der hintere Teil ist allerdings bereits komplett mit seiner Umwelt verwachsen." Wie es dazu kommt, zeigt der Biologe an der Uferkante: "Hier sieht man, wie der Biber den Damm ganz frisch mit Schlamm abgedichtet hat."  

  
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