Heft August 2020


Themen im aktuellen Heft:
 

Neuer Anlauf für Bleiverbot

 

Wildtiere im Aufwind: Eine Folge des Klimawandels

 

Der Wolf als Stein des Anstoßes

 

Feuchtgebiete im Miniformat

Waffe, Schuss & Optik

Neuer Anlauf für Bleiverbot

Sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene tut sich wieder etwas in der Diskussion um das geplante Bleiverbot. Als Generalsekretär des Dachverbandes „Jagd Österreich“ ist DI Klaus Schachenhofer tief in diese involviert und versucht, das Schlimmste für die Jäger abzuwenden. 

 

Sehr geehrter Herr Generalsekretär, die Diskussion um das geplante Bleiverbot kocht wieder hoch. Grund dafür ist, dass dieses im Regierungsübereinkommen von Türkis-Grün verankert wurde. Was konkret tut sich da?

 

Klaus Schachenhofer: Die Diskussion um bleihaltige Munition geht schon sehr lange zurück. In Österreich ist seit dem 1. Juli 2012 die Verwendung von Bleischrotmunition bei der Jagd auf Wasservögel verboten. Ursprünglich wurde das Bleiverbot auf Wasservögel eingeführt, um den auftretenden Bleivergiftungen entgegenzuwirken. Dieses Verbot soll auf EU-Ebene auf eine Gebietsbeschränkung in Feuchtgebieten ausgeweitet werden. Das Problem dabei ist, dass die allgemeine Feuchtgebietsdefinition laut RAMSAR-Konvention als Gebietskulisse angegeben wird. Die EU-Kommission hat bestätigt, dass im Zuge dieser Definition alle sichtbaren und temporär sichtbaren Gewässer betroffen sind.

 

Temporäre Gewässser entstehen ja auch nach einem Gewitter ...

 

Genau. In temporären Feuchtgebieten sind derzeit laut Kommission auch alle kleineren Pfützen, die nach einem Regen­ereignis entstanden sind, inbegriffen. Die Landschaft kann sich daher binnen Minuten flächendeckend zu einem temporären Feuchtgebiet umwandeln. Zusätzlich ist eine Pufferzone von 100 Metern um diese Gebiete vorgesehen. Also gilt diese geplante Beschränkung nicht nur für Wasservögel, sondern künftig auch für sämtliches bodennahe Niederwild. Weiters gilt ein Besitz- bzw. das Trageverbot bleihaltiger Munition in diesen Feuchtgebieten und die Beweislast liegt in diesem Fall bei der Jägerin bzw. beim Jäger.

 

Das wären massive Einschränkungen. Womit begründet man das?

 

Die Begründung dieser Maßnahme wird mit dem Vorwand des Schwermetalleintrages in die Umwelt angeführt, aber auch Bleifrei-Ersatzstoffe gelten als ökotoxikologisch. Aus diesem Grund spricht man nur mehr von reinem Stahlschrot, der aus unserer Sicht einige Probleme in Hinblick auf Beanspruchung alter Waffensysteme, Sicherheit, Tötungswirkung verursacht und vor allem dadurch auch Tierleid mit sich bringt.

 

Gibt es für Sie oder „Jagd Österreich“ denn keine Möglichkeit, sich gegen diese Maßnahmen zu wehren?

 

Doch, und das machen wir auch. Die Europäische Kommission hat jetzt dem REACH-Ausschuss einen überarbeiteten Vorschlag für ein Verbot von bleihaltiger Schrotmunition in Feuchtgebieten vorgelegt, über den am 23. Juni 2020 beraten und diskutiert wurde. REACH steht übrigens für Registration, Evaluation, Authorisation of Chemicals (Registrierung, Bewertung und Zulassung von Chemikalien). Eine schriftliche Abstimmung soll bis 15. Juli 2020 folgen. Erstmalig wurde seitens der österreichischen Delegation ein positives Voting in Aussicht gestellt. „Jagd Österreich“ hat diesbezüglich bereits im Frühjahr 2019 ein Positionspapier verfasst, welches laufend angepasst wurde.

 

Das ausführliche Interview finden Sie in unerer August-Printausgabe. Kostenloses Probeheft bestellen.


Jagd heute

Wildtiere im Aufwind: Eine Folge des Klimawandels?

Der Klimawandel wirkt sich zwar direkt auf die Artenvielfalt aus, doch er ist nur eine der vielen Ursachen, die für deren Rückgang verantwortlich sind. Und es gibt auch Profiteure der Erderwärmung, wie Klaus Hackländer bei seinem Vortrag in Graz erläuterte.


Jagd heute

Der Wolf als Stein des Anstoßes

In der gebirgigen Schweiz gibt es rund 80 Wölfe, die immer häufiger für Konflikte sorgen. Um die Akzeptanz für den Wolf zu erhalten, sollen Wölfe nun menschenscheu gehalten und nötigenfalls auch bejagt werden – so die Denkweise der schweizerischen Bundespolitik. Doch dieser Plan stößt auf Widerstand.

Volksabstimmungen mit jagdlichem Hintergrund scheinen in der Schweiz derzeit eine gewisse Konjunktur zu haben. Den Auftakt machte die Volksabstimmung über die kantonale Initiative „Wildhüter statt Jäger“ im September 2018, welche die im Kanton Zürich praktizierte „Milizjagd“ zugunsten einer Regiejagd nach dem Vorbild des Kantons Genf abschaffen wollte. Die von Tierschutzkreisen lancierte Initiative wurde mit einem wuchtigen Nein-Stimmen-Anteil von 84 % verworfen (der ANBLICK berichtete). Nun steht in der Schweiz die Revision des eidgenössischen Jagdgesetzes (JSG) an. Da die Gesetzesvorlage des Bundes insbesondere eine weitergehende Bejagung des Wolfs ermöglichen soll, haben Naturschutzkreise das Referendum ergriffen. Nun soll das Schweizer Stimmvolk darüber entscheiden.

 

Revision des Jagdgesetzes

Obschon bei der Ausarbeitung der Gesetzesvorlage zum revidierten Jagdgesetz mit der wildökologischen Raumplanung, der Einschränkung der Wildenten- sowie Schnepfenjagd diverse Punkte eine Rolle gespielt haben, handelt es sich erkennbar um eine „Wolfsvorlage“. Das derzeit geltende eidgenössische Jagdgesetz trat nämlich 1985 in Kraft, also zu einer Zeit, in welcher die Schweiz über keine (ständigen) Wolfsvorkommen verfügte. Im Jahr 1995 wurde erstmals ein dauerhaft auf dem schweizerischen Staatsgebiet lebender Wolf festgestellt. Zu einer eigentlichen Rudelbildung kam es erstmals im Jahr 2012 im Gebirgskanton Graubünden. Seither haben sich in verschiedenen Regionen insgesamt acht Wolfsrudel gebildet, sodass von etwa 80 Wolfsindividuen ausgegangen wird. Da die schweizerische Bergwelt bis in ihre Hochlagen landwirtschaftlich genutzt wird, haben sich bald nach dem Wiederauftreten des Wolfs diverse Konflikte ergeben. So kam es insbesondere in der Umgebung von Bergbauernhöfen, Ziegen- und Schafalmen immer wieder zu Wolfsrissen, denen mitunter gleich mehrere Schafe zum Opfer fielen – ab 2009: 300 bis 500 Ziegen und Schafe jährlich. Auch wurde festgestellt, dass die Wölfe zunehmend an Scheu vor dem Menschen verloren und – angezogen von Nutztieren und Hausmüll – menschlichen Siedlungen, insbesondere in der Winterzeit, näher und näher kamen. Zuletzt kursierten in den sozialen Medien Filmaufnahmen, bei welchen Wölfe Hofplätze von Bauernhöfen oder sogar Hauptstraßen inmitten eines Dorfes querten. Weiters war feststellbar, dass es in den betroffenen Regionen immer wieder zu illegalen Wolfsabschüssen kam. Obschon der Wolf mittlerweile wieder ein akzeptierter Teil der heimischen Fauna ist, war dieser Zustand für die kantonalen Jagdbehörden auf Dauer nicht tolerierbar. Dies, weil er die Akzeptanz des Wolfs, insbesondere bei der Bergbevölkerung, zu untergraben drohte. Um aber die Akzeptanz für den Wolf zu erhalten, sollen Wölfe menschenscheu gehalten und nötigenfalls auch bejagt werden – so die Denkweise der schweizerischen Bundespolitik.

 

Pragmatischer Umgang mit wachsenden Wolfsbeständen

Die jetzt geplante Gesetzesrevision wurde maßgeblich durch die parlamentarische Motion des Christdemokraten Stefan Engler, Ständerat für den Bergkanton Graubünden, zur Frage „Zusammenleben von Wolf und Bergbevölkerung?“ angestoßen. Nach den Materialien zur Gesetzesvorlage will die Revision des eidgenössischen Jagdgesetzes die rechtliche Grundlage für einen „pragmatischen Umgang mit den wachsenden Wolfsbeständen“ schaffen. In Hinblick auf den Wolf bringt das revidierte Gesetz daher die folgenden Änderungen:

– Erlegen von Wölfen aus Rudeln: In der gewissermaßen präventiven Bejagung von Wolfsrudeln liegt die eigentliche Neuerung im schweizerischen Wolfsregime. Damit Wölfe die Scheu vor Menschen, Herden und Siedlungen bewahren, dürfen die Kantone Wölfe aus einem Rudel erlegen, bevor Schaden entstanden ist. So sollen Konflikte zwischen Mensch und Wolf bereits frühzeitig über angepasste Wolfsbestände vermieden werden. Das Erlegen von Wölfen ist allerdings an mehrere Voraussetzungen geknüpft: Die Kantone sind an den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gebunden und dürfen z. B. nicht in ein Wolfsrudel eingreifen, welches sich fernab von Schafherden oder Dörfern aufhält. Zudem müssen sie gegenüber dem Bund vorgängig detailliert begründen, weshalb Abschüsse erforderlich sein sollen. Bund und Naturschutzverbände können gegen eine kantonale Abschussverfügung zudem – 
wie bisher – Beschwerde einlegen. Der Wolf bleibt somit eine geschützte Tierart und auch ein bejagtes Rudel soll grundsätzlich erhalten bleiben können. Wie diese präventive Wolfsbejagung genau aussehen wird, ist noch nicht bekannt. Der Erlass von detaillierten Regelungen wird auf der Verordnungsebene erfolgen, also durch den schweizerischen Bundesrat.

– Erlegen von Einzelwölfen: Wie bereits heute können die Kantone für ein einzelnes Tier den Abschuss bewilligen, wenn es trotz Maßnahmen zum Schutz von Schaf- und Ziegenherden Schaden angerichtet hat. Konkret müssen binnen vier Monaten mindestens 15 Nutztiere gerissen worden sein. Neu können die Kantone den Abschuss von Einzelwölfen aber auch bewilligen, wenn diese auffällig werden, etwa wenn sie in Schafställe eindringen oder ohne Scheu durch menschliche Siedlungen streifen. Nach den Gesetzesmaterialien wird damit der Handlungsspielraum der Berner Konvention „maximal ausgeschöpft“. Man will also der Bergbevölkerung bzw. der Landwirtschaft möglichst weitgehend entgegenkommen.

 

Den gesamten Artikel von Klemens Jansen finden Sie in unserer August-Printausgabe. Kostenloses Probeheft anfordern.

 


Mut zur gepflegten Unordnung

Feuchtgebiete im Miniformat

In der Land- und Forstwirtschaft hinterlassen Arbeiten immer wieder mehr oder weniger tiefe Spuren im Waldboden. Kleine, oft nur temporäre „Feuchtgebiete“ entstehen.


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