Im Revier
Haarige Angelegenheit
Leser fragten, ob man Mairehe im Haarwechsel vor dem Aus-der-Decke-Schlagen anfeuchten bzw. gleich nach dem Schuss aus der Decke schlagen und abwischen sollte und ob das wildbrethygienisch sinnvoll wäre sowie überhaupt etwas brächte.

Im Revier
Leben am Rand
Jeder Jäger weiß, dass ein Ansitz am Waldrand lohnt. Ob Reh oder Hase, streichender Schnepf oder schnürender Fuchs – an Rändern ist Leben.

Mehr als ein Drittel der österreichischen Waldfläche wird von Freiflächen wie Blößen, Lücken und Lichtungen oder Kahlschlägen unterbrochen – derzeit sind auch viele Windwurfflächen dabei. Zusammen bilden sie vorübergehende oder zeitweilige Randlinien im Wald. Dazu kommen permanente Waldränder, also jene Zonen, wo der Wald an Offenland grenzt. Unsere Wälder sind demnach keine großen in sich geschlossenen Ökosysteme, Ränder und Randlinien sind ein wesentliches Element davon. Konkret heißt das: Auf rund der Hälfte der gesamten österreichischen Waldfläche gibt es Einwirkungen von Freiflächen oder benachbartem Offenland. Das betrifft vor allem den Lichteinfall sowie Wind, Sonne und Feuchtigkeit – das Klima am Waldrand unterscheidet sich deutlich vom Waldinnenklima. Gut zu beobachten ist das an der Bodenvegetation, aber auch an lichtliebenden Insekten, Ameisen, Vögeln und Wildtieren. Ränder sind beliebte und artenreiche "Lebenslinien" – in der Diskussion um Wald und Wild, aber auch in der Verantwortung um die Artenvielfalt sind sie dennoch nur ein Randthema. De facto sind Einfluss und Auswirkung von Randlinien viel weitreichender, als den meisten bewusst ist.
Rehe und Ränder
Jeder Kahlschlag oder Aufhieb im Wald ist ebenso wie ein Käferloch oder eine Windwurffläche mit Randlinien und mehr Äsungsangebot für Reh, Hirsch und Gams verbunden. Wo mehr Licht am Boden hinkommt, werden Gräser und Kräuter, Zwergsträucher und Stauden gefördert. Mehr Äsung sollte zu höheren Wildbretgewichten führen. Körpergewicht und Fettreserven sind wiederum die "Währung", wenn es um Fortpflanzung und Überleben geht.
Tatsächlich zeigen die Auswertungen der Wildbretgewichte von Gamsjahrlingen ebenso wie von einjährigem Rehwild in den Bundesländern Salzburg und Steiermark, dass mit zunehmender Randliniendichte (Meter pro Hektar Wald) das Gewicht der Einjährigen zunimmt. Der Effekt ist bei Freiflächen im Wald stärker als dort, wo der Wald an Wiesen oder Weiden grenzt. Untersuchungen im Osten und Südosten der Steiermark untermauern das Ergebnis. Hier stellte sich heraus, dass die Dichte der Randlinien zwischen Wald und Offenland signifikant mit dem Körpergewicht von Kitzen und einjährigen Rehen zusammenhängt. Je mehr Waldränder es gibt, desto besser ist der Lebensraum für diese Wildart. Und um hier noch eins draufzusetzen: Auswertungen im selben Gebiet ergeben, dass sich die Randliniendichte im Umkreis von einem Kilometer rund um die Probeflächen des Wildeinflussmonitorings (WEM) positiv auf die Stammzahl in der Verjüngung ebenso wie auf die Zahl der Baum-arten auswirkt. Der positive Effekt der Randlinien ist stärker als der negative Effekt der relativen Rehwilddichte. Für die verbissempfindliche Tanne in der Verjüngung zeigen die Auswertungen, dass der Einfluss der Rehwilddichte bei gleichbleibend niedriger Randliniendichte zunimmt – die Stammzahl verringert sich stark. Ist die Randliniendichte hoch, kann die Rehwilddichte in einem weiten Bereich schwanken, ohne dass es Effekte auf die Stammzahl der Tanne gibt.
Waldränder und Äsungsangebot können demnach den Einfluss der Wilddichte auf die Waldverjüngung abpuffern. Rehe bevorzugen Randlinien, das Äsungsangebot ist in Revieren mit häufigem Wechsel zwischen Wald und Offenland größer, womit offensichtlich auch die Waldverjüngung entlastet werden kann. Das unterstreicht die Bedeutung von Waldrändern in Zusammenhang mit der Wald-Wild-Thematik. In Österreich dominiert der Kleinwaldbesitz, der Kahlschlag ist immer noch die häufigste Nutzungsform, Wind, Käfer und Schnee erweitern das Angebot an Blößen und Lücken. Bergwälder mit Lärche und Zirbe werden von Natur aus lückiger. Österreichs Wälder sind besonders stark fragmentiert, das Angebot an Randlinien ist hoch. Das dürfte mit ein Grund sein, weshalb hier noch mehr oder weniger gute Auerwildbestände erhalten geblieben sind. Andererseits zählt das kleine Österreich in Europa zu den Spitzenreitern bei Rehwildstrecken. Rehe sind typische Randlinienbewohner. Je größer der optische Effekt, desto stärker die Wirkung. Ränder bieten Äsung und Deckung, aber auch Orientierung, etwa bei der Abgrenzung von Territorien. Telemetriestudien aus Frankreich zeigen, dass sich auch die Streifgebietsgrößen von Rehgeißen nach dem Orkan "Lothar" mit zunehmender Randlinienlänge verringerten. Die Randliniendichte war der einzig signifikante Parameter, der die Größe ihrer Streifgebiete erklärte. Die Streifgebietsgrößen der Rehgeißen verringerten sich im Laubmischwaldgebiet mit zunehmender Randliniendichte von knapp 35 Hektar auf rund 15 Hektar. Optisch auffällige, scharfe Linien, die ins Auge stechen, sind jedoch meist menschengemacht, in der Natur sind die Übergänge fließend. Von Natur aus sind Ränder oft Brücken zwischen verschiedenen Lebensräumen.

Ideal aufgebauter Waldrand. Vorgelagert ist ein Krautsaum, der vor allem in Niederwildrevieren von hohem Wert für Hase, Fasan und Rebhuhn ist. Danach folgt ein Strauchgürtel, der so wie hier vor dem eigentlichen Trauf oder auch unterhalb der Traufbäume liegt. Das ist der "Mantel", der das Waldinnenklima schützt. Dahinter folgt nun der eigentliche Trauf, der aus den Randbäumen des angrenzenden Waldes besteht.
Brücken und Zwischenräume
Ein "Ökoton" ist der Übergangsbereich zwischen zwei Lebensräumen – ein Zwischenraum. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und setzt sich aus "oikos" für Haus und "tonos" für Spannung zusammen. Dabei kann man an ein "Überspannen" oder "Überbrücken" ebenso denken wie an die Spannung selbst, die entsteht, wenn zwei Welten aufeinandertreffen. Spannend wird es hier auch deshalb, weil überall dort, wo verschiedene Lebensgemeinschaften aneinandergrenzen, nicht nur die Vielfalt besonders hoch ist – hier entstehen auch immer wieder neue Arten. Diese Kontaktzone gibt es zwischen Wasser und Land ebenso wie zwischen Stadt und Umland oder Acker und Wiese; besonders häufig und auffällig sind jedoch Ränder zwischen Wald und Offenland. Waldränder zeigen auffällig und vor allem augenscheinlich, was ein ideales Ökoton sein kann – und wann es verschwindet. Vereinfacht heißt das, wenn aus einer breiten Übergangszone mit hoher Artenvielfalt eine scharfe Grenzlinie wird, verschwinden damit auch Verbindung und Vielfalt. Aktuell dominieren in unserer Kulturlandschaft leider scharfe Ränder. Das war nicht immer so: Ein Grund für die enorm hohe Artenvielfalt im vorindustriellen Zeitalter war eben dieser breite Übergang vom Wald zu den landwirtschaftlichen Flächen. Kaum irgendwo endete der Wald abrupt. Strauchgürtel, auslaufende Waldsäume und breite Übergangsbereiche boten Lebensräume, die oft unbemerkt weitgehend verschwunden sind – nur im Waldgrenzbereich findet man heute noch ausgedehnte Übergangszonen. Die wesentlichen Gründe für den Verlust dieser Brücken zwischen verschiedenen Lebensräumen liegen heute in der Zuständigkeit verschiedener Behörden, im Fördersystem, aber auch in der Intensivierung der Landnutzung sowie in maschinengerechten Landschaften. Klare, saubere Trennung ist das Ziel, für Zwischenräume bleibt kein Platz. Im Wechselspiel zwischen Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft gewinnt man dabei leider manchmal den Eindruck, die eine Hand weiß nicht, was die andere tut.
Aufbau von Waldrändern
Der Waldrand kann eine steile, dicht geschlossene Wand mit tief beasteten Randbäumen sein oder es kann ein allmählicher Übergang von der angrenzenden Wiese über einen Strauchgürtel bis zu den Randbäumen sein. Der "ideale Waldrand" geht vom Trauf – das sind die letzten großen Randbäume – über in einen Mantel, der sich aus Sträuchern oder jungen Bäumen zusammensetzt, und er umfasst auch noch einen Krautsaum von fünf bis zehn Metern. Das ist ein Leitbild – in der Natur gibt es diese Idealform, die sich insgesamt über 30 bis 40 Meter Breite erstreckt, kaum. Tatsächlich sind die Elemente oft ineinander verflochten. Die Sträucher können auch unter den Randbäumen wachsen, womit Mantel und Trauf nicht nebeneinander, sondern übereinander angeordnet sind. Leider fehlt der artenreiche Krautsaum oft ganz. Niederwildreviere zeigen jedoch sehr gut, dass gerade die paar Meter, die dem Strauchgürtel vorgelagert sind, wesentlich für die Qualität dieser Randzone sind. Hase, Fasan, Reh und Rebhuhn profitieren davon ebenso wie Insekten und Kräuter.
Mit dem vorgelagerten Strauchgürtel wird die Windwurfgefahr verringert und das Waldinnenklima ist ebenfalls geschützt. Während Waldränder entlang von Straßen oder Wiesen oft geradlinig verlaufen, sind in der Natur ausgebuchtete oder sich allmählich auflösende Ränder viel häufiger. Das beste Beispiel liefert heute noch der Waldgrenzbereich. Der fließende Übergang vom Wald in die darüberliegenden alpinen Matten ist oft sehr breit und kann sogar mehrere Hundert Meter umfassen. Heute zählen diese Lebensräume zu den artenreichsten, die wir noch haben. Das Birkwild ist eine der auffälligsten und bekanntesten Arten in dieser Lebensgemeinschaft. Je breiter die Übergangszone, je mehr Randlinien und je abwechslungsreicher die Mosaikstruktur, desto besser sollten die Birkhuhnbestände sein. Der abrupte Übergang zwischen Wald und Offenland führt dazu, dass all jene Arten, die genau diesen Zwischenraum brauchen, verloren gehen. Das steirische Almenland ist ein Beispiel dafür. Die Gegend war einst bekannt für besonders gute Birkhuhnbestände. Durch strikte Wald-Weide-Trennung und intensive Bewirtschaftung ist die Art dort heute fast völlig verschwunden.

"Browse Line" am Waldrand. Etwa in Höhe des Hauptes kann hier eine horizontale Linie im Strauchgürtel gezogen werden. Sie zeigt, wie intensiv die Sträucher vom Rehwild beäst werden. Das Wild verbeißt die Blätter und Triebe bis in Äserhöhe, dadurch entsteht der Eindruck, als ob dieser Waldrand mit der Heckenschere geschnitten wäre. An Rändern fühlt sich Rehwild wohl. Dieser Effekt ist in gewisser Weise auch zur Dichtebestimmung hilfreich.
Pflege und Aufbau
Waldrandpflege ist aufwendig. Sie findet auf der Waldfläche statt. Das Zurückschneiden des Strauchgürtels ist aber auch immer wieder notwendig, damit der Wald nicht allmählich die angrenzenden Wiesen und Weiden erobert. Jeder, der Wildwiesen pflegt, weiß das. Anzustreben wäre, dass Trauf-, Mantel- und Saumbereiche ineinander verzahnt werden. Das gelingt dann, wenn die Traufbäume nicht in Reih und Glied stehen – die Randbäume sollten durchaus versetzt sein, damit Buchten und somit auch längere Ränder entstehen. Insgesamt heißt das: Bäume mit gut ausgebildeten Kronen bilden im Idealfall den stabilen Trauf. Der vorgelagerte Mantel an Sträuchern und kleineren Einzelbäumen wird regelmäßig gepflegt und immer wieder zurückgeschnitten. Ideal ist ein stufiger Übergang, wobei aber vorauszuschicken ist, dass meist starke Eingriffe notwendig sind – schwache Eingriffe zeigen oft viel zu wenig Wirkung. Die Sträucher im Mantel müssen gefördert, aber auch zurückgeschnitten werden, um einen abwechslungsreichen Waldrand zu erhalten. Habitatbäume sollten möglichst lange belassen werden, vereinzelt sind aber auch Traufbäume zu entnehmen, damit Struktur und Sukzession gefördert werden. Das kann in der Abfolge nach Jahren immer wieder in Teilabschnitten erfolgen. Den Wert der Ränder bewahren heißt, dass sie immer wieder zurückgeschnitten werden. Damit werden Landschaftsstrukturen erhalten und zugleich Sukzessionsabläufe gefördert. Somit entstehen im vorgelagerten Bereich immer wieder lichte Waldrandabschnitte, wo auch Lesesteinhaufen, Totholz und Kleinstrukturen freigestellt werden. Wildbienen, Tagfalter, Spinnen, Eidechsen, Käfer, Ameisen, Igel, Fledermäuse, Haselmäuse und Vogelarten wie Neuntöter, Heckenbraunelle, Rotkehlchen, Baumpieper oder Waldohreule finden hier wertvolle Nischen. Baum und Strauch bieten Schutz und Deckung ebenso wie Nahrung, es gibt Sonne, Wärme und Schatten auf engem Raum. Besonders artenreich sind Waldränder, die nach Süden exponiert sind, ebenso jene auf trockenen und mageren Standorten. Wertvoll sind auch besonders alte, heimische Laubbäume sowie Totholz. Weichhölzer oder Wildobstbäume bereichern den Saum, Versuche mit dem Anbau von Walnuss oder Edelkastanie können in milden Lagen interessant sein. Interessant sind auch Standorte, die von Wasser oder Vernässung geprägt sind.
Auch Ränder brauchen Platz
Gleich ob auf der Alm oder in der Niederung – für die Aufwertung der Waldränder müssen Flächen eingeplant und bereitgestellt werden. Ein wertvoller, gut ausgebildeter Waldrand ist kein Strich in der Landschaft. Die Entwicklung und Bewahrung dieser Strukturen sind Aufgaben, die sich über lange Zeit erstrecken. Die Pflege kostet, aber die Investition zahlt sich aus. Gut gestufte Waldränder schützen und entlasten den nachgelagerten Wald, sie tragen zur Vermeidung von Wildschäden bei, sie bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und sie sind Verbindungskorridore oder Trittsteine – sie werten eine Kulturlandschaft enorm auf. In Österreich sind die Waldränder da, die Dichte ist hoch –
es geht nur oft nur um etwas Zwischenraum, damit der Rand zu einer Brücke und zu einem wertvollen Landschaftselement wird. Dass ein gut gestalteter Waldrand den Artenreichtum fördert, steht fest. Wie weit ideal aufgebaute Waldränder den Verbissdruck in den angrenzenden Beständen mindern, sollte vielleicht einmal konkret untersucht werden. Die Waldrandgestaltung wird in Österreich im Rahmen der Förderung "klimafitter Wald" durch den Waldfonds aktiv unterstützt. Einen Versuch wäre es wert.
Hubert Zeiler
Jagareien aus Norwegen
Baukunst ohne Baugenehmigung
Die norwegische Biberjagd ist eine pragmatische Antwort auf ein Tier, das sich hervorragend vermehrt und dabei ausgesprochen viel umbaut. Mit der Arbeitsmoral eines übermotivierten Handwerkers fällt es Bäume, leitet Wasserläufe um und gestaltet ganze Landschaften neu – und das alles, ohne je eine Baugenehmigung zu beantragen.

Branchengespräche
Großer Umbruch am Gebrauchtwaffenmarkt
Der Wert gebrauchter Jagdwaffen hängt von deren Zustand und der Nachfrage ab. Als Gutachter gewinnt Martin Kruschitz täglich neue Einblicke in diesen Bereich. Aufgrund der massiven Verschärfungen des neuen Waffengesetzes könnte es seiner Einschätzung zufolge zu massiven Umbrüchen kommen.

Herr Kruschitz, Sie führen Ihr eigenes Jagdfachgeschäft und bewerten daneben Waffen. Wie sind Sie dazu gekommen?
Martin Kruschitz: Einerseits durch meine geschäftliche Tätigkeit, andererseits durch das Waffengesetz 1996, das am 1. Juli 1997 in Kraft getreten ist. Plötzlich war ein Schwung von Waffen am Gebrauchtmarkt, weil viele damals schon gesagt haben: Nein, mit der Melderei möchte ich nichts zu tun haben. Wir verkaufen das! Da sind dann plötzlich Unmengen an Gebrauchtwaffen im Umlauf gewesen. Wir haben sehr viel angekauft und verkauft. Da habe ich das einfach – Learning by Doing – mitbekommen – auch durch den Vater, der damals noch im Geschäft war. 2007 bin ich dann das erste Mal ins Dorotheum gekommen und habe dort zehn Jahre gearbeitet. Das habe ich dann mit einer Tätigkeit ausschließlich im Geschäft unterbrochen und bin seit 2024 wieder zweimal wöchentlich in diesem Auktionshaus.
Was die Auktion von Jagdwaffen betrifft: Ist das Dorotheum da Marktführer?
Es gibt ein großes Auktionshaus in der Stadt Wien und noch einige kleinere Unternehmen, die sich auch mit der Auktion von Waffen in Österreich beschäftigen, sowie noch einige im Ausland. Beim Dorotheum selbst gibt es bundesweit viele Filialen, die Waffenauktionen sind allerdings aus gewerberechtlichen Gründen standortgebunden und damit immer in Wien.
Sind Sie selbst direkt bei der Auktion dabei?
Ich bewerte die Waffen und bin für die gewerberechtliche Geschäftsführung zuständig, also ich schau, dass die waffenrechtlichen, die außenwirtschaftsrechtlichen Formalitäten alle eingehalten werden. Die Auktionen selbst finden jetzt online statt. Ich stehe hier bereit, wenn Kunden noch Fragen zu den Exponaten haben. Für mich ist auch wichtig, die Auktion zu beobachten, um ein Gespür zu bekommen, in welche Richtung es sich bewegt. Weil manche Trends sind durchaus kurzfristig. Da muss man bei der Gestaltung des Rufpreises aufpassen und entsprechend reagieren.
Wie biete ich eine Waffe für eine Online-Auktion an?
Ich tu mir mit der Bewertung am leichtesten, wenn ich das Gewehr in der Hand halte. Wer also im Großraum Wien zuhause ist oder für wen die Fahrt nach Wien keinen zu großen Aufwand darstellt, dem rate ich, mit der Waffe direkt zu kommen. Ist das nicht möglich, wäre ein erster Schritt, Fotos zu schicken – je detaillierter, desto exakter kann man eine Preiseinschätzung machen. Wenn das nur ein Gesamtfoto mehrerer Waffen mit schlechter Ausleuchtung oder Auflösung ist, tu ich mir schwer, weil der Preisrange ein weiter ist. Es gibt auch Objekte, die wir ablehnen. Was ich nicht verkaufen kann, nehme ich nicht an.
Sie haben das Rechtliche selbst schon angesprochen. Seit der Novelle des Waffengesetzes müssen Käufer und Verkäufer bei einem Privatverkauf mit der Waffe bei einem Waffenfachhändler erscheinen. Ist es bei der Auktion ähnlich?
Das neue Waffengesetz macht derzeit wirklich ganz wilde Einschnitte. Es müssen beide persönlich im Fachhandel sein, was den privaten Handel durchaus erschwert. Wenn beispielsweise jemand aus dem Osten Österreichs jemandem aus dem Westen Österreichs ein Gewehr verkauft, dann wird das in Zukunft deutlich schwieriger. Das ist auch noch nicht überall wirklich angekommen. Ich merke das in der Branche als auch bei den Kunden, dass diese durchaus überrascht sind. Da ist noch sehr viel Informationsarbeit, beispielsweise seitens der Landesjagdverbände, gefragt. Man hat immer gehört, für den Jäger ändert sich nichts. Aber es gibt dennoch Punkte, die teilweise auch erst im Juni/Juli in Kraft treten sollen, die auch große Auswirkungen auf den Jäger haben – und auch auf den Markt. Ich kann derzeit noch nicht abschätzen, wohin sich das bewegt. Aber ich merke derzeit überall, auch im Geschäft, dass vermehrt Kunden kommen, die sagen: Ich hab seit Jahren ererbte Waffen, die ich nie verwendet habe, die mich emotional an wen auch immer erinnert haben. Aber jetzt mit dem neuen Waffengesetz möchte ich sie hergeben. Jetzt wird es spannend, wie sich das am Markt dann gestaltet.

"Bei Flinten gibt es ein ausgeprägtes Markenbewusstsein und man kauft auch ein bisschen Renommee."
Das Entgelt für diese verordnete Dienstleistung des Waffenfachhandels wird sich ja auch auf die Preisgestaltung auswirken, in Relation insbesondere bei preisgünstigen Gebrauchtwaffen. Gibt es schon einen konkreten Preisrahmen dafür?
Es machen sich alle Gedanken, was in welcher Form wofür zu verlangen ist. Die Wirtschaftskammer ist da immer sehr vorsichtig und empfiehlt, den Aufwand zu verrechnen, weshalb die Preise auch sehr verschieden sind. Ich mache das mit meiner Firma so, dass ich tatsächlich den Aufwand verrechne. Im Idealfall habe ich zwei Kunden vor mir stehen und der Erwerber besitzt bereits eine Waffe dieser Kategorie und muss nicht die vierwöchige Wartefrist einhalten. Wenn alles schnell läuft und das Zentrale Waffenregister schnell zugängig ist, brauche ich für diesen Akt in der Regel 15 bis 20 Minuten. 20 Minuten sind das Drittel einer Stunde, ich verrechne also ein Drittel eines Stundensatzes. Anders schaut es aus, wenn der Erwerber noch keine Waffe dieser Kategorie besitzt. Dann muss ich die Waffe ja vier Wochen lang an mich nehmen, im Zentralen Waffenregister zuerst auf meine Firma übernehmen und vier Wochen später auf den Erwerber übertragen. Da brauche ich zeitlich länger. Und was nicht vergessen werden darf: Ich habe ein gewisses Risiko, muss die Waffe sicher lagern, mein Versicherungsaufwand ist größer. Da ist es dann so, dass ich die Kosten vom Wert der Waffe abhängig mache. Bei einer teureren Waffe ist mein Risiko größer, da wird das Entgelt höher sein als bei einer preiswerten Waffe.
Wie erziele ich als Verkäufer den höchsten Preis für meine Waffe?
Man kann das nicht verallgemeinern, weil es ein bisschen auch waffenabhängig ist und regionenabhängig. Nur ein Beispiel: Wir haben Kaliber, die im Osten Österreichs beliebt sind, im Westen aber gar nicht – und umgekehrt. Wenn ich also in Tirol privat eine Waffe in einem Kaliber verkaufen will, das dort nicht gefragt ist, wird mein Erlös vermutlich geringer ausfallen als im Osten. Der große Vorteil vom Waffenfachhandel und auch vom Auktionshaus ist, dass die Kunden international sind. Da natürlich auch der Vermittler von etwas leben muss, bekommt man vielleicht etwas weniger als von privat zu privat, aber wir übernehmen auch alle Tätigkeiten rund ums Verbringen in ein EU-Land oder einen Drittstaat. Entsprechend muss man sich als Verkäufer überlegen: Ist das der richtige Zeitpunkt und die richtige Gegend, wo ich etwas anbiete, oder gibt es vielleicht woanders ein größeres Interesse und wie komm ich dann an die Interessenten?
Ist eine Waffe wertbeständig oder verliert sie mit den Jahren wie ein Gebrauchtwagen einfach ihren Wert?
Die breite Masse an Waffen, alles, was industriell hergestellt wurde, aber auch Bockbüchsflinten und Drillinge verlieren in der Regel deutlich an Wert. Wir sehen heute eine ganz andere Generation von Jägern, die diese Gewehre gar nicht mehr kennengelernt haben. Die haben nicht mehr diesen Nimbus zu Kipplaufwaffen kennengelernt und dementsprechend schätzen sie diese pekuniär auch nicht so sehr. Als ich begonnen habe, hat eine gute Ferlacher Bockbüchsflinte, die ansehnlich graviert war, in einem vernünftigen Kaliber durchaus um die 25.000,- bis 30.000,- Schilling gekostet. Ich weiß das auch deswegen, weil ich mir zum 16. Geburtstag eine Vespa gewünscht habe. Knapp vor diesem Geburtstag ist jemand mit der ersten Waffe, die mein Vater selbst gebaut hat, ins Geschäft gekommen. Die wollte ich dann unbedingt haben. Wir haben den Kunden gefragt, ob er diese Bockbüchsflinte verkaufen würde, und er hat ziemlich genau den Preis genannt, den auch meine Vespa gekostet hätte. Ich bin dann vor einer Entscheidung gestanden und habe mich emotional richtig entschieden und das Gewehr vom Vater genommen. Wirtschaftlich hätte ich wahrscheinlich die Vespa nehmen sollen. Hätte ich die ein paar Jahre später verkauft, hätte ich mehr bekommen als für diese Bockbüchsflinte heute. Heute würde das Gewehr am Markt wahrscheinlich irgendwo zwischen 500,- und 1.200,- Euro bringen – deutlich weniger, als es damals gekostet hat.
Die Möglichkeit, Schalldämpfer für einläufige Waffen verwenden zu können, trägt sicherlich auch das Ihre dazu bei.
Das ist auch so, aber bereits vor 2019, also bevor der Schalldämpfer gekommen ist, war ein Drilling, war eine Bockbüchsflinte, die in den 50er-, 60er-, 70er-Jahren erzeugt wurde, in der Regel nicht mehr das, was der Markt nachgefragt hat. Die hat man sich als Zweit-, Dritt-, Viert- oder Fünftgewehr gekauft, aber nicht so wie damals, als das ein Hit war, wenn das das erste Gewehr war.

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