Blick ins Revier
Sikawild als jagdliche Bereicherung?
Es gibt in Österreich zwei isolierte Vorkommen von Sikawild, eines davon in den Donau-Auen zwischen Tulln und Krems. Hier weiß man um die Herausforderungen, die diese zusätzliche Schalenwildart mit sich bringt, schätzt aber gleichzeitig den jagdlichen Mehrwert.

Sikawild kommt in Österreich seit etwa 130 Jahren in einer örtlich sehr begrenzten Population in der Nähe von Tulln sowie einer weiteren vor. Der Sikawildbestand dort wird regulär bejagt. Die Strecken sind allerdings rückläufig, da es notwendig war, den Wildbestand an die Tragfähigkeit des Lebensraumes anzupassen. Vor zehn Jahren wurden österreichweit noch an die tausend Stück pro Jahr erlegt, im Vorjahr waren es nur noch 261. In die Medien hat es die Wildart in den letzten Monaten allerdings aus einem anderen Grund geschafft: Mittels EU-Verordnung 1143/2014 wurde sie als invasive gebietsfremde Art von unionsweiter Bedeutung eingestuft. Was das für die heimische Fauna bedeuten könnte, wurde bei einem Gespräch mit Forstmeister Erhard Ungerböck und Hegeringleiter Paul Schaufler in den Donau-Auen erörtert.
Konzentriert im Auwald
Das in freier Wildbahn lebende Sikawild ist auf wenige Reviere verteilt. Eines davon ist die Forstverwaltung Grafenegg mit rund 6.000 Hektar Jagdfläche. Ausgehend vom Auwaldkomplex "Großer Grund", hat es sich im Laufe der Zeit sowohl nach Norden über die Donau hinweg ausgebreitet als auch nach Süden in Richtung einiger Waldinseln, die in der intensiv bewirtschafteten Agrarlandschaft als Rückzugsort für diese aus Asien stammende Schalenwildart fungieren. Erhard Ungerböck ist Forstmeister des Betriebes und legt seinen Standpunkt aus Sicht des Grundeigentümers klar. Paul Schaufler ist Abschussnehmer im Revier Utzenlaa als auch Hegeringleiter des Hegerings Donau-Auen und von der Interessenlage eher jagdlich geprägt.
Erhard Ungerböck: "Für uns als Forstbetrieb sind neben dem Holz Jagd und Fischerei die wichtigsten Betriebszweige. Ich selbst bin seit fünf Jahren im Betrieb, das Sikawild begleitet den Betrieb natürlich schon viel länger. Die Ursprünge gehen ja auf den Anfang des 20. Jahrhunderts zurück, als der Kaiser vom japanischen Tennō Sikawild als Geschenk bekommen hat. In dieser Zeit dürfte das Sikawild auch hierhergekommen sein und bildet eine von zwei Populationen in Niederösterreich. Die zweite befindet sich auf den Flächen des Habsburg-Lothringen’schen Gutes Persenbeug am Ostrong."
Paul Schaufler: "Schwerpunkt des Sikawildes war südlich der Donau. Es gibt dort mehrere Genossenschaftsjagden – die größten Flächen besitzen die Forstverwaltung Grafenegg und das Stift Herzogenburg. Wir befinden uns hier in Utzenlaa, nördlich der Donau, bis hierher hat sich diese Wildart sukzessive ausgebreitet, nachdem sie die Donau durchronnen hat."
Erhard Ungerböck: "Um das räumlich einzuteilen: Unsere Betriebsflächen erstrecken sich von östlich von Krems bis Tulln, aber nicht durchgehend, sondern mit mehreren Nachbarbetrieben dazwischen. Man kann grob sagen, dass der westliche Teil vom Donaukraftwerk Altenwörth stromaufwärts das Sikagebiet ist, und östlich davon ist der Rotwildlebensraum."

Forstmeister Erhard Ungerböck von der Forstverwaltung Grafenegg mit Hegeringleiter und Abschussnehmer Paul Schaufler im Gespräch über die Zukunft des frei lebenden Sikawildes in den Donau-Auen.
Keine Anzeichenvon Hybridisierung
Die drastischen Schritte, die EU-seitig gegen das Sikawild eingeleitet wurden, werden unter anderem damit begründet, dass sich diese gebietsfremde Art mit dem autochthonen Rotwild verpaaren könnte. Belege dafür gibt es sowohl aus Schottland als auch der Tschechischen Republik. In den Donau-Auen scheint das bislang nicht der Fall zu sein.
Erhard Ungerböck: "Die Hybridisierung ist bei uns bis jetzt kein Thema. Die räumliche Überschneidung ist ja nur sehr klein, weil sich das Sikawild eher nach Westen ausgebreitet hat. Im ganzen Rotwildlebensraum im Osten kommt Sikawild nur sehr vereinzelt vor, hier in Utzenlaa wird durchschnittlich ein Stück im Jahr erlegt."
Paul Schaufler: "Der Hauptlebensraum des Sikawildes liegt im Raum Preuwitz. Diese Population südlich der Donau war dort auf einer Fläche von vielleicht 2.000 oder 3.000 Hektar. Der Hegering hat sogar Sika-Hegering geheißen. Mein Hegering Donau-Auen hat ursprünglich bei der Donaubrücke in Tulln begonnen und war nur nordseitig der Donau. Mittlerweile sind auch die Flächen der Forstverwaltung Grafenegg im Süden dazugekommen.
Zur Hybridisierung will ich noch sagen: Ich habe hier ein Nachbarrevier, das 800 Hektar umfriedete Eigenjagd umfasst. Dort gibt es auch Sikavorkommen und es gab nie irgendwelche Überschneidungen mit dem Rotwild. Es gibt zwar diesen Mythos, dass die beiden Arten sich verpaaren könnten, aber es hat nie jemand gesehen und es hat auch keinen Hinweis darauf gegeben."
Erhard Ungerböck: "Bis jetzt gibt es keine Hinweise auf eine Hybridisierung. Diese müsste bei den Nachkommen genetisch nachweisbar sein, und das sollte einmal untersucht werden."
Paul Schaufler: "Noch eine Anmerkung: Unser letzter Ier-Hirsch, der heuer erlegt worden ist, hatte ein Nettogewicht von 185 Kilogramm – ohne Haupt und aufgebrochen. Ein Sikahirsch wiegt etwa 60 Kilogramm. Bei einem schwachen Berghirsch oder einem schottischen Hirsch kann ich mir eine Verpaarung eher vorstellen."
Erhard Ungerböck: "Bei den Tieren ist der Unterschied im Körperbau genauso gravierend. Ein Rottier bringt es aufgebrochen auf 80 Kilo oder mehr und ein Sikatier auf 30. Von den verschiedenen Unterarten des Sikawildes dürfte unseres zu den kleineren gehören."
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Nicht nur krankgeschossenes Schalenwild muss ordentlich nachgesucht werden. Der weitaus größere Teil betrifft das Nachsuchen, das Verlorenbringen von Niederwild nach dem Abblasen eines Treibens oder während Streife und Suchjagd.

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In der alten "Saukuchl". Im Dämpfer wurde hier früher das Futter für die Schweine gekocht. Heute dient er zum Auskochen des ein oder anderen Hirschgeweihes. Auch damit wird Veränderung sichtbar. Der Zugang zum Wildtier erfolgt über viele Wege – es kann Streitpunkt, Schädling, Hindernis oder Beute sein, aber auch eine faszinierende Verbindung und Brücke.
Rund um die Diskussionen um Schuss- und Schonzeiten wird gerne vorgebracht, dass Schonzeiten und Abschusspläne klassische "Werkzeuge" von nachhaltiger Jagd und Hege wären. Gemeint ist damit, dass diese "Werkzeuge" früher einmal vor der Übernutzung von Wildbeständen schützen sollten. Hege wird in diesem Zusammenhang oft mit Aufhege gleichgesetzt. Was aber geschieht dort, wo diese Werkzeuge weggeworfen werden und wir uns davon befreien? Zunächst einmal heißt das, wir verabschieden uns von einem Umgang mit Wildtieren, der auf wildbiologischen Grundlagen aufbaut. Womit der Weg von der Erkenntnis in der Regel zurück zur Hypothese führt und die nicht enden wollende Debatte rund um das Wald-Wild-Thema in die nächste Runde geht. Die Erfahrung aus Randgebieten zeigt, dass dort die Bestände nach weitestgehender Lockerung aller Vorgaben nicht unbedingt abnehmen – vor allem wo kein Berufspersonal mit der Jagd betraut ist und wo eine kleinräumige Revierstruktur vorherrscht. In der Folge nimmt zuerst der Anteil erwachsener Hirsche gravierend ab. Damit wird der Kahlwildanteil noch höher. Ganz am Ende steht dann oft die Entscheidung, ob es überhaupt noch Rotwild geben soll oder nicht. Womit sich die Diskussion um Tierschutz sowie Schuss- und Schonzeiten zum Wohle des Wildes erübrigt. Am Ende steht also auch hier Frage nach der Kultur im Umgang mit Wildtier und Natur.
Berechtigte Hegebemühungen
In der Jagd und bei Jägern ruht ein enormes Potenzial, denn die Motivation für die Jagd fußt sehr stark auf ideellen, nicht beutebezogenen Werten im Zusammenhang mit der Natur. Ökonomie allein bestimmt nicht jegliche Landnutzung. Wer Wildwiesen anlegt, Hecken pflanzt, Wälder für Auerhühner pflegt, Almen schwendet oder Forstwege begrünt, tut das aus Neigung und Vorliebe. Der Großteil all dieser Bemühungen dreht sich um den Einsatz von Zeit, Vorausdenken, Handfertigkeit und Redlichkeit und nicht um den Einsatz von Geldmitteln. Dies ist allein über Naturschutzprojekte niemals aufzubringen. Nur das Wissen über das Vorkommen von Wildarten ist heute schon von unschätzbarem Wert.
Die reiche Vielfalt an weltweiten Kulturen spiegelt die entsprechende Vielfalt an Lebensräumen wider, aus der sie entstanden sind. Ob der Bauer in Ligurien, der Schafhirte in den Karpaten oder der Berufsjäger in den Alpen: Jede dieser Kulturen gibt Zeugnis von der vielfältigen Anpassung des Menschen an die verschiedensten Lebensräume. In urbanen Gesellschaften verschwindet dieser Bezug. Verloren gehen damit Werte, die diesen Kulturen im Umgang mit der Natur zugrunde liegen. Ein Wertegewinn erfolgt aber nicht von selbst, nur eine gesunde Kultur kann nähren und wachsen.
Leseprobe aus:
Hubert Zeiler: "Rotwild in Wort und Bild".
192 Seiten, über 100 Aquarelle und Skizzen, durchgehend in Farbe, exklusiv gebunden in Naturleinen, Großformat: 29,5 x 29,5 cm. ISBN: 978-3-200-10239-2, Preis: € 69,- exkl. Versand.
© Jagdzeitschrift DER ANBLICK
Erhältlich in der ANBLICK-Greißlerei
Waffe, Schuss & Optik
Drei Hersteller, ein harmonisches Team
Dass man für Jagdausrüstung kein Vermögen ausgeben muss und dennoch hohe Präzision verlangen kann, zeigt diese Kombination. Die MS Wild von Steyr harmoniert bestens mit der Munition von Fiocchi. Das Spectra von GPO hält die beiden Komponenten einwandfrei zusammen.

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