Heft September 2023


Themen im aktuellen Heft:
 

Kahlwildjagen im Team

 

Sauen mit Hirn kirren

 

Nothilfe für die Fischerei

 

Von der Kunst, mit Vögeln zu jagen

Im Revier

Kahlwildjagen im Team  

Jäger gelten in ihrem Tun als Einzelgänger, die ihre Erfolge ungern teilen. Die Jagd im Team kann ungleich erfolgversprechender sein. Zudem stärkt sie das Wir-Gefühl der beteiligten Personen.

Es ist ein großer Gewinn, wenn man an der Jagd beteiligte Personen wie Pirschbezirkler, Freunde oder gelegentliche Gäste in ein Team einbindet und das gemeinschaftliche Jagen, wie z. B. Sammelpirsch oder Sammelansitz, gemeinsam im mehr oder weniger festen Team immer weiter professionalisiert. Durch das Einbinden und Fördern eines Teams in die persönliche Jagdstrategie habe ich zum einen zuverlässige Helfer bei Revierarbeiten, zum anderen lerne ich die Stärken und Schwächer der Personen kennen und kann diese gezielt einsetzen, was mir eine höhere Effizienz bietet und der jeweiligen Person mehr Erfolg und Wertschätzung. Das schlägt sich bei richtiger Führung in höherer Arbeitsbereitschaft und Motivation nieder.

Auch der regelmäßige Dialog fördert das Verständnis für die Zielsetzung, die Ausgestaltung der Jagdstrategie und bietet einem die Möglichkeit, durch andere Ideen oder Kritik einen regelmäßigen Blick über den Tellerrand zu werfen und seine Strategie zu hinterfragen. Das ist nach meiner Erfahrung eine wichtige Voraussetzung, um eine Jagdstrategie immer wieder zu aktualisieren und zu verfeinern.

Neben den spontanen und kurzfristigen Gemeinschaftsaktionen sind die langfristig geplanten und vor allem organisierten Jagdwochenenden eine große Hilfe bei der Umsetzung aufwendiger Revierarbeiten und der Abschusserfüllung. Es sind immer wiederkehrende zeitliche Phasen im Jahr, bei denen man alleine nicht hinterherkommen würde. Wir haben zwei fest geplante Jagdwochen jedes Jahr: eine Anfang August beim Aufgang der Schusszeit auf Kahlwild, die andere zum Ende der Rotwildbrunft. Zusätzlich nutzen wir kurzfristige und daher auch kleinere Aktionen verteilt unter dem Jahr.

 

Kahlwildwoche Anfang August

Bei der ersten Jagdwoche, die abhängig von den Teammitgliedern zwischen erstem und achtem August für drei bis sieben Tage stattfindet, führen wir schwerpunktmäßig den Sammelansitz durch. Wir besetzen nach Möglichkeit immer zusammenhängende Plätze. Dies hat den großen Vorteil, dass Wild, das bei dem einen auskommt oder versucht auszuweichen, mit hoher Wahrscheinlichkeit bei einem anderen in Anblick kommt. Auch das Bergen ist in diesem Fall leichter und schneller zu organisieren. Zwischen dem Morgen- und dem Abendansitz werden in dieser Woche auch immer neue Plätze für das kommende Jagdjahr in den Bereichen angelegt, die in dieser Zeit für das Rotwild uninteressant sind. Gerade bei dieser Arbeit kommt es zwangsläufig zu den unterschiedlichen Ansichten und Überlegungen. Wir fragen uns: Warum hier? Welcher Sitz? Welche Position? Was muss freigeschnitten werden? Warum? Wie viel?

Aber auch das Erzählen ihrer Jagdgeschichten gibt jedem Beteiligten in dieser Woche Einblick in die oft unterschiedlichen Bewertungen und Sichtweisen. Auch handwerkliche Fähigkeiten des Einzelnen, wie z. B. Aufbrechen, Versorgen und Zerwirken von Wild oder das Bauen von sicheren und langlebigen Ansitzeinrichtungen, werden dabei immer wieder geschult und verbessert.

 

 

Nachlese im Oktober

In der zweiten Jagdwoche Ende Oktober findet vor allem die Nachlese durch Sammelansitz, Sammelpirsch, kleine Riegler oder Kombinationen daraus statt. Die Nachlese findet vor allem auf Flächen statt, die noch nicht den ausreichenden jagdlichen Erfolg gebracht haben oder an denen Kahlwild sich der Einzeljagd entzieht. Gerade bei diesen Aktionen bin ich auf absolut zuverlässige und mit dem Revier vertraute Personen angewiesen.

Die kleineren und übers Jahr verteilten Gemeinschaftsaktionen richten sich vor allem nach dem Wetter. Gerade ein Sammelansitz oder die Sammelpirsch beim ersten Schnee ist – im Gegensatz zu den Sammelansitzen im August – großräumig und voneinander getrennt. Dabei geht es darum, die guten Bedingungen auf breiter Fläche zu nutzen.

Meiner Erfahrung nach habe ich nicht nur einen persönlichen Vorteil bei der Jagd im Team durch die Produktivitätserhöhung meiner Arbeit, sondern bringe dadurch auch eine gewisse Professionalisierung in die private Jägerschaft und vor allem auch ein größeres Verständnis für das Handeln und die Ziele meines Betriebes. Dadurch erweitere ich den Personenkreis, der sachlich und fachlich in der Lage ist, für einen professionellen Jagdbetrieb in der Öffentlichkeit zu argumentieren.

Corbinian Kohn


Im Revier

Sauen mit Hirn kirren

Die Kirrjagd gilt als Wunderwaffe für die Schwarzwildjagd. Tatsächlich wird dabei ein erheblicher Teil der Strecke erlegt. Es gibt aber Kollateralschäden: Die Masse an zusätzlichem Futter lässt die Bestände nachweislich anwachsen und es gibt Wechselwirkungen mit anderem Wild. Diese Zusammenschau aus internationalen Studien legt nahe, wie man es vernünftig anlegt.

 

 


Im Revier

Nothilfe für die Fischerei

Durch die flächendeckende Präsenz der Fischräuber stehen die meisten Fließgewässer Österreichs enorm unter Druck. Anders als bei Teichanlagen sind Schutzmaßnahmen dort undurchführbar. An der Lavant in Kärnten versuchen Jäger und Fischer dennoch, den autochthonen Bachforellen Nothilfe zu leisten.

 

 

Als ich 2016 in Pension gegangen bin, wollte ich mich ganz der Fischerei widmen“, erzählt Florian Neuhäusel mit Wehmut. „Ich hab mir ganz genau überlegt, woran ich herumtüfteln werde. Und dann kommt dieses Viecherl und frisst mir alle Fische weg!“ Das massive Auftreten des Otters im oberen Lavanttal hat den Traum zerplatzen lassen wie eine Seifenblase. Daraufhin hat er die Jagdprüfung gemacht und jagt nun in der Gemeindejagd St. Peter mit – doch die Leidenschaft im eigenen Fischereirevier hat ihn nie losgelassen.

 

Als die Welt noch in Ordnung war ...

„Als Fischer haben wir uns selbst immer sehr zurückgehalten und nur mit Fliege oder Nymphe gefischt. In jedem großen Tumpf war damals ein ,Schatten‘, wie wir gesagt haben. Also eine Forelle mit 40, 45 cm, von der man meist nur einen Schatten gesehen hat, wenn sie sich für unsere Kunstköder interessiert hat. Aber gerade solche kapitalen Fische werten ein Fischwasser auf. Jeder will so einen haken. Das gelingt vielleicht einmal, aber dann werden sie immer vorsichtiger“, kommt Neuhäusel ins Schwärmen. Dass solche Fische zurückgesetzt werden, ist für ihn dabei eine Selbstverständlichkeit. „Die großen Fische braucht es zum Ablaichen, damit die Bestandspyramide aufrechtbleibt.“

Angesprochen auf die Problematik von „Catch & Release“, gibt er sich nachdenklich. Fische geraten während des Drills erwiesenermaßen in eine Stresssituation. „Ein Fisch an der Angel schwimmt immer mit aller Kraft gegen den Zug der Angelschnur, bis zur völligen Erschöpfung. Würde er dies tun, wenn er wirklich Schmerzen empfindet? Nach heutigem Wissensstand ist das aber nicht mit einer Schmerzreaktion – sprich Leiden – gleichzusetzen. Beim Fliegenfischen stehe ich ja im Wasser und sehe großteils, welcher Fisch sich dem Köder nähert. Und den Kunstköder schluckt er ja nicht ab, sondern ,probiert‘ ihn nur. Genau in dem Moment musst du anschlagen. Der Schonhaken hängt dann nur vorne im Maulbereich im Knorpel und lässt sich leicht wieder lösen, nachdem man die Hände zum Schutz der Schleimschicht benetzt hat. Wir Fischer in der Forellenregion arbeiten mit dieser Fangmethode zum Beispiel auch für die Fischbestandserhebung.“

Anders ist das freilich, wenn jemand Drillingshaken oder Naturköder verwendet, die dann tief im Schlund stecken, und vielleicht noch vom Ufer aus fischt. So eine Verletzung übersteht der Fisch sicherlich nicht. „Das Zurücksetzen dieser verletzten Fische ist nicht in Ordnung und gehört verboten!“

 

 

 

Wandel der Kulturlandschaft

Florian Neuhäusel ist am Feistritzbach aufgewachsen, einem Nebenfluss der Lavant. Schon als Bub hat ihn das Wasserleben dort fasziniert. „Der gelbe Bauch und die roten Punkte einer Naturforelle, das hat schon was! Daran reichen Zuchtfische bei Weitem nicht heran“, erinnert er sich an früher zurück. „Und auch der Fischlebensraum war ganz anders. Überall hat es Ausleitungsgerinne für Mühlen oder Sägewerke gegeben, und in diesen beruhigten Wasserbereichen haben sich die Jungfische bestens entwickeln können. Aber auch der Bereich der Einleitung war wichtig. Diese großen Tümpel, wo Wasser steil von oben herabgefallen ist und tiefe Kolke ausgeschwemmt hat, das gibt es nicht mehr. Gerade diese sind für Forellen aber so wichtig, weil sich Hohlräume bilden, die dem Fisch Schutz bieten.“ Heute werden solche idealen Strukturen im Bachbett durch die EU-Wasserrahmenrichtlinie als Hindernis gesehen. Alles, was höher als 30 cm ist, muss weg! Wenn es dann beispielsweise zu einem Hochwasser kommt, sind die Fische der Gewalt der Fluten schutzlos ausgesetzt.

„Früher haben wir mit Ende des Sommers aufgeatmet, weil die Unwetter- und damit Hochwassergefahr vorüber war. Mittlerweile haben wir aufgrund der Klimaschwankungen auch im November oder Februar öfters Hochwässer.“ Direkt trifft das Jungfische und Brut, die sich nicht halten können. Aber auch ältere Fische laufen Gefahr, umzukommen. Besonders gefährlich sind hier die „Trockenfallen“, wenn Fische am Randbereich Schutz suchen und der Wasserstand dann rasch wieder abebbt.

Aber auch das Gegenteil wird immer mehr zum Problem. „Im Sommer kannst du durch die obere Lavant oft mit Halbschuhen durchgehen, weil sie so wenig Wasser führt. Das halbe Bachbett liegt dann im Trockenen und die Steine erwärmen sich durch die Sonneneinstrahlung. Mehr als 20° C Wassertemperatur verträgt die Bachforelle aber nicht.“

 

Obendrauf: Reiher und Otter

Es ist nicht allein den Fressfeinden geschuldet, dass mittlerweile die meisten Bäche leer sind, aber in Kombination mit allen anderen Faktoren waren doch sie es, die in den Fließgewässern aufgeräumt haben. „Wir sprechen von einem ,Küchenfenster‘, in dem der Otter zuschlägt. Er fängt also in etwa die Fischklasse ab dem Brittelmaß, die wir auch für uns beanspruchen würden. Und genau die sind für den Nachwuchs verantwortlich“, erläutert Neuhäusel. „Der Reiher hingegen frisst, was der Fischotter übrig lässt, und auch die Jungfische. In Kombination aus diesen beiden Fischräubern bleibt im Bach dann nichts übrig.“ Kormorane sind in der oberen Lavant und ihren Nebenflüssen bislang kein Problem, weil sie zu seicht für das bevorzugte Jagdverhalten dieses Schwarmvogels sind.

In Kärnten gibt es aktuell die Möglichkeit, den Fischotter zu bejagen. Während der Wintermonate dürfen diese mit zulässigen Fangmethoden von speziell geschulten Jägern gefangen oder mit der Langwaffe bejagt und getötet werden. In der restlichen Zeit sind nur Lebendfallen erlaubt, um führende Fähen nicht zu gefährden. Beködert werden diese mit Otterlosung. Die Idee dahinter ist simpel: Der territoriale Otter will über diese Losung drübermarkieren – dann schnappt die Falle zu. Die Fangerfolge dieser Methode sind allerdings bescheiden. Reiher durften in der Vergangenheit bejagt werden. Momentan ist die Zahl der Brutvögel in Kärnten allerdings rückläufig, weshalb sie wieder geschont sind.

 

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Jagdkultur

Von der Kunst, mit Vögeln zu jagen

Die Beizjagd hat viele Höhen und Tiefen hinter sich. Dabei hat sie einen sehr modernen Ansatz. Naturnähe ist überaus wichtig und diese Jagdart wurde stets auch von Frauen praktiziert.

 


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