Heft August 2019

Themen im aktuellen Heft:
 

Verschenkte Elfmeter

 

Natur und Jagd erlebbar machen

 

Gamsstudie Heiligenblut

 

Die Grenzen ausloten

Praxiswissen für Revierbetreuer

Verschenkte Elfmeter

Fehler bei der Ansitzjagd werden vielfach unbewusst gemacht. Neben handwerklich-jagdpraktischen Fehlern kommt insbesondere das falsche Verhalten des Jägers zum Tragen. Dies lässt sich mit etwas Verständnis, Know-how und Geschick schnell beheben, damit die Erfolgsaussichten besser werden.

Die Jagd wird in vielen Revieren vom Ansitz ausgeübt. Das ist unter den vorhandenen Strukturen in den oft nur kleinen Wald- und Feldrevieren einer obendrein zersiedelten Kulturlandschaft häufig sicher und erfolgreich. Der Ansitz bietet dem Jäger die beste Möglichkeit, das Wild in aller Ruhe anzusprechen, es mit anderen Stücken zu vergleichen und einen sicheren und ruhigen Schuss abgeben zu können. Trotzdem begehen etliche Jäger meist unbewusst Fehler, die nicht nur im Einzelfall das Weidmannsheil kosten, sondern das Verhalten des aufmerksamen Wildes nachhaltig prägen. Der Ansitzplatz wird erkannt, das Wild tritt in der Folge zusehends später aus, eine schonende und nachhaltige Jagd gelingt mancherorts bald nicht mehr.

In den letzten Jahren ist verstärkt ein Trend zu beobachten – weg von der „passiven Jagd“ wie dem Ansitz, hin zur „aktiven Jagd“. Alle Varianten der Lock- und Reizjagd sowie die spannende Pirsch, unterstützt mit modernster Technik, wie etwa dem Wärmebildgerät, beherrschen derzeit den Jagdmarkt. Im Zeitalter von Hektik, Stress und Eile versucht der moderne Jäger auch den jagdlichen Erfolg in immer kleineren Zeitfenstern zu beeinflussen, zu forcieren! Zum Glück gelingt das aber nicht immer auf der Jagd. Übrig bleiben hingegen ein mit menschlichen Gerüchen verstänkerter Einstand und häufig genug über die Maße hinaus gestresstes Wild.

Die Ansitzjagd hingegen lehrt den Jäger, wieder Ruhe und Geduld zu wahren. Sie eröffnet dem Jäger intime Einblicke in die Verhaltensweisen des Wildes, seine inner-artliche Konversation, seine Bewegungsabläufe zu erkennen und zu verstehen, sofern er diese einzigartige Chance nicht gleich bei Erscheinen des Wildes mit seinem Schuss zunichtemacht. Denn passen Wind und Deckung sowie das lautlose Verhalten des Jägers, werden die Tiere die Beobachtung aushalten, ja, sich sogar über eine lange Zeit vollkommen vertraut zeigen.

Fehler bei der Ansitzjagd werden vielfach unbewusst gemacht. Neben handwerklich-jagdpraktischen Fehlern kommt insbesondere das falsche Verhalten des Jägers zum Tragen. Sicherlich ist es ärgerlich, wenn beim Ansitz der Anblick oder gar der Jagderfolg ausbleibt, weil Wild die Anwesenheit des Menschen gewahrte. Das Wild lernt sehr schnell aus diesen Begegnungen und ändert rasch sein vertrautes Verhalten bis hin zur Unsichtbarkeit. Manchmal gelingt sogar noch ein schneller Schuss, führt aber aufgrund jagdpraktischer Mängel zum Fehlen oder gar Anschweißen des Stückes. Handwerkliche Mängel aus dem jagdpraktischen Bereich lassen sich mit etwas Verständnis, Know-how und Geschick schnell beheben, wenn wir sie erkannt haben.

 

Mehr dazu verrät Wildmeister Matthias Meyer in unserer August-Printausgabe. Kostenloses Probeheft anfordern.


Jagd heute

Natur erlebbar machen

Der Burgenländische Landesjagdverband betreibt seit mehr als 17 Jahren Österreichs erfolgreichste und kundenstärkste „Waldschule“. Die „Werkstatt Natur“ widmet sich in Zeiten der fortschreitenden Naturentfremdung von Kindern auch weitreichenden Themen wie dem Klimawandel, dem Insektensterben oder dem Verlust der Artenvielfalt. Dabei stehen der Kontakt zur und das Verständnis für die Natur und ihrer Aufgaben, z. B. als Lebensraum für die Wildtiere, an oberster Stelle.


Im Revier

Gamsstudie Heiligenblut

Am 13. Juni wurde auf Schloss Mageregg das von 2013 bis 2018 im Hegering Heiligenblut durchgeführte Gamswildprojekt der Presse präsentiert. Die Studie in diesem hochalpinen Gelände hat Interessantes zutage gefördert, die daraus resultierenden Empfehlungen für die Praxis werden gerade diskutiert.

Bereits im Jahr 2013 wurde von der Kärntner Nationalparkverwaltung unter der Federführung von Ing. Markus Lackner ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen. Ziel war es, den Gamsbestand in der Nationalparkgemeinde Heiligenblut am Großglockner zu erfassen und zu analysieren.

Zwar existieren zum Gamswild viele Studien, allerdings stammt der Großteil aus weiter westlich gelegenen Gebieten, welche aufgrund klimatischer Bedingungen oder der Topografie oft nicht mit diesem Untersuchungsgebiet vergleichbar sind. Die vorliegende Studie deckt als eine der wenigen eine Hochgebirgsregion in den Ostalpen ab. Allein deshalb besitzen die gewonnenen Daten große Bedeutung als Richtwerte für die Wissenschaft und können andererseits auch eine fachliche Grundlage für die Praxis darstellen.

Im Wesentlichen bestand das Projekt aus vier großen Teilbereichen:

1. Bestandesentwicklung in den letzten sechs Jahren (laufende Wildstandserfassung),

2. Entwicklung des Bestandes, bezogen auf die jagdliche Nutzung seit 1998,

3. Raumverhalten besenderter Tiere,

4. Gesundheitsmonitoring vor allem in Bezug zum fortschreitenden Klimawandel.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Gamsbestand im Untersuchungsgebiet, bezogen auf die Populationsgröße, in den letzten sechs Jahren stabil war. Im Hegering Heiligenblut mit einer Fläche von 19.315 ha kann nach sechsjähriger intensiver Bestandeserfassung unter Mithilfe aller Jagdausübungsberechtigten von einem Frühjahresstand von 1.050 Gämsen ausgegangen werden, der auch vor Projektbeginn von den Jägern in dieser Größenordnung geschätzt wurde.
 

Auswertung der Daten

Im Zeitraum zwischen 2013 und 2018 konnten im Durchschnitt 300 Kitze jährlich gezählt werden. Die Überlebensrate der Kitze von einer zur darauffolgenden Zählung lag bei durchschnittlich 33 %, diese Zahlen schwanken allerdings von 22 bis 50,5 %. Die derzeitige Bestandesstruktur zeigt, dass viele junge Böcke einer im Verhältnis wesentlich höheren Zahl an Geißen gegenüberstehen. Ziel sollte es daher sein, den Altersklassenaufbau der Böcke zu verbessern und das Geschlechterverhältnis anzunähern. Wie die Bestandesrückrechnungen ergaben, ist das Fehlen älterer Böcke vor allem sehr starken Eingriffen in die Bockklasse II um die Jahrtausendwende geschuldet. Zwar beginnen sich mittlerweile die Strukturen leicht zu verbessern, dennoch scheinen diese früheren Eingriffe noch immer Auswirkungen auf die Populationsdynamik zu haben. Diesbezügliche Bejagungsmodelle wurden ausgearbeitet, deren Umsetzung, so sie gewollt ist, wird aber Kompromisse erfordern, da es in der Natur der Sache liegt, dass die Erkenntnisse der Wildbiologie nicht immer deckungsgleich mit den Interessen der vor Ort jagenden Personen sind. Der dadurch entstehende Diskussionsprozess kann aber eine umsetzbare Annährung von Theorie und Praxis nach sich ziehen. Eine erste Phase der Bejagung könnte in einer Verbesserung der Altersstruktur und des Geschlechterverhältnisses bestehen, die zweite Phase sollte durch die Bejagung vorrangig von Tieren der Klasse III und Tieren der Klasse I unter Rücksichtnahme auf das vorgeschlagene Zielalter (mind. 10 Jahre bei den Böcken und 14 Jahre bei den Geißen) die Bestände stabilisieren. Bei genügend alten Gämsen als wichtigem Rückgrat einer Population im Bestand ist mit langfristigen populationsdynamischen Veränderungen zu rechnen. Diese bedingen ein höheres Durchschnittsalter der Population, ein langsameres Reifen jüngerer Stücke, weniger Fallwild und weniger krankheitsanfällige Bestände. Im Projekt wurden aber auch mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf die Aus- und Verbreitung von Krankheiten sowie deren Erregern aufgezeigt, welche mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten sein werden. Ebenfalls in diesem Zusammenhang wurden Fragen zur wechselweisen Übertragung von Krankheiten zwischen Nutz- und Wildtieren sowie mögliche Konkurrenzsituationen – auch mit anderen Wildarten – und die Bedeutung von Ruhezonen erörtert. Im Rahmen der Besenderung konnte leider nicht die gewünschte Anzahl an Gämsen mit Sendern versehen werden, allerdings zeigen selbst die vorliegenden Daten bereits sehr deutlich, wie wichtig eine großflächige Erfassung der Bestände und eine flächendeckend abgestimmte Abschussplanung sind.


Waffe, Schuss & Optik

Die Grenzen ausloten

Seit Jahrzehnten wird über Jäger und deren „Weitschussbüchsen“ gelästert, mit denen sie ihr mangelndes jagdhandwerkliches Können zu kompensieren versuchen. Bei genauerer Betrachtung ist es aber eher umgekehrt: Es braucht einen geübten und sachkundigen Jäger, um damit umgehen zu können.

Beinahe jeder Hersteller bietet heute Jagdausrüstung an, die verspricht, jede erdenkliche Distanz zwischen Schützen und Wild überbrücken zu können. Theoretisch mag das auch stimmen, doch der Teufel steckt im Detail.

 

Warum in die Ferne schweifen ...
Bevor man sich mit der Weitschusstechnik befasst, sei die Frage erlaubt, warum diese überhaupt notwendig ist. Zahlreiche Jägerbefragungen, aber auch die Auswertung eigener Abschussprotokolle zeitigen in aller Regel ein ähnliches Ergebnis. Der Großteil des Wildes wird um die 100 Meter oder sogar darunter erlegt. Dafür ist die Standardausrüstung des Jägers auch ausgelegt. Danach folgt ein bereits deutlich geringerer Anteil auf Entfernungen von bis zu 200 Metern. Auch das ist noch lange kein Weitschuss. Bei einer auf die günstigste Einschuss-entfernung (GEE) eingeschossenen Waffe, wie das im Jagdbetrieb allgemein üblich ist, kann auch hier alles Wild ohne Korrektur des Haltepunktes erlegt werden. Gelegentlich wird Wild auf Entfernungen bis zu „gemessenen“ 300 Metern erlegt. Die Anzahl schwankt hier natürlich nach den jeweiligen Gegebenheiten, liegt im Durchschnitt jedoch auf jeden Fall im niedrigen einstelligen Prozentbereich – wenn nicht noch deutlich darunter. Auch diese Entfernung kann der geübte und erfahrene Schütze ohne große technische Hilfsmittel überwinden, wenn er sich und seine Ausrüstung kennt. Hier reicht es in der Regel, im Wildkörper etwas höher anzuhalten oder vielleicht sogar im Bereich vom Ziemer. Das alles erscheint noch machbar. Heikel wird es, wenn die Entfernung noch größer wird. Abgesehen von der technischen Herausforderung kommt hier wieder die eingangs gestellte Frage zum Tragen: „Muss ich auf diese Entfernung wirklich schießen und vor allem – kann ich das?

Schießtechnisches Einmaleins

Bevor man in die Ferne schweift, muss man einmal auf 100 Meter treffen können – und zwar unter Verhältnissen, wie sie im Revier vorherrschen. Am Schießstand mit ausreichend vielen Sandsäcken, damit bestmöglicher Auflage, unter kontrollierten Bedingungen und in entspannter Atmosphäre ist es einfach, eine halbwegs saubere Schussgruppe zu schießen. Was aber, wenn der Hochsitz wackelt, das Sitzbrett knarrt, die Brüstung zu hoch oder niedrig ist, das Hirschfieber die Knie zittern lässt und der Puls in den Halsschlagadern pocht? Wer behaupten kann, unter diesen Bedingungen jeden einzelnen Schuss auf den Durchmesser eines Kaffee-Häferls zusammenzuschießen, wird sich selbst einen jagdlichen Meisterschützen schimpfen dürfen. Die Masse der Jäger schafft das mangels Erfahrung nämlich nicht. So ein Häferl hat einen Durchmesser von etwa 80 Millimetern. Auf die Entfernung weitet sich der Streukreis linear aus. Bei 200 m sind es 16 cm, bei 300 m bereits 24 cm, bei 400 m 32 cm und so weiter. Damit hat man allein der Schützenstreuung wegen schon die gesamte tödliche Trefferfläche auf Schalenwild verbraucht und es darf kein einziger anderer Fehler mehr hinzukommen. Und da stellt sich wieder die Frage: „Schaffe ich das? Und wenn ja, wie schaffe ich das?“

 

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