Heft Jänner 2022


Themen im aktuellen Heft:
 

Liebe geht durch den Pansen

 

Raubwildbälge spannen und trocknen

 

Gamswild ansprechen

 

Unique Alpine JPR-1 Nordland Scout

Verhaltensforschung in der Wildbiologie

Liebe geht durch den Pansen

In ihrer Verhaltensforschung beschäftigen sich Wildbiologen häufig mit dem Sozialverhalten, beispielsweise bei der Paarung oder der Jungenaufzucht. Doch auch das Äsungsverhalten gibt viele Rätsel auf, denn Gämsen beispielsweise nutzen Äsungsflächen ganz bewusst, während sie andere aus gutem Grunde meiden.

 

Weit oberhalb der Waldgrenze auf über 2.000 Meter Seehöhe ruht schon seit den frühen Morgenstunden ein Gamsbock. Es ist ein kalter, jedoch sonniger Wintertag und die zaghaft wärmenden Sonnenstrahlen tun dem Wildtier nach Tagen mit Schnee und Sturm ebenso gut wie mir. Erst um etwa zehn Uhr vormittags wird der Gams hoch und beginnt auf dem abgewehten Rücken zu äsen. Dabei bewegt er sich kaum vom Fleck und sichert auch nicht. Nach einer guten halben Stunde liegt der Bock wieder dort, wo er wahrscheinlich die lange, kalte Winternacht verbracht hat. Wer über das Verhalten von Wildtieren nachdenkt, dem kommen zunächst wohl Bilder von Balz und Brunft in den Sinn, die Brutpflege, das Spiel der Jungtiere, Angriff und Verteidigung. Optimale Ernährungsstrategien sind da eher nicht dabei – dennoch, Energieaufnahme und Energieverbrauch sagen mehr über Verhalten und Gemeinschaftsleben von Wildtieren, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Eigentlich stehen sie ganz am Anfang.

 

Grün ist die Welt

Der Gams oben am Berg hat nicht mehr viel Auswahl, wenn er im Winter Äsung aufnimmt – Ruhe und Energiesparen sind deshalb wichtige Verhaltensweisen, um die Energiereserven, die er während des Sommerhalbjahres angelegt hat, nicht allzu schnell aufzubrauchen. Je nach Jahreszeit können Pflanzenfresser jedoch aus einem weiten Nahrungsspektrum auswählen. Das reicht von nahrhaften Nüssen und Sämereien über Beeren und Obst bis zu Trieben, Knospen, Blättern, Kräutern, Gräsern und Rinde. Je nach Lebensraum schwankt dieses Angebot, und je nach Lebensraum passen sich auch Wildtiere daran an. Vereinfacht leben im Wald eher kleinere Arten, die hochwertige Äsung selektieren. Im offenen Grasland sind größere Pflanzenfresser daheim – sie brauchen mehr, aber dafür weniger gute Nahrung. Diese Raufutterfresser sind größer als die Selektierer. Die kleineren Arten im Wald leben meist einzeln oder paarweise, die großen Tiere in der offenen oder halb offenen Landschaft wandern in Gruppen, Rudeln oder Herden gemeinsam durch weite Streifgebiete. Das sind Grundmuster. Sowohl die Ernährungsweise als auch der Lebensraum korrelieren also gut mit der Körpergröße. Nur um die Bandbreite deutlich zu machen: Das Körpergewicht von Huftieren schwankt je nach Art zwischen 1,5 und 1.600 Kilogramm. Ernährung und Lebensraum führen uns dann zur Größe der Gruppe, und die Größe der Rudel führt wieder zu bestimmten Verhaltensformen. Die kleinen Busch- oder Waldbewohner verhalten sich häufig territorial – sie verteidigen Reviere. In den offenen Grassteppen gibt es Äsung genug, da braucht man nichts verteidigen. In den großen Herden gibt es aber auch viele Weibchen. Jedes Männchen, das um sie wirbt, muss sich gegen Konkurrenten durchsetzen. Für gewöhnlich sind die großen, stärkeren Männchen erfolgreich. Nachdem sie sich öfter paaren, geben sie auch ihr Erbgut häufiger weiter. Bei vielen Arten entwickelten die Männchen auch Geweihe oder deutlich stärkere Hörner als die Weibchen. In der Regel dienen diese nur, um die Kräfte im Wettstreit um die Fortpflanzung zu messen. Vereinfacht führte das über Jahrmillionen zu einem auffälligen Geschlechtsdimorphismus, verbunden mit Polygamie. Das heißt, die großen, dominanten Männchen setzen sich gegen Konkurrenten eher durch und verteidigen einen Harem – ein Brunftrudel. Wir sind nun über Ernährung, Lebensraum und Gruppengröße mitten beim Thema Verhalten angekommen.

 

Den ausführlichen Beitrag von Dr. Hubert Zeiler finden Sie in der Jänner-Printausgabe. Kostenloses Probeheft anfordern.

 


Im Revier

Raubwildbälge spannen und trocknen

Reife Winterbälge sind wertvolle Naturprodukte. Es lohnt sich in jedem Fall, sie zu Pelzwerk verarbeiten zu lassen. Neben einer den Balg schonenden Jagd muss der Jäger dafür das Streifen der Jagdbeute beherrschen. Das Trocknen des Rauchwerks im Anschluss stellt immer noch die beste und in vielen Fällen auch die einzige Lösung dar.  


Im Revier

Gamswild ansprechen

Anders als bei den Hirschartigen tragen beim Gamswild beide Geschlechter praktisch gleich aussehende Hörner, was es schwierig macht, Bock und Geiß auf den ersten Blick zu unterscheiden. Daher kommt es auf mehrere Merkmale und einige Übung an, um sie besser unterscheiden zu lernen. Gerade das richtige Ansprechen ist aber wichtig, um einen guten Erhaltungszustand dieser Wildart zu garantieren.

Beim Nässen sind die Geschlechter zu allen Jahreszeiten und in allen Altersklassen recht zuverlässig erkennbar. Geißen haben einen nach hinten gerichteten Harnstrahl (links). Böcke nehmen beim Nässen zwar oft eine ähnliche Haltung ein, der Harn wird aber über die Brunftrute nach vorne abgesetzt.

 

Wie bei allen anderen Schalenwildarten erfordert auch das Ansprechen von Gamswild Übung, Erfahrung und (selbst)kritisches Denken. Ist es oft schon nicht auf den ersten Blick möglich, zwischen einem Gamsbock und einer Gamsgeiß zu unterscheiden, gestaltet sich das Ansprechen zwischen Mittel- und Altersklasse, vor allem im Grenzbereich, noch viel schwieriger. Die Bestimmung des Alters am erlegten Gams bereitet aufgrund der Jahresringe an den Krucken nur selten Probleme. Gamsjägerinnen und Gamsjäger sollten allerdings am lebenden Stück zumindest entscheiden können, welches Geschlecht und ungefähre Alter eine Gämse hat.

 

Geschlecht, Alter, Gesundheit

Angesprochen werden Gämsen hauptsächlich nach Geschlecht, Alter und Gesundheitszustand. Mitunter gestaltet sich bereits die Unterscheidung zwischen Bock und Geiß schwierig. Erschwerend wirkt sich beim Ansprechen von Gamswild auch das im Jahreslauf sich stark ändernde Erscheinungsbild aus. Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere Anhaltspunkte, auch Verhaltensweisen oder spezielle Körperhaltungen, wie beispielsweise beim Nässen, stellen Entscheidungshilfen dar. Für das Ansprechen sind ausreichend Zeit und eine gute Optik (Spektiv) erforderlich. 

 

Gamsbock oder Gamsgeiß?

Das wichtigste Ansprechkriterium beim Gams ist zuallererst das Geschlecht. Um es zweifelsfrei erkennen zu können, kann man sich mehrerer Indizien bedienen. Die im Normalfall im Umfang massigere und stärker gehakelte Krucke spricht in der Regel für einen Bock. Dieses Merkmal lässt sich ab dem zweijährigen Stück – meist jedoch schon beim Jahrling – feststellen. Auslage und Höhe der Krucke sagen nichts über das Geschlecht aus, falls die Form des Querschnitts erkennbar ist, kann eine ovale Form auf eine Geiß hindeuten, während die Schläuche des Bockes im Querschnitt annähernd rund sind. Bilden sich Bockrudel, verhalten sich diese größtenteils standorttreuer als Geißenverbände, die wegen des hohen Energiebedarfs aufgrund der Laktation und der meist größeren Rudel im freien Gelände häufig weiter umherziehen. 

Das Gesäuge der Geiß oder das Kurzwildbret des Bockes sind meist nur im Sommer bei günstiger Position des Beobachters sichtbar. Das längere Winterhaar verdeckt diese Region, zudem ist dann das Gesäuge führender Geißen auch schon kleiner. Einen relativ sicheren Anhaltspunkt zum Ansprechen des Geschlechtes bietet die Haltung des Stücks beim Nässen. Geißen knicken die Hinterläufe dabei ein, während der Bock seine Körperhaltung beim Nässen meist nicht ändert oder den Rücken nur leicht senkt – ein Verhalten, das auch schon bei den Kitzen beobachtet werden kann. Absolute Sicherheit bei jüngeren Tieren, aber auch manchem älteren Bock bietet die Körperhaltung beim Nässen allerdings erst, wenn auch der Harnstrahl beobachtet werden kann – bei Kitzen ist dies der einzige sichere Weiser für das Geschlecht.

 

DER neue Lernbehelf für Gamsjäger!

 

Aus umfangreichem und hochwertigem Bildmaterial wurden die besten Beispiele herausgesucht, um dem interessierten Gamsjäger weitere Hilfestellung zu bieten, wie er sein Ansprechen in der freien Natur verbessern kann. Denn wir sind österreichweit in der Gesamtverantwortung, das Durchschnittsalter der Gamswildbestände durch bemühtes Ansprechen und umsichtige Jagd zu heben. Damit wäre dem Gamswild in der derzeitigen Situation sehr geholfen. Ausreichend alte Gams sind von enormer Bedeutung für den Bestand. Dieser Ratgeber für die Praxis soll zur fachgerechten, zielorientierten und disziplinierten Bejagung des Gamswildes beitragen und damit die Akzeptanz für diese faszinierende Wildart erhalten helfen.

 

Armin Deutz, Rupert Prem, Gunther Greßmann, Friedrich Völk, Flurin Filli: „Gamswild ansprechen. Geschlecht – Alter – Gesundheit“ (1. Auflage 12/2021). 50 Seiten, Format A 4, durchgehend in Farbe. Erhältlich direkt bei Armin Deutz (armin.deutz@aon.at) und den österreichischen Landesjagdverbänden.

 


Waffe, Schuss & Optik

Präzision aus Erding

Die Unique Alpine AG aus dem bayerischen Erding steht mit ihrem Namen seit Jahren hauptsächlich für Präzisionswaffen in den Bereichen Militär, Behörden und Sport. Doch auch für die Jagd haben die findigen Waffenbauer einige Modelle in ihrer Palette. Unter anderem die JPR-1 Nordland Scout, die uns übers Jahr im Revier und auf dem Schießplatz begleitete.


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