Heft März 2020


Themen im aktuellen Heft:
 

Wie im Schlaraffenland

 

Soziale Burgherren

 

Am Rande des Nationalparks

 

Stahl in Aktion

So schmeckt unser Wild

Wie im Schlaraffenland

Tauben stehen schon lange am Speisezettel des Menschen, egal ob als Wildform oder aus Haltung in Taubenschlägen. Wie gut diese munden, erkennt man schon daran, dass diese im Schlaraffenland bereits in gebratener Form umherfliegen ...

Es scheint so, als ob die Tauben die Menschen schon seit Urzeiten begleiten. Nur wenige Tiere sind so symbolbeladen: Sinnbild für Frieden, Treue, Unschuld, Liebe und – den Heiligen Geist. Das Alte Testament nennt übrigens schon zwei Taubenarten (Fels- und Turteltaube). Trotz der Symbolik wurden Tauben aber fleißig verzehrt. Bereits in vorchristlicher Zeit wurden Tauben in Taubenschlägen – „Columbarien“ – gehalten und dienten einerseits der menschlichen Ernährung, andererseits wurde so der Taubenmist gesammelt. Es erfolgte aber auch die Bejagung, unter anderem über die Beizjagd. Sprichwörtlich sind auch die gebratenen Tauben, die einem im Schlaraffenland in den Mund fliegen sollen … Heute ist die Taube eine Herausforderung: Bei der Jagd nahe heranzukommen ist nicht einfach und ein Taubenschwarm mag den Jäger freuen – den Landwirt aber sicher nicht. Im Stadtgebiet die Taubenpopulation einzudämmen ist, vorsichtig formuliert, schwierig.

 

Taube süß-sauer

Im Tierbuch des Conrad Gessner findet die Taube breite Erwähnung. Rund fünf Seiten sind den Columbarien gewidmet, dann kommt die Verwendung in der Volksmedizin, aber er führt auch zahlreiche Rezepte an, unter anderem aus der Sammlung des Römers Apicius Caelius. Der wiederum nennt Schmoren, Braten oder Kochen des gerupften Vogels. Bei der Würzung kommen immer Honig und Essig, zum Teil  auch Rosinen vor. Der Autor macht keine Mengenangaben, aber zusammen mit den üblichen Gewürzen wäre das heute ein spannendes Geschmackserlebnis. Die Kochbücher des 18. und 19. Jahrhunderts (Eleonore von Liechtenstein, Bußwald, Prato) führen auch die Herstellung von Pasteten an. Es handelt sich um die klassischen Pasteten mit Teigmantel, eine Zubereitung, die, weil doch arbeitsaufwendig, heute leider nur mehr selten zu finden ist.  Das Kochbuch der Katharina Prato (1858) ist recht ausführlich und die Rezepte lassen sich gut nachkochen: In Suppe ähnlich wie steirisches Wurzelfleisch mit Kren (!) oder paniert … und natürlich gebraten oder geschmort, dabei wird das Fleisch entweder mit Speckscheiben umwickelt oder gespickt und fleißig mit (fettem) Saft oder Suppe begossen, sonst wird es trocken (und zäh). Die Rezepte sind für Haus- und Wildtauben gleichermaßen geeignet und nur wenige Autoren unterschieden zwischen den Taubenarten.

 

Mager und eiweißreich

Die Taube bietet also viele Möglichkeiten der Zubereitung. Das magere und eiweißreiche Fleisch hat auch eine „gesunde“ Fettsäurezusammensetzung (das Omega-6- : Omega-3-Verhältnis ist 5 : 1; Valencak u. Gamsjäger, 2014). Wie auch bei anderen Wildarten hat das Fleisch einen etwas höheren pH-Wert (in diesem Fall um 5,9); das Fleisch erscheint dadurch etwas dunkler. Ausgelöste Wildtaubenbrüstchen sind wegen dieses höheren pH-Wertes in der Vakuumpackung im Kühlschrank meist nur eine Woche haltbar. Die Jahresstrecke in Österreich beträgt etwas über 14.000, damit hat die Taube die drittgrößte Strecke unter dem Federwild. Hier ist bei der Ringeltaube zweifelsohne viel „Luft nach oben“. Aber wer „Taube à la Wurzelfleisch“ oder ein paniertes Taubenschnitzerl will, muss sich halt mit der Schrotflinte oder der KK-Büchse auf den Weg machen – die Steiermark hat da hinsichtlich der Jagdzeiten die Nase vorn: Weidmannsheil und guten Appetit!

 

Der Autor, Univ.-Prof. Dr. Peter Paulsen, lehrt an der Veterinärmedizinischen Universität Wien.


Unser Wild im März

Soziale Burgherren

Durch die nächtliche und unterirdische Lebensweise des Dachses bleiben dem Beobachter viele seiner Verhaltensweisen verborgen. Neue Untersuchungen zeigen, dass sein Familienleben mit dem von Wolfsrudeln vergleichbar ist.

Nun sind in diesen Tagen die ersten Dachswürfe bereits gewölft. Von allen Räubern im Land ist Grimbart in diesem Punkt am zeitigsten an der Reihe. Die zunächst rein weiß behaarten und wenig an ihre spätere Zeichnung erinnernden Jungdachse entwickeln sich in den ersten Lebenswochen jedoch nur zögerlich. Erst nach etwa einem Monat öffnen sich ihre Augen und etwa zweieinhalb Monaten wird es dauern, bis sie zum ersten Mal den schützenden Bau verlassen. Dieser wird auch in den kommenden Monaten und über ihr gesamtes Leben hinweg eine sehr zentrale Rolle übernehmen. Denn anders als beim Fuchs spielen die Baue über das gesamte Jahr hinweg eine sehr wichtige Rolle bei den Dachsen. Nicht grundlos nannte man ihn früher deshalb auch „Erdmarder“.

 

My home is my castle

Jede Dachsfamilie verfügt über einen Hauptbau und ein oder mehrere Nebenbaue. In den Bauen befinden sich jeweils mehrere Schlafkammern. Diese werden mit Gras und Moos ausgepolstert, wobei das Polstermaterial zur Reinhaltung im Frühjahr sogar ausgetauscht wird. Oft werden die jeweiligen Schlafstätten der Dachse im Jahresverlauf durchgewechselt. In den wärmeren Jahreszeiten zieht es Grimbart vor allein zu schlafen. Lediglich im Winter sind mehrere Tiere in einer Schlafkammer anzutreffen, was dem Wärmeverlust entgegenwirkt. Die Nutzung der Nebenbaue erfolgt durch die einzelnen Clanmitglieder individuell sehr unterschiedlich (Roper, 1992). Während einige Familienmitglieder niemals in Nebenbauen übertagen, nutzen andere die Nebenbaue zumindest zeitweise als Tagesversteck. Teilweise kann sich bei einigen Clanmitgliedern eine so hohe Bindung an die Nebenwohnstätte ausbilden, dass dort sogar die Jungen zur Welt gebracht werden.  

Vom Bau zur Burg

 

Der Dachs ist, was seinen Bau betrifft, ein konservatives Tier. Ist ein Bau einmal bezogen, wird er im Allgemeinen auch ein Leben lang bewohnt. Auch die nachfolgenden Generationen scheinen im besonderen Maß auf ihre Baue geprägt zu werden. Dieser Effekt führt dazu, dass Baue oft über Generationen weitervererbt werden. Über 30 Röhren können derartige Anlagen dann haben. In Estland ist sogar ein Bau mit 78 Ein- bzw. Ausgängen bekannt. Eine wahrhaftige Burg und die größte jemals dokumentierte Bauanlage befindet sich in England. Sie verfügt über 178 Röhren. Bei einer unterirdischen Gesamtlänge von 879 m 
beherbergt sie über 70 Kammern. Derartige Burgen sind in der Regel jahrzehnte-, manchmal sogar jahrhundertealt. Einen bemerkenswerten Fund machten man bei einer Dachsburg in Norddeutschland. Dort fand man Reste von Schlangen- und Frosch­arten, die es in der betreffenden Region schon lange nicht mehr gibt. Bei einer Analyse fand man heraus, dass einige Knochenreste sogar aus der Eiszeit stammten. Dies lässt die Vermutung zu, dass einzelne Burgen sogar über mehrere Tausend Jahre bestehen können.

 

Den vollständigen Artikel von Konstantin Börner finden Sie in der März-Printausgabe – kostenloses Probeheft anfordern.


Blick ins Revier

Am Rande des Nationalparks

In der Naturzone des Nationalparks Neusiedler See darf natürlich nicht gejagt werden, um den IUCN-Status nicht zu gefährden. Doch die Reviere in der Bewahrungszone werden jagdlich ganz normal bewirtschaftet, wie ein Besuch in zwei Jagdgebieten im Seewinkel zeigt.


Waffe, Schuss & Optik

Stahl in Aktion

Diesmal geht es um eine Testwaffe eines deutschen Herstellers aus Köln. Dabei handelt es sich um die Steelaction HS – das erste Modell dieser Firma. Mit dieser Waffe möchte der Hersteller alle positiven Eigenschaften sämtlicher am Markt erhältlichen Geradezugrepetierer vereinen sowie eine kostengünstige, robuste und funktionsfähige Waffe für jeden Einsatz präsentieren. 

Der Name Steelaction kommt nicht von ungefähr, denn Kunststoff findet sich an der Waffe lediglich am Zubringer des Magazins – in einem lässigen Rot gehalten –, alles andere ist aus hochfestem Stahl, was sich natürlich auch im Gewicht der Waffe niederschlägt. Die Bodenplatte samt Abzugsbügel ist aus Aluminium, die Kammerkugel aus Holz. Das „HS“ steht für Hunting Short. Verzichtet wurde auf die Möglichkeit der Laufwechselfunktion. Dieser ist – wie von vielen Modellen bekannt – geschraubt. Bei der Auswahl der Läufe überlässt man nichts dem Zufall, sondern setzt auf die Läufe von Lothar Walther. Die Läufe von diesem Hersteller sind nicht nur für ihre Präzision bekannt, sondern auch gleich mit einem Gewinde M15x1 für die Verwendung von Schalldämpfern ausgestattet. Die Testwaffe wurde im Kaliber .308 Win mit zwei Vixen-Zielfernrohren, eines für den täglichen Ansitz, ein 2,5-15x50, und einem Drückjagdglas 1-6x24 ausgeliefert. Die zwei Zielfernrohre waren für mich die perfekte Kombination für diese Waffe. Eingeschossen wurde die Waffe mit der Munition der Marke Lapua, 150 gr Mega. Am Schießstand schoss die Waffe Loch in Loch und ließ auch bei der Jagd keine Wünsche offen. Beim Kontrollschießen staunte ich nicht schlecht, denn die Waffe schoss so genau, dass sogar ein Klick von 7 mm auf der Scheibe für mich ersichtlich war.

 

Die Waffe erinnert mich an den guten alten Geradezugrepetierer aus dem Hause Steyr Mannlicher. Das Geradezugsystem mit Drehkopfverschluss mit drei Verschlusswarzen wird auch von anderen namhaften Herstellen sowohl in Repetierern als auch bei Selbstladebüchsen verwendet. Der Verschluss der Waffe ist sehr kompakt, daher besteht keine Gefahr, dass man den Verschluss beim Repetieren ins Gesicht bekommt. Beim Repetieren wird zuerst nur der Kammerstängel nach hinten bewegt, dann dreht ein Scharnier im Inneren den Verschlusskopf. Mit dieser Bewegung ist die Kammer entriegelt und wird gerade nach hinten gezogen. Die Ausziehkralle zieht die Patronen aus dem Lager und wirft diese kompromisslos aus. Der Verschluss läuft weich, geschmeidig und lässt sich im Anschlag, ohne zu verkanten, repetieren. Die Steel­action verfügt über eine Handspannung, welche bei neuen Waffen schon fast zum guten Ton gehört. Sie ist ebenso einfach wie sicher. Die Waffe lässt sich mit einem Daumendruck auf die aus dem Schlösschen ragende Stange problemlos spannen, wobei dies mit etwas Übung ebenso leicht wie leise funktioniert. Zum Entspannen drückt man die oben liegende Entriegelungstaste. Beim Repetieren bleibt das Schloss gespannt und ruckzuck ist das Magazin leer. Die gegenständliche Waffe verfügt über einen Direktabzug und es besteht die Möglichkeit, ein Abzugsgewicht zwischen 500 und 2.500 Gramm zu wählen. Der Schaft aus Nussholz war für mich zu massiv und die Qualität ließ ebenfalls zu wünschen übrig, denn bei jedem Anschlag blieben Barthaare am Schaftrücken hängen. Diesem Problem könnte man jedoch schnell Abhilfe schaffen, indem man sich einfach eine Waffe mit Kunststoffschaft bestellt.

 

Den ausführlichen Bericht von Christoph Gottsbacher finden Sie in unserer März-Printausgabe – kostenloses Probeheft anfordern.

 


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