Heft Mai 2021


Themen im aktuellen Heft:
 

Waldohreulen zeigen die Sinnhaftigkeit von Wegegeboten

 

Rehwildnachsuchen und ihre Ursachen

 

Auerhuhnschutz: Wann kann Fuchsjagd etwas bringen?

 

Rund ums Mucken

Im Revier

Waldohreulen zeigen die Sinnhaftigkeit von Wegegeboten

Wie genau Wildtiere die Aktivität der Menschen verfolgen, zeigt ein Experiment mit Waldohreulen. Solange sich die Menschen an das Wegegebot halten, herrscht Ruhe. Doch sobald sie die Wege verlassen, steigt der Stresspegel an.

 


Im Revier

Rehwildnachsuchen und ihre Ursachen

Rehe sind in den meisten Revieren die zahlenmäßig bedeutendste Wildart. Doch bei Weitem nicht jedes beschossene Reh kommt auch zustande. Dabei könnten die meisten Nachsucheneinsätze durch überlegtes Handeln des Jägers im Vorfeld vermieden oder im Fall der Fälle die Chancen auf Erfolg erhöht werden. Denn Nachsuchen auf Rehwild sind nicht zu unterschätzen und stellen nicht selten auch erfahrene Gespanne auf eine harte Probe.

Bereits vor zwei Wochen hat in vielen Regionen Österreichs die Rehjagd begonnen, am 1. Mai zog der Rest nach. Bundesweit werden jährlich beinahe 300.000 Rehe erlegt, doch längst nicht alle bejagten Rehe liegen am Anschuss. Sind die Stücke schwer weidwund, findet sie der ausgebildete Jagdhund meist innerhalb weniger Hundert Meter. Für diese einfachen Nachsuchen bedarf es in der Regel nicht eines professionellen Nachsuchengespannes. Doch aus den verschiedensten Gründen, die hier noch näher beleuchtet werden, verursacht der Mensch nicht sofort tödliche Treffer im Randbereich des Wildkörpers oder sorgt mit seinem Fehlverhalten nach falsch interpretierten Pirschzeichen dafür, dass so manche Standardnachsuche zu scheitern droht. Vom Grundsatz her ist Rehwild eine sehr „weiche“ Wildart und geht selbst mit leichten Streifschüssen in der ersten Deckung für gewöhnlich erst einmal ins Wundbett. Verletzungen im Rumpfbereich, also Treffer in Kammer oder Bauchraum, führen fast sicher zu einem erfolgreichen Abschluss einer Nachsuche mit einem brauchbaren Jagdhund. Anders sieht es mit den sogenannten Randtreffern aus. Streifschüsse, Krellschüsse, Laufschüsse und solche durch den Äser verursachen schwierigste Nachsuchen, denn innerhalb kurzer Zeit hören sie auf zu schweißen und führen bei den meisten Gespannen zu deutlicher Unsicherheit. Zudem gibt das leichte Reh für die Fährtenarbeit keine sichere Bodenverwundung ab und sorgt zusammen mit anderen Rehen in seinem kleinen Territorium für ein wahres Fährtengewirr. Und nicht zuletzt verlangt jede Nachsuche bei einem Reh mit Randtreffer nach einem schnellen und zuverlässig wildscharfen Hetzer, der mit hoher Nase dem Wild zu folgen vermag, denn auf ein Stellen mit Standlaut wird der Nachsuchenführer vergeblich warten. Doch mit Selbstdisziplin und Konsequenz bei der Jagd und der Nachsuchenarbeit lässt sich der Anteil an Fehlsuchen deutlich nach unten korrigieren.

 

Gewissenhafte Vorbereitung

Die schießtechnischen Vorbereitungen für den Jäger enden nicht mit der bestandenen Jägerprüfung. Vielmehr sollte ein regelmäßiges Schießtraining obligatorisch sein. Der Schuss auf Wild im Revier erfordert nochmals mehr Erfahrung als die Abgabe eines Schusses unter kontrollierten Bedingungen am Schießstand. Neben der oftmals spontan getroffenen Entscheidung über die richtige Anschlagart, die meist die gewählte Form der Jagdart vorgibt (Ansitzjagd/Pirsch), muss der Jäger in wenigen Augenblicken in der Lage sein, die Schuss­entfernung für seine Waffe und Munition, aber auch sein Können passend zu definieren. Zusätzlich steht das Wild nicht wie am Schießstand scheibenbreit. Nur mit anatomischen Kenntnissen wird es möglich sein, den Haltepunkt so zu korrigieren, dass das Geschoß den längsten Weg durch die lebenswichtigen Organe nimmt und das Stück Wild tierschutzgerecht verendet.

 

Anatomische Kenntnisse

Wer auf Schalenwild jagt, muss wissen, wo welche Organe im Wildkörper liegen. Ebenso spielt die Lage der Wirbelsäule im Großraum des Blattes/Brustkorb eine nicht zu verachtende Größe. Unter den heimischen Schalenwildarten liegt sie beim Schwarzwild deutlich tiefer in Bezug zur optischen Rückenlinie als bei den Wildwiederkäuern. Aber auch bei einigen Antilopenarten ist das der Fall, weshalb sich der Jäger grundsätzlich vor jeder Jagd genauestens mit allen Eigenarten der zu bejagenden Spezies vertraut machen sollte, um von vornherein Fehlerquellen zu minimieren. Denn ein Hochblattschuss, der aufgrund einer möglicherweise weiten Schussdistanz durchaus als Haltepunkt angestrebt wird, kann bei diesen Wildarten schon zum Krellschuss führen und eine schwere, wenn nicht gar erfolglose Nachsuche verursachen. Der dem Wild gegenüber verantwortungsvolle Jäger strebt grundsätzlich den Schuss auf die Kammer an. In einer passenden Schussentfernung ist der tödliche Bereich so groß, dass kleine Wackler das Geschoß zumindest im Rumpfbereich treffen lassen und das Stück immer im Rahmen einer weidgerechten Nachsuche zu bekommen ist.

 

„Da schieße ich doch durch …“

Rehe gehören aufgrund ihrer Anatomie und ihrer Lebensraumnutzung zum sogenannten Schlüpfertyp. Sie fühlen sich in einem deckungsreichen, unübersichtlichen Gelände sicher und verlassen es nur ungern. Zudem verschwindet das Reh mit seiner geringen Schulterhöhe von rund 80 cm in der sommerlichen Vegetation. Ein Großteil des Rehwildes wird teilverdeckt von Halmen oder kleinen Zweigen erlegt. Besonders in der Vegetationszeit treten entsprechend häufiger Krellschüsse auf, wenn das Wild nur mit der oberen Körperhälfte zu sehen ist. Aus einer unbewussten inneren Ablehnung heraus wird das Stück automatisch höher mit dem Absehen angefasst und gekrellt. Je nach Dichte, Dimension und Entfernung der Vegetation zum Reh kann das Geschoß seine Richtungsstabilität verlieren oder gar einem Schrotschuss ähnlich vor dem Wildkörper unkontrolliert zerspritzen. Verletzungen durch Geschoßsplitter verursachen schwere Nachsuchen oder lassen das Wild elendig verenden.

 

Den gesamten Beitrag von Wildmeister Matthias Meyer finden Sie in unerer Mai-Printausgabe. Kostenloses Probeheft anfordern.


Im Revier

Auerhuhnschutz: Wann kann Fuchsjagd etwas bringen?

Auerhuhn und Birkhuhn geraten zunehmend unter Druck. Einer der Einfluss­faktoren hierbei könnte eine Zunahme im Prädationsdruck durch generalistische Beutegreifer sein, was im Zusammenspiel mit der Verschlechterung der Lebensräume mancherorts das Zünglein an der Waage sein könnte. Was an diesen Überlegungen dran ist, hat ein Forscherteam im Schwarzwald untersucht.


Waffe, Schuss & Optik

Rund ums Mucken

Sich im Moment der Schussabgabe zu bewegen, die Augen zusammenzukneifen und damit den Schuss zu verreißen bezeichnet man als Mucken. Dieses Phänomen tritt unabhängig vom Alter und von der Anzahl der Jagdjahre bei einer Vielzahl von Jägern auf. Man kann das Mucken allerdings auch wegtrainieren.

Wenn sich die Jäger vor dem Aufgang der Jagd auf dem Schießstand drängen, um die Treffpunktlage ihrer Büchsen zu überprüfen, besteht die Möglichkeit, ihre Schieß-Reaktionen zu beobachten. Das Ergebnis dabei ist ernüchternd: Über die Hälfte der Jäger muckt! Vielen sind ihre Fehlreaktionen bewusst, anderen nicht, und manche leugnen aus Eitelkeit ihre Furcht vor den Schuss-Nebenwirkungen und ihrem daraus entstehenden Mucken. Im Gegensatz dazu mucken – gleiche Kaliber und etwa gleiche Waffengewichte vorausgesetzt – aktive Sportschützen selten. Hier spielen systematisches Erlernen der Schießtechnik unter Anleitung erfahrener Trainer, ständiges Üben und die Vielzahl der abgegebenen Schüsse und somit ein eingeschliffener motorischer Ablauf eine wesentliche Rolle.

 

Dicke Pille für Afrika

Aber auch gestandene, weltweit jagende Weidmänner sind unter bestimmten Bedingungen vor dem Mucken nicht gefeit. Ein Beispiel: Es musste für Afrika unbedingt eine .378 Weatherby Magnum sein. Beim dritten im Liegen abgegebenen Schuss schlug das Zielfernrohr heftig gegen Nasenrücken und Stirn. Blut floss in Strömen. Danach muckte der an sich harte Kerl stets, wenn er mit dieser Büchse schoss. Und nur dann. Die üblichen „Heilmethoden“ schlugen fehl. Schließlich wurde der erneut nach Afrika reisende Jägersmann überzeugt, das bisherige Zielfernrohr gegen ein Swarovski Z6i 1-6x24 EE mit 12 cm Augenabstand zu tauschen. Bereits beim nächsten Schuss war das Mucken verschwunden. Das Gefühl der durch den großen Augenabstand wiedergewonnenen Sicherheit genügte dem Nervensystem des hartgesottenen Jägers, ihn erneut ohne Angst vor dem Schuss den Finger krümmen zu lassen. Doch ist eine solch schnelle „Heilung“ eine Ausnahme. Im Allgemeinen sind Schussangst und Mucken ineinander verflochten. Auslöser für beides sind in aller Regel als unangenehm empfundene Ereignisse rund ums Schießen. Wer im Schuss von seinem Zielfernrohr „geküsst“ wird, vergisst dieses meist mit heftigen Schmerzen und viel Blut verbundene Erlebnis lange nicht. Zudem wird es im Unterbewusstsein registriert. Da in der Folge Schussangst/Mucken vom Unterbewusstsein gesteuert wird, lässt sich das darauf basierende Verhalten nicht bewusst beeinflussen. Aber wir können unserem Unterbewusstsein selbst Botschaften vermitteln. Dies können wir mit mentalem Training tun und damit das Unterbewusstsein beeinflussen, verändern bzw. „umprogrammieren“. Das funktioniert auch mit Verhaltensweisen, ein negatives Programm wird durch ein positives ersetzt, überspielt.

 

 

 

Ursachen für das Mucken

Neben dem erwähnten „Zielfernrohr-Kuss“ gibt es weitere negative Erfahrungen mit ähnlichen Folgen: – Schießstand: Rückstoß wird als sehr unangenehm empfunden, erzeugt mehr oder weniger starke Schmerzen entweder bereits nach dem ersten Schuss oder es bleiben nach Schussserien stärkere Schulter- und Kopfschmerzen über längere Zeit erhalten. – Wer auf dem Schießstand oder im Revier ohne Gehörschutz schießt, kann auch durch den Schussknall ein Trauma und mehr oder weniger lange Ohrenschmerzen bekommen. Bei sensiblen Naturen entstehen schon durch den Schussknall einer Standardlaborierung psychische Probleme. – Das Schießen vor Publikum kann Angst vor Versagen (schlechte Schüsse) erzeugen. Hinzu kommen Zeitdruck, Umfeld-Unruhe. – Auch grausliche Schusswirkung, krankes, sich quälendes Wild, kann zum Mucken beitragen.

 

Waffentechnische Aspekte

Doch wesentlich beeinflussen Waffe, Kaliber und Munition das Auftreten des Muckens. Beginnen wir mit der Waffe und deren Eigenschaften, die die Gefahr des Muckens mindern. Leichte Carbonwaffen sind momentan zwar angesagt, aber Waffen mit genügend Masse schießen sich wesentlich angenehmer. Ein gerader Schaft oder besser ein ergonomisch gestalteter Lochschaft gewährleistet bei allen Anschlagarten eine entspannte Haltung von Schießhand und Arm. Das leidige „Mucken“ wird dadurch wie von alleine fast völlig unterbunden: die wichtigste Voraussetzung für den präzisen Schuss unter allen jagdlichen Bedingungen. Es gibt auch die Möglichkeit, im Schaft einen Kickstop bzw. Spezial-Softschaftkappen zu verwenden, was den Rückstoß ebenfalls mindert. Die sogenannte Mündungsbremse reduziert den Rückstoß ebenso, hat aber den großen Nachteil, dass der Schussknall im Bereich des Schützen noch viel lauter ist und man zwingend mit Gehörschutz schießen muss. Ein Schalldämpfer bewirkt etwas Ähnliches bei gleichzeitiger Reduktion des Schussknalls. Wichtig ist ein ausreichender Abstand von der Schaftkappe bis zum Okular des Zielfernrohres, um rückstoßbedingte Verletzungen zu vermeiden. Hier kommt es auf die richtige Montage an, gleichzeitig gilt es, ein Zielfernrohr mit ausreichend großem Augenabstand (mindestens 9 cm) zu wählen. Wer unbedingt ein schweres Kaliber mit dementsprechenden Nebenwirkungen führen will, sollte zu einer Selbstladebüchse greifen. Deren fühlbarer Rückstoß ist bis zu einem Drittel geringer als der einer Waffe anderen Typs (Repetierbüchse, Kipplaufbüchse usw.). Eine gepolsterte Schulter und eventuell beim Einschießen und bei Schussserien der Einsatz eines Spezial-Schießgestells, welches den Rückstoß weitgehend abfängt, sind ebenfalls anzuraten. Bei der Patrone ist ein dem Schützen angepasstes, möglichst „weiches“ Kaliber von wesentlicher Bedeutung.

 

Den ausführlichen Beitrag von Frank Heil finden Sie in unserer Mai-Printausgabe. Kostenloses Probeheft anfordern.


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