Heft Juni 2024


Themen im aktuellen Heft:
 

Bocksprünge und Wachstumsschübe

 

Gamswild im Wandel

 

Wenn es heiß wird

 

Krontec OR50: Aus der Mitte

Im Revier

Bocksprünge und Wachstumsschübe 

Wildkörpern von Jungtieren kann man jetzt beim Wachsen zusehen, Geweihen und Federn übrigens auch. Für Menschen ist es unvorstellbar, welch Potenzial hier zur Entfaltung kommt. Der Körper will aber auch trainiert werden, nur so steht er später für Höchstleistungen bereit. 

Juni. Schlafen ist nicht. Zu kurz sind die Nächte, wenn man schon in der frühen Morgendämmerung draußen ist und erst im allerletzten Licht abbaumt. Die Dämmerung verläuft übrigens in drei Phasen: In der sogenannten „bürgerlichen“ Dämmerung kann man schon oder noch im Freien lesen; in der „nautischen“ ist der Horizont schon oder noch erkennbar und einige Sterne gerade noch oder schon sichtbar; die restliche Zeit bis zur oder ab der tiefsten Dunkelheit – so es die noch gibt – wird als „astronomische Dämmerung“ bezeichnet.  Die Sonne steht dann in einem Winkel von
18 Grad unter dem Horizont. Wenn’s ums individuelle Schusslicht geht, bin ich demnach eindeutig eine Bürgerliche und mein Mann ein alter Seefahrer. Und Sie?

 

Inflationäres Wachstum

Die Sommersonnenwende bringt dann auch den allerlängsten Tag des Jahres. Und wenn wir schon bei den Superlativen sind – man sagt doch immer, das Geweih des Hirsches sei das am schnellsten wachsende Organ im Tierreich. Bis zu zwei Zentimeter pro Tag, mehrere Kilogramm Masse in weniger als fünf Monaten. Eigentlich würde der Hirsch dazu ein speziell zusammengesetztes, besonders reichhaltiges Futter benötigen. Dass es das in der Natur – in der wirklichen, ohne Zaun und Futtertrog – nicht spielt, sondern dass er die Bestandteile aus den übrigen Knochen seines Körpers abzieht, ist bekannt. In meinem Alter, wo man sich schon ein bisschen vor der Osteoporose fürchtet, macht es ein wenig neidisch, dass der Hirsch diese Vorräte problemlos wieder auffüllen kann. Auch dass das Zellwachstum im Geweihbereich so schnell wie im bösartigsten Tumor verläuft, aber schön geordnet und nur bis dorthin, wo es hingehört.

Was weniger in unseren Köpfen ist – auch andere Tierarten verfügen über überraschende Regenerationsleis-tungen. Seesterne zum Beispiel oder Eidechsen. Und, daran denkt man am wenigsten, weil es so selbstverständlich ist: Vögel! Der männliche Pfau – dessen natürliches Vorkommen wie das seines Verwandten, des Fasans, in Asien zu finden ist – legt gegen Ende des Sommers seine wunderbare, im Alter von fünf bis sieben Jahren bis zu zwei Meter lange Schleppe ab. In nur etwas mehr als einem halben Jahr ist sie in voller Pracht wieder da. Mit bis zu 100 Augenflecken, die der Abschreckung von Feinden und natürlich dem Punkten bei der Damenwelt dienen. Das bedeutet ein Wachstum von fast einem Zentimeter pro Tag, aber das bei hundert Federn gleichzeitig! Was für ein Energieaufwand! Ähnlich wie beim Geweih geht auch das Zellwachstum der Feder von einer gut durchbluteten Bildungszone aus. Je weiter nach außen, desto differenzierter sind die Strukturen, letztlich besteht die fertige Feder aus leblosem Keratin. Ist sie kaputt, kann sie nicht nachwachsen, es muss eine neue her. Der Austausch des gesamten Gefieders – die Mauser – vollzieht sich nach unterschiedlichen Zeitplänen. Der Stockerpel leistet sich eine Vollmauser, weil er die Flugunfähigkeit auf dem Wasser überbrücken kann. Das Habichtsweib erledigt die Rundumerneuerung am Horst, wo sie vom Terzel versorgt wird; der wiederum mausert kleinweise. Er muss flugfit bleiben. Der Auerhahn mausert jährlich alle Federn plus Balzstifte und Brocker, der Bartgeier braucht fünf Jahre, bis er sein gesamtes „Gewand“ erneuert hat.

 

 

Tägliches Training

Es gibt im Tierreich aber auch noch andere Vorderbeine, die der durchtrainierteste und bestbeschuhte Jäger nicht toppen kann. Gams- und Steinbockläufe. Von den „Schuhen“, sprich Schalen, haben wir schon zu Beginn des Jahres gesprochen. Solider Rand wie bei einem genagelten Bergschuh, gut haftende Gummisohle innen. Warum aber springen die berglerischen Kitze wie die Teuferln auf und nieder? Sie trainieren ihr Bindegewebe, ihre Knochen, Muskeln, Sehnen und Bänder. Und warum brechen sich die Alten nicht die Läufe, wenn sie mehrere Meter tief aus den Felsen springen? Eben deswegen. Muskeln dienen nicht nur der Bewegung, sondern auch dem Schutz der darunterliegenden Strukturen. Sehnen sind die Verbindung zwischen Muskeln und Knochen. Man kann sie sich wie besonders starke Gummibänder vorstellen. Bänder stabilisieren die Gelenke. Von der Reißfestigkeit und Elastizität dieser Bindegewebe hängt bei extremer Bewegung alles ab. Springt ein Gamsbock mehrere Meter in die Tiefe, so landen vielleicht 40 Kilo Körpergewicht mit hoher Beschleunigung auf den wenigen Quadratzentimetern seiner Schalen. Die Knochen müssen dabei eine extreme Stauchung aushalten. Das gelingt durch eine ausgeklügelte Bälkchenstruktur im Inneren, die sich im Laufe des Lebens stets nach der Belastung ausrichtet. Die beim Aufprall überdehnten elastischen Strukturen dürfen nicht reißen, sondern müssen sich – siehe Gummiband – sofort wieder zusammenziehen, um eine weitere Bewegung zu ermöglichen. Um Belastungen standzuhalten, muss das „Material“ trainiert werden. Je größer die zu erwartenden Herausforderungen, umso früher und aktiver wird trainiert. Dass sich Dachswelpen für ihr späteres recht beschauliches Dahin-dackeln und das muskelbetonte Graben mit dem Training etwas Zeit lassen und im Bau kuscheln können, liegt auf der Hand. Dass andererseits Gamskitze beim Spielen bisweilen den Eindruck tollwütiger Sprungfedern erwecken, verwundert in diesem Zusammenhang auch nicht. Was sehr wohl verwundern könnte, ist, wie Rehe in ihren doch sehr unterschiedlichen Lebensräumen zurechtkommen. Rote Elfen auf grazilen Beinchen und Ballettschühchen. Wenn man allerdings einmal gesehen hat, welchen Luftstand und welche Weitsprungrekorde ein flüchtendes Reh erreichen kann, wundert man sich nicht mehr.

 

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Jagd heute

Gamswild im Wandel

Während der Gratgams zusehends unter Druck gerät, scheint sich der Waldgams weiter auszubreiten. Das lassen zumindest die Ergebnisse neuer Studien erwarten – auch im Hinblick auf den weiteren Klimawandel.

 

 

 

Veranstaltet vom Verein Grünes Kreuz, dem OÖ Jagdverband und der Steirischen Landesjägerschaft, fand am 19. April 2024 in der Forstfachschule Traunkirchen ein Gamswildsymposium statt. Mit dem „Gams im Wandel“ war das die Anschlussveranstaltung an die Tagung vor fünf Jahren.

Den gemeinsamen Lebensraum von Gams und Mensch vor Augen, bedarf es mittlerweile keiner eingehenden Expertise mehr, um zu erkennen, dass das sich ständig verändernde menschliche Freizeitverhalten und somit die Zunahme der Nutzungsintensität durch Erholungsuchende tiefgreifende Spuren beim Gams hinterlässt. Auch die mittlerweile immer stärker spürbaren Auswirkungen des Klimawandels und des damit zwangsläufig verbundenen Wandels in der (Gebirgs-)Forstwirtschaft wirken sich negativ aus. Ein Grund mehr, sich mit den geänderten Lebensumständen des Gamswildes auf den typischen Kalkstandorten näher auseinanderzusetzen.

Gämsen funktionieren dichteabhängig

Flurin Filli vom Schweizerischen Nationalpark präsentierte Ergebnisse der Langzeitforschung aus der Schweiz, bei der ganz klar zum Ausdruck kam, dass Gämsen sich immer nur bis zu einer Kapazitätsgrenze hin entwickeln und die Bestände dann durch harte Winter oder Krankheiten zumindest teilweise in sich zusammenbrechen. Wo diese Grenzen verlaufen, ist dabei nicht immer klar. Erforscht wurde das unter anderem mithilfe von 200 markierten Gamsgeißen, bei denen die Zuwachsleistung ermittelt wurde. Diese ändert sich demnach kaum, allerdings nimmt die Sterblichkeit bei Jahrlingen in unbejagten Gebieten bei hohen Dichten zu. Problematisch ist hier die große Konkurrenz zu Rot- und Steinwild zu sehen, was deutlich im Hornwachstum sichtbar wird. Gämsen müssen auf Äsungsflächen mit weniger und vor allem geringwertiger Äsung auskommen. Die Kapazitätsgrenze für Gamswild sinkt dadurch langfristig ab, wobei Filli betonte, wie wichtig Langzeitforschung für so langlebige Tierarten wie den Gams ist.

 

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Im Revier

Wenn es heiß wird

Es ist Hochsommer und die Sonne brennt unerbittlich vom Himmel. Über den Feldern steht die Hitze und die Luft flimmert. Kleine Wasserstellen und Pfützen, die sich im Frühjahr gebildet haben, sind längst ausgetrocknet. Für unser heimisches Wild bedeuten diese Verhältnisse eine Art Notzeit. 


Waffe, Schuss & Optik

Krontec OR50: Aus der Mitte

Die Krontec Maschinenbau GmbH aus dem bayerischen Obertraubling fertigt seit über 30 Jahren Präzisionsbauteile für Motorsport, Luft- und Raumfahrt sowie Medizintechnik. Das Know-how hinter diesen Produkten fließt nun auch in die Produktion von innovativen Schalldämpfern ein.

 


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