Heft Dezember 2019


Themen im aktuellen Heft:
 

Paradiesische Zustände

 

Drückjagd auf Drückeberger

 

Die Jagd darf auch fordern

 

Volle Leistung bei kurzen Läufen

Unser Wild im Dezember

Paradiesische Zustände

Forscher vertreten die Meinung, dass die Vertreibung aus dem Paradies nichts anderes war als die neolithische Revolution. Damit wird der Übergang von der Lebensweise als nomadische Jäger und Sammler zur sesshaften als Landwirte bezeichnet. Im Schweiße seines Angesichts musste der Mensch fortan sein Brot verdienen. Doch dem Jäger bieten sich auch heute noch Möglichkeiten, solch urparadiesische Zustände zu erleben.

Es ist dunkel, aus dem Lautsprecher ertönt weihnachtliche Musik, im Auto macht sich der Duft von frisch erlegtem Wild breit. Ich bin auf der Heimreise von einer Jagd. Der Wechsel von der Kälte ins warme Fahrzeug macht ein wenig müde, es ist aber eine zufriedene Müdigkeit. Im Spätherbst, wenn die Tage kürzer werden, wird vielfach in Gruppen gejagt und anschließend das Gesellige gepflegt. Das Jahr klingt aus, die spezielle Atmos-phäre während der Adventzeit regt zum Nachdenken an über das alltägliche, aber auch jagerische Leben.

 

Erlebnisse verbinden

Je weiter das Jahr voranschreitet, desto größer wird der Anteil der Jagden, die nicht mehr als Einzel-, sondern als Gemeinschaftsjagd durchgeführt werden. Der Erfolg des Einzelnen verliert an Bedeutung. Trophäen treten in den Hintergrund, das gemeinsame Erlebnis gewinnt dafür an Bedeutung. Dies finden wir heute in vielen unserer herbstlichen Aktivitäten, sei es auf der Brackierjagd auf Hasen oder bei einem Schüsseltreiben. Am deutlichsten ist dieses gemeinsame Erlebnis meiner Meinung nach bei einem Aserfeuer nach einer Rehjagd im Schweizerischen Mittelland. Hier finden sich die Jäger und Treiber nach der Jagd gemeinsam an einem Feuer ein, sie kochen ihr Abendessen und lassen alte Jagdgeschichten Revue passieren. Vertraute Gefühle der menschlichen Natur kommen zum Vorschein. Analogien zum Lagerfeuer der Jäger und Sammler dürfen gezogen werden. Carel van Schaik und Kai Michel haben den Versuch gewagt, die Bibel und ihre Entstehung zu deuten. Sie vertreten die Meinung, dass die Vertreibung aus dem Paradies nichts anderes war als die neolithische Revolution. Damit wird der Übergang von der Lebensweise als nomadische Jäger und Sammler zur sesshaften als Landwirte bezeichnet. Dieser Übergang ist im Alpenraum wahrscheinlich langsam vonstattengegangen, im Ursprungsgebiet der Bibelgeschichte rascher. Jäger und Sammler lebten in kleinen Gesellschaften und wanderten ihren Beutetieren nach. Das Gemeinsame war wichtig als Garant für eine erfolgreiche Jagd. Vermutlich gab es für den Einzelnen wenig Eigentum und man hat die Beute geteilt. Geselligkeit war ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Dieses erfolgte zu einem großen Teil von der Hand in den Mund, aber für die kleinen nomadischen Gruppen war immer etwas zum Essen da. Das Leben schien paradiesisch zu sein. Das Sesshaftwerden hat das Leben der Menschen stark verändert, es war der Rauswurf aus dem Paradies. Sie mussten nun im Schweiße ihres Angesichts ihre Lebensgrundlagen erarbeiten. Nicht dass die Jäger und Sammler nicht ins Schwitzen gekommen wären, aber jetzt war knochenharte Arbeit Alltag. Die Menschen waren nun den Launen der Umwelt ausgesetzt. Dürre oder Unwetter konnten innert kurzer Zeit die Existenz ganzer Völker infrage stellen. Mit der Bewirtschaftung nimmt die Bedeutung von Eigentum zu. Nun gilt es, seinen Grund und Boden, welche die Lebensgrundlage bilden, zu pflegen und zu verteidigen. Das Gemeinsame tritt in den Hintergrund und das Teilen bildet nicht mehr die Grundlage für ein erfolgreiches Gedeihen der Gemeinschaft. Die heutige Gesellschaft ist von einer großen Individualität geprägt. Jäger suchen das Urtümliche, etwas, was Halt und Heimatgefühl in einer sich stark verändernden Welt gibt.

 

Suche nach dem Paradies

Die Suche nach dem Paradies oder, anders gesagt, die Suche nach der Wildnis ist heute Teil der Gesellschaft. Während Jäger dies auf eine urtümliche, emotionale Art tun, suchen andere die Einfachheit auf andere Weise. Die Bedeutung von Wildnis und die Sehnsucht nach ihr nehmen vor allem in städtischen Gesellschaften zu. Dies drückt sich in Verlangen nach geschützten Landschaften aus, aber auch in den Sympathien für Tiere, die Wildnis symbolisieren. Ein typisches Beispiel dafür ist die Wiedereinwanderung der Wölfe. Raubtiere brachten nach der neolithischen Revolution für die sesshaften Bauern eine große Unsicherheit, darin gründet auch heute die ablehnende Haltung auf dem Lande. Als Kontrastprogramm zum organisierten städtischen Berufsleben sind aus dieser Sicht Raubtiere ein Farbtupfer. Die Suche nach dem Einfachen, nach der Wildnis, finden wir auch in anderen modernen Tätigkeiten, die auf den ersten Blick gar nichts damit zu tun zu haben scheinen. So ist das Reisen mit dem Motorrad, mit dem Zelt oder Wohnwagen auch eine Gefühlsreise zurück zur nomadischen Lebensweise: mit möglichst wenig Eigentum unterwegs sein. Viele finden darin eine Gegenwelt zum normalen Leben.

 

Licht und Dunkelheit

Im Spätherbst werden die Tage kürzer, die Dunkelheit nimmt überhand. So finden verschiedene Anlässe statt, in denen das Licht den Kampf über das Dunkel gewinnt. Bei Umzügen tragen Laternen Licht in die Nacht. Zuhause zünden wir Kerzen am Adventkranz an. Das Böse wird bei Perchtenläufen mit großem Getöse vertrieben. Auffallend ist, dass die Perchten wie der Teufel in der Regel Hornträger sind. Es gibt in unserer Kultur Tiere, die gut sind, andere wiederum schlecht. Die Guten, historisch gesehen, sind die Hirschartigen. Sie symbolisieren mit dem Verlieren des Geweihs das Vergehen, dem anschließend das Werden folgt. In verschiedenen Kulturen symbolisieren die Hirsche das Göttliche. So kommt es nicht von ungefähr, dass Rentiere den Schlitten von Santa Claus ziehen. Der Mensch teilt vieles in Gut und Böse ein, die Natur ist jedoch wertneutral. Vielfach wird die Bejagung einzelner Arten mit zu hohen Beständen, den verursachten Schäden oder einfach, weil sie ein schlechtes Image haben, begründet. Wie man die Jagd auf die restlichen Wildtiere begründet, darüber wird in Jägerkreisen oft nicht nachgedacht. Die Adventzeit wäre ein guter Zeitpunkt, sich auch darüber Gedanken zu machen.

 

Zeit der Besinnung –  auch jagdlich

Die Vorweihnachtszeit regt zur Besinnung an. Wir sind emotional offen und könnten auch unvoreingenommen reflektieren. Irgendwie sind alle Menschen auf der Suche nach dem Paradies. Die Jäger mit ihrer Leidenschaft, andere, indem sie in ferne Länder reisen oder sich sonst Wildnis wünschen. Aus dem Paradies haben wir uns selbst geworfen und im Alltag entfernen wir uns immer mehr davon. Die Gesellschaft ist süchtig nach neuen technischen Errungenschaften, die beschleunigend wirken. Je mehr dieser Weg begangen wird, desto größer wird die Sehnsucht nach Rückzugswelten. Der Mensch versucht, sich mit verwirklichten Utopien gefühlsmäßig in den paradiesischen Urzustand zurückzuversetzen.

Die lange Fahrt hat ein Ende, ich bin zuhause angekommen. Die ganze Familie freut sich über den Jagderfolg. In den nächsten Tagen wird die Beute verarbeitet und zu Weihnachten im Familien- und Freundeskreis verspeist. Der festliche Rahmen, die Lockerheit, die vertraute Umwelt tragen viel zu einer inneren Zufriedenheit bei. Alles so, wie es einmal früher war. Für eine kurze Zeit sind alle Probleme vergessen, die Welt und das Leben scheinen ganz in Ordnung zu sein.


Praxiswissen für Revierbetreuer

Drückjagd auf Drückeberger

Landauf, landab hört man heuer Klagen darüber, wie schwierig sich die Abschusserfüllung beim Rehwild gestaltet. Drückjagden können hier ein probates Mittel sein, auch wenn viele Jäger immer noch eine Scheu davor haben, so etwas einmal im eigenen Revier auszuprobieren.


Waffe, Schuss & Optik

Volle Leistung aus kurzen Läufen?

Der praktisch einzige Nachteil kurzer Läufe liegt im Leistungsverlust durch verminderten Gasdruck. Die Ingenieure von RWS haben sich dieses Problems angenommen. Seit einem Jahr verlädt RWS unter der Produktbezeichnung „Short Barrel“ in einigen Kalibern moderne Jagdgeschoße, um maximale Leistung aus kurzen Läufen zu gewährleisten. DER ANBLICK hat das Kaliber .308 Win. am Schießstand nachgemessen.


Jagd heute

Die Jagd darf auch fordern

Seit zweieinhalb Jahren ist Max Mayr Melnhof als Salzburgs Landesjägermeister im Amt. In seine erste Bilanz fällt nun auch eine bereits in Kraft getretene Jagdgesetznovelle. Welche Früchte die nötige Aufklärungsarbeit rund um die Gesetzeswerdung getragen hat und vor welchen Herausforderungen die Rotwildüberwinterung in Salzburg zukünftig steht, hat der Landesjägermeister in einem Gespräch mit dem ANBLICK erklärt.

 

Die Salzburger Jagdgesetznovelle ist am 16. Oktober kundgemacht worden. Ist es für Sie ein modernes Jagdgesetz geworden, von dem Wildtier und Jagd gleichermaßen profitieren?

Landesjägermeister Max Mayr Melnhof: Wir sind sehr zufrieden mit dem neuen Jagdgesetz. Es sind fast drei Jahre Arbeit, die da dahinterstecken, und wir haben uns sehr ins Zeug gelegt, jeden Landtagsabgeordneten und alle NGOs von der Notwendigkeit unserer Vorhaben zu überzeugen. Wir haben auch um die nötige Zeit dafür gebeten, um die komplexen Zusammenhänge den Entscheidungsträgern erklären zu können. Dazu haben wir mit ihnen einige Male Reviere besucht, damit die Leute sehen können, was draußen abläuft. Die Aufklärungsarbeit war das Wichtigste. Wir sind ja nicht an Weihnachten und schreiben auch keinen Wunschzettel, wir haben uns weiterentwickeln müssen. Im Großen und Ganzen haben wir Dinge vereinfacht und es profitieren die Wildtiere davon. Wir haben auch zwei Wildtiere wieder in das Jagdgesetz hinzugefügt.

 

Und das sind welche?

Goldschakal und Haselhuhn. Beide bewusst noch ohne Jagdzeiten. Bis in die Neunzigerjahre haben wir den Haselhahn bejagt. Unsere Forderung der Rückgabe wurde zuerst rigoros abgelehnt. Ich habe daraufhin nur eine Frage gestellt: Was ist besser geworden, seit die NGOs für das Haselwild verantwortlich sind? Wir hatten die Verantwortung und sie wurde uns weggenommen. Jetzt sollte es ja Daten bei den NGOs geben: Sind es jetzt seit den Neunzigerjahren mehr Biotope oder weniger? Was ist im Bereich von Skipisten geschehen etc.? Dann hat uns einer einen Vortrag gehalten, wie Haselhühner leben ... Da sag ich, das wissen wir auch, aber wie hoch der Bestand ist, das wisst ihr nicht. Gebt uns die Verantwortung wieder. Innerhalb von zwei Jahren sagen wir euch, wie die Bestände ausschauen, wo sie sind, was wir dafür tun können. Und dann werden wir auch eine Jagdzeit beantragen. Das Argument zählte und ist einstimmig angenommen worden. Die Jagd darf auch fordern!

 

Der Schalldämpfer ist jetzt in Salzburg bei der Jagd erlaubt. Wer profitiert davon?

Es profitieren ganz klar Wildtiere, Jäger und Jagdhunde. Wir haben sehr viele Gegner in den eigenen Reihen gehabt und haben sie noch immer. Die meisten unserer Berufsjäger jagen bereits seit Jahren mit dem Schalldämpfer und sind mittlerweile davon überzeugt. Sie sehen auch, dass sie aus Familienverbänden leichter mehr Stücke erwischen, sei es bei Rehwild oder Rotwild. Schwerpunktbejagungen werden effizienter, man provoziert im dichter besiedelten Gebiet weniger und stört insgesamt seine Umgebung kaum. Wir sind gespannt, ob beim Wild mit der Zeit ein Gewöhnungseffekt eintritt. Bis dato sehen wir, dass das beim Schalenwild nicht der Fall ist. Wir sind äußerst dankbar für den Schalldämpfer – unseren Jagdhunden zuliebe!

 

Das ausführliche Interview finden Sie in unserer Dezember-Printausgabe. Kostenloses Probeheft anfordern.


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