Heft Juni 2022


Themen im aktuellen Heft:
 

Was uns die Dinge wert sind ...

 

Geweihleuchter der besonderen Art

 

Zwischen Bären und Wölfen

 

Mit German Precision Optics im Revier

Reviergang im Juni

Was uns die Dinge wert sind ...

Ich war zufrieden, hatte die taufrische Nachtluft geatmet, und da war ja noch jener Wachtelhahn, dessen Ruf heute fast so selten zu hören ist wie das Kullern der Spielhahnen. Nicht zu vergessen die Begegnung mit der Bache und ihren gestreiften Kindern ...

 

Was bist dann du für ein Jager?“, fragte mich mein Gegenüber, als ich bekundete, dass mir ein sauber erlegtes Schmalreh für die eigene Küche genauso lieb sei wie ein Rehbock. Als ich dann auch noch gestand, einen dreijährigen unmarkierten Rehbock nicht halbwegs sicher von einem fünfjährigen unterscheiden zu können, war es ganz aus.

Fast Mitternacht, als ich ins Hotel kam. Halb vier, als mich die Elektronik weckte. Da saß ich dann in der Früh auf jenem Sitz am Waldrand, eingekuschelt in den geliehenen sonst Herbst- und Wintertagen vorbehaltenen Parka, war bemüht, nicht einzuschlafen. Ein Mitjäger des Forstbetriebs hatte mich noch vor dem ersten Tagesgrauen dort abgesetzt. Gerne hätte ich an jenem Morgen ausgeschlafen, aber alles kann man sich auch in fortgeschrittenem Alter nicht leisten. Erst zugeben, dass man vom ehrsamen „Knochensammler“ zum skrupellosen „Fleischjäger“ verkam und zu deppert war, das Alter eines Rehbocks definitiv korrekt zu benennen, und dann auch noch lieber pennen als jagen wollen? Nein, das hätte den Ruf vollends ruiniert!

Seit zwei Wochen war es in Kärnten daheim fast unerträglich heiß und auch jenseits der blauweißen Grenzpfähle war es nicht angenehmer. Aber noch war von der Hitze nichts zu spüren. Im Gegenteil, ich empfand es eher kalt als kühl. Der Vorabend war frei von Mineralwasser, die Nacht mehr als kurz ... Am Gras der Wiese hing der Tau, der die Hosenbeine durchnässte. Seit ich vor Jahren in stockfinsterer Maiennacht auf dem Heimweg umknickte und mir dabei einen doppelten Knöchelbruch zuzog, um hernach noch volle sechs Tage ohne ärztliche Hilfe herumzuhumpeln, weil die Hoffnung zuletzt starb, ist es schwierig, in enge Gummistiefel zu steigen.

Es war der Dreiklang der Wachtel, der mich aus meinem Halbschlaf an die Oberfläche holte, mir den Sinn meines Fröstelns wieder bewusst machte. Welch beglückendes Erwachen! In frühen Jugendjahren gab es im Mai und Juni kaum einen Frühansitz ohne Wachtelschlag, außer man saß fern von Wiese und Acker im Wald – pick-wer-pick!

Was ich gegen Trophäen hätte, fragte am Vorabend mein Gegenüber. Nichts – absolut gar nichts. Aber in den letzten vier Jahrzehnten schaffte es in unserem Haus ein einziger Bock – einer aus der Steiermark – an die Wand. Er bedeutet mir sehr viel, weil ich jenen noblen Gönner, der mich einlud, ganz besonders schätze. Und die Landschaft nahe der Riegersburg war so ganz anders als die Landschaften, in denen ich bis dahin zu tun hatte –
einfach liebenswert!

Die vielen „Leidensgenossen“ dieses Bockes, die mir in den letzten Jahrzehnten meiner Mordlust (mindestens fünf geharnischte Leserreaktionen …) zum Opfer fielen, ruhen in Kartons. Manche wurden verschenkt. Platz wäre nur noch im Schlafzimmer und auf der Toilette … Was also spricht dagegen, gerne auf „Wildbret“ auszuweichen? Es gibt so viele Jäger, junge und alte, die jagdlich weniger gesegnet waren und sich über einen Rehbock mehr freuen als über ein Kitz oder eine Geiß. Sollen sie –
meine Gefühle und Wertungen waren in jungen Jahren dieselben. Selbst die überfahrenen Jahrlinge mussten an die Wand!

Die Stille der frühen Stunde war vorbei. Hinterm Wald läuteten Kirchenglocken – sechs Uhr. Um halb acht wollte man mich abholen. Längst hatte der im ersten Morgenlicht so fleißige Wachtelhahn Feierabend gemacht. Pendler fuhren zur Arbeit. Erste Traktoren aufjaulend irgendwo im Gehügel. Die erste „corona-selten“ gewordene Boeing am Himmel, schon tief im Landeanflug. Schmaler Kondensstreifen, der, sich rasch auflösend, weiterhin gutes Wetter verkündete. Irgendwo sich wiederholend eine nervige Autohupe, die zum Aufbruch eines Langschläfers mahnen mochte.

Und dann – wie aus dem Nichts – kam eine Rotte Spätheimkehrer durch die taunasse Wiese, direkt auf meinen Sitz zu. Eine Bache war’s und hinter ihr fünf noch gestreifte Frischlinge! Sie mussten sich in der Nacht weit hinausgewagt haben und wurden zu fortgeschrittener Stunde vom Tageslicht überrascht. Vielleicht hatten sie sich auch in einem der schmalen Schilfstreifen eingeschoben und waren gestört worden. Längst hatte sich das Schwarzwild mit der immer intensiver werdenden Landeskultur arrangiert. Längst gab es Feldreviere, in denen es zum Standwild geworden war. Ein paar Hecken abseits der Wege, ein paar noch nicht jeder Begleitvegetation beraubte Gräben und von Mai bis November der die Landschaft verschlingende Mais …

Was ich getan hätte, wär‘s mein Revier gewesen, ob ich aufdiktierter Pflicht und durchaus Vernunft gefolgt wäre oder schlicht stillvergnügt geschaut und auf eine spätere Begegnung gehofft hätte? Ich musste mir die Frage nicht beantworten, war Gast. Ich wusste, wie man die Dinge hier sah, und war somit jeder eigenmächtigen Entscheidung enthoben. Keine 20 Meter neben mir verschwand die kleine Familie im Wald.

Wir schrieben den 21. Juni. Später berichtete der mich abholende Jäger, in den Abendnachrichten des deutschen Fernsehens hätte er Bilder von der Regenbogenparade in Wien gesehen. 150.000 Menschen sollen es gewesen sein. Der Kanzler hatte am Vortag entschieden, es gelte für diese Veranstaltung keine Maskenpflicht …

„Mit so was musst bei unserm auch rechnen“, war der trockene Kommentar meines Begleiters. Später, ehe ich mich an den Frühstückstisch setzte, kurzer Anruf bei meiner Frau. Alles in Ordnung? „Ja, stell dir vor, am Freitagabend ließen sich sechs Störche auf der große Föhre im Garten nieder!“ Unser Dorf liegt knapp 600 Meter hoch. Das ist für Störche schon grenzwertig. Und um es kurz zu machen, die Störche blieben bis zum Abflug ins Winterquartier in Nötsch, pendelten zwischen unseren Föhren und den Fichten vom Hans Peter. Ein Storch wurde Solist, begrüßte in der Früh mit Geklapper am Bahnhof all jene, die zur Arbeit fuhren.

Das Dorf war schon in Sicht, als mein Begleiter den Fuß vom Gas nahm und mich auf ein Reh aufmerksam machte. Kaum 100 Meter entfernt äste in einer Streuobstwiese ein Bock – ein Allerweltsrehbock. Ob ich vorsichtig aussteigen und auf dem Dach auflegen wolle? Nein, ich wollte nicht. Früher, ja früher mit alljährlich hohem Abschussauftrag hätte ich es getan. Aber jetzt, wo man zum Gast ab- oder aufgestiegen war, je nach momentaner Philosophie? Alles wäre zur Hektik geraten: das Versorgen des Bockes, das Frühstück, mein Zusammenpacken und mein Aufbruch in Richtung Kärnten.

Ich war zufrieden, hatte die taufrische Nachtluft geatmet, hatte gefröstelt und über jenen Zeitgenossen gelächelt, der sich am Vorabend so rührend Gedanken über meine Weidgerechtigkeit und meine vermeintliche Aversion gegen Trophäen gemacht hatte. Und da war ja noch jener Wachtelhahn, dessen Ruf heute fast so selten zu hören ist wie das Kullern der Spielhahnen. Nicht zu vergessen die Begegnung mit der Bache und ihren gestreiften Kindern. Ich war emotional satt!

Bruno Hespeler

 


Jagdkultur

Geweihleuchter der besonderen Art

Die sogenannten Lusterweibln – in Deutschland auch Lüsterweibchen genannt – zählen wohl zu den exklusivsten Formen eines Geweihleuchters. Woher aber kommen diese stilvollen Kronleuchter? ANBLICK-Reporter Herbert Trummler machte sich auf eine Spurensuche.  


Im Revier

Zwischen Bären und Wölfen

Bereits ein bis zwei Fahrstunden südlich von Österreich gibt es Reviere, in denen sowohl Bären als auch Wölfe Dauergäste sind. Das Zusammenleben zwischen Mensch und Wildtier erfolgt keineswegs konfliktfrei, aber es hat Tradition.


Waffe, Schuss & Optik

„Wir verkaufen eigentlich zu billig!“

Der Hauptsitz von German Precision Optics – GPO befindet sich am Ammersee, ganz in der Nähe von München. Gründer und Eigentümer ist Richard Schmidt und seine Strategie ist klar: in jedem Segment 20 bis 30 Prozent preiswerter sein als der Mitbewerb, um schnell Markt­anteile zu generieren.

Zurzeit ist einiges im Umbruch, auch im Bereich der Jagdoptik. Nicht nur dass klassische optische Systeme sukzessive durch digitale Lösungen ersetzt werden, auch bei den Anbietern tut sich einiges. Ein Newcomer in dem Segment ist German Precision Optics – kurz GPO. Das Unternehmen gibt es zwar erst seit 2015, doch es kann bereits auf eine bewegte Geschichte zurückblicken.

 

Selbst ist der Mann

Gründer und Mehrheitseigentümer des Optikherstellers ist Richard Schmidt: „99 Prozent gehören mir, doch ein Prozent auch meiner Frau“, so der engagierte Bayer schmunzelnd im Gespräch. Zuvor war er in der Führungsebene bei Siemens und dann als Geschäftsführer bei der Carl Zeiss Sports Optics tätig, bevor er sich selbstständig machte. „Nach meiner beruflichen Karriere in Großkonzernen wollte ich einmal alleine verantwortlich sein“, meint er zu den Beweggründen für seinen Entschluss, GPO auf die Beine zu stellen. Und er wollte mit einer möglichst schlanken Struktur und ausgewählten Branchenexperten schnell und effizient zu Entscheidungen und Lösungen kommen, um wettbewerbsfähig zu sein.

Zu Beginn ging es einmal darum, am Markt Fuß zu fassen, was über den OEM-Bereich auch rasch gelang. Original Equipment Manufacturer wie GPO stellen Produkte oder Komponenten für Drittanbieter her, die jedoch nicht unter der Eigenmarke vertrieben werden. Parallel dazu wurden Ferngläser und Zielfernrohre aber auch schon unter der Marke GPO verkauft, mittlerweile ist dies das Hauptgeschäft. Und das läuft so erfolgreich, dass 2021 eine Umsatzsteigerung um beinahe 50 Prozent auf rund sieben Millionen Euro Gruppenumsatz erreicht werden konnte. Hätte es keine Lieferengpässe gegeben, wäre das Ergebnis noch besser ausgefallen.

 

Globales Netz

Am Stammsitz von GPO in Inning am Ammersee wird alles entwickelt, wobei Firmenchef Schmidt selbst tief in die technischen Belange verstrickt ist: „Wir arbeiten langfristig mit Partnern zusammen und helfen ihnen dabei, etablierte Produkte besser zu bauen – und das weltweit.“ So werden etwa die von GPO entwickelten Faserabsehen oder die mikroprozessorgesteuerten Beleuchtungssteuerungen für die Zielfernrohre in Deutschland gefertigt, die Spritzgussformen für die Magnesiumgehäuse kommen zu 100 % aus Japan, anderes stammt aus Shanghai oder anderen Teilen der Welt. „Man muss sich schon im Klaren darüber sein, dass man in Mitteleuropa keine Fernoptik für unter 500,- Euro fertigen kann“, erläutert Richard Schmidt. „Mit Herstellern aus Fernost zu kooperieren ist alternativlos, wenn man wettbewerbsfähig sein will. Die Kehrseite können allerdings Lieferengpässe sein, wie beispielsweise gerade jetzt, da Shanghai seit Wochen im Lockdown feststeckt und Fabriken geschlossen sind.“

 

 

 

 

Qualitätssicherung in Bayern

Ein Alleinstellungsmerkmal von GPO ist, dass alle Ferngläser, Zielfernrohre und Entfernungsmesser quasi in Großpackungen nach Inning am Ammersee geliefert werden. Erst hier erfolgt bei jedem einzelnen Gerät die Endkontrolle. „Je nach Charge rechnen wir mit einem Ausschuss von 2 bis 20 Prozent“, rechnet GPO-Gründer Schmidt vor. „Wenn es sich nur um kleine Mängel handelt, können wir diese teilweise vor Ort beheben, der Rest geht zurück ins Werk, um dort repariert zu werden. Deshalb bewegt sich die Rücklaufquote fehlerhafter Geräte vom Markt nur im Promillebereich. Und selbst da sind wir sehr kulant. Bei Mängeln tauschen wir das Gerät des Endkunden prompt gegen ein Neugerät um, wenn die Schäden nicht durch mutwillige Beschädigung entstanden sind.“

Auch die Verpackung und die Auslieferung erfolgen in der Zentrale in Süddeutschland, wobei auch hier die Ziele klar definiert sind. „Wir messen der Out-of-Box-Experience große Bedeutung bei“, so Schmidt, der sich auch hier mit den ganz Großen misst. Die Verpackung beispielsweise orientiert sich am Qualitätsniveau desselben Herstellers, der die bekannte IT-Marke mit dem Apfel im Logo beliefert: das Innenleben wasserstrahlgeschnitten und ebenfalls aus Deutschland. Aber auch der Designsprache kommt große Bedeutung zu: „Wenn ich einen Dreier-BMW kaufe, dann soll er auch zum Fünfer passen. Und ich will ihn nicht nur an dem weiß-blauen Logo erkennen, sondern auch am Außenspiegel“, formuliert Schmidt seinen bildhaften Vergleich. Aus diesem Grund finden sich dieselben Designelemente durchgängig im gesamten Produktportfolio von GPO.

 

Billiger, aber besser als die Konkurrenz

Das Herzstück von Schmidts Philosophie betrifft aber die Technik seiner Produkte. Die Gehäuse sind auch bei den preiswerten Einsteigerprodukten aus Magnesium, die Drehaugenmuscheln aus Aluminium, während der Mitbewerb hier oft Kunststoff einsetzt. Es geht ihm darum, möglichst leichte, kompakte Zielfernrohre und Ferngläser zu bauen, die es in puncto Leistung aber selbst mit der Premiumklasse anderer Hersteller aufnehmen können. So rangiert GPO in vielen Segmenten bezüglich Gewicht, Sehfeld oder Transmission im obersten Bereich aller Anbieter, obwohl die Produkte fast ausnahmslos die preisgünstigsten im jeweiligen Segment sind.

„Unser Portfolio umfasst den Bereich von 250,- bis 2.000,- Euro – von den Thermalgeräten einmal abgesehen“, erklärt Schmidt seinen Businessplan. Betrachtet man den Markt für fernoptische Produkte, werden von der Stückzahl her 60 % unterhalb der 500-Euro-Marke verkauft und nur ein Prozent im Bereich über 2.000,- Euro. „Diesen Super-Premium-Bereich überlassen wir anderen. Mein Ziel ist es, die hochwertige Optik zu einem besonders günstigen Preis anzubieten. Wahrscheinlich verkaufen wir unsere Produkte viel zu billig, im Schnitt sind sie um 20 bis 30 % preiswerter als die vom Mitbewerb. Aber ich bin selbst der Eigentümer. Ein anständiges Gehalt reicht mir zum Leben, der Rest fließt in die Firma zurück. Es geht mir also nicht darum, Gewinne, sondern Marktanteile zu generieren.“

„Der Vertrieb der hochwertigen optischen Geräte von GPO erfolgt über den Fachhandel in den zwei unterschiedlichen Distributionskanälen ‚Jagd‘ und ‚Natur/Outdoor‘“, erklärt Dr. Ralph Nebe, Mitglied der Geschäftsleitung und zuständig für Vertrieb und Marketing. Daneben gibt es zwar einen Webshop, in dem die Ferngläser zur jeweils höchsten unverbindlichen Preisempfehlung angeboten werden, aber keinen Vertrieb auf den großen Internetportalen, um das Preisdumping weitestgehend zu verhindern.

Stefan Maurer

 


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