Im Revier
Klimawandel trifft Rehbrunft
In heißen Sommern werden weniger Geißen erfolgreich beschlagen als in kühlen. In Extremsituationen kann es sogar zu einem Ausfall der Blattzeit kommen. Rehe sind aber flexibel und holen das Versäumte teilweise in einer Nachbrunft nach.

Der Klimawandel ist längst keine abstrakte Theorie mehr, sondern beeinflusst bereits heute konkret zahlreiche Lebensräume und Tierarten. Ein deutliches Zeichen für diese Entwicklung ist die Vorverlagerung des Frühlingsbeginns um rund zwei Wochen. Zudem ist die durchschnittliche Jahresmitteltemperatur in Österreich in den letzten 50 Jahren um etwa 2 °C gestiegen. Wildtiere geraten zunehmend unter Druck: Längere Hitzeperioden, geringere Niederschläge und eine sich verändernde Vegetation beeinflussen ihre Lebensgrundlagen. Die steigenden Temperaturen beeinträchtigen nicht nur das Nahrungsangebot, sondern auch das Verhalten und die Fortpflanzung vieler Arten. Viele Säugetierarten besitzen grundsätzlich die Fähigkeit, sich durch eine Anpassung ihres Lebensraums oder ihres Jahreszyklus an veränderte Umweltbedingungen zu gewöhnen. Beim Rehwild jedoch ging man lange Zeit davon aus, dass es in dieser Hinsicht nur eingeschränkt flexibel ist.
Rehwild und hohe Sommertemperaturen
In einer aktuellen und äußerst aufschlussreichen Untersuchung wurde analysiert, wie das Rehwild auf die veränderten sommerlichen Klimabedingungen reagiert (Kamieniarz et al., 2024). Dabei verglichen die Forscher den Reproduktionsstatus der Tiere in einem extrem heißen Sommer mit dem eines Sommers mit normalen Temperaturen – mit teils überraschenden Ergebnissen.
Zwar wurde über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg eine hohe durchschnittliche Reproduktionsbeteiligung von 88,6 Prozent festgestellt, doch im Detail zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Jahren. So waren im sehr heißen Sommer 2015 nur 77,6 Prozent der Geißen trächtig, während dieser Wert im Folgejahr mit moderaten Temperaturen bei 98,5 Prozent lag. Besonders interessant ist die detaillierte Analyse der Fortpflanzung im Hitzesommer. Die hohen Temperaturen führten nicht nur zu einer geringeren Reproduktionsrate, sondern auch zu einer deutlichen Verschiebung des Fortpflanzungszeitpunkts. Denn nur etwas mehr als die Hälfte der Geißen und Schmalrehe wurde im Sommer beschlagen, während der verbleibende Teil erst in der Winterbrunft aufgenommen hatte.
Den ausführlichen Beitrag finden Sie in der aktuellen Printausgabe. Kostenloses Probeheft bestellen.
Anblick plus
Newsletter
Warenkorb