Das Heft - Archiv 2017

 

Waffe, Schuss & Optik

 

Merkel K3 Extreme

 

 

Im letzten Jahrzehnt hat sich im Waffenbau nicht nur technisch einiges getan, auch bei der Auswahl der Werkstoffe und in der Formgebung ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Bei den klassischen Kipplaufwaffen geht man da behutsamer zu Werke, da ihre Käufer bewusst auf ein traditionelles Erscheinungsbild setzen. Merkel hat mit dem Modell K3 Extreme als erster Hersteller eine Kipplaufbüchse optisch ins nächste Jahrhundert geführt. Wieder ein Beweis dafür, dass es oft nicht viel braucht, um Großes zu bewirken.

 


Praxiswissen für Revierbetreuer

Ein kleiner Stamperer

 

Längst sind die Reviere, wo der Jäger im Herbst auf den großen Niederwildjagden aus dem Vollen schöpfen kann, rar geworden. Doch wer seinen Niederwildbesatz trotz aller widrigen äußeren Einflüsse pfleglich behandelt, muss dennoch die Flinte nicht ins Korn werfen. Mit einem überschaubaren Aufwand kann der Jäger immer noch in einer kleinen, geselligen Runde eine bescheidene Ernte einfahren und die Freude an der Jagd mit Flinte und Hund genießen.

Jede Gesellschaftsjagd – ob nun eine große Bewegungsjagd auf Schalenwild oder ein eher familiäres Hasenstampern unter Freunden – muss angemessen vorbereitet sein, wenn sie von Sicherheit und Jagderfolg geprägt sein soll. Sie erfordert von allen Teilnehmern ein hohes Maß an Konzentration, Können und Disziplin. Der Jagdleiter hat dazu im Vorfeld eine Reihe von Überlegungen anzustellen, damit der Ablauf des Jagdtages den Gästen als ruhiger Selbstläufer erscheint. Je akribischer die Planung und Einweisung aller Akteure gelingt, desto eher wird dies der Fall sein. 

Besondere Bedeutung kommt der Wahl der einzelnen Arten von Treiben zu. Diese richten sich vornehmlich nach den örtlichen Gepflogenheiten, der Revierstruktur, nach den zu bejagenden Wildarten und der Anzahl der zur Verfügung stehenden Personen. Für Niederwildjagden in kleiner Runde scheiden die großen Feldtreiben schon einmal aus, denn für die großflächige Gestaltung von Kesseltreiben, Böhmischen Streifen oder großen Vorstehtreiben sind aufgrund der Dimension der Treiben mindestens 80 Teilnehmer angesagt. Für die geplanten kleinen Stamperer wählen wir meistens die kleine Streife.

Wildmeister Matthias Meyer

 

Mehr dazu in unserem November-Heft. Kostenloses Probeheft anfordern.

 

 

 


Hund & Herrl

 

Stammvater aller Dackel

Die Alpenländische Dachsbracke erfreut sich im Alpenraum gleichbleibender Beliebtheit und Wertschätzung. In Österreich fallen alljährlich um die 100 Welpen aus, welche bevorzugt an aktive Jäger mit entsprechender Jagdmöglichkeit weitergegeben werden. Dies sind langfristig die Kriterien für die erfolgreiche Zucht von Jagdhunden: eine breite Zuchtbasis über Landesgrenzen hinweg und Hunde, die sich im jagdlichen Alltag beweisen können.


Ein Hund der Kronprinzen und Bauernjäger

Wie von älteren Berufsjägern in Südkärnten zu erfahren war, hat Graf Douglas v. Thurn-Valsassina in seinen Forsten in den Karawanken vom Pohorje bis zum Hochobir die Alpenländische Dachsbracke sehr geschätzt und gefördert. Kaum ein Revierjäger war ohne diesen Hund unterwegs. Auch die kaiserlichen Jäger im Mürztal und im Ausseerland führten diese Bracke. Auf einer Orientreise des Kronprinzen Rudolf von Habsburg zum Ende des 19. Jahrhunderts leisteten die „Dachseln“, welche seine Berufsjäger mitführten, wertvolle Dienste. Als die Jagd auf eigenem Grund und Boden ab dem Jahr 1848 auch für Bauern möglich wurde, waren es die Alm- und Waldjäger, welche sich auf ihren Höfen  Dachsbracken hielten, und sie tun es auch heute noch mit Überzeugung. In den Nockbergen und im oberen Drautal, in Ost- und Südtirol gibt es die verschworenen Brackierjäger noch, für die es nichts Schöneres gibt, als die herbstliche Brackade auf den Schnee- und Waldhasen erleben zu dürfen. 


Anerkennung als Schweißhund

Die Dachsbracke wurde 1932 als Rasse anerkannt, auch als eine von drei Schweißhunderassen. Gerade die Riemenarbeit war bis dahin den Hannover’schen Schweißhunden sowie den Bayerischen Gebirgsschweißhunden vorbehalten. „Ein Hund, der eine Gesundfährte des Hasen halten kann, die 5 Minuten alt ist, der wird auch die Übernachtfährte eines Hirsches halten können!“, so habe ich es des Öfteren aus dem Munde von erfahrenen Nachsuchenführern gehört. Wie schwierig die Nachsuche in gebirgiger Landschaft ist, konnten wir am eigenen Leib oftmals erfahren. Und genau da spielt die Alpenländische Dachsbracke ihre Stärke aus, leicht und elegant überwindet sie Stock und Stein, um die Fährte zu halten und das Stück zu stellen. Ihr lockerer Hals und ihr anhaltendes, helles Geläut führen den Jäger heran an die Bail. Wie hinderlich ein Riemen am Berg ist und zu einer Gefährdung von Hund und Jäger führen kann, ist allen Praktikern bekannt. Eine ruhige, entspannte Erziehung wird auch zu einem entspannten, umgänglichen Hund führen, denn intelligent sind sie ja, die Dachseln. Vor allem aber: Der Hund wird ohne Riemen an der Seite des Jägers durch dick und dünn pirschen!


Die Zukunft?

 Wenn man sich die Zuchtbasis so mancher Jagdhunderasse ansieht, dann schaut es für die Zukunft ziemlich düster aus. Zu wenige Würfe, immer kleiner werdende Bestände, Inzucht und diverse Erkrankungen führen zu einer Ausdünnung und damit schlussendlich auch zum Erlöschen von Rassen. Die Alpenländische Dachsbracke hingegen erfreut sich im Alpenraum von Südtirol bis in die nördlichen Kalkalpen und von Polen, Tschechien bis in den slowenischen Karst einer gleichbleibenden Beliebtheit und Wertschätzung. In Österreich fallen alljährlich um die 100 Welpen aus, welche bevorzugt an aktive Jäger mit entsprechender Jagdmöglichkeit weitergegeben werden. Dies sind langfristig die Kriterien für die erfolgreiche Zucht von Jagdhunden: eine breite Zuchtbasis über Landesgrenzen hinweg und Hunde, die sich im jagdlichen Alltag beweisen können. Jagdhunde also, welche sich über die Leistung aus gelebter Jagdpraxis heraus definieren und damit über ihre inneren Werte.

 

Gerhard Kosel


Fleischjagd – Wurzel des Weidwerks 

 

Hasenkeulen geschmort

Ein Hase – am Ansitz erlegt, edles Wildbret, kostbar und rar. Auf den kurzen Moment der Jagd folgen eine Zeit der sorgfältigen Zubereitung und ein dankbares Miteinander am festlichen Tisch. 

 

4 Hasenkeulen, 5 dag Butter, Thymian, Salz, Pfeffer, ½ l Wildfond, 20 dag Wurzelwerk gemischt (Petersilie, gelbe Rüben, Karotten). 

 

 

Die Hasenkeulen parieren. Salzen und pfeffern. In schäumender Butter anbraten, mit Wildfond aufgießen und in der geschlossenen Kasserolle  zirka 40 Minuten schmoren lassen. Ein paar frische Thymianzweige mitschmoren. Garnitur: Petersilwurzeln, Karotten, gelbe Rüben, geschält und geviertelt, blanchiert und in Butter geschwenkt.

 


Im Revier

 

Rotwildjagd im Herbst und Winter:
Überlegungen zu Jagdstrategien

 

Untersuchungen lassen darauf schließen, dass sowohl die Freizeitgesellschaft als auch die Jagd direkten Einfluss auf das Verhalten und die Sichtbarkeit des Rotwildes nehmen. Um jagdlich dennoch erfolgreich zu sein, muss sich hier der Jäger anpassen.

 

Gerade in Gebieten, in denen Rotwild reduziert werden muss, werden sich die Jäger noch intensiver mit Überlegungen beschäftigen müssen, wie sie die hohen Abschussvorgaben erfüllen können. Verschiedene Jagdstrategien können zum Erfolg führen. Neben der Ansitzjagd können auch Gesellschaftsjagden, die als Sammelansitz oder Riegel- bzw. Stöberjagden mit Hunden abgehalten werden, ein probates Mittel sein. Wenn Rotwild im Zuge der notwendigen Reduktion einem erhöhten Jagddruck ausgesetzt ist, kann es sich erstaunlich gut anpassen.

 

  

 

Andreas Palatin hat versucht, in einem Gemeindejagdrevier über 12 Monate ein Monitoring der Hauptwildarten durchzuführen und dabei viele Wildkameradaten und seine eigenen Beobachtungsdaten gesammelt und aufgezeichnet. Aus diesen Daten kann man sehen, wie sich die bei uns durchgeführten Stöberjagden auf die Sichtbarkeit des Rotwildes ausgewirkt haben, und man kann anhand der Daten auch einige einfache Strategien für die Ansitzjagd im November und Dezember ableiten ...

 

 

Mehr darüber finden Sie in der Oktober-Ausgabe.

 


Praxiswissen für Revierbetreuer

Erste Tage mit der Flinte

 

Im Feldrevier jagen die Jäger nun mit dem Vorstehhund auf Fasan, Hase und Ente. Das Niederwild drückt sich lange in der Zwischenfrucht Senf oder Raps. Auch Rübenschläge, Luzerne und gar noch stehende Getreidestoppel sind aussichtsreich. Mit kleiner Besetzung lassen sich im übersichtlichen Feld Zuckerrübenschläge und kleine Maisfelder sehr erfolgreich auf den Fuchs stöbern. Zuvor abgehaltene  Scheinwerferzählungen, auf den Hasen bezogen, zeigen uns zusätzlich, wo wir noch über den Sommer zugelaufene Jungfüchse im Revier haben.

Die Besatzermittlung beim Hasen gibt uns im zeitigen Herbst wichtige Daten über den Jahreszuwachs und den aktuellen Herbstbesatz. Nur wenn es dieser ohne Eingriff in den Grundbesatz zulässt, kann ich eine große Treibjagd abhalten. Schließlich sollte die Hasenstrecke schon noch deutlich über der Anzahl der teilnehmenden Schützen liegen, will man sich als Jagdherr nicht blamieren. Auch sollten wir wissen, dass unser jagdliches Tun kritisch in der Öffentlichkeit beäugt wird. Wo der Hasenbesatz keine Gesellschaftsjagd mehr zulässt, schießt sich der Jäger seinen Küchenhasen lieber mit der kleinen Kugel am Ansitz. Auch das kann stimmungsvolle Jagd im herbstlichen Wald sein!

 

Nach der Ernte in der Landwirtschaft folgt der Flächenumbruch. Der zu diesem Zeitpunkt hohe Niederwildbesatz wird, bezogen auf die Deckung im Feld, auf wenige Korridore zusammengedrängt. Wohl dem Jäger, der sein Revier mit Remisen, Hecken, Feldgehölzen, Wildäckern und Brachen gut bestückt weiß! In der von heute auf morgen abgeernteten Feldflur sinkt der Niederwildbesatz rasch. Ein Teil wandert ab – hauptsächlich beim Fasan –, ein Teil infiziert sich bei dem feuchtwarmen Herbstwetter mit Kokzidiose aufgrund der zahlenmäßigen Konzentration auf den verbliebenen Äsungsflächen und ein anderer Teil fällt dem übermächtigen Raubwilddruck innerhalb kurzer Zeit zum Opfer. Somit sind innerhalb weniger Herbsttage alle Vermehrungsanstrengungen einer Niederwildpopulation vergebens, wenn der vorausschauende Jäger nicht jährlich neue Trittsteine im Biotopverbundsystem seines Reviers schafft und pflegt sowie täglich seinen Raubwildbesatz kontrolliert und vor allem auch korrigiert.

 

Wildmeister Matthias Meyer 


Der Tierarzt im ANBLICK

 

Wildbrethygiene als Visitenkarte des Jägers

Damit Jäger ihren lebensmittelhygienischen Aufgaben gerecht werden können, sind eine gute Ausbildung, laufende Weiterbildung und eine intensive Praxis erforderlich. Nur wenn man das Normalbild eines Organes kennt, können auch Abweichungen oder Auffälligkeiten erkannt werden. Bei den vorgeschriebenen Untersuchungen (Ansprechen, Aufbrechen, Organe, Wildkörper) haben Jäger bzw. kundige Person auf Merkmale zu achten, die darauf schließen lassen, dass Organe oder Wildbret gesundheitlich bedenklich sein könnten. Werden bei der Untersuchung keine auffälligen Merkmale festgestellt, wurden vor dem Erlegen keine Verhaltensstörungen beobachtet und besteht kein Verdacht auf Umweltkontamination, so kann die kundige Person die Bescheinigung ausstellen. Werden bei der Untersuchung vom Jäger oder von der kundigen Person jedoch abweichende Merkmale festgestellt, so muss dem zuständigen amtlichen Tierarzt (= „Fleischbeschautierarzt“) mitgeteilt werden, welche auffälligen Merkmale, welche Verhaltensstörungen oder welcher Verdacht auf Umweltkontamination sie bewogen hatten, keine Bescheinigung auszustellen, sofern der Tierkörper nicht unschädlich beseitigt wird. Steht keine kundige Person zur Verfügung, muss die Untersuchung von einem amtlichen Tierarzt durchgeführt werden. Alle für Trichinose anfälligen Arten sind einer Trichinenuntersuchung zu unterziehen.

 

Mithilfe eines geistigen Ablaufschemas sollten Jäger danach trachten, vom Ansprechen bis zum Zerwirken keine Fehler zu machen, die die Wildbretqualität negativ beeinflussen könnten. Mit dem Aufstellen von 10 wesentlichen kritischen Punkten, aus denen Gebote für die Wildbrethygiene ableitbar sind, wurde eine Hilfestellung und Gedächtnisstütze für die fachgerechte Gewinnung von Wildbret gegeben. Diese vor 25 Jahren vom Autor aufgestellten 10 Gebote der Wildbrethygiene umfassen:

 

1. Ansprechen vor dem Schuss („Lebenduntersuchung“),

2. Jagdmethode,

3. Schuss,

4. äußerlich feststellbare Veränderungen,

5. Aufbrechen,

6. innerlich feststellbare Veränderungen,

7. Ausschweißen und Reinigen,

8. Auskühlen,

9. Transport sowie Lagerung,

10. Kühlung und Verarbeitung.

 

 

Wenn die Zeit kommt, in der wir jedes Stück so ansprechen, beschießen und versorgen, wie wenn wir es selbst verzehren wollen, dann wird Wildbret tatsächlich zum „besten Produkt der Jagd“, das uns auch in der nicht jagenden Bevölkerung entsprechende Sympathien entgegenbringt. Der Umgang mit dem Thema Wildbret ist eine Visitenkarte des Jägers. Bereiche wie Wildbret und Wildtiergesundheit sind auch wichtige Zukunftsfragen der Jagd und sie werden die weitere Entwicklung der Jagd wesentlich mitbestimmen. Dazu muss sich der Jäger aber seiner Rolle als „Lebensmittelunternehmer“ in der Versorgung des erlegten Wildes bewusst sein bzw. werden.

 

Dr. Armin Deutz


Waffe, Schuss & Optik 

 

Sauer 101 Artemis
An den Leib geschäftet

Die Zeit, wo sich die Weidfrau ihr jagdliches Handwerkszeug von ihrem Weidmann borgt, ist längst vorbei. Heute gibt es erstklassige Jagdausrüstung, die direkt auf die besonderen Bedürfnisse der holden Weiblichkeit zugeschnitten ist. Die Sauer 101 Artemis ist eine davon.

 

Um weidgerecht jagen zu können, braucht es zunächst einmal zwei Dinge. Erstens eine Jagdausrüstung, die eine zuverlässige schnell tötende Wirkung des beschossenen Wildes garantiert. Und zweitens braucht es die Steuerfrau im Hintergrund, der die Jagdausrüstung auf den Leib geschnitten ist. Beides trifft auf die Sauer 101 Artemis in der vorliegenden Testvariante zu. Der Schaft ist kürzer, damit auch die 160 cm große Weidfrau damit klarkommt. Weiters ist der Schaftrücken höher, damit die zarten Backenknochen der Jägerin im Anschlag eine gute Führung haben. Das Kaliber .308 Winchester ist rückstoßarm und dabei kraftvoll genug, um alles bei uns vorkommende Wild weidgerecht bejagen zu können. In skandinavischen Ländern gehen nicht wenige Grünröcke damit sogar auf Elch- oder Bärenjagd.

 

 

Die 101 an sich ist ein klassischer Repetierer ohne viel Schnickschnack. Einzig der Holzschaft wird einer Laserbehandlung unterzogen, damit die dunkle Maserung zur Geltung kommt: gutes Aussehen für wenig Geld, was abermals für das beschriebene Einsatzgebiet spricht. Die 101 hat eine klassische Zweistellungssicherung, auch wenn diese optisch einer Handspannung nachempfunden ist. Das Einsteckmagazin fasst sogar fünf Patronen, was eine für heutige Standardwaffen ungewöhnlich hohe Kapazität ist. Der Lauf kann natürlich auch mit Mündungsgewinde bestellt werden. Damit ist die Waffe schalldämpfertauglich, falls einmal der Tag kommt, an dem der Gesundheitsschutz der Berufsjäger, dem von Freizeitjägern gleichzusetzen ist. Der Ladenrichtpreis liegt bei € 2.148,-. Das verwendete Zielfernrohr ist ebenfalls ein preiswerter Allrounder, doch nicht mehr erhältlich, weil es durch das V6 abgelöst worden ist. Das Zeiss Conquest 3 – 12 x 50 hat ein Leuchtabsehen und deckt die typischen jagdlichen Einsatzgebiete vom Zoombereich her völlig ab. Auch der Einsatz bis in die tiefe Dämmerung hinein ist damit noch gut möglich.

 

Ing. Andrea Pirker 


Praxiswissen für Revierbetreuer

 

Im Niederwildrevier beginnt die Ernte

 

Deutlich besser als beim Niederwild sieht die Besatzsituation noch bei den Stockenten aus, sie ist in vielen Revieren mit einem entsprechenden Anteil an Wasserflächen eine jagdlich lohnende Wildart. Wohl in den meisten Revieren werden die Breitschnäbel auf dem Abendstrich bejagt, wenn sie mit einsetzender Dämmerung zu ihren Äsungsplätzen streichen. 

Eine gute Stunde vor Dunkelheit muss der Jäger gut getarnt in einem Versteck – natürlich unter Berücksichtigung des notwendigen Sicht- und Schussfeldes – vor Ort sein, denn die Ente äugt ungemein gut. Gepflegte Entenreviere haben nicht selten an den Stellen, die sich Jahr für Jahr bewährt haben, feste Entenstände. Einfache Schirme aus Schilf, Brettern oder Tarnstoff mit einem Sitzbrett werden in die vorhandene Deckung nahe den Flugschneisen gebaut. Sie sind gerade so hoch, dass der Jäger im Sitzen volle Deckung hat und im Stehen bequem oben hinaus mitschwingen und schießen kann. 

Die ersten einzeln einfallenden Enten, die so genannten Spione, sollten wir nicht beschießen, denn sie dienen uns als Lockenten und ziehen nicht selten im Schlepp meist andere Schofe nach. Um ein deutlich besseres Treffen zu gewährleisten, lassen wir die Schofe einfallen, scheuchen sie auf und beschießen sie beim Auffliegen. Der Erfolg ist weit größer und die Quote angeschossener Enten ist nur gering, da sie auf eine in der Dämmerung passende Entfernung beschossen werden. Der größte Fehler bei der niederen Jagd allgemein und beim abendlichen Entenstrich im Besonderen ist das viel zu weite Schießen mit Schrot!

An übersichtlichen Wasserflächen oder Überschwemmungsgebieten kann der Jäger mit der Lockjagd überaus erfolgreich weidwerken. Neben dem Entenlocker und guten Tarnständen kommen nun Gruppen mit ausgelegten künstlichen Lockenten zum Einsatz. Vorbeistreichende Enten fallen nicht selten ohne langes Kreisen spontan bei den Lockbildern ein und werden so zur ersehnten Jagdbeute. Wie bei anderen Lockbildern auch begünstigt erst eine gewisse Anzahl an Lockattrappen die Wirkung auf die Ente.

 Für den Einzeljäger oder in kleinen Trupps kann die Suche mit dem Vorstehhund an kleinen Bächen eine herrliche Jagdart auf die Breitschnäbel sein. Wer an seinen Bächen und Gräben im Revier die von den Enten bevorzugten Aufenthaltsorte genau kennt, sucht nicht am Wasser entlang, sondern geht diese Stellen von der Landseite her im rechten Winkel an und bringt die Enten auf kurze Distanz zum Aufstehen. Manchmal streichen die Enten recht flach ab. Deshalb muss der Jäger stets das Hinterland sorgsam im Auge haben und nicht zu grobe Schrote nehmen.

 

  

 

Wenn sie gekonnt vorbereitet und straff organisiert werden, sind die tagsüber durchgeführten Ententreiben an größeren, mit breitem Schilfsaum bewachsenen Teichanlagen für alle Teilnehmer sehr erfreulich. Klappt das rasche und vor allem lautlose und gedeckte Einnehmen der Stände durch die Schützen, ist schon der halbe Erfolg gesichert. Die andere Hälfte hängt maßgeblich an der Beschaffenheit des Weihers und der Art, gekonnt zu treiben.

Wer mit viel Krach und noch mehr Hunden von allen Seiten die Enten bedrängt, riskiert, dass sie sich alle auf einmal aufmachen und nach einer großen, lauten Salve und wenig Beute das Treiben leer ist oder sich die Enten gar über der freien Wasserfläche hochschrauben und für alle Flinten unerreichbar entschwinden. Wer viel Deckung in Form von Schilf, bewachsenen Inseln oder Rohrkolben im Wasser seiner Teiche hat, wer erst mit ein wenig Klatschen und einem oder zwei Hunden arbeitet, bringt die ersten Schofe vor die Flinten, während sich die anderen Enten in die Deckung schieben. Oft kreisen die beschossenen Schofe oder kehren sogar zurück und können mehrmals beschossen werden, während die stöbernden Hunde weitere Breitschnäbel locker machen. So kann nicht nur viel erfolgreicher Strecke gemacht werden, sondern das ganze Treiben oft eine halbe Stunde oder länger andauern!

 

Legen wir so ein Treiben gar auf den späteren Nachmittag, bietet sich förmlich an, dass die Stände für den anschließenden Abendeinfall besetzt bleiben können.

 


Im Revier 

Jetzt ist Hirschmond!

 

Der September heißt im Hochwildrevier Hirschmond. Je nach Region ist ab Mitte des Monats Brunftzeit beim Rotwild. Die Jagd gilt in diesen wichtigen Tagen den Hirschen. Alte Hirsche, meist die ersten aktiven, treffen auf ihren traditionellen Brunftplätzen ein.

Das Angehen des meldenden Hirsches, egal ob mit oder ohne Hirschruf, ist für den Hochwildjäger die Krone der Jagd. Dazu sind viel Erfahrung und handwerkliches Können, aber auch Mut und Entschlusskraft vonnöten. Gerade weil es manchmal dabei sehr schnell gehen muss, schwebt stets die Gefahr des Fehlabschusses mit. Obwohl oder gerade weil der Hirsch sich vornehmlich auf das brunftige Stück konzentriert und damit abgelenkt scheint, muss der angehende Jäger höllisch auf das Kahlwild achten, sonst ist der Genuss von ungestörten Brunftszenen aus unmittelbarer Nähe bald vorbei!

Die Jagd auf den Brunfthirsch ist meist in der Kombination aus Ansitz und Pirsch zu sehen. Oft sitzt der Jäger erst an, um Hirsche zu verhören. Meldet ein Hirsch verlässlich, versucht man, ihn anzugehen, wenn Licht, Wind und Örtlichkeit es zulassen. Günstig dafür ist der frühe Morgen. Der Jäger gerät so nicht unter Zeitdruck, denn die Lichtverhältnisse werden zunehmend besser. Die örtlichen Gegebenheiten und das Verhalten des Rotwildes entscheiden, ob wir bereits im Dunkeln oder beim ersten Büchsenlicht den Hirsch verhören. Störungen des Rotwildes lassen sich bei Licht besser vermeiden.

Meldet ein Hirsch anhaltend, pirschen wir rasch, aber lautlos, immer ein Auge auf das Kahlwild gerichtet, so weit heran, dass wir ihn ansprechen können. Bei einem suchenden und dabei flott ziehenden Hirsch ist es jedoch hoffnungslos, Schritt halten zu wollen. Sein Tempo ist für den Jäger zu hoch. Zieht der schreiende Hirsch jedoch langsam mit Kahlwild dem Einstand entgegen, schneidet der erfahrene Jäger dem Wild den Weg ab und passt es an einer übersichtlichen Stelle ab. Das sind aufregende und lange Minuten, denn vertrautes Wild lässt sich oft beim Aufsuchen des Tageseinstandes viel Zeit. Verstummt der Hirsch gar, braucht der Jäger nun Geduld und ein bisschen Glück.

 

Weitaus bessere Chancen, den Hirsch zu strecken, haben Jäger, die in den verschiedenen Situationen der Brunft den Einsatz des Hirschrufes verstehen. Dazu allerdings bedarf es sehr feiner Beobachtungsgabe, reichlich Erfahrung und fleißiger Übung, um den Ruf erfolgreich handhaben zu können. Denn nur wer weiß, in welcher Stimmung sich der meldende Hirsch befindet, wird ihm richtig antworten oder eine entsprechende Stimmung und Reaktion bei ihm auslösen können. Die richtige Handhabung des Hirschrufes muss unter Anleitung eines versierten Rufjägers im Revier erlernt werden.

 

 
Im Schreiduell mit dem Hirsch

 

In der Praxis des Hirschrufens sind drei Situationen gängig:

 

1. Mit dem Ruf sollen andere bisher noch stumme Hirsche animiert werden zu antworten, um so dem Jäger ihren Standort zu verraten.

 

2. Mit dem Ruf eines beim Kahlwild stehenden Hirsches soll ein suchender Hirsch zum Zustehen gebracht werden. 

 

3. Einen Hirsch, der bereits beim Kahlwild steht, kann der Jäger nur schwer zum Zustehen „überreden“. Ihn muss man angehen und unter Zuhilfenahme des Hirschrufes ahmt man einen sich langsam dem Brunftrudel nähernden Hirsch nach. Wichtig ist dabei, einen in der Stimme geringeren Gegner zu imitieren. Auf Büchsenschussdistanz suchen wir uns jetzt einen übersichtlichen Platz, der trotzdem Deckung und Tarnung bietet. In der Kombination aus Sprengruf und Mahnen des getriebenen Alttieres wird es jetzt meist ernst. Hilft auch das noch nicht, schlagen wir in der Deckung mit einem Knüppel in Strauch und Geäst, eben wie der Hirsch selbst. Oft hält der Hirsch nun im flotten Troll mit einschüchterndem Imponiergehabe direkt auf uns zu! Manchmal schleicht er aber auch unscheinbar heran, dass wir nur das Anstreichen seiner Stangen an den tief herabhängenden Ästen hören. Spätestens jetzt muss eine Entscheidung fallen …

 


Der Tierarzt im ANBLICK

 

Den Blick fürs Normale schulen

Nur wenn der Jäger bzw. die kundige Person über ausreichende Erfahrung zum Normalbefund von Organen bei den unterschiedlichen Wildarten verfügt, können Auffälligkeiten erkannt werden. Univ.-Doz. Dr. Armin Deutz beschreibt am Beispiel einer Schmalgeiß diese Normalbefunde näher.

 

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Waffe, Schuss & Optik 

 

Das Z8i im Jagdeinsatz

Lange Zeit war es für die jagdoptischen Hersteller schon eine Herausforderung, hochwertige Zielfernrohre mit drei- oder vierfachem Zoomfaktor herzustellen. Was Swarovski vor gut zehn Jahren mit dem Sechsfachzoom im Z6 gelungen ist, ist fast einer Revolution gleichgekommen. Bis dahin wäre es nicht denkbar gewesen, so etwas zu realisieren. Entsprechend gut ist dieses Zielfernrohr am Markt aufgenommen worden. Auf diese Erfahrungen aufbauend, war es zum Z8 im Verhältnis ein logischer Schritt. Ziel der Entwicklung war es, ein klassisches Jagdzielfernrohr (mit 30 mm Mittelrohr) zu bauen und dabei den maximal möglichen Zoomfaktor mit bester Optik zu bekommen. Das Ergebnis heißt: Z8, bestätigt auch Florian Kreißl, der als Produktmanager bei Swarovski maßgeblich an der Weichenstellung der letzten Jahre mitgewirkt hat und nun Vertriebsleiter für Österreich ist: „Das große Cockpit hatten wir schon und auch die anderen Komponenten sind stark an den Aufbau des Z6 angelehnt. Die Optik musste aber natürlich völlig neu berechnet werden, um das Achtfachzoom im 30er-Mittelrohr unterbringen zu können.“

 

Herausgekommen ist nun jedoch mehr als ein verbessertes Z6. Das Z8 gibt es nämlich als Drückjagdglas, mit 42er, 50er und 56er Objektiv. Die nutzbare Vergrößerung geht – modellübergreifend – von einfach bis 18-fach. Da sich der Zoom-Bereich bei den vier Modellen teilweise sehr stark überschneidet, geht es in der Praxis darum, welchen Objektivdurchmesser man bevorzugt und welches Modell sich daraus ergibt. Je größer nämlich der Objektivdurchmesser ist, umso größer ist die Austrittspupille und umso höher der Beobachtungskomfort. 

 

 

 

Vergleicht man nun ein Z6i 2 – 12 x 50 mit dem Z8i 2 – 16 x 50, fällt auf, dass das Sehfeld bei gleicher Vergrößerung ident ist. Bei zweifacher Vergrößerung ergeben sich hier 21 Meter auf 100 Meter, womit sowohl das Z6 als auch das Z8 zumindest eingeschränkt drückjagdtauglich ist. Auch bei höherer Vergrößerung bleibt das Verhältnis gleich, nur bei der 16-fachen Vergrößerung des Z8 ist diese naturgemäß geringer als bei der höchsten Vergrößerung im Z6.

Etwas anders sieht es bei der Dämmerungstauglichkeit aus, da der Lichteinfall immer mit dem wirksamen und nicht dem maximalen Objektivdurchmesser korrespondiert. Deshalb nimmt die Dämmerungsleistung beim Z8 nach oben hin relativ stärker ab als beim Z6. Swarovski kompensiert das mit anderen Neuerungen, z. B. verfügen die Z8-Gläser über eine etwas höhere Transmissionsleistung, wie auch die gesamte Optikrechnung auf eine noch bessere Abbildungsleistung hin optimiert wurde. Das macht sich neben der Bildqualität gerade im Anschlag bemerkbar, da die Austrittspupille auf einen merklich verbesserten Sehkomfort (größere Strahlenbündel am Rand) optimiert worden ist.

Auf die Frage, ob in Kürze mit einem Z10 oder Z12 zu rechnen ist, meint Florian Kreißl: „Aus heutiger Sicht ist das Z8 das absolut Mögliche, was optisch in einer klassischen Zielfernrohrsilhouette (30 mm Mittelrohr) verbaut werden kann.“

 

Was beim Jagdeinsatz klar für das Z8 mit bis zu 16-facher Vergrößerung spricht, ist, dass man sich beim Ansprechen beinahe schon das Spektiv erspart. Auf jeden Fall sieht man in der hochvergrößernden Zieloptik bedeutend mehr als beim Pirschglas, das meist im einstelligen Vergrößererungsbereich angesiedelt ist. 

 

 

Ein weiterer Vorteil für viele Jäger ist, dass man zu den Z8-Modellen jederzeit einen Ballistikturm dazukaufen kann, der mit einem Klickverschluss werkzeuglos montiert und wieder abgenommen werden kann. Außerdem passt dieser Turm sowohl für die Höhen- als auch für die Seitenverstellung. 

Die Mehrleistung des Z8 hat aber auch ihren Preis. Momentan liegt das vergleichbare Modell rund 25 % über dem Preis des Z6. Beim Z8i 2 – 16 x 50 P L sind das aktuell € 2.830,-. Für jeden Ballistikturm schlagen weitere € 253,- zu Buche.

Stefan Maurer

 


Im Revier

 

Die Gams in der Höll

 

Beim Höllgraben handelt es sich eher um ein himmlisches Refugium für Fauna und Flora als um eine finstere, furchterregende Hölle. Besonders das Gamswild schätzt die Kühle in diesem unzugänglichen Schluchtwald unweit von Stainz in der Weststeiermark.
Oberförster Helmut Fladenhofer führt uns durch das Naturjuwel am Fuße des Reinischkogels.

 

Gesamter Artikel als Download:

 


Unser Wild im August

 

Immer dem Windfang nach

 

Der Geruchssinn ist nicht nur für Reh und Hirsch, sondern für viele Wildarten der wichtigste Sinn überhaupt. Grund genug für Wildbiologe Hubert Zeiler, ein wenig auf Duftquellen und ihre Bedeutung einzugehen.


Mehr als 10.000 verschiedene Düfte kann der Mensch wahrnehmen. So schlecht riechen also auch wir nicht. Düfte wecken Erinnerungen, machen Appetit, rufen Ekel hervor, sogar unsere Partnerwahl wird von Düften beeinflusst. Die meisten Duftmoleküle, die in der Luft herumschwirren, sind allerdings gar nicht für unsere Nasen gedacht. Gerüche und Düfte sind die ursprünglichste Form der Kommunikation. Für Tiere sind sie überlebenswichtig. Sie sind notwendig, um Nahrung zu finden, Feinde zu erkennen, Rudelmitglieder zu alarmieren, um Reviere zu markieren oder Partner anzulocken – womit nur ein kleiner Ausschnitt aus dem gesamten Bedeutungsspektrum umrissen ist. Für viele Wildtiere sind Duftmarken so etwas wie für uns Visitenkarten. Das heißt, wenn ein Fuchs oder ein Rehbock sein Revier markiert, dann steht da nicht einfach „Reh“ oder „Fuchs“, sondern hier war der eine ganz bestimmte Rehbock oder Fuchs mit seinem ganz unverkennbaren individuellen Geruch! Der Jahrling muss dem alten Gabler von der Brunnenwiese also gar nicht begegnen – allein eine Plätz- oder Fegestelle, ein Zweig, wo Sekret aus den Drüsen der Stirn oder vom vorderen Augenrand abgestreift wurde, reicht, um zu wissen: „Der alte Grantscherm war da – bis hierher und besser nicht weiter.
Das Reh besitzt eine ganze Reihe von Duft- und Talgdrüsen. Sie befinden sich im Bereich der Stirn, an den vorderen Augenrändern, im Bast der Böcke oder im Bereich des Spiegels. An den Außenseiten der Hinterläufe gibt es die deutlich erkennbare Tarsaldrüse, auch Kastanie oder Laufbürste genannt, zwischen den Zehen der Hinterläufe sitzt das „Interdigitalorgan“, die Zwischenklauendrüse.
Wenn Rehböcke im Frühjahr und Sommer fegen, so geht es dabei keineswegs darum, das Krickel zu verfegen oder einzufärben – das ist in kurzer Zeit geschehen –, sondern sie setzen damit durch Reiben der Stirnlocken Duftsignale in ihrem Territorium. Bevorzugt werden dabei Bäume oder Sträucher, die im Revier des Rehbockes eher selten sind.

 

Durch Reiben der Stirnlocken setzen Rehböcke in ihren Territorien Duftsignale ab. Es geht also nicht immer nur ums Fegen und das muss auch nicht zwangsläufig an einem Strauch oder Bäumchen geschehen.

 


Praxiswissen für Revierbetreuer

Dachse im Sommermond

 

 

Wer den Dachs bejagen will, kann zwischen mehreren praktikablen Varianten wählen. Die wohl landläufig gebräuchlichste Methode der Dachsjagd ist der Ansitz am Bau, Pass oder an den Flächen, wo er seinen Fraß sucht. Wenn auch zeitlich aufwendig, gelingt der Ansitz in den frühen Morgenstunden auf den heimkehrenden Dachs oder am Abendansitz auf den aus dem Bau ausfahrenden Dachs. Bis in den Spätherbst hinein verlässt der Dachs nämlich seine angestammte Burg allabendlich. Geschieht das im August noch bei ausreichenden Lichtverhältnissen, nutzen wir später das Mondlicht, um ihn mit gutem Wind leicht erlegen zu können. Die dafür eigens aufgestellten Leitern oder Sitze stehen dabei jedoch nie den Hauptröhren gegenüber, sondern immer hinter oder in Hanglagen über diesen, damit der ausschliefende Dachs den Jäger nicht bemerken kann. Rechtzeitig im Sommer können wir störende Sträucher oder Brennnesseln am Bau entfernen, um ein besseres Schussfeld zu haben. Was den Fuchs stören würde, veranlasst den unempfindlicheren Dachs noch lange nicht, seinen Bau deswegen zu verlassen. Geschossen wird grundsätzlich erst, wenn sich der Dachs mindestens 20 Schritte von der letzten Röhre entfernt hat. Den am frühen Morgen auf den Bau zulaufenden Dachs sollte der Jäger dagegen rechtzeitig beschießen und nicht zu dicht an den Bau heranlaufen lassen, da sonst für einen eventuell notwendig werdenden Nachschuss kaum Zeit und Platz bleiben. 3,5-mm- oder 4-mm-Schrote sind optimal, wenn die Garbe gut deckt und nicht weiter als 30 m geschossen wird. So bannt ihn der Schuss in der Regel an den Platz. Aber auch der Schuss mit der kleinen Kugel von .22 Hornet bis zur .243 Win. ist zielführend, wenn der Dachs dabei im Verhoffen erlegt wird. Fährt der Dachs aufgrund eines schlechten Treffers einmal ein, muss allerdings mühsam gegraben werden. In Felsenbauen, die der Dachs gerne annimmt, ist er dann jedoch leider verloren.

 


Der Tierarzt im ANBLICK

 

Afrikanische Schweinepest knapp vor Österreich

Knapp vor der österreichischen Grenze gibt es akute Fälle der Afrikanischen Schweinepest beim Schwarzwild. Diese Seuche rafft bis zu 90 % der Bestände dahin und hält sich hartnäckig über Jahrzehnte in einem Gebiet. Welche Auswirkungen sie auf Sauenbestände und die Jagdausübung haben wird, analysiert Tierarzt Univ.-Doz. Dr. Armin Deutz.


Am 27. Juni wurden die österreichischen Veterinärbehörden von den tschechischen darüber informiert, dass in Zlin (80 Kilometer von Österreich entfernt) bei zwei Wildschweinen Afrikanische Schweinepest (ASP) festgestellt wurde, am 19. Juli waren es bereits 51 Fälle. Aufgrund dieser Meldungen ist davon auszugehen, dass die ASP in der tschechischen Wildschweinpopulation zumindest in Südböhmen verbreitet ist. 

Obwohl sich der klinische Verlauf der Klassischen (KSP) und der Afrikanischen Schweinepest (ASP) stark ähneln bis gleichen, werden diese beiden hochansteckenden Schweineseuchen durch zwei völlig unterschiedliche Viren verursacht. Die ASP verläuft meist noch dramatischer und verlustreicher, mit einer bis über 90-prozentigen Letalitätsrate unter den Infizierten. Für eine Infektion reicht ein einmaliger Kontakt mit ausscheidenden (Wild-)Schweinen bzw. virushaltigem Material. Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Infektion bis zum Auftreten der ersten Symptome, beträgt 3 bis 19 Tage. Beim Schwarzwild sind am lebenden Tier eine verringerte Fluchtbereitschaft, Bewegungsunlust und Orientierungslosigkeit, Mattigkeit, Durchfall (häufig blutig) oder auch Suhlen zu unerwarteten Tageszeiten (wegen Fieber von 40,5° C bis 42° C) zu beobachten.

Beim perakuten Verlauf verenden Tiere sehr rasch ohne vorherige Anzeichen, beim akuten Krankheitsverlauf tritt der Tod nach 6 bis 13 Tagen ein. Gegen die ASP gibt es keinen Impfstoff. Auf den Menschen ist Schweinepest nicht übertragbar.

Das ASP-Virus ist äußerst widerstandsfähig. So bleibt es beispielsweise in der Losung rund drei Monate, in verwesendem Blut 15 Wochen, in Knochenmark sechs Monate, in Fleisch oder Schinken rund fünf Monate (in Parmaschinken bis 400 Tage!) infektiös! Über Rohprodukte vom Schwein/Wildschwein ist die ASP innerhalb kürzester Zeit über Hunderte Kilometer übertragbar, sofern Reste dieser Speisen unachtsam entsorgt oder gar an Schweine verfüttert werden.

 

Es gilt unbedingt zu vermeiden, Aufbrüche von Schwarzwild im Wald zu belassen oder sie auf Luderplätzen zu deponieren. Auch auf das Mitbringen von erlegten Wildschweinen von Jagdreisen aus den umliegenden Nachbarländern ist vorübergehend zu verzichten. 

 

Weitere aktuelle Informationen finden Sie auf der Homepage der AGES und des BMGF

 

 


Vorbereitung auf die Blattjagd

 

Mein Weg zum Bock

 

Die Blattjagd stellt für viele Jäger den Höhepunkt im Jagdjahr dar. Mit Sehnsucht warten sie darauf, endlich auf den alten Recken weidwerken zu dürfen. Ganz so einfach ist das aber nicht, denn die Blattjagd bedarf persönlicher Vorbereitung und verspricht nicht nur Beute, sie ist auch ein Naturschauspiel der besonderen Art. Denn in keiner Zeit im Jahr gelingt es dem Jäger in ähnlicher Weise, mit dem Wildtier Zwiesprache zu halten. Zu fünf wesentlichen Fragen der erfolgreichen Rufjagd auf den Rehbock geben sechs Jagdpraktiker ihre Erfahrungen preis.

 

Heinrich Rappold ist Förster und Jagdverantwortlicher in einem steirischen Gebirgsrevier, testet gewissenhaft und gerne neue Jagdwaffen und verfügt berufsbedingt über viel Jagderfahrung. 
Bruno Hespeler ist einer der profundesten Rehwildkenner im deutschsprachigen Raum, den man eigentlich nicht weiter vorstellen muss: gelernter Beufsjäger, Autor, Vortragender, Fachjournalist und vor allem g’standener Jäger. 
Helmut Fladenhofer ist der Mann am Rosenkogel, der den Auerhahnen auf die Schwingen hilft und dem Rehwild auf die Sprünge. Traditionsreich ist sein Revier, traditionell die dort ausgeübte alpenländische Jagd.

 

Matthias Meyer ist Wildmeister in einem Bilderbuchrevier in Bayern, in dem das Rehwild enormen Stellenwert genießt.
Er publiziert in mehreren Zeitschriften in Wort und Bild – ein Jagdpraktiker und Mann der Tat.
Sigi Erker, der „Jagdprofessor“ aus der Weststeiermark, zählt zu den erfolgreichsten Fachbuchautoren der Gegenwart.
Sein Metier ist alles, was mit Lockjagd zu tun hat, egal ob Sau, Hirsch oder ganz speziell das Reh.
Bartel Klein, promovierter Forstakademiker, der in den alten und neuen Bundesländern Deutschlands beruflich Fuß gefasst hat. Als Forstler hat er es mit Bäumen gleichermaßen wie mit Rehen und blattet mit dem Buchenblatt.

 

Im Einstand oder am Rand blatten?

 

Heinrich Rappold: Wenn man sein Revier gut kennt, weiß man über die mit reifen Böcken besetzten Territorien einigermaßen Bescheid. Überraschungen sind das Schöne an der Blattzeit, weil am Ende der Brunft die strenge Territorialität nachlässt und suchende, oft unbekannte Böcke von weither zustehen. Außerdem sind uns in Waldrevieren bei Weitem nicht alle Geweihträger bekannt. Grundsätzlich kann man dort blatten, wo es Rehe gibt, die Annäherung störungsfrei (inkl. passenden Windes) gelingt, Deckung und genügend Schussfeld vorhanden sind!

Bruno Hespeler: Außer Steuer bezahlen und sterben müssen wir gar nichts, aber es ist naheliegend, zum Blatten die Nähe eines Bockes zu suchen. Da die Territorialität jedoch bereits am Erlöschen ist und Böcke durchaus auch aktiv suchen, haben wir gelegentlich auch „abseits“ Erfolge. 

Helmut Fladenhofer: Wir fühlen dem Bock auf den Zahn und gehen auf alle Fälle dort blatten, wo wir seinen Einstand kennen oder vermuten.

Matthias Meyer: Grundsätzlich leben Rehböcke in festen Territorien. Je höher die Wilddichte und die Deckung im Einstand, umso kleiner sind die Rehbockreviere. Wer also einen bestimmten bestätigten Bock erlegen will, muss deshalb so nah wie machbar an das Zentrum seines Einstands heran! Besonders der alte Rehbock wird sich nie über eine größere Distanz aus seinem dichten Einstand herausblatten lassen. Nur wer exakt im Vorfeld, beispielsweise über Wildkameras, das Revierzentrum des Bockes erkundet hat, wird hier Erfolg haben. Sicherlich lassen sich Rehböcke auch über große Entfernungen herbeipfeifen. Mein weitester sprang – auf Sicht angeblattet – aus über 800 Metern in rasanten Sprüngen herbei. Doch sind das keine territorialen Böcke, sondern die revierlosen, meist jungen Streuner, immer auf der Suche nach einer günstigen Gelegenheit.

Sigi Erker: Ich blatte sehr oft in großen, jagdlich unberührten Gebieten, die ich vorher nicht kenne. Damit man auch hier Erfolg hat, hält man Ausschau nach frischen Plätz- oder Fegestellen bzw. Hexenringen und sucht sich in der Nähe Deckung hinter einem dicken Baum, Wurzelkörper oder Stein. Diese Blattplatzstellen sollten jedoch im Schatten sein, mit einer Aussicht von gut 50 Metern unter Berücksichtigung der Windrichtung. 

Bartel Klein: Der Bock ist zur Brunft meist dort springbereit anzutreffen, wo er entweder abgebrunftet im nahen Umfeld der letzten Paarung sich regeneriert, oder dort, wo er darauf wartet, dass sich eine Geiß anschickt, brunftig zu werden. Auch streunt er nicht selten auf der Suche nach einem noch brunftigen Stück in der Gegend herum. Deshalb ist man nicht selten verwundert, ihn dort nicht anzutreffen, wo man ihn vor der Brunft regelmäßig gesehen hat. Dann heißt es, ihn im weiteren Umfeld zu suchen. Da kommt es schon mal vor, mehrere Plätze abblatten zu müssen, um seiner habhaft zu werden.

 

Ausserdem beantworgen die Experten in unserer aktuellen Juli-Ausgabe noch folgende Fragen: 
Wie kündigt sich der optimale Zeitpunkt an?
Tageszeit, Wetter und Mond?
Hochstand oder vom Boden aus?
Mit welchem Instrument blatten?

 


Praxiswissen für Revierbetreuer

 

Effiziente Ablenkung mit Wild- und Wühlacker

 

Schwarzwild macht vor allem im Feld Probleme. Deshalb muss es das Ziel von Landwirt und Jäger sein, dass es auch während der Vegetationszeit nach Möglichkeit im Wald bleibt. Hier kann der Jäger durch die Anlage von Wild- und Wühläckern etwas nachhelfen.

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Unser Wild im Juli 

Waldläufer und Poltergeister

 

Im Juli wenden sich die Gedanken der meisten Jäger sicher der bevorstehenden Rehbrunft zu. Das Reh ist aber nicht die einzige Wildart, deren Fortpflanzungszeit mitten in den Sommer fällt. Wer jetzt im Wald dem roten Bock nachstellt, der kann da und dort auch auf eine „wilde Jagd“ treffen: Die Ranz der Edelmarder ist oft mit recht ungestümen Verfolgungsjagden verbunden und sie ist begleitet von Lauten, die im ersten Eindruck für manchen schwer zuordenbar sind. 

Wer an Edelmarder denkt, der hat Waldbilder im Kopf – „Goldkehlchen“ ist in unseren Breiten ein typisches Waldtier. Das stimmt auch, vor allem wenn man die ausgedehnten Vorkommen in den skandinavischen und sibirischen Waldgebieten vor Augen hat. Ein Blick auf die Verbreitungskarte zeigt aber, dass Edelmarder ganz gut mit unterschiedlichsten Bedingungen zurechtkommen. Wer je die Lebensräume von Edelmardern in Irland, Sizilien oder Korsika und Sardinien gesehen hat, der erhält ein anderes Bild. Hier kommt diese Art in eher waldarmen, bestenfalls mit Sträuchern und Büschen bewachsenen Landstrichen vor. Weiter nach Südosten besiedeln Edelmarder über die Türkei und den Kaukasus hinaus ganz unterschiedliche Lebensräume bis in den Iran und den Irak. Mit ein Grund dafür dürfte die fehlende Konkurrenz durch den Steinmarder sein. 

Steinmarder und Edelmarder sind zwei Wildarten, die nahe miteinander verwandt sind und die gerade in Mitteleuropa eng nebeneinander leben. Die Verbreitungsgebiete bei uns überlagern sich. Wenn aber zwei sehr ähnliche, nahe verwandte Arten nebeneinander vorkommen, dann müssen sie unterschiedliche Nischen besetzen ...

Mehr dazu verrät Dr. Hubert Zeiler in unserer aktuellen Juli-Ausgabe. – Kostenloses Probeheft anfordern


Waffe, Schuss & Optik

 

Intuitives Schießen mit Aimpoint

Eine Bewegungsjagd auf Sauen oder Rotwild stellt immer eine Herausforderung für den Schützen dar. Klassische Zielfernrohre haben in der Stresssituation den Nachteil, dass das Anschlagen der Waffe fehlerfrei funktionieren muss, damit der Augenabstand zum Okular stimmt, und das Auge in den Bereich der Austrittspupille gebracht werden muss. Ein Vorteil von Rotpunktvisieren liegt nun darin, nicht unbedingt koaxial visieren zu müssen, weil es keine Austrittspupille gibt. Wie die Handhabung mit den Aimpoint-Visieren in der Praxis richtig erfolgt, zeigte der schwedische Schießausbilder Erik Ås bei einer Produktschulung am Schießstand Wr. Neustadt. 

 

Bei flüchtendem Wild wird der Kontakt von hinten her aufgenommen und man schwingt nach vorne. Es ist notwendig, das Ziel „zu überholen“, um es dann zur Strecke bringen zu können. Beim „Überholen“ mit dem Rotpunkt muss man je nach Entfernung und Geschwindigkeit des Wildtieres, ein Vorhaltemaß miteinkalkulieren. Beim stehenden Stück kann man im Anschlag entweder durch Muskelkraft oder durch Einatmen den Lauf nach oben bringen und an der richtigen Stelle positionieren. Das Einatmen kann man sich zunutze machen, denn der Brustkorb dehnt sich bekanntlich aus und dadurch hebt sich der Lauf sowie der Rotpunkt um ein paar Zentimeter. Man fährt also von unten nach oben nahe an den tödlichen Bereich des stehenden Stückes, atmet dann ein und lässt den Schuss ins Leben des Stückes intuitiv frei. 


Jagd heute 

 

Die Zukunft gehört dem "Hoffnungsjäger"

„Den“ Jäger gibt es nicht, das weiß man schon lange. Wir alle unterscheiden uns durch unseren persönlichen Zugang zur Jagd. Prof. Dr. Werner Beutelmeyer hat die Jäger nun auf den Prüfstand gestellt und eine Typologie der Jäger entworfen. Sein Mix ist bunt und reicht vom Fleischjäger bis zum Hoffnungsjäger der Zukunft, der selbst von Nichtjägern besondere Wertschätzung erfährt.

 

Beginnen wir mit Typ 1 dem „Jagdhandwerker“. Für den ist Jagd die primäre Lebensaufgabe und Quell eines tiefen Naturerlebnisses. Er ist tief verwurzelt in der Jagd, im Wildlebensraum und bezeichnend ist das Führen eines fermen Jagdhundes. Er versteht sein Handwerk. Er schätzt Wild sehr und freut sich über die Trophäe. Sie ist aber nicht das Wichtigste. Dieser Jägertyp nimmt zahlenmäßig ab, weil es einen massiven Verlust an handwerklichen Fertigkeiten gibt. 

Typ 2 ist der vernetzte „Effizienzjäger“. Er hat Zeit und Jagd unter einen Hut zu bringen und tut sich zunehmend schwer dabei. Alles, was Effizienz steigert, ist für diesen Jäger jagdlich erlaubt. Das ist einerseits moderne Technologie vom Nachtzielgerät bis zur Weitschussballistik, aber letztlich gehört auch die Kirrung dazu. Dieser Jäger ist darüber hinaus sehr vernetzt und die Jagd ist ihm auch ein wichtiges Netzwerk-instrument. Dieser Jägertyp wird zahlenmäßig mehr. Wild ist ihm wichtig. Trophäe ist nur mittelmäßig bedeutsam.

Typ 3 ist ziemlich neu in unserer modernen Gesellschaft – das ist der „Fleischjäger“. Der Fleischjäger bedeutet gleichzeitig auch eine Rückbesinnung auf ursprüngliche jagdliche Werte. Der moderne Fleischjäger ist misstrauischer Konsument und sehr qualitätsorientiert. Wenn ich schon Fleisch esse, möchte ich wissen, woher es stammt. Am besten esse ich nur selbst Erlegtes – so könnte das Credo dieses Jägers zusammengefasst werden. Wild ist sehr wichtig. Die Verarbeitung und Zubereitung des Wildbrets sind ebenfalls sehr wichtig, die Trophäe eher unbedeutend. 

Typ 4 ist der „Pseudojäger“. Handwerklich sehr unsicher, hat er wenig Gelegenheit zur Jagd. Er wird gerne eingeladen, weil er unterhaltsam ist. Wild ist ihm unwichtig, die Trophäe ist unwichtig. Jagliches Liedwerk und das breite Repertoire an Witzen  sind ihm sehr wichtig. Der Pseudojäger ist auch von den jagdlichen Traditionen besonders angetan.

Typ 5 schlussendlich – der „Trophäenjäger“. Es zählen das Trophäengewicht, die CIC-Punkteanzahl, das hohe Alter des erlegten Stückes, das „Abnorme“. Dabei hat dieser Jäger ein gravierendes Dilemma. Je mehr herausragende Trophäen er bereits erlegt hat, desto geringer ist die Befriedigung durch eine zusätzliche Spitzen-Trophäe. Der Grenznutzen sinkt. Die Trophäe steht im Zentrum, das Wild ist völlig unwichtig.

Je nach Jägetyp ergibt sich ein recht unterschiedlicher Zugang zum Wild und zur Wertschätzung des Wildes. Für das Image der Jagd haben der moderne Effizienz- und der Trophäenjäger die fatalste Auswirkung auf den Ruf der Jagd in der Gesellschaft.

Die Zukunft der Jagd liegt im Typ 6 – dem „Hoffnungsjäger“. Er ist der in einer (Jagd-) Gesellschaft voll Integrierte, der nach bestem Wissen am Abschussplan Mitwirkende, der Jäger, der in der Direktvermarktung aktiv ist, bei Schule und Jagd bzw. beim Gemeindeferienprogramm mitarbeitet, beim Adventmarkt am Ortsplatz Reh-ragout verkaufen hilft, selbst viel Wildbret isst und auch seine Nachbarn mitversorgt. Der Jäger, der den permanenten Schnittpunkt zwischen Jagd und Gesellschaft bildet, Jagd verstehbar werden lässt und durch seine Persönlichkeit über die mediale Imagegebung erhaben bleibt.

 


Der Tierarzt im Anblick

 

Reduziert die Aujeszky’sche Krankheit das Schwarzwild?

 

In der einschlägigen Literatur gibt es noch keine Hinweise darauf, wie sich die Aujeszky’sche Krankheit auf die heimischen Schwarzwildbestände auswirkt. Es gibt jedoch erste Ergebnisse aus dem Burgenland. Dr. Armin Deutz und Dr. Charlotte Klement berichten über den vermuteten Einfluss dieser Krankheit auf die Populationsdynamik des Schwarzwildes.

 

Die weltweit verbreitete und durch ein Herpesvirus hervorgerufene Aujeszky’sche Krankheit (Synonyme: AK, Pseudowut, Juckseuche) hat Haus- und Wildschweine als natürliche Hauptwirte und Reservoire. Die Virusübertragung erfolgt sowohl durch Tröpfcheninfektion oder direkten Kontakt (Rausche, Kontakt Frischlinge mit Bache, innerhalb der Rotte usw.) als auch durch Anschneiden von Fallwild oder Kannibalismus. Das Virus bleibt in Speichelrückständen der Schweine an verschiedenen Oberflächen 1 bis 7 Tage infektiös und kann so auf andere Stücke übertragen werden (Kirrungen!). 

Für heimische Verhältnisse ergibt sich ein Übertragungsrisiko der AK auf Hausschweine besonders dann, wenn Schweinehalter zugleich Jäger sind und Wildschweine im Bereich des landwirtschaftlichen Betriebes aufgebrochen werden. 

Österreich gilt bezüglich des Hausschweinebestandes nach einem intensiven Bekämpfungsprogramm seit 1997 als frei von AK. Bei Wildschweinen zeigen zahlreiche Untersuchungen in Europa, dass mit Durchseuchungsraten zwischen wenigen Prozenten bis regional über 50 % zu rechnen ist. So konnten beispielsweise in Italien (Grosetto) bei 51 %, in Kroatien, Spanien und der Tschechischen Republik bei 30 %, in Slowenien bei 26 % oder in Österreich bei 22 % spezifische Antikörper gegen das Virus der Aujeszky’schen Krankheit nachgewiesen werden.

 

Zwischen den Untersuchungen 2011 (17 % positiv) und 2015 (36 % positiv) war eine deutliche Steigerung der Verbreitung der Aujeszky’schen Krankheit im Burgenland festzustellen und zugleich gingen die Schwarzwildstrecken regional sowie auch großräumig zurück, was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nur auf die jagdlichen Entnahmen oder Witterungsfaktoren zurückzuführen ist. Ein weiterer Hinweis sind das vermehrte Auftreten von Räude und Ferkelruß (einer Staphylokokkeninfektion der Schwarte), die mit der immunsuppressiven Wirkung einer Herpesvirus-Infektion wie der AK zusammenhängen können. Damit ist naheliegend, dass im Zusammenhang mit der Zunahme von AK beim Schwarzwild diese Schweineseuche durch massive Ausfälle besonders im Frischlingsalter wesentlich am Rückgang der Schwarzwildbestände und der Halbierung der Schwarzwildstrecken beteiligt war und ist. 


Hund und Herrl

 

Auf künstlicher Schweißfährte

 

Mit der Arbeit an der künstlichen Schweißfährte wird der Hund an die Erfordernisse im Revieralltag herangeführt. Wie schon beim Einarbeiten auf der Schleppe gilt auch hier, den Hund langsam an das Thema heranzuführen und die Schwierigkeitsstufen Schritt für Schritt zu steigern. Das bezieht sich sowohl auf den Untergrund als auch auf die Stehzeit und die Länge. „Wenn man immer nur 300 m lange Fährten spritzt oder immer dieselbe Route nimmt, merkt sich das der Hund genauso wie einen Jagdsteig zum Hochsitz. Den kennt er mit der Zeit auswendig“, weiß Wolfgang Wachter aus Erfahrung.

Den Anschuss simulieren: Schweiß durch die „Flotte Lotte“ drehen, in Behälter füllen und einfrieren. So lässt er sich am besten spritzen. Am Anschuss mit dem Schuh eine Bodenverwundung simulieren. Einige Spritzer Schweiß sowie Schnitthaare oder Wildbretteile markieren den Beginn der Schweißfährte. Dann wird der Anschuss in traditioneller Weise verbrochen.

 

Die Kunstfährte legen: Die Flasche so weit kippen, dass es fortlaufend tropft. An markanten Stellen gibt es zusätzlich Schweiß für das Selbstvertrauen des Nachsuchengespanns. Zum Wiederfinden des Fährtenverlaufes sind solche Bänder empfehlenswert. Als „Stück“ am Ende der Kunstfährte eignen sich ein Haupt, eine Decke oder etwas Ähnliches.

 

 

Das Ausarbeiten: Nach dem Anlegen von Schweißhalsung und -riemen nimmt der Hund am Anschuss Witterung auf. Der Hund arbeitet mit tiefer Nase am Riemen. Der Führer bestimmt die Geschwindigkeit. Am Stück ist die Arbeit zu Ende und der Hund wird belohnt.

 


Jagareien aus Belgien

 

Verrückt  nach Rebhühnern

Dem Rebhuhn geht es auch in Belgien nicht sonderlich gut. Deshalb hat die Hubertusvereinigung Flandern im Vorjahr ein Rebhuhnprojekt initiiert. Der Titel „Verrückt nach Rebhühnern“ klingt vielversprechend. Hier ein kurzer Auszug aus dem Beitrag unseres Belgien-Korrespondenten Marc van Olmen. 

 

Elf Gruppen von Jägern, verteilt über ganz Flandern, krempeln seit dem Vorjahr die Ärmel hoch, um dem Rebhuhn wieder auf die Schwingen zu helfen. Das Project: „Zot van pAtrijs“ bedeutet etwa so viel wie „Verrückt nach dem Rebhuhn“. Es handelt sich hierbei um eine Zusammenarbeit mit Partnern aus Industrie, Landwirtschaft und Jagd, Natur- und dem Landschaftsschutzsektor, denen das Rebhuhn und andere Feldfauna am Herzen liegen. Und man startet hier, solange man noch etwas retten kann. Denn es gibt ja noch wilde Rebhühner, und das Auswildern ist zumindest in diesem Teil Belgiens verboten. Die Jagdstrecke hat sich in den letzten Jahren um die 20.000 Stück bewegt. Im Vergleich dazu waren es in Österreich im Vorjahr gerade einmal noch 3.500 Stück.

 

Eine gute Jagdplanung verlangt, dass Jäger wissen, wie hoch der Besatz an Rebhühnern überhaupt ist. Deshalb überprüfen ab Ende Juli die Revierverantwortlichen ihre Jagdreviere zwei- bis dreimal pro Woche. Auf diese Weise können die Besatzdichten relativ zuverlässig ermittelt werden. Und je höher die Dichte der Rebhühner ist, umso höher ist auch der Prozentsatz der Rebhühner, die bejagt werden können. 

Im Revier

 

Der Reiz des Pirschens

Zu Recht wird die Pirschjagd auch als Krone der Jagd bezeichnet. Sie fordert den Jäger auf körperlicher Ebene genauso wie auf emotionaler, da das Zusammentreffen mit dem Wildtier häufig zu einem unvergesslichen Erlebnis wird – oft für beide Seiten. Denn es ist längst nicht gewiss, dass aus einer zufälligen Begegnung von Jäger und Beute mehr wird als ein flüchtiger Augenblick. Gerade auf Rehe ist die Pirschjagd jetzt im Mai hochaktuell und auch vielversprechend. Die Sicht ist noch relativ gut und nicht zugewachsen, die Rehe stehen gerne an den Wegrändern und sind noch nicht so vorsichtig wie später im Herbst oder Winter. Man muss sich aufs Pirschen so richtig einlassen. Man muss sich in das Wild hineindenken, man muss wie das Wild denken. Was ist hinter der nächsten Kurve des Weges? Was ergibt sich oben auf der kleinen Kuppe? Ganz langsam schiebt man sich zu diesen Punkten und sucht dann die Umgebung ab. Eines der spannendsten Erlebnisse überhaupt ist es, ein Reh auf beispielsweise 300 Meter zu erspähen und dieses dann auf eine gute Schussdistanz anzupirschen. 

 

Und noch zum Schuss beim Pirschen: Man muss viel stärker auf den Kugelfang achten, denn dieser ist vom Boden aus oft nicht gegeben. Selbst im allerhöchsten Jagdfieber muss diese Warnung stets im Hinterkopf sitzen. Kühlen Kopf zu bewahren ist ja generell ein Gebot für jeden Jäger. Beim Pirschen aber geht’s meistens noch etwas schneller zu, oft eben auch intuitiver. Rasche Entscheidung und Entschlusskraft sind gefragt. Die jagdliche Verantwortung ist dabei aber nach wie vor oberste Prämisse. Dies gilt natürlich auch fürs Ansprechen. So gesehen ist Jagen natürlich auch eine Sache des jeweiligen Typs. Herbert Trummler verfasste dazu ein sehr persönlich gehaltenes Statement – ein Plädoyer für die Pirschjagd. Zu finden in unserer aktuellen Maiausgabe.

 


Praxiswissen für Revierbetreuer

 

Zum Aufgang der Rehjagd

Das Rehwild ist nach einer mehrmonatigen Jagdruhe wieder deutlich vertrauter geworden. Für den Jäger bedeutet das, anders als an den kurzen und trüben Herbst- und Wintertagen, die Tiere unter Ausnutzung bester Lichtverhältnisse genau ansprechen zu können. In der Regel ist auch zu Beginn der Jagdzeit die Vegetation noch niedrig und verdeckt keine elementaren Ansprechmerkmale. 

 

Im Hinblick auf eine erfolgreiche Blattzeit und Entzerrung des weiblichen Anteils am Abschussplan helfen wir gerade jetzt beim Geschlechterverhältnis nach. Die zum Teil verfärbten Schmalrehe kann der Jäger leicht von den größtenteils noch hoch beschlagenen Geißen unterscheiden. Um aber ganz sicher zu sein, krümmt sich der Zeigefinger erst nach dem bestätigenden Blick von hinten zwischen die Keulen, ob eine Spinne vorhanden ist.

Vorsicht bei den Schmalgeißen!


Zu dieser Jahreszeit ist es verhältnismäßig einfach, eine Schmalgeiß zweifelsfrei anzusprechen. Aber Achtung: Nicht jede schmale Geiß ist auch eine Schmalgeiß!

 

Bei starken Schmalrehen erfolgt der Frühjahrshaarwechsel in der Regel recht schnell. Der Unterschied zu beschlagenen Geißen ist nun vor der Setzzeit noch deutlich sichtbar.

 

Ein schlankes, voll verfärbtes Stück Mitte Mai. Doch wer genau zwischen die Keulen schaut, sieht die pralle Spinne der führenden jungen Geiß!
Die sicheren Ansprechmerkmale eines Schmalrehs sind nur bei frei stehenden Stücken und gutem Licht sichtbar.

 

Spinne und Ohrmarke weisen dieses Stück eindeutig als zweijährig und führend aus.
Obwohl schon weit verfärbt, deutet das kantige Haupt eher auf ein ausgewachsenes Stück hin.

 


Waffe, Schuss & Optik

 

Büchsenläufe „einfahren“ – Sinn oder Unsinn?

Von Präzisionsschützen werden neue Läufe sorgfältig „eingefahren“. Dieses „Break-in“ soll die Spuren der Herstellung im Laufinneren beseitigen und einiges an Präzision bringen. Doch zahlt sich das auch für den Jäger mit seiner Jagdbüchse aus?

Ein Fachbeitrag von Jäger uns Sportschütze Ralph Schober.

 

Das als „Break-in“ bezeichnete Verfahren hat den Sinn, feinste Splitter des Laufmaterials, welche sich beim spanabhebenden Laufziehen bilden, möglichst schon vor den ersten Schüssen aus dem Lauf zu entfernen. Geschieht dies nicht, werden diese harten Splitter von den nächs-ten Geschoßen auf die brutale Tour gegen oder in die genauso harte Laufwandung gedrückt. Im ungünstigen Fall setzt man damit irreparable Kratzer und Krater in die Felder und Züge des neuen Laufes. Genau hier setzt sich später Kupfermaterial vom Geschoß-abrieb bevorzugt fest.
Break-in bedeutet also nicht, die noch gar nicht vorhandenen Geschoßablagerungen zu entfernen, wie oft irrtümlich angenommen wird, sondern den Laufabrieb bzw. die Bearbeitungssplitter zu entfernen, damit der Lauf keinen weiteren Schaden nimmt, an dem sich später Kupfer vermehrt aufbaut. Man macht also dieses Break-in, um einen später gleichmäßig gut schießenden Lauf zu erhalten, weil er nicht so viele Schäden aufweist.
Nun haben wir in der Praxis das erste Problem: Wenn eine Waffe ausgeliefert wird, hat sie bereits zwei bis drei Hochdruck-Schüsse am Beschussamt hinter sich. Sofern die Möglichkeit besteht, sollte man danach sofort mit dem Break-in beginnen. Meist wird aber noch vom Büchsenmacher das Zielfernrohr montiert und für den Kunden eingeschossen.
Das zweite Problem: Das Break-in macht eigentlich nur bei spanabhebend gefertigten Customläufen wie von Shilen, Lilja, Border, Krieger, True Flite oder Atzl wirklich Sinn. Ein Großteil der handelsüblichen Jagdläufe wird aber im Hämmerverfahren hergestellt. Hier bringt das Break-in wenig – gehämmerte Läufe sind verdichtet und dadurch sehr hart. Dafür haben gehämmerte Läufe andere Nachteile – sie sind zwar sehr haltbar, aber es kommt öfter vor, dass gehämmerte Läufe unter Spannung stehen und erst entspannt werden müssen. Gehämmerten Läufen wird nachgesagt, beim Cold Bore Shot, dem Erstschuss aus kaltem Lauf, empfindlicher zu sein, wenn sie nicht sorgfältig entspannt wurden. Man sollte daher als Waffenkäufer eruieren, welchen Lauftyp man geliefert bekommt.
Beim Präzisionsschießen haben sich inzwischen gezogene Läufe gegenüber gedrückten oder gehämmerten Läufen wieder fast vollständig durchgesetzt. Nicht ohne Grund schießen Benchrestschützen nur mit gezogenen Läufen.


Für gezogene Läufe empfiehlt sich folgende Vorgangsweise:

– Ins Patronenlager der Waffe wird ein falsches Schloss eingeführt, um den Putzstock zu zentrieren, danach wird ein Patch (= Putzlappen) mit Shooters Choice getränkt und von hinten durch den Lauf durchgeschoben, um die feinen Metallsplitterchen und Pulverrückstände zu entfernen. Das ist zweimal zu wiederholen. 
– Anschließend wird eine Bronzebürste mit Shooters Choice getränkt und von hinten durch den Lauf durchgeschoben. Die Bürste muss den Lauf vollständig verlassen und darf niemals im Lauf die Richtung wechseln, da sich sonst die Borsten aufstellen und abbrechen. Das wird fünf- bis siebenmal wiederholt. 10 Minuten einwirken lassen und dann wieder mit Patch sauberwischen.
– Nun einen Patch mit Tombak-Löser tränken und mehrmals durch den Lauf ziehen. Es kommt dabei zur Verfärbung des Patches. Etwa 10 Minuten einwirken lassen, neuen getränkten Patch durchziehen. Wieder rund 10 Minuten einwirken lassen, neu durchwischen. Das muss so lange wiederholt werden, bis sich der Patch nicht mehr verfärbt.

 

Diese gesamte Prozedur muss

– nach dem Beschuss und vor dem ersten eigenen Schuss erfolgen,
– dann zehnmal nach nur einem Schuss,
– dann fünfmal nach je zwei Schüssen,
– dann fünfmal nach je drei Schüssen.
Danach ist auch immer das Patronenlager penibel zu säubern. Man kann sich also auf einen tagelangen Schießstandbesuch mit folgender Laufreinigungsprozedur oder besser mehrere Besuche einstellen, wenn man dieses Break-In wirklich korrekt macht.

 

Lohnt es sich oder nicht? 

Bei guten Präzisionswaffen, z. B. Jagdmatchwaffen mit gezogenen Läufen, eindeutig ja, da die Läufe ohne Schäden glattgeschossen werden. Man merkt es anschließend deutlich. In diesen Läufen setzt sich weniger Geschoßmaterial an, man kann öfter ohne Präzisionsverluste schießen, die notwendigen Putzintervalle werden länger. Bei billigen Jagdwaffen, die schon von Haus aus mit mäßig verarbeiteten Läufen ausgeliefert werden, hat das vollständige Verfahren weniger Sinn. Es kann aber nicht schaden, zumindest vor dem ersten Schießen und nach den ersten paar Schüssen mögliche Materialsplitter auszuwischen.

Hund und Herrl

 

Schleppenlegen

 

Stefan Maurer hat Meisterführer Wolfgang Wachter begleitet:

Früh übt sich ... wer ein Meister werden will – und zwar in doppelter Hinsicht. Erstens muss mit dem Junghund so früh wie möglich zu üben begonnen werden. Zweitens ist es dringend anzuraten, auch den erfahrenen Hund zu Beginn des Jagdjahres wieder einzuarbeiten. Am Anfang steht hier meist die Schleppe. 

Mit der anfänglichen Einarbeitung des Junghundes beginnt in aller Regel schon der Züchter. Die einfachste Methode ist hier die Futterschleppe, die am Anfang gar nicht lang sein muss. 20 Meter reichen zu Beginn schon aus, um beim Junghund das Interesse zu wecken. Dafür zieht man einfach etwas Fressbares ein Stück über die Wiese und deckt es ab, beispielsweise mit einer mit Löchern versehenen Dose. Auf Kommando soll der Hund dann suchen und wird nach dem Ausarbeiten der Futterschleppe durch den Führer „genossen gemacht“. Selbst darf sich der Hund nicht bedienen.

Die Schleppe legen

Die nächste Stufe in der Schwierigkeit stellt die Schleppe dar. Dafür benötigt der Hundeführer einen Hasen, Fuchs oder Marder. Es kann natürlich auch ein Haupt vom Schalenwild verwendet werden. Am Anfang sollte die Schleppe auch hier nicht zu lang sein, allerhöchstens um die 100 Meter. Und der Untergrund ist entscheidend. Am leichtesten arbeitet ein Jagdhund auf einer Wiese, schwieriger wird es im Wald. Am allerschwersten ist eine Dickung mit trockener Nadelstreu. Da die unterschiedlichen Bodenverhältnisse aber auch in der Natur vorkommen, sind diese in der Ausbildung auf jeden Fall mit zu berücksichtigen. Für das eigentliche Legen der Schleppe befestigt man das Schleppwild an einem Stock, mit dem es seitlich nachgezogen wird. Am Ende der Schleppe wird das Stück Wild für den Hund uneinsehbar abgelegt.

Den Hund „lesen“

Sowohl bei der Schleppe als auch bei der Schweißarbeit geht es nicht nur um die Nasenleistung des Hundes. Genauso wichtig ist der Gehorsam, denn der Hund muss auf Kommando das machen, was sein Führer von ihm will. Daneben geht es auch darum, die Beziehung zwischen Hund und Führer zu festigen beziehungsweise das Verhalten des Hundes „lesen“ zu lernen. Denn wenn man eine Schleppe oder künstliche Rotfährte zur Verfügung hat, kann man ganz genau beurteilen, wie sich der Hund festsaugt, wie er auf Verleitfährten reagiert, wie er sich wieder einpendelt und wie er dem Führer signalisiert, dass er fündig geworden ist.

Der „Anschuss“

Auch bei der Schleppe gibt es eine Art Anschuss, die vom Führer oder einer Begleitperson vorbereitet wird. Meist wird es reichen, das Schleppwild dort kräftig abzustreifen und – auch zur Hilfestellung für den Hundeführer – ein paar Pirschzeichen zu hinterlassen, beispielsweise etwas Wolle vom verwendeten Hasen. Wenn die Schleppe fertig gelegt ist, wird der Hundeführer eingewiesen und kann den Anschuss mit seinem Hund inspizieren. Wenn beim Hund das Interesse geweckt worden ist, kann mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden.

Ausarbeiten der Schleppe

Der Hund arbeitet vom Anschuss weg an der Leine. Im Idealfall saugt sich der Hund schon nach wenigen Metern an der Schleppspur fest und der Führer lässt das Ende der Feldleine aus der Halsung ausgleiten, damit es zu keiner Unterbrechung des Ausarbeitens kommt. Auf den nächs-ten Metern ist der Hund frei unterwegs und arbeitet sich bis zum Schleppwild durch. Der Führer versteckt sich währenddessen so, dass er vom Hund nicht wahrgenommen wird. Dieser soll nämlich vom gefundenen Stück ablassen und den Führer – wie im Jagdbetrieb nötig – auf seinen Fund aufmerksam machen. Es reicht, wenn hier der Hund zum Führer zurückkehrt und diesen an der Leine zum Schleppwild führt. Dort wird der Hund abgeliebelt und „genossen gemacht“. Das selbstständige Anschneiden des Wildes durch den Hund ist nicht zu tolerieren.

Das Schleppenlegen: Am „Anschuss“ wird das Schleppwild kräftig abgestreift, um Witterung zu hinterlassen. Hasenwolle dient als Pirschzeichen. An Stock und Leine wird mithilfe des Schleppwildes die Schleppspur gelegt. Am Ende der Schleppspur wird das Schleppwild für den Hund uneinsehbar deponiert.

 

Das Suchen: Das Gespann untersucht gemeinsam den „Anschuss“. Wenn der Hund Interesse zeigt, beginnt das Ausarbeiten der Schleppspur. Die Arbeit beginnt an der Leine. Wenn sich der Hund festsaugt, lässt man die Feldleine ausgleiten. Die Freisuche beginnt.

 

Das Finden: Das Ausarbeiten der Schleppspur und das Auffinden des Wildes macht der Hund selbstständig. Der Führer verbirgt sich vor dem Hund und wartet dessen Reaktion ab. Dann wird der Hund angeleint und führt den Führer zum Stück.

 

 

April 2017


Im Revier

 

Ein neuer Bodensitz

Ein kleiner Acker in einer Waldbucht, ein langgezogener Wiesenstreifen, ein paar Streuobstbäume und ein Feldweg. Diesen jagdlich vielversprechenden Platz haben wir bis jetzt selten genutzt, und wenn, dann nur von einem Dreibein-Jagdhocker aus, mit dem Rücken an einen alten Apfelbaum gelehnt. 

Noch vor Beginn der Schusszeit wollten wir an besagter Stelle eine ortsfeste Ansitzeinrichtung schaffen. Zum einen um wetter-unabhängig zu sein, zum anderen bietet der Sitz Deckung und nicht jede Bewegung wird vom Wild wahrgenommen. Vom höchsten Punkt der Streuobstwiese überblickt man die Ebene vom Acker bis zum Waldrand. Die Höhe eines Hochsitzes oder einer Ansitzleiter braucht es hier nicht. Ein schlichter Bodensitz mit Öffnungen nach zwei Seiten reicht vollkommen.

Welche besondere Rolle die Lage einer Reviereinrichtung einnimmt und eine detaillierte Skizze des Bodensitzes zum Nachbauen finden Sie in der Ausgabe April 2017.


Hund und Herrl

 

Hundebegegnungen

In diesem Artikel blickt der Autor Gerhard Kosel auf die Beziehung von Hund zu Hund und wie sich Kaniden verhalten, wenn sie sich begegnen. 

Ein Beispiel an der Beute: Nach intensiver Jagd und großer körperlicher Anstrengung haben wir einen Gams erlegt. Die Hündin war Teil dieses Abenteuers und auch als Erste am Wild, welches sofort beschnüffelt wurde. Das eine oder andere Stück vom Aufbruch wurde ihr zugeworfen und sie verschlang dies als selbstverständlichen, ihr zustehenden Anteil an der Beute. Auch den Transport zur Hütte begleitete die Hündin unangeleint, nie die Beute aus dem Auge lassend. Vor der Hütte legten wir das Wild zur Strecke, die Hündin bettete sich neben die Gams. Wir genossen den Vormittag in herrlicher Natur, als der Hund des Jagdherrn, ein stattlicher und in die Jahre gekommener BGS-Rüde, aus der Hütte heraus sich der Gams näherte. Als er die Beute bewinden wollte, fuhr ihm die Hündin in die Seite und knurrte ihn nachhaltig mit hochgezogen Lefzen an.

Dieses Verhalten jedenfalls ist großteils angewölft, es spielt sich weitgehend vorhersehbar nach klaren Regeln ab und wird erst dann kompliziert, wenn sich der Mensch einmischt oder seinen Stempel aufdrückt.


Jagd Heute

 

Muntjaks zum Jagdwild erheben

In England und Wales sind Muntjaks eine Plage und werden wie Schädlinge verfolgt. Sie haben sich dort etabliert und erreichen Dichten von bis zu 120 Tieren pro 100 Hektar. Umgerechnet auf das Körpergewicht entspricht das etwa 50 Stück Rehwild pro 100 Hektar – mit entsprechenden ökologischen und ökonomischen Auswirkungen. 

Während die Jagd auf Rehwild durch dessen Status als Jagdwild mit entsprechenden Regelungen als reizvolle Herausforderung gilt, ist die Jagd auf Muntjaks für viele immer noch Schädlingsvernichtung. Graham Downing – der Autor eines Buches über die Muntjak-Biologie und -Jagd – erzählt, dass zahlreiche der von ihm erlegten Tiere Schrotkugeln im Körper haben, halbverheilte Verletzungen und schlimme jagdliche Verwundungen durch zu schwache Geschoße. „Hirschratten“ und „Vampirhirsche“ wurden sie in Jagdblogs genannt, das mag witzig klingen, widerspiegelt aber den respektlosen jagdlichen Umgang mit dieser Wildart. Die Tatsache, dass sie Schäden anrichten, ist kein Grund, sie zu misshandeln. Jedes Tier jeglicher Art, das man töten will oder muss, sollte möglichst rasch und schmerzfrei getötet werden. Es ist also höchst an der Zeit, Muntjaks gewissenhaft zu bejagen, mit Respekt zu behandeln, adäquate Kaliber zu verwenden und sich um einen guten Schuss zu bemühen – und sei’s auch nur des Wildbrets wegen. 

Mehr Hintergründe über die Bejagung und zur Wildbiologie des Muntjaks lesen Sie in dieser Reportage von Dr. Karoline Schmidt.


Mythen ums Rehwild

Von Bruno Hespeler

Mensch oder Reh?

Für den Jäger ist die Sache häufig klar: Durch die vielen Naturnutzer wird das Wild unsichtbar, wodurch die Bejagung immer schwieriger wird. Ganz so ist das aber nicht, wie Bruno Hespeler beim Rehwild beweist. Rehe unterscheiden nämlich sehr genau, wer ihnen gefährlich werden kann und wer nur lästig ist und stört.

Rehe sind – im Vergleich zu anderen heimischen Wildarten – sicher nicht die Cleversten. Aber ohne Zweifel verstehen sie den Menschen, sein Verhalten und Auftreten einzuschätzen. Sie differenzieren ziemlich treffend zwischen eventuell gefährlich und wahrscheinlich harmlos, auch was ihre eigenen Reaktionen beim Auftreten von Menschen betrifft. Zwei Begriffe scheinen von Bedeutung zu sein: lästig und gefährlich. Lästig sind Menschen, von denen sie sich nicht unmittelbar bedroht sehen. Dazu gehören sicher jene Menschen, die Wege benutzen, sich ganz normal auffällig und somit gut erkennbar bewegen, sich laut unterhalten oder in Gruppen auftreten.
Nun sollen hier nicht unbedingt Menschen mit Rehen verglichen werden, trotzdem sei ein Vergleich gestattet, weil er das, was ich sagen will, etwas griffiger macht. Sommerabend: Es geht auf Mitternacht zu, und wir sitzen ohne Licht bei einem Glas Wein auf dem Balkon. Nun kommt ein „Rudel“ gut aufgeheizter, laut lachender Gasthausbesucher die Straße herunter. Haben wir vor denen Angst? Suchen wir vorsorglich unser Handy oder den Schlüssel vom Waffenschrank? Nein, ganz sicher nicht, höchstens ärgern wir uns über das laute Palaver. Nun der nächste Fall: Statt der lauten Gruppe kommt jetzt eine einzelne Gestalt langsam die Straße herunter, bleibt bei Eingängen stehen, schaut sich um, geht weiter, bleibt wieder stehen … Diese einzelne Gestalt stört nicht die Beschaulichkeit der späten Stunde, aber sie zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Wir sind beunruhigt, machen in der Stube das Licht aus, um nicht gesehen zu werden. Die Glock liegt unter der Matratze … So und nicht anders ergeht es Rehen, nur ohne Glock und Handy.

 

März 2017


Mythen ums Rehwild

Von Bruno Hespeler

Alt fegt zuerst – Jung färbt zuerst

Den Spruch kennen wir alle, weil wir alle einmal eine Jägerprüfung gemacht haben. Wenn man die Begriffe „alt“ und „jung“ auf mehrjährig und Jahrling reduziert und nicht versucht, bei den Mehrjährigen zu differenzieren, stimmt der Spruch sogar – von Ausnahmen abgesehen.

Was Fegen und Haarwechsel betrifft, so lieferte uns vor rund einem halben Jahrhundert bereits Ellenberg handfeste Daten. Seine Stammhamer Rehe waren durchwegs markiert; ihr Alter stand definitiv fest. Das Ergebnis seiner umfangreichen Untersuchungen lässt sich mit einem Satz auf den Punkt bringen: Gesunde mehrjährige Böcke fegen vor den Jahrlingen, und gesunde Jahrlinge wechseln das Haar früher als mehrjährige Böcke.

Eine Regel, etwa in der Art, dass fünfjährige Böcke früher fegen als dreijährige, gibt es nicht. Wenn wir also im März oder Anfang April eine Fegestelle finden, wird ein mehrjähriger Bock der Verursacher sein. Ob er uralt oder recht jung ist, wissen wir nicht; beides kann der Fall sein. Das Gros der mehrjährigen Böcke fegt im März, die meis-ten Jahrlinge hingegen im Mai. Im April passiert, was das Fegen betrifft, nicht viel.

Für die Mehrzahl der Jäger spielt heute der Fegetermin keine nennenswerte Rolle mehr. Man freut sich, wenn man im März die ersten Fegestellen findet. Sie sind Marken oder Symbole für den beginnenden Frühling oder – wichtiger – für das Ende des Winters. Es läuft ohnehin alles etwas anders als in der „guten, alten Zeit“, die zwar reich an Mythen war, aber auch an wenig gestörter Jagdfläche. Inzwischen ist die bejagbare Fläche in Österreich weiter rasant geschrumpft und ebenso stieg die Zahl der Jäger wie die der Abschussquoten. In vielen Gemeindejagden entfallen auf einen Jäger gerade noch 50 Hektar Fläche, von denen oft der größere Teil landwirtschaftlich genutzt wird. Da gibt es dann ein paar Hochsitze, von denen oft alljährlich oder im kurzen Wechsel ein „Erntebock“ geschossen wird.

Wo, bedingt durch die Zahl der Jäger, so gejagt wird, sind Deutungen und Orakel um das Alter der Böcke ziemlich entbehrlich. Der Abschussplan orientiert sich vielfach an der Zahl der Jagdberechtigten. Je nach Waldanteil soll halt jeder alljährlich oder aber jedes zweite Jahr einen „Anserbock“ erlegen dürfen. Und wo tut er das? Häufig immer wieder an denselben Ecken. Man wehrt sich gegen eine Erhöhung des Abschusses, aber man ist überzeugt, „alte Böcke“ nach Bedarf zu finden ...


Premium-Geißen

von Dr. Christine Miller

Frisch aus Revier und Labor 

Ob Gamsgeißen ein Kitz führen, hängt sowohl von deren Kondition als auch Lebensalter ab. „Premium-Geißen“ sind auch im hohen Alter noch erfolgreich.

Die Frage der Lebensgestaltung ist grundsätzlich und treibt nicht nur Menschen bei der Karriereplanung um. Auch eine Gamsgeiß muss entscheiden, wie sie ihre Lebenskraft einteilt. Persönliches Wachstum, Überlebensfähigkeit und Fortpflanzung sind wie drei Wertpapier-Fonds, zwischen denen das zur Verfügung stehende „Geld“ aufgeteilt werden kann. Die Währung der Tierwelt ist Nahrung und was der Körper daraus macht. Verschiedene Arten kennen verschiedene Wege zur maximalen Rendite und Biologen studieren diese Strategien. Singvögel, Mäuse und auch das Rehwild tendieren zum Modell „income breeder“. Sie finanzieren den Einsatz für den Nachwuchs aus dem laufenden Geschäft. Steinböcke, Rotwild oder Elefanten dagegen sind sogenannte „capital breeders“. Sie denken erst an Fortpflanzung, wenn sie sich genug Reserven in Körpergröße und Feist angelegt haben. Das heißt, man muss sich gedulden können und hoffen, dass bis zum reifen Alter der Familiengründung nichts Unvorhergesehenes geschieht. Bei Risiko wird lieber noch ein Jahr gewartet. 

Im Gebirge, wo der Sommer kurz und der nahrungsarme Winter lang ist, müssen säugende und führende Gamsgeißen immer ein riskantes Spiel eingehen. Sie haben ein niedrigeres Körpergewicht im Herbst und damit geringere Überlebenschancen als Geißen, die keine Kitze versorgen mussten. Je älter eine Geiß wird, desto mehr wägt sie Kosten und Nutzen der Fortpflanzung ab. 

Ob eine Geltgeiß ihr Kitz nur sehr früh verloren oder gar nicht erst eines gesetzt hat, untersuchten Marco Festa-Bianchet und seine Kollegen an 67 markierten Geißen aus einer unbejagten Population über sieben Jahre hinweg. Sie fragten sich, wie viel Energie eine Geiß in ihr Kitz investieren muss und ob diese Investition die „Rendite“ im nächsten Jahr beeinflusst. Ihr Studiengebiet lag im Naturpark „Alpi Marittime“ im Südwesten der italienischen Alpen.  

Der Erfolg einer Geiß, ein Kitz großzuziehen, schwankte von Jahr zu Jahr – und mit dem Alter der Geiß. Zwischen 4 und 7 Jahren waren die Geißen in Topform, auch schlechte Umweltbedingungen haben dann kaum einen Einfluss auf die Überlebensfähigkeit der Kitze. Von den jüngeren Geißen führt in einer stabilen Population mit reichlich alten Geißen gerade einmal ein Drittel ein Kitz. Die jungen und älteren Geißen riskieren in schwierigen Jahren nichts. Je älter eine Gamsgeiß wird, desto mehr geht sie auf Nummer sicher. Diese Strategie beginnt bereits im Alter von 8 Jahren. Dann „rechnen“ die Geißen Kosten und Nutzen bei der Brunft immer genauer nach. Und nach einem Pausen-Jahr setzen ältere Geißen wieder starke und vitale Kitze. Die konservative Strategie zahlt sich also aus! Andererseits zeigt sich bei den älteren Damen im Laufe der Jahre auch, wer zur Elite der Population gehört. Die „Premium-Geißen“ setzen weniger oft aus und führen auch in hohem Alter Jahr für Jahr erfolgreich Kitze. Festa-Bianchet und sein Team mahnen jedoch zur Vorsicht: Die absoluten Zahlen aus ihrer Untersuchung kann man nicht 1:1 in jedes andere Gebiet übertragen. Denn in anderen Populationen lag der Beginn des „reifen Alters“ bei Gamsgeißen durchweg höher, bei 10, 12 oder 17 Jahren. Diese Unterschiede liegen wahrscheinlich im Lebensraum begründet und was er grundsätzlich den Gams dort zu bieten hat.


Blick ins Revier

von Stefan Maurer

Gemeinsam auf den Einserhirsch

Es gibt nur wenige Gemeindejagden, in denen die Rotwildjagd im Mittelpunkt steht. Im obersteirischen Winklern bei Oberwölz ist das jedoch so, und selbst die Hirsche werden hier im Kollektiv bejagt.

Die Gemeindejagd Winklern bei Oberwölz hat Rotwild als Standwild – das ganze Jahr über. Dementsprechend dominiert diese Wildart dort auch das jagdliche Geschehen. Für die Jagdverantwortlichen bedeutet das, sowohl bei der Abschussaufteilung als auch bei der Abschusserfüllung und der Wildschadensvermeidung an einem Strick zu ziehen. Wie das genau geht, hat ein Gespräch mit Jagdobmann Friedl Ammer gezeigt.

Friedl Ammer lebt und arbeitet auf eigenem Grund und Boden inmitten des von ihm betreuten Gemeindejagdgebietes von Winklern. Er ist Land- und Forstwirt und bewirtschaftet mit seiner Frau den eigenen Betrieb. Seit dem Jahr 2002 ist er Obmann der Gemeindejagd, ein Jahr später hat ihn der Bezirksjägermeister zum Hegemeister ernannt. Daneben agiert er auch als Mitglied in der Rotwildbewertungskommission im Jagdbezirk Murau und vertritt die Interessen der örtlichen Jäger und des Wildes in der Rotwildbewirtschaftungsgemeinschaft Niedere Tauern. „Ich wage zu behaupten, dass ich kein Schießer bin“, beschreibt er sich selbst. „Mich freut aber ehrlich, wenn innerhalb der Jagdgesellschaft alles reibungslos funktioniert und unsere Revier als Positivbeispiel für den Umgang mit Rotwild herhalten kann.“

Auf den 3.220 Hektar Jagdfläche der Gemeindejagd Winklern werden zurzeit jährlich rund 30 Stück Rotwild erlegt, davon ein bis zwei Hirsche der Klasse I und meist drei IIIer-Hirsche. Besonders erstaunlich daran ist, dass es keine fixe Einteilung für die 39 Pächter gibt – weder was die Revierfläche angeht noch was den Hirschabschuss betrifft. Bis zum Erntehirsch ist im Grunde immer für jeden alles frei. Es gibt nur eine Einschränkung: Wenn man einen Hirsch schießen will, muss man auch vier Stück Kahlwild zustande bringen, ein System, das inzwischen über Jahre klaglos funktioniert. „Früher sind die Hirsche geschossen worden, und wir haben dann im Herbst dem Kahlwild nachrennen müssen. Jetzt bemüht sich jeder, den Abschuss zu erfüllen, und heuer ist uns erstmals sogar ein Dreierhirsch übrig geblieben“, begründet Ammer diesen Schritt. Und wer bereits einen Ier-Hirsch erlegt hat, darf in den darauffolgenden Jahren in der Pachtperiode keinen mehr erlegen.

Die Bejagung des Rotwildes wird mit großer Konsequenz betrieben, um auch wirklich Erfolge vorweisen zu können. Die Schmalstücke werden, so gut es geht, bereits zu Beginn der vorgezogenen Jagdzeit ab 16. April in den Vorlagen erlegt. Das kann bis zu ein Drittel der Jahresstrecke ausmachen. Den Sommer und Herbst über geht die Rotwildjagd meist schleppend, wenn es nicht ausreichend schneit und das Wild von den Hochlagen heruntergedrückt wird. Deshalb ist im Herbst und Winter die eine oder andere Treibjagd vonnöten, bei der gezielt auf bestätigtes Rotwild Druck ausgeübt wird. Auch hier geht es vor allem um die Zuwachsträger, wie Ammer betont.

Die reich strukturierten Wildlebensräume im bäuerlichen Kulturland der Gemeindejagd Winklern beherbergen natürlich auch einen nicht zu unterschätzenden Rehwildbestand. Ver-glichen mit anderen Gebieten ist die Entnahme bescheiden, aber immerhin geht es sich aus, dass auf fast jeden Mitpächter pro Jahr ein Rehbock entfällt. 


Titan 6 Carbon zur Wildstandsreduktion

von Oberförster Heinrich Rappold 

Obwohl schwere Waffen grundsätzlich die bessere Leistung bringen als leichte, gibt es auch hier einen Trend hin zum leichten Verbundwerkstoff Carbon. Wie sich so eine Waffe in der rauen Jagdpraxis führen lässt, wurde eine Saison lang ausprobiert.

Da ich selbst im Jagddienst zwei Rössler führe (Titan 6, Kal. .30-06 und Titan 3, Kal. .223 Rem.), ist mir das Handling sehr geläufig. Das ohnehin gebirgsjägerfreundliche Gewicht dieser Waffen wird durch den Carbonschaft nochmals getoppt. Die angenehme Kolbenhalssicherung in Verbindung mit dem ideal bedienbaren Rückstecher (mit dem Zeigefinger einfach nach vorne schieben) erlaubt blitzschnelles Reagieren im Jagdeinsatz, vor allem auf der Pirsch bei den dann meist folgenden Schüssen vom Bergstock aus. 

Die Waffe Titan 6 Carbon im Kaliber .30-06 wurde von mir mit GECO PLUS (11,0 g) eingeschossen. Die Fa. Rössler hatte die Waffe bereits sehr gut mit diesem Geschoß vorab eingeschossen. Der Streukreis auf 100 m war beeindruckend. Die Schüsse der Schussgruppe berührten einander fast alle. So war  für mich das Einschießen sehr einfach. Ich wählte diesmal die Schießstätte Zangtal, um auf die Waffe unter kontrollierten Bedingungen auch gleich auf 100, 200 und 300 Meter testen zu können. Die angegebenen ballistischen Daten auf der Munitionspackung entsprachen eigentlich sehr exakt meinen Erkenntnissen am Schießstand. Bei 4 bis 4,5 cm Hochschuss auf 100 Meter entsprach dies dann auf 200 Meter etwa 3 bis 4 cm Tiefschuss. Auch auf 300 Meter war es mir möglich, die Angaben auf der Munitionsverpackung zu bestätigen (rund 37 cm Tiefschuss). Zusätzlich passte die „Stange“ auf jeder Distanz. Auf 300 Meter betrugen die Abweichungen nach links und rechts maximal 2 bis 3 cm, das ist wirklich vernachlässigbar. Geschoß und Lauf scheinen mir in dieser Waffe überdurchschnittlich gut zu harmonieren.

Die .30-06 im extrem leichten Titan Carbon mit dem Schaft von Christensen Arms ist, so glaube ich, mit ihren 2,4 kg nur für gefestigte Schützen brauchbar. Der Rückstoß war schon etwas heftiger, als man es sonst von diesem Kaliber gewohnt ist. Mir machte dieser Umstand keine Probleme, für empfindlichere Schützen sollte man die Kaliberauswahl vielleicht bei einer Win. 308 nach oben hin beenden. Die mitgelieferte Mündungsbremse würde den Rückstoß zwar minimieren, doch aus meiner Sicht ist solch ein Waffenteil für die Ohren des Jägers und die seines Hundes in der rauen Revierpraxis nicht zumutbar. Dazu erlaube ich mir, eine Begebenheit aus der Jagd mit dieser Waffe kurz zu erzählen.

Bei einer Pirsch im Oktober beschoss ich einen Hirsch der Kasse III vom Bergstock aus auf rund 70 Meter. Mein treuer Begleiter, ein inzwischen sehr erfahrener fünfjähriger BGS-Rüde (ohne Papiere), konnte genau beobachten, wie der Hirsch mit einem Schuss „halbspitz“ von vorne gut zeichnete und nach unten in unwegsames Gelände abging. Beim Anlegen der Schweißleine unmittelbar nach der Schuss-abgabe war er für einen Moment nicht angeleint, und schon war es passiert. 


Februar 2017


Jägerinnen unter Jägern

Jägerinnen unter Jägern
von ...

 

Stolz bekundet man in jagdlichen Führungsriegen, dass die Zahl der Jägerinnen stetig steigt: Die Jagd würde weiblicher werden, heißt es. Aktuell beschäftigt sich eine Forschungsarbeit mit der Rolle der Frau in der Jagd und fördert Erstaunliches zutage. Demnach sind Jägerinnen noch weit davon entfernt, tatsächlich gleich bedeutende Mitglieder der Jägerrunde zu sein. Es war das Zitat des Schweizer Autors und Jägers Alexander Schwab, das die Studentin der Universität Innsbruck, Ulrike Schmid, zu ihrer ungewöhnlichen Studie führte. Laut Schwab sind „Frauen für die Jagd eine Bereicherung, die Jagd wird optimistischer, sympathischer, weltoffener, kultivierter und zukunftsfähiger“. Das klingt nach einem echten Gewinn und so etwas wie Aufbruchsstimmung. Schmid versuchte im Rahmen ihrer Arbeit jedoch zunächst zu klären, wie Frauen überhaupt zur Jagd kommen und welche Rollen sie dort tatsächlich einnehmen. Schließlich werden Frauen oftmals mit sanften Charaktereigenschaften wie Empathie, Fürsorglichkeit und Friedfertigkeit in Verbindung gebracht, die sich aus der Fähigkeit zur Mutterschaft ableiten lassen. Diese Attribute scheinen im Kontext der Jagd jedoch widersprüchlich zu sein. Denn letztlich steht am Ende der (erfolgreichen) Jagd immer der Tod des Tieres, mitunter auch der eines hochbeschlagenen Tieres. ­Schmid fragte daher nach den Beweggründen, die Frauen motivieren, aktiv zu jagen, und absolvierte hierzu zunächst selbst die Jagdausbildung. Ihr Erhebungsgebiet umfasste im Anschluss eine kleine Bergregion in Österreich, in der insgesamt 24 Personen aus unterschiedlichen beruflichen Bereichen und gesellschaftlichen Schichten bezüglich ihres Eintritts und zu ihren Erfahrungen in der Jagd befragt wurden. Im Rahmen der geführten Interviews kamen durch die Erzählungen der Jägerinnen und Jäger weitere vielfältige Herausforderungen ans Licht, denen sich die Jägerschaft auf verschiedensten Ebenen heute zu stellen hat. Weil diese Studie im Vorfeld heftig diskutiert wurde, hat DER ANBLICK sieben aktive Jägerinnen mit der Studie betraut gemacht und sie um ihre Sichtweise der Dinge befragt.

Mehr dazu im Heft ...


Weißt du, wie viel Rehlein stehen …?

Wer gewissenhaft an die Abschussplanung herangehen will, möchte auch wissen, wie viele Rehe aktuell im Revier die Fährte ziehen. Nur: So einfach ist das nicht. Sicher ist nur, dass es weit mehr Rehe geben muss, als wir Jäger gemeinhin annehmen. Tatsächlich ist es ohne Belang, ob auf einer bestimmten Fläche nur 50 oder gar 100 Rehe leben. Es gibt doch nur zwei Fragen, die es zu beantworten gilt: 1. Wie ist die durchschnittliche Kondition der Rehe; kümmern sie eher oder sind sie in guter Verfassung? Ist Letzteres der Fall, wirkt sich die Dichte auf die Rehe noch nicht signifikant negativ aus und ist sekundär. 2. Beeinflussen die Rehe ihren Lebensraum – dessen Pflanzenspektrum – negativ? Hier geht es nicht nur um Haupt- und Nebenbaumarten, sondern um eine Vielzahl beim Rehwild beliebter krautartiger und strauchartiger Pflanzen. Ist der Verbiss an ihnen so, dass sie als Art ohne Zaun oder Einzelschutz noch eine Chance haben, über die Äser hinauszuwachsen oder nicht? Muss schon die Fichte gestrichen werden, stimmt etwas nicht mehr, dann brauche ich auch keine Zahlenspiele! Die Praxis … Sie ist recht simpel. Die einen wollen – zumindest offiziell – eher wenig Rehe erlegen, denn: „Es ist eh fast nichts mehr da.“ Die anderen wollen, dass deutlich mehr geschossen wird, denn: „Es wird alles gefressen.“ Bruno Hespeler begiebt sich in diesem Beitrag auf die Suche nach einem möglichen „goldenen Mittelweg“.


Staupe weiterhin aktiv

Nach zahlreichen telefonischen Anfragen beim ANBLICK-Tierarzt Dr. Armin Deutz und einigen von ihm selbst beobachteten Fällen, wollen wir wegen der massiven Staupewelle im Vorjahr abermals auf diese „Krankheit mit mehreren Gesichtern“ hinweisen. Staupe ist eine weltweit verbreitete Viruskrankheit, die hauptsächlich bei Hunden („Hundestaupe“) auftritt. Unter Wildtieren erkranken überwiegend Dachs, Baum- und Steinmarder, Fuchs, Iltis, Wiesel und Fischotter sowie Wolf und Waschbär. Ende der 1980er Jahre gab es Massensterben bei Seehunden infolge von Staupe in der Nordsee oder vor 20 Jahren ein Löwensterben in der Serengeti. Auch am starken Rückgang der Populationen an Großen und Kleinen Wieseln im letzten Jahrzehnt könnte Staupe maßgeblich beteiligt gewesen sein. Die Übertragung der Staupe erfolgt teils durch Direktkontakt mit dem Nasen- und Augensekret erkrankter Tiere (Belecken, Tröpfcheninfektion) oder indirekt über Futter, Wasser oder Gegenstände, die mit Sekreten oder Ausscheidungen erkrankter Tiere verunreinigt sind. Gegen Staupe geimpfte Hunde sind geschützt, ungeimpfte Hunde können erkranken und die Erreger natürlich auch wieder an Wildtiere weitergeben. Die Staupe ist ein weiteres Beispiel einer wechselweise zwischen Wild- und Haustieren übertragbaren Krankheit. Dieser Themenkreis wird uns Jäger in den nächsten Jahren auch noch bei weiteren und neuen Infektionskrankheiten beschäftigen.


Praxiswissen für Revierbetreuer 

Praxiswissen für Revierbetreuer

Von Wildmeister Matthias Meyer

 

Nun im Februar ist die Jagdzeit für die meisten Wildarten vorbei. Für den Jäger wird es aber deswegen nicht ruhiger im Revier. Nun gilt es insbesondere, die Biotopflächen im Revier einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Noch bis zum Ende des Monats können wir mit der Motorsäge Pflegeschnitte an Hecken, Knicks, Feldholzinseln und Remisen vornehmen. Im Niederwildrevier hat sich die Fasanenspiere sehr bewährt. Sie wird weder von Hase und Reh verbissen, so dass sie auch ohne Zaun gepflanzt werden kann, noch bedarf sie irgendeiner sons­tigen Pflege. Sie wächst rasch bis etwa 2-3 m hoch und beschirmt sehr gründlich ihren Standort. So entstehen nicht nur Tunnel, in denen alles Wild sich sicher vor Greifen bewegen kann, sondern sie bietet insbesondere dem Rehwild ideale Einstände. Die etwa mohnkorngroßen Samenkörner ziehen nicht nur Hühnervögel magisch an, sondern bieten Nahrung für unzählige Singvögel. Wo geeignete feuchte Standorte zu finden sind, schneiden wir uns etwa 40 bis 50 cm lange Weidenstecklinge. Die Ruten von einjährigem Holz schneiden wir unten schräg an und oben gerade. So sehen wir gleich, wie sie gesteckt werden müssen. An geeigneten Stellen stecken wir den Steckling schräg in den feuchten Boden, bis er nur noch etwa 10 bis 15 cm herausschaut. So fegt sie der Rehbock in den kommenden Wochen nicht gleich wieder heraus und genügend Blattknospen können sich zu Wurzeln umbilden. Aber auch wie man alte verlandete Teiche wieder renaturiert erklärt uns Matthias Meyer. Er ist Wildmeister in der Fürstlichen Forstverwaltung Oettingen-Spielberg in Bayern. Als jagdlicher Revierleiter bewirtschaftet er seit 25 Jahren rund 5.500 ha Revierfläche und leitet ebenso lange eine Schweißhundestation. In den kommenden Ausgaben wird der bayerische Wildmeister sein jagdpraktisches Fachwissen mit uns teilen.