Analyse zur Populationsgenetik des Goldschakals in der Steiermark

28.01.2026

Seit dem 18. Dezember 2020 besteht die Möglichkeit, den Goldschakal in der Steiermark zu bejagen. Die Jagdzeit wurde von 1. Oktober bis 15. März festgesetzt. An diese Jagdzeit wurde ein verpflichtendes Monitoring geknüpft. Dieses umfasst sowohl die lebenden als auch die erlegten bzw. als Fallwild zur Strecke gekommenen Goldschakale. Zusätzlich dazu wurde seitens der Steirischen Landesjägerschaft eine Kooperation mit der Universität Graz, genauer dem Institut für Biologie, eingegangen. Tamara Schenekar und Steven Weiss untersuchten eingesandte Zungenspitzen von Goldschakalen auf deren genetische Ähnlichkeit zu Referenzproben aus anderen Teilen Europas. 

Für die Praxis relevant ist das vor allem deshalb, weil so die Besiedelung der Steiermark durch andere Populationen nachgewiesen werden kann. Entsprechen die genetischen Marker der in der Steiermark erlegten Gold-schakale eher den Referenzproben aus Ungarn, Slowenien, Serbien, Italien, dem slawonischen oder dem bulgarischen Raum oder sind sie ähnlich jenen aus Dalmatien? Diese Frage galt es zu klären.

 

Gründertiere aus Slowenien

Dieser Frage sollte durch die DNA-Untersuchung nachgegangen werden. Dank der Einsendung der Goldschakalproben durch die Jägerinnen und Jäger konnten so 73 Genetikproben aus den letzten fünf Jahren ausgewertet werden. Die Untersuchung ergab, dass die erlegten steirischen Goldschakale genetisch sehr ähnlich zu jenen aus dem slowenischen Bereich waren. Das deutet darauf hin, dass die Goldschakale, die bei uns erlegt wurden, aus dieser Ursprungspopulation stammen. Das gilt für sämtliche Jahre außer dem Jagdjahr 2023/24. Die damals erlegten Individuen waren eher jenen aus dem ungarischen Raum ähnlich. Es zeigte sich, dass die geografisch weit entfernten Populationen aus Bulgarien auch hinsichtlich der Genetik sehr unterschiedlich zu den steirischen Goldschakalen sind. Eine logische Beobachtung, die aber durch den Vergleich mit der slawonischen Population, das ist die Region des südlichen Ungarns und östlichen Kroatiens, wiederum nicht bestätigt werden kann. Obwohl diese Population wesentlich näher zur Steiermark liegt, sind die genetischen Marker deutlich differenziert. 

Vergleicht man die steirischen Proben der jeweiligen Jagdjahre miteinander, so ähneln sich die Proben aus den Jagdjahren 2020/21 bis 2022/23 und 2024/25 sehr, das Jagdjahr 2023/24 unterscheidet sich hier signifikant. Die untenstehende Grafik versinnbildlicht die genetische Ähnlichkeit. Je weiter voneinander entfernt diese sind, desto genetisch unterschiedlicher, je näher, desto ähnlicher. Schlussendlich kann daraus geschlossen werden, dass die Steiermark von Goldschakalen aus Slowenien besiedelt wird. Der Zuzug aus dem Osten (ungarische Population) konnte nur im Jagdjahr 2023/24 aufgrund der damals festgestellten genetischen Ähnlichkeit beobachtet werden.

 

Nachweis echter Steirer 

Im laufenden Jagdjahr wurde zusätzlich zu den bereits durchgeführten genetischen Analysen eine weitere Auswertung beauftragt: Die vorliegenden genetischen Proben sollten auf Verwandtschaftsverhältnisse geprüft werden. Für die Praxis ist das insofern relevant, da damit eine etwaige Reproduktion durch festgestellte sogenannte Eltern-Kind-Beziehungen bewiesen werden kann. 

Aus den 73 vorliegenden Goldschakalproben konnten acht Verwandtschaftsverhältnisse nachgewiesen werden. Das lässt den Schluss zu, dass die Steiermark nicht von sogenannten Satellitentieren besucht wird, die dann zufällig erlegt werden. Es scheint so, dass bereits eine eigenständige Population gegeben ist, die sich erfolgreich reproduziert bzw. sich die slowenische Population so weit ausgebreitet hat, dass die Steiermark Teil dieser geworden ist. 

 

Meldung dringend notwendig!

In den vergangenen Jahren wurden in der Steiermark jährlich höhere Strecken an Gold-schakalen erzielt. Dank der Einsendung der DNA-Proben konnten wertvolle Daten gewonnen werden und deren Interpretation stützt die Bejagungsmöglichkeit dieser Art. Leider müssen wir feststellen, dass bis dato lediglich sechs Goldschakale Einzug in die Abschussstatistik 2025/26 gefunden haben. Nach dem Rekordjahr 2024/25 mit 54 erlegten bzw. als Fallwild gemeldeten Tieren ist das mehr als verwunderlich. 

Im Falle eines Goldschakalabschusses ist dieser wie gewohnt im WISonline einzutragen, auch die DNA-Beprobung ist nach wie vor gefordert. Etwaige Einsendekosten werden seitens der Steirischen Landesjägerschaft übernommen. Auch die Nachweise von lebenden Tieren, beispielsweise über Wildkamerafotos, Risse oder Sichtbeobachtungen, sind weiterhin an markus.marschnig@jagd-stmk.at zu senden. 

Für die verbleibenden Fuchspassnächte ergeht der dringende Aufruf, erlegte Gold-schakale zu melden und andere Nachweise zu übermitteln! Ziel ist, eine fundierte Datengrundlage zu erhalten, um die Jagdmöglichkeit weiterhin bestehen zu lassen!

DI Markus Marschnig