"Hundemalaria" breitet sich aus

27.07.2026

Die Babesiose ist vielen Hundehaltern bisher kaum bekannt, obwohl sie lebensbedrohlich für die Tiere verlaufen kann. Diese Parasitose der roten Blutkörperchen sowie damit einhergehende Intensivbehandlungen von Hunden nehmen in Mitteleuropa deutlich zu. Früher war sie vor allem als (Jagd-)Reisekrankheit oder bei importierten Hunden bekannt.

Die Babesiose oder Piroplasmose der Hunde, umgangssprachlich auch "Hundemalaria" genannt, ist eine potenziell lebensbedrohliche Parasitose, die vermutlich auch wegen der Ausbreitung der beiden Hauptüberträger, der Auwaldzecke und der Braunen Hundezecke, bei uns zunimmt. Ursprünglich kam die Auwaldzecke vor allem in Süd- und Osteuropa vor, seit einigen Jahren breitet sie sich in Mitteleuropa aus. Sie ist mit bis zu fünf Millimetern etwas größer als der Gemeine Holzbock, unsere häufigste Zeckenart. Vollgesogene Weibchen messen bis zu 1,6 Zentimeter Körperlänge. In milden Wintern ist die Auwaldzecke bis in den Januar/Februar hinein aktiv und schon im März kann sie ihre Winterstarre verlassen, wenn die Temperaturen langfristig über 3° C steigen, weshalb sie auch als "Winterzecke" bezeichnet wird. Empfindlicher reagiert sie auf Trockenheit und Hitze. Endwirte der Auwaldzecke sind viele Wild- und Nutztierarten, der Mensch wird nur sehr selten befallen. Zu den beliebtesten Habitaten dieser Zeckenart zählen Wald- und Wegrän-
der sowie Auwälder. 

Die kälteempfindliche Braune Hundezecke ist in Mitteleuropa noch selten, ihr Verbreitungsgebiet reicht aber bis in die Schweiz, Südtirol und Österreich südlich der Alpen, weitverbreitet ist sie im Mittelmeerraum und in Nordafrika. Zu uns wird diese Zeckenart über Hunde, die in den Urlaub beziehungsweise auf Jagdreisen mitgenommen oder aus Südeuropa zugekauft werden, eingeschleppt. Nach der Einschleppung halten sich diese wärmeliebenden Zecken in Wohnungen, Zwingern, Tierheimen, Hundeboxen oder isolierten Hundehütten auf.

 

Erreger leben in Blutkörperchen

Babesien sind mikroskopisch kleine Parasiten, die rote Blutkörperchen befallen, sich dort vermehren und dadurch die roten Blutkörperchen zum Platzen bringen. Die austretenden Babesien befallen in der Folge weitere rote Blutkörperchen. Die zunehmende Zerstörung der Erythrozyten trägt dazu bei, dass der Hund an einer Blutarmut leidet. Mittlerweile sind durch neue Diagnoseverfahren zumindest neun verschiedene Erregerspezies beim Hund bekannt, die in große (wie Babesia canis) und kleine Babesienarten (wie Babesia gibsoni) unterschieden werden. Das ist auch für die Therapie relevant, da sich Infektionen mit kleinen Arten schwerer behandeln lassen. Babesienarten vom Rind und von Nagetieren können selten auch Erkrankungen beim Menschen auslösen, Babesien des Hundes sind hingegen keine Zoonoseerreger. Die Übertragungszeit von Babesien von der Zecke auf den Hund beträgt wenige Stunden bis rund zwei Tage. Nach weiteren sieben bis  20 Tagen treten dann Krankheitssymptome auf. 

 

Symptome

In der Regel verläuft die Erkrankung akut und führt, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird, bis zu Multiorganversagen und Tod. Typische klinische Symptome sind Mattigkeit, hohes Fieber, starker Durst, Appetitlosigkeit, blasse Schleimhäute infolge einer Blutarmut sowie dunkel verfärbter Harn durch ausgeschiedenen Blutfarbstoff und rascher Konditions- und Gewichtsverlust. Ein chronischer Krankheitsverlauf ist vor allem bei Infektionen mit kleinen Babesien beschrieben und äußert sich durch geschwächte und abgemagerte Tiere mit Fieberschüben, Apathie und Blutarmut über Monate. Ist im Laufe der Erkrankung das zentrale Nervensystem betroffen, kommt es zu Lähmungserscheinungen, Bewegungsstörungen oder epileptischen Anfällen. Schreitet die Erkrankung fort, kann es zusätzlich zu einem akuten Nierenversagen oder blutigem Durchfall kommen.

 

Behandlung

Die Behandlung und der Behandlungserfolg sind stark abhängig von der Babesien-art, mit der der Hund angesteckt wurde. Der Krankheitsverlauf kann zudem durch Begleiterkrankungen verkompliziert werden. Die Behandlungsmaßnahmen werden dadurch erschwert, dass geeignete Präparate zur Therapie in Österreich und Deutschland nicht zugelassen sind und über eine Genehmigung importiert werden müssen. Eine unterstützende Therapie mit Infusionen, Bluttransfusion oder gerinnungsstabilisierende Behandlungen sowie eine stationäre Aufnahme sind bei schweren Babesiose-Infektionen erforderlich. 

 

Rat zu ganzjährigem Zeckenschutz

Neben täglicher Kontrolle des Hundes und Entfernung vorhandener Zecken sind  Mittel zur Bekämpfung von Milben und Zecken zur Verhinderung eines Zeckenbefalles geeignet. Da die Auwaldzecke auch in milden Wintern aktiv sein kann, wird – 
zumindest in Gebieten, in denen schon Babesiose-Fälle bei Hunden aufgetreten sind – ein ganzjähriger Zeckenschutz empfohlen. Zeckenschutz gibt es in Form von Halsbändern, Tropfen, (Kau-)Tabletten oder als Injektion. Für Hausmittel wie Kokosöl, Knoblauch oder ätherische Öle ist eine zuverlässige Wirkung nicht belegt.

Die Wirkung von Anti-Zecken-Mitteln beruht auf unterschiedlichen Effekten: Der Parasit wird vom behandelten Wirt ferngehalten; er wird davon abgehalten, den Wirt zu stechen; er wird gelähmt oder getötet.

Zu den Akarizid-Halsbändern für Hunde mit Wirkung gegen Zecken und Zulassung in Deutschland und Österreich gehören beispielsweise Scalibor® (Wirkstoff Deltamethrin, Wirkungsdauer fünf bis sechs Monate) oder Seresto® (Wirkstoff Flumethrin/Imidacloprid, Wirkungsdauer sieben bis acht Monate). Zudem gibt es eine Reihe von Spot-on-Produkten, die üblicherweise alle vier Wochen auf den Hund aufgebracht werden. Bei Reisen in Babesiose-Risikogebiete sollte eine Behandlung im 14-tägigen Rhythmus erfolgen. Mittlerweile sind auch orale Anti-Zecken-Mittel als Kautabletten für Hunde verfügbar. Es handelt sich hierbei um systemische Akarizide der Wirkstoffklasse der Isoxazoline. Aktuell sind vier zugelassene Wirkstoffe für den Hund erhältlich. Je nach Wirkstoff hält die Wirkung gegen Zecken vier bis zwölf Wochen an und besitzt abhängig vom Wirkstoff eine Abtötungsgeschwindigkeit bei Zecken zwischen acht und 48 Stunden. 

Dr. Armin Deutz