Steirischer Berufsjägertag: Gerüstet für die Raumplanung

19.05.2026

Dem neuen Obmann Ojg. Jürgen Lechner wurde seine Funktion bereits bei einer Sitzung im Oktober 2025 übertragen. Er folgte auf Ojg. Werner Rössl, der die Vereinigung die vergangenen neun Jahre erfolgreich leitete und durch seine Pensionierung statutengemäß dieses Amt an Lechner übertrug. 1982 wurde die Steirische Berufsjägervereinigung unter dem Obmann Ojg. Gustav Kerschbaumer gegründet. Dieser Zusammenschluss aller Berufsjäger des Landes hat bis heute die Aufgabe, in einer immer dynamischer werdenden Zeit gemeinsame Ziele besser erreichen zu können. Aktuell umfasst die Vereinigung 152 Mitglieder, wovon sich sechs Lehrlinge in Ausbildung befinden. Eine der wesentlichen Herausforderungen besteht darin, eine zeitgemäße Ausbildungsordnung gesetzlich zu verankern. Dazu konnte Jürgen Lechner in seinem Tätigkeitsbericht den etwa 70 Teilnehmern Erfreuliches berichten: Die einheitliche Ausbildung zum anerkannten Lehrberuf "Berufsjagdwirtschaft" wurde im Parlament beschlossen; die Berufsschule wird in Rotholz in Tirol bleiben und Lehrbetriebe müssen sich zukünftig zertifizieren lassen. Lechner hofft, dass man in der Praxis damit bald in die Gänge komme. Weil hinsichtlich Inhalten und Gestaltung der geplanten WÖRP in der Steiermark unter den Berufsjägern große Verunsicherung herrschte, kam es im März im Landesjagdamt zur Aussprache mit dem Landesjägermeister und der Geschäftsführung. Dieses Gespräch sei offen, hart, aber fair geführt worden, man wolle weiterhin eng im Austausch bleiben. Die geplante WÖRP skizzierte LJM Franz Mayr-Melnhof-Saurau später in seinem Vortrag. Abschließend dankte Jürgen Lechner nochmals seinem Vorgänger Ojg. Werner Rössl und Rj. Heimo Kranzer, der zwar die Geschäftsführung an Rj. Philip Hintsteiner übergeben hat, der Vereinigung dennoch für die Berufsjägerzeitung und als Bindeglied zur Landesjägerschaft erhalten bleibt. Nach dem positiven Kassabericht, vorgetragen von Rj. Rupert Mörth, folgten die Grußworte der Ehrengäste. 

 

Statements der Ehrengäste 

Martin Stürmer, ÖBf-Leiter des Forstbetriebes Inneres Salzkammergut, sieht in Zukunft Waldbewirtschafter, Eigentümer, Jäger und Tourismus noch viel enger in der Zusammenarbeit als bisher. Sein Betrieb umfasst 96.000 ha und zeichnet sich durch einen hohen Schutzwaldanteil aus. Gut die Hälfte der Fläche wird von 18 Berufsjägern gemanagt, wovon vier direkt von den ÖBf angestellt sind. "Beim Rotwild erfüllen wir unsere Hausaufgaben, wir sind hirschlastig, was zeigt, dass wir strukturgerecht hinsichtlich Alter und Geschlecht jagen."

Als Vertreter der Landesregierung Abt. 10  richtete Klaus Tiefnig seine Worte ans Publikum. Es sei dies sein letzter Berufsjägertag, weil er in diesem Jahr in Pension gehen werde. Er sei immer gerne Gast an den Berufsjägertagen gewesen. Ihm sei wichtig, den Wald und die Jagd nachhaltig als Gesamtbild zu betrachten und zu bewirtschaften. "Auch an meinem letzten Berufsjägertag muss ich euch ausrichten, dass wir von euch viel mehr Grundlagen und Daten brauchen, um die Nutzung der FFH-Anhang-5-Wildtiere zu gewährleisten." Ferner stehe eine umfangreiche Jagdgesetznovelle vor der Tür und mahnende Worte fand Tiefnig für die Verwendung der Nachtzieltechnik, die verantwortungsbewusster eingesetzt werden muss. "Wild muss in den Jäger Vertrauen haben, damit das Wild auf seine Sinne vertrauen kann. Jagd 24/7 wäre eine Bankrotterklärung." Obmann Jürgen Lechner stimmte dem stellvertretend für alle vollinhaltlich zu.

Eduard Zehntner sprach als Präsident der Landarbeiterkammer zum Publikum. In letzter Zeit habe es viele Veränderungen in der Funktionärsriege der Berufsjägervertreter in der Kammer gegeben. Den alten Erfahrenen sind neue engagierte Vertreter nachgefolgt, Zehntner mache sich keine Sorgen. Natürlich sei die Landarbeiterkammer eng in der Entstehung der neuen Berufsjägerausbildung involviert gewesen. "Es war in Wien nicht immer einfach zu argumentieren, wenn man den Praxisbezug bei seinem Gegenüber vermisst hat ..." 

Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof-Saurau berichtete eingangs von "Jagd auf großer Bühne". Rückblickend auf die CIC-Generalversammlung in Wien, erfülle es ihn mit Stolz, zu sehen, wie die Jagd in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Über 700 Teilnehmer aus über 40 Nationen der Welt marschierten mit Fackeln zum Stephansdom und es demonstrierte keine Menschenseele. Die Investitionen in den letzten Jahren in Kommunikation, Aufklärung und Vernetzung zeigen Wirkung, "weil wir Kompetenz ausstrahlen und Daten, Fakten und Zahlen liefern. Diese sind zukünftig sehr wichtig, um die jagdliche Nutzung von vielen Arten bei der Jägerschaft zu halten." Was auch schon die Überleitung zur WÖRP war. "Bei der WÖRP müssen wir für die Zukunft niederschreiben, wie wir mit Wildtieren umgehen wollen, ehe es andere für uns machen. Wir müssen die Aufgaben einer Körperschaft Öffentlichen Rechts erfüllen, das ist ein gesetzlicher Auftrag." Mit einer Präsentation gab der Landesjägermeister nähere Informationen zur WÖRP preis: Die Steiermark werde in 13 Wildlebensräume aufgeteilt, die wiederum in insgesamt 84 Wildregionen. Jeder Wildregion steht ein Hegemeister vor, der von weiteren Hegemeistern unterstützt wird. Der Abschussplan bleibt auf Revierebene. Geplant ist auch ein Lebensraumgremium auf Landesebene zur Konsensfindung zwischen Jagd, Forst- und Landwirtschaft und anderen Nutzungsinteressen. In jeder Gemeindejagd sind gezäunte Weiserflächen vorgesehen 
(1 Fläche pro 1.000 ha, jedoch mind. 1 Fläche pro Gemeinde). Aktuell finden intensive Vorbereitungsprozesse mit allen Beteiligten statt, um die WÖRP-Steiermark im Jagdjahr 28/29 ausrollen zu können. Der Landesjägermeister appellierte an die Berufsjäger, sie mögen sich aktiv als Fachleute für die zukünftigen Funktionen (Wildregionsleiter und Hegemeister) in der WÖRP beteiligen, und wünschte abschließend ein unfallfreies und gutes Jagdjahr.

 

Verdiente Mitglieder

Im Anschluss fanden die Ehrungen statt. Klaus Reisenauer erhielt für 25 Jahre Mitgliedschaft die Ehrennadel in Silber. Und dem Berufsjäger Marcel Pertl wurde zur bestandenen Lehrabschlussprüfung ein Hirschfänger überreicht.

Zum Abschluss hielt Barbara Waldhuber einen Impulsvortrag über die klare Sprache. Die Impulse der profunden Kommunikationsexpertin fesselten das Publikum und jeder Zuhörer konnte kleine Tipps mit großer Wirkung für sich mitnehmen. 

Beim anschließenden Schießbewerb (Gamsscheibe, fester Bergstock, 100 m) konnte Jörg Schörckhuber mit 32,3 Ringen den ersten Platz vor Michael Kramer und Christopher Gruber belegen. Bester Lehrling wurde Paul Eppich mit 28,5 Ringen. 

Martin Ossmann