Steirischer Jagdschutzverein

Nach zweijähriger Pause fand dieses Jahr wieder eine Hauptversammlung des Gesamtvereins statt. Delegierte und Gäste trafen sich am 28. Mai im Veranstaltungszentrum Vasoldsberg östlich von Graz.

Begrüßt wurden die zahlreich erschienenen Teilnehmer der Hauptversammlung des Steirischen Jagdschutzvereins von Josef Adler, dem Obmann des Zweigvereins Graz-Umgebung Ost. Dieser zeigte sich hocherfreut, das Publikum mit dreijähriger Verspätung in seinem Heimatlebensraum begrüßen zu dürfen. Umrahmt wurde die Feier von den Jagdhornbläsern aus Hausmannstätten und Eggersdorf. Beim Totengedenken gedachte man symbolisch der in den letzten drei Jahren verstorbenen Mitglieder Meisterführer August Szabo und Jägerpfarrer Franz Raggam.

Bezirksjägermeister Harald Schönbacher stellte den Jagdbezirk Graz-Umgebung in einer Präsentation dar. Dieser ist einer der wildartenreichsten Bezirke der Steiermark, inklusive Wolf, Biber und Fischotter. Gleichzeitig ist der Großraum Graz mit 642.134 Einwohnern (Stand 2020) nach Wien und Linz die drittgrößte Metropolregion Österreichs. Der Großraum Graz war in den letzten zehn Jahren der am schnellsten wachsende Ballungsraum Österreichs. Und diese Leute strömen hinaus in die Natur, was sich vor allem in der Coronazeit dramatisch zugespitzt hat.

Auch Franz Meran ging in seinem Bericht als Präsident des Jagdschutzvereins auf die aktuellen Geschehnisse ein: „Das waren wirklich drei hochdramatische Jahre, dann kam die nächste Katastrophenmeldung mit dem Krieg in Europa, wobei die wirtschaftlichen Folgen jetzt schon sichtbar sind. Darüber gestülpt ist die globale Erwärmung, die uns auch zu schaffen macht. Wir sind eine Generation, die lange sehr gut gelebt hat, die jetzt aber auf den Boden der Realität zurückgeholt wird.“

Neben all den anderen Begleiterscheinungen haben die Anticoronamaßnahmen vor allem die persönliche Kommunikation verunmöglicht, was sich besonders im ehrenamtlichen Bereich negativ gezeigt hat, wie Meran weiter erklärte: „Die Vereine leben von den Treffen, den Begegnungen, dem Austausch. Das war uns jetzt jahrelang mehr oder weniger untersagt.“ Dank der Umstrukturierung des Jagdschutzvereins sei aber zumindest auf Ebene der Zweigvereine das nach außen hin sichtbare Vereinsleben weitergeführt worden. Hinter verschlossenen Türen sei nämlich auch in der Landesgeschäftsstelle beziehungsweise den Gremien des Gesamtvereins intensiv gearbeitet worden. In den letzten Jahren galt es nämlich, zahlreiche Hürden zu überwinden, beginnend mit der Überführung der Zweigstellen in Zweigvereine, was Meran sehr begrüßte. Das sei nämlich auch ganz im Sinne der Gründerväter, dass der Jagdschutzverein als breites Netz von der jagdlichen Basis draußen getragen werde.

Auch bezüglich der Ausbildung des Jägernachwuchses gab es viel zu tun. „Wir gehen mit dem Leitbruch bereits in die vierte Auflage. Wir wollen, dass der Leitbruch immer up to date ist. Auch die App ist nach längerer Schwierigkeit nun fertig und wird auch eifrigst heruntergeladen. Wir haben also ein ziemliches Programm hinter uns.“ Umstellungen gab es auch im Bereich der Ausbildung, die aus rechtlicher beziehungsweise monetärer Sicht nötig war: „Wir haben die Ausbildung nicht aus der Hand gegeben, sondern aus den Herzen in die Hände gelegt“, verteidigte Meran den eingeschlagenen Weg, gab aber auch seinem Bedauern darüber Ausdruck, dass nicht alle satzungsgemäßen Aufgaben wunschgerecht erfüllt werden konnten. „Was mir abgegangen ist, ist der Schutz der Lebensräume der Wildtiere, doch dazu kommen wir nicht, weil wir mit so vielen bürokratischen und administrativen Hürden zu kämpfen haben.“ Doch das soll sich jetzt, da alles wieder in geregelten Bahnen läuft, alsbald ändern. „Wir haben ja auch einen NGO-Status zu verteidigen, weil das bleibt man ja nicht auf ewig. Schließlich geht dieses Mandat ja auch weit über die Steiermark hinaus“, gab der Präsident sich zuversichtlich.

Hauptkassierin Julia Raggam gewährte schließlich Einblick in die Finanzen. Das jährliche Budget liegt demnach momentan bei rund € 270.000,- pro Jahr, wobei es von 2019 bis 2021 deutliche Unterschiede bei Einnahmen und Ausgaben gegeben hat. Insgesamt ist in diesen drei Jahren ein Gewinn von mehr als € 20.000,- erwirtschaftet worden. Aufgrund der Neuauflage des Leitbruchs wird dieser Budgetrahmen heuer gesprengt, doch das Kapital für die Ausgaben ist zuvor angespart worden. Der Mitgliedsbeitrag in Höhe von € 18,- kann trotz Teuerungswelle vorerst somit gleichbleiben.

Es war auch wieder eine Neuwahl des Vorstandes und der Kassaprüfer vonnöten. Der Wahlvorschlag setzte sich wie folgt zusammen: Präsident: Franz Meran; Vizepräsidenten: DI Willibald-Jürgen Acham, DI Anton Fürst, Ing. Franz Kesselstatt; weitere Vorstandsmitglieder in alphabetischer Reihenfolge: Mag. Markus Böhmer; DI (FH) Gerhard Fuchs MBA; Rjg. Christopher Gruber; Karl Haidic; Prof. DI Dr. Wolfgang Hintsteiner; Ing. Franz Hohenberg; FD DI Andreas Holzinger; Mag. Dieter Hutter; Günther Macher; Herbert Pojer; DI Cornelia Rössler; Mag. Johann-Peter Trumler und Roland Wachter. Die Wahl fand offen statt, der Wahlvorschlag wurde einstimmig angenommen.

Die Grußworte der Ehrengäste eröffnete Florian Czerny – selbst Delegierter im Jagdschutzverein und Gemeindevertreter von Vasoldsberg. Auch er ging auf das Spannungsfeld der Jagd im Speckgürtel von Graz ein. Als Vertreter des Landeshauptmannes kam NAbg. Mag. Ernst Gödl zu Wort: „Ich denke, Sie als Jäger sind die Praktiker in der Natur, die diese hautnah beobachten und erleben. In unserem Bezirk sind die Interessenkonflikte besonders groß. Ich bin überzeugt, mit dem offensiven Weg, den Sie als Jagdschutzverein suchen, dass Sie das Gespräch und das Verständnis suchen und die Praxis vor die Theorie stellen, damit liegen Sie goldrichtig!“

Im Anschluss bat Franz Meran Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof-Saurau um ein kurzes Grußwort. Dieser ging auf die anstehende Jägerschaftswahl ein und legte ein klares Bekenntnis ab: „Die politische Heimat der steirischen Jagd liegt fest in den Reihen des Jagdschutzvereins.“ Im Anschluss begründete der Landesjägermeister, was mit dem Mehrbetrag durch die Erhöhung des Mitgliedsbeitrags der Landesjagdkarte alles geleistet wurde: „Wir wollten heraus aus der Verteidigungsstrategie.“ Nun gibt es die finanziellen Mittel, um sich aktiv und gestaltend in alle die Jagd betreffenden Prozesse einzubringen. „Das Team der Steirischen Landesjägerschaft hat starke Arbeit geleistet, beginnend bei der Freigabe des Schalldämpfers, einem verbesserten Versicherungsschutz oder der Weiterbildung nach Maß in den Naturwelten Steiermark. Wir brauchen weiterbildungsfreudige Jägerinnen und Jäger.“ Ein weiterer Punkt sei die Kommunikation in einer modernen Welt. Sie ist digital, dazu hat die Steirische Landesjägerschaft die Homepage weiterentwickelt, postet in sozialen Medien und hat eine eigene Jagd-App lanciert, wie LJM Mayr-Melnhof-Saurau stolz verkündete.

„Wir diskutieren, sind nicht immer einer Meinung, sind aber am Ende einer Meinung. So muss es zwischen Landesjägerschaft und Jagdschutzverein sein“, beschrieb Präsident Franz Meran die Situation und leitete auf die Ehrungen über.

Verdienstabzeichen in Gold: Dr. Gerolf Haßlinger, Josef Garber, Harald Lerchbacher, Johanna Stern, Peter Kainer, Prof. Mag. Josef Pinter, Karl Zingl sen., Hubert Efferl, Hofrat DDr. Manfred Uratnik, Georg Schlegl, Dir. Franz Häusler.

Verdienstabzeichen in Silber: Peter Schweighofer, Ludwig Wiedenegger, Regina Tappeiner, Franz Zitz, Karl Hüpfl, Rudolf Koller, Maria Dienbauer, Franz Dinbauer, Karl Notter, Ing. Franz Stögerer, Josef Heidegger, Maria Ettlbrunner, Josef Knabl, Ing. Kurt Grillitsch jun., Ing. Christian Prutti, Helmut Kure, Roland Auer, Heimo Hrastnik, Harald Hilberger, Hubert Zeiler, DI Günther Gaugl, Franz Kroich, Erwin Faustmann jun., Johann Meisterhofer, Johannes Peter Putz, Ing. Johann Fellner, Gerhard Gollner.

Ort der nächsten Hauptversammlung: Schladming.

Stefan Maurer