Das Heft - Archiv 2022

 

Im Revier

Wohin mit dem Hochsitz?

Um langfristig möglichst störungsarm und letztendlich erfolgreich jagen zu können, sind die Revierkenntnis und damit ein ausreichendes Wissen über Lage und Beschaffenheit von Einständen und Äsungsbereichen Grundvoraussetzung. Übernimmt man ein neues Revier, fehlt diese Kenntnis in der Regel. Andreas Haußer beschäftigt sich mit der Frage der richtigen Herangehensweise in so einem Fall.

 


Praxiswissen für Revierbetreuer

Jetzt wühlen sie wieder …

Schwarzwild verursacht nicht nur Wildschäden in Mais und Getreide. Besonders ärgerlich sind die in manchen Jahren und Regionen im Frühjahr besonders heftig auftretenden Wühlschäden in Wiesen und Weiden. Doch wonach suchen sie, wie ist das zu verhindern und worauf muss bei der Frühjahrsjagd besonders geachtet werden?

Wenn der Boden nach Frost und Schneelage im Frühjahr taut, dauert es meist nicht sehr lange, bis der Jäger die ersten dunklen Stellen im Grasland findet. Sie sind anfangs nur für den geübten, erfahrenen Blick erkennbar, werden aber rasch größer, flächiger und tiefer. Spätestens dann meldet sich ein verärgerter Landwirt, der die Wühlschäden beim Düngen seiner Wiese entdeckt hat. Wühlschäden im Grünland sind anders als die Fraßschäden in Mais, Getreide und anderen Feldfrüchten für den Landwirt durch die Folgen deutlich spürbarer. Zum einen wird sehr rasch die den Boden vor Erosion bedeckende Grasnarbe zerstört. Die Wiederherstellung einer intakten Narbe dauert einige Zeit. Viel schneller samen dort unliebsame, tief wurzelnde Unkräuter wie der großblätterige Ampfer an, der mit der Beschattung durch sein üppiges Blätterdach den jungen Graswuchs unterdrückt und lange Zeit den Bodenschluss verhindert. Das Relief der Bodenoberfläche wird durch die Aktivitäten der Sauen zudem so stark verändert, dass sich bereits nach kurzer Zeit tiefe, später ausgeschwemmte Löcher ergeben und das herausgewühlte Erdreich umliegend verteilt wird. Die in der hochtechnisierten Landwirtschaft gründliche Ernte, insbesondere von Frischgras und Silage, ist auf den Schadflächen so nicht mehr möglich. Wird der Schaden nicht zeitnah sorgfältig händisch oder maschinell behoben, verschlechtert sich der Zustand zusehends, bis eine Grasernte dort nicht mehr durchführbar ist. Ein Problem besonderer Art stellen die herausgewühlten Stücke der zerstörten Grasnarbe dar. Zum einen wachsen sie mit ein, zum anderen werden sie durch den Grasschnitt wieder gelöst und landen so im Viehfutter. Siliertes Futter schimmelt und verdirbt schnell. Nehmen die Rinder es dennoch auf, treten bei den hochsensiblen Tieren schnell Verdauungsprobleme, Zahnprobleme bis hin zu Vergiftungserscheinungen und Verkalben auf.

 

Wurzeln und Knollen

Sauen sind Allesfresser. Sie ernähren sich sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Kost, die sie oberirdisch genauso aufnehmen wie im Boden. Das typische Brechen ist Bestandteil ihres normalen Fressverhaltens, wobei auffällige „Erdarbeiten“ immer nur zeitweise im Revier zu beobachten sind. Nach einem langen Winter sind die Sauen im März und April nicht nur ausgehungert, sondern benötigen wie alle Tiere im erwachenden Frühling eine vermehrte Energiezufuhr, nicht zuletzt um den im Mutterleib nun rasch wachsenden Nachwuchs zu entwickeln.

Da der oberirdische Anteil verfügbarer Pflanzenkost im zeitigen Frühjahr unbrauchbar oder noch nicht ausreichend nachgewachsen ist, verlegt das Schwarzwild seine Suche auf unterirdische Pflanzenteile wie Wurzeln, Rhizome, Zwiebeln und Knollen. Die kurz vor dem Frühlingserwachen stehenden Speicher der Frühblüher sind nun besonders energiereich und bei den Sauen entsprechend beliebt. Im Flachland und auf den meisten „Turbo-Rasen“ sind sie allerdings durch eine ständige Überdüngung verschwunden und können nicht der wahre Grund für das Wühlen sein. Im sonnigen Laubwald hingegen werden die Sauen fündig und zeigen uns, wo sie auf der Suche nach Buschwindröschen und Co. sind. Anders sieht es auf den vom Stickstoffgehalt deutlich magereren Heuböden im Mittelgebirge oder in den Alpen aus. Besonders häufig finden wir hier noch Orchideen, Alpenveilchen, wilde Möhre und die beim Schwarzwild äußerst beliebten wilden Krokusse. Stoßen die wenigen Sauen, die sich in die höheren Lagen vorwagen, auf diese Vorkommen, werden auf der Suche nach den beliebten Zwiebeln gleich ganze Kolonien ausgegraben.

 

Den ausführlichen Beitrag finden Sie in unerer April-Printausgabe. Kostenloses Probeheft anfordern.

 


Unter Jägern

Sauen ohne Ende – aber wie lange noch?

Mecklenburg-Vorpommern ist bekannt für sein Schwarzwild, doch die aktuell enormen Abschusszahlen sind auch hier ungewöhnlich. Statistisch umgerechnet, wurden zuletzt fünf Sauen pro 100 Hektar bejagbarer Fläche erlegt oder 8,3 pro Jagdscheininhaber. Das hat allerdings nichts mit steigenden Zuwächsen zu tun.


Waffe, Schuss & Optik

Indoor-Schießstand mitten in der Stadt

Schießstände befinden sich in vielen Fällen an abgelegenen Orten, damit sich durch den Schießbetrieb niemand gestört fühlt. Dass aber mitten in der Stadt Graz ein Schießstand realisiert wird, ist schon etwas Besonderes. Robert Siegert hat diesen Schritt gewagt und stellt sein neuestes Projekt stolz vor. 

Die Grazer Puchstraße war schon vor Jahrzehnten jagdlich relevant. Schließlich hatte dort der Futtermittelhersteller Tagger seinen Sitz, dessen Erzeugnisse manchem Reh über gestrenge Winter geholfen haben. Just im ehemaligen Futtermittelsilo hat sich Robert Siegert mit seinem Schießstand eingemietet. „Für uns hat sich die Frage gestellt, ob wir ein Gebäude auf die grüne Wiese stellen oder nicht vielleicht bestehender Infrastruktur neues Leben einhauchen sollen. Dann haben wir einen Bauträger gefunden, der es möglich gemacht hat, unsere Vorstellungen so ressourcenschonend wie möglich umzusetzen. Der alte Futtermittelsilo ist der ideale Platz dafür.“ Dank Fotovoltaik an der Fassade und Wasserturbine im „Mühlgang“ kann sich auch die Nettoengergiebilanz im Vollbetrieb sehen lassen.

 

 

 

Die massive Betonkonstruktion des Gebäudes und die Ausgestaltung der ehemaligen Lagerräume haben sich ebenfalls als ideal erwiesen. Die enormen Raumhöhen geben dem Empfangsbereich mit Lounge und Shop den Charakter eines hippen Studios. Das großteils selbst entworfene Interieur gibt das Seinige dazu. Doch auch bezüglich Sicherheit hat der Altbestand einiges zu bieten. „Das S bei Caliber S steht ja in erster Linie für Sicherheit“, betont Robert, „nicht nur für Siegert. Wir schießen hier ja mit scharfer Munition, was sowohl in Bezug auf mögliche Umgebungsgefährdung als auch auf die Lärmemission hin nicht unproblematisch ist. Hier im ehemaligen Taggerwerk ist das kein Thema. Wo sonst kann man in einem Gebäude schon 70 Tonnen Sand für die Kugelfänge aufschütten oder so großzügig Schutzeinrichtungen installieren?“ Die Schießbereiche sind allesamt mit lärmabsorbierenden Materialien ausgekleidet, die zudem auch für passive Sicherheit sorgen. Die Kojen an den Ständen beispielsweise sind mit Stahlplatten verstärkt, damit die Gefährdung der Nachbarschützen ausgeschlossen wird. Zudem sorgt ein Belüftungssystem dafür, dass die Anlage einen Luftdurchsatz von 60.000 Kubikmetern pro Stunde hat, um Pulverschmauch und Verbrennungsrückstände zuverlässig abzusaugen. „Ein wichtiges Thema ist für uns die Wertstoffrückgewinnung“, betont Siegert weiter. „Sowohl die Geschoßrestkörper aus den Kugelfängen als auch die Messinghülsen können gut wiederverwertet werden und sind ein weiterer Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit.“ Zum Thema Sicherheit gehört aber auch, dass die Schießstände nur von Personen benutzt werden dürfen, die im Besitz eines waffenrechtlichen Dokumentes sind, also Waffenpass, Waffenbesitzkarte oder gültige Jagdkarte. Dazu braucht jeder Kunde eine Haftpflichtversicherung. Soweit diese nicht über die Jagdkarte vorliegt, kann um € 30,- ein eigenes Versicherungspaket abgeschlossen werden. Selbstverständlich ist die Anlage auch videoüberwacht, um völlige Transparenz zu gewährleisten. Für die „Dynamic Range“ brauchen Schießbegeisterte zudem ein „Level-2-Zertifikat“, um dort alleine oder in der Gruppe üben zu dürfen. Dieses ist nach entsprechender Instruktion vor Ort zu erwerben. Wer nur einmal Schießstandluft schnuppern will, kann sich gegen Voranmeldung unter Aufsicht geschulter Fachkräfte aber natürlich ebenso bewegen. Die Indoor-Anlage Caliber S verfügt über drei Kojenbereiche mit Entfernungen von bis zu 15 bzw. 25 Metern als auch 25 Yards, die für alle Waffen offen sind, wobei jeweils auch auf kürzere Entfernung geschossen werden kann. Es gibt also keine Kaliber- oder Munitionsbeschränkungen, selbst mit Flintenlaufgeschoßen sind Probeschüsse möglich. 

 

Den ausführlichen Beitrag finden sie in unserer April-Printausgabe – kostenloses Probeheft anfordern.


Im Revier

Ein Blick auf Salzlecken

Salzlecken werden nicht ausschließlich vom Schalenwild aufgesucht. Wildkamerafotos, aber auch eigene Beobachtungen überraschen oft, wenn sich vom Hasen über Spechte bis hin zum Marder sämtliches Getier am Salz gütlich tut. Ihre Anlage ist denkbar einfach. Andreas Haußer stellt uns die gängigsten Varianten vor.    

 

Die regelmäßige Annahme der Sulzen in Revieren, in denen Salzlecken vorhanden sind, zeigt, dass das Wild offensichtlich Bedarf hat, über die natürliche Äsung hinaus Salz aufzunehmen. In besonderem Maße frequentiert werden Salzlecken zu Zeiten des Haarwechsels, der Geweihbildung sowie in der Umstellung von der kärglichen Winteräsung auf frisches Grün. Doch auch in der restlichen Zeit des Jahres werden sie regelmäßig angenommen. Fest steht aber auch, dass Salzlecken oder Sulzen vor allem sämtliche heimische Schalenwildarten binden und anlocken können. Vor allem Muffelwild, aber auch Rotwild wandert weite Strecken, um salzige Erde aufzunehmen. Bestimmte Lebensraumabschnitte lassen sich durch ein zusätzliches Salzangebot ganz offensichtlich attraktiver gestalten – man bietet dem Wild eine besondere Art von Lebensraumkomfort. Doch Vorsicht: Zusätzliche Salzaufnahme steigert auch den Wasserbedarf. Dort, wo Salzlecken anstehen, dürfen Möglichkeiten zur Wasseraufnahme nicht fehlen. Anderenfalls deckt das Wild seinen (salzbedingten) Flüssigkeitsmangel auch durch Schälen oder den gesteigerten Verbiss von Knospen und frischen Trieben. Führt das zusätzliche Salzangebot mangels Möglichkeiten zur Wasseraufnahme zu einer spürbaren Steigerung von Verbiss oder Schäle, muss ihr Betrieb sofort eingestellt werden. In solchen Fällen sind auch die salzdurchtränkten Stämme zu räumen. Keinesfalls sollte der Lock­effekt von Salzlecken zur Abschusserfüllung genutzt werden.

 

Eine ideale Kombination bilden Schöpfstellen, Suhlen, Malbäume und Salzlecken, die versteckt im Einstand des Wildes liegen. Die Zahl der Sulzen im Revier richtet sich zum einen nach der Hauptwildart, zum anderen nach der Höhe des Wildbestandes. Die Salzlecken selbst können mit Speisesalz, Viehsalz, Steinsalz oder mit Minerallecksteinen bestückt werden. Aus Praxissicht ideal erscheinen die viereckigen gepressten Viehsalzlecksteine, die im Landhandel erhältlich sind. Das Loch in der Lecksteinmitte lässt sich leicht über einen eingeschlagenen Nagel stülpen, der ein seitliches Wegrutschen verhindert. Erfahrungsgemäß überdauert ein solcher Leckstein etwa ein Jahr, bis er vom Regen komplett aufgelöst worden ist. Nachteil: Die blauen oder weißen Steine sind gut sichtbar und werden immer wieder von „Sammlern“ mitgenommen. Sehr gut bewährt haben sich bisher auch immer die Naturlecksteine. Diese sind in großen, schweren Blöcken zu bekommen und müssen noch zerkleinert werden. Ihre Akzeptanz ist sehr hoch, sie haben eine lange Haltbarkeitsdauer und werden wegen ihrer Naturfarbe nicht so leicht gesehen. Sehr gerne vom Wild angenommen werden auch Mineral-Salzlecksteine. Ihr größter Nachteil: Feuchtigkeit zersetzt diese Lecksteine sehr schnell und aufgrund ihrer bunten Farben werden sie gut gesehen und leider auch gerne mitgenommen. Im Folgenden werden verschiedene Möglichkeiten zum Bau von Salzlecken beziehungsweise Sulzen, ergänzt durch praktische Tipps, dargestellt.

 

Den vollständigen Beitrag von Andreas Haußer finden Sie in der März-Printausgabe. Kostenloses Probeheft anfordern.

 


Unter Jägern

Was tun, wenn der Hund streunt?

Es gibt mehrere Gründe, warum manche Hunde zu Streunern werden. Hat sich das Verhalten einmal etabliert, wird es schwer, es dem Hund wieder abzugewöhnen. Am besten helfen hier Vorbeugungsmaßnahmen wie eine enge Bindung an den Führer und Gehorsamsübungen vom Welpenalter an.


Jagdkultur

Wildbretkulinarik mit fünf Hauben

Wenn ein Restaurant fünf Hauben hat, darf man davon ausgehen, dass die Köche wissen, was gut ist. Und wenn man dann erfährt, dass in diesem Haus Wildbret rund ein Drittel des zubereiteten Fleisches ausmacht, hat man einmal mehr die Bestätigung, dass Wildkulinarik ein eminenter Bestandteil von genussvoller Küche auf höchstem Niveau ist. So erlebt im berühmten Restaurant Obauer im salzburgischen Werfen, wo ANBLICK-Reporter Herbert Trummler mit den beiden Spitzenköchen Karl und Rudi Obauer das folgende Gespräch führte.

Sehr geehrte Herren Obauer, wie könnten Sie Ihre höchst erfolgreiche Kochphilosophie, vor allem im Bereich Wildkulinarik, mit wenigen Worten beschreiben?

Rudi Obauer: Unser Motto lautet: Modernisierte Tradition. Wir brauchen – gerade in der Wildküche – das Rad nicht neu erfinden. Wir wollen die für unsere Region typischen Zubereitungsmöglichkeiten lediglich verfeinern.

Karl Obauer: Wir möchten die Authentizität und Natürlichkeit von Wildbret bewahren. Dieses Fleisch ist so ein großartiges und vielfältiges Lebensmittel, dass es wirklich eine Freude ist, damit tolle Gerichte zuzubereiten.

 

Was ist nun das Spezielle an der Obauer-Wildbretküche?

Rudi O.: Wir haben schon vor vierzig Jahren, als damals in den meisten Küchen das Wild zumeist noch viel zu lange gegart wurde, begonnen, die zarte und schonende Zubereitung zu forcieren.

Karl O.: Gerade Wildgeflügel wie Fasan oder ein Rebhendl muss man ja ganz zart behandeln, fast wie Fisch.

 

Obauer ist aber auch bekannt dafür, dass es mitunter kulinarische Wild-Raritäten gibt?

Rudi O.:Ja, wir sind zum Beispiel eine der wenigen, die auch Murmeltier zubereiten. Oder ganz was Besonderes ist unsere luftgetrocknete Auerhahnbrust, fein aufgeschnitten – eine kulinarische Sensation.

Karl O.: Aber noch einmal: Ganz wichtig ist die schonende Garung, weil übergart ist totgekocht.

 

Von wem beziehen Sie das Wildbret? Direkt von den Jägern?

Rudi O.: Ja, teilweise von den Jägern, aber der Großteil wird uns von „Tauernlamm“ geliefert. Das ist für uns ein verlässlicher Partner, zu dem wir bestes Vertrauen aufgebaut haben.

Karl O.: Und wir verwenden ausschließlich echtes Wild, also kein Gatterwild. Weil das ist für uns kein wirkliches Wild.

 

Schmeckt man da tatsächlich den Unterschied?

Rudi O.: Ganz sicher. Das kennt man schon an der Farbe, dann im Geruch und in der Struktur. Hundertprozentig. Und das schmeckt man dann natürlich auch.

 

Die Qualität muss also absolut top sein. Und wie ist es mit der Quantität? Wie viel macht Wildbret in der Obauer-Küche aus?

Rudi O.: Das ist natürlich saisonabhängig, aber übers Jahr gerechnet macht Wild sicherlich ein Drittel unseres Fleischaufkommens aus.

 

Das ist beachtlich viel. Gratulation! Und warum ist dann in der herkömmlichen, aber ebenfalls sehr guten Gastronomie, österreichweit gesehen, der Anteil an Wild so gering?

Karl O.: Viele Gasthäuser arbeiten ja schon weitgehend mit Convenience-Produkten und da gibt es halt auch ein viel geringeres Angebot an Wild. Das gilt übrigens auch fürs private Kochen.

 

Jetzt zur Verwendung des Fleisches: Die heutige Küche erlebt wieder ein Aufkommen der alten Tradition, dass man nicht nur die Gustostückerln zubereitet, sondern so ziemlich alles – Stichwort „From nose to tail“.

Rudi O.: Na ja, wir sagen da lieber „Vom Rüssel bis zum Schwanz“, und nicht das englische Zeug. Regionalität und Authentizität fangen ja schon bei der Sprache an.

 

Und wir Jäger sagen: „Vom Lecker bis zum Wedel – alles ist edel.“

Rudi O.: Ja, von mir aus. Aber es muss nicht immer alles englisch sein. Da verlieren wir ja unser Selbstbewusstsein, das sieht man eh bei weiten Teilen der Bevölkerung. Die verlieren ihre Identität und Authentizität komplett.

 

Das ausführliche Interview finden Sie in der März-Printausgabe. Kostenloses Probeheft anfordern.

 


Wildtiere im Jahreskreis

Der Iltis

Der Iltis jagt gerne entlang von Gewässern, Hecken und Gräben. Im Frühjahr stehen dann vor allem Amphibien auf dem Speiseplan. 


Jagderlebnis

Gamsjagd mit Höhen und Tiefen

Zwischen den Lärchenstämmen hindurch gewahrte ich einen schwarzen Fleck – Gams! Ich getraute mich kaum, mich zu rühren, stützte meinen Feldstecher auf den Bergstock und blickte hinauf zum Wild ...

 

Herrliche Jagderlebnisse hatte uns, meinem Jagdfreund Tom und mir, das neue Revier im Mariazellerland schon beschert. Die Jagdhütte war fertig eingerichtet und mit allem Notwendigen versehen worden, Reviereinrichtungen wurden repariert oder neu gefertigt und trotz all dieser zeitraubenden Arbeiten blieb genug Zeit für die Jagd. Der Rehwildabschuss war gut verlaufen und im Herbst waren noch einige weibliche Stücke frei. Die Möglichkeit auf die eine oder andere Geiß würde sich hoffentlich auch noch ergeben. Nur die Erfüllung des Gamsabschusses stellte uns vor Probleme. Na ja – Probleme. Eigentlich waren diese teils hausgemacht. Schon im August und September hätte sich die eine oder andere Möglichkeit auf eine Erlegung ergeben, doch stets blieb der Finger gerade. Mal war der Bock nicht alt genug, die Geiß zu stark und noch dazu ein Kitz führend, die Entfernung zu groß und ein andermal stand das Stück nicht richtig. Und schwarz sollten sie obendrein sein, die Gams, dann erst würde die Jagd jenes Erlebnis bieten, das wir uns von ihr erwarteten. Gerade Letzteres ist aber ein Trugschluss, zumal es eine Fehleinschätzung ist, mit dem Gamsabschuss zu lange zuzuwarten. Erstens ist auch die Jagd auf Sommergams erfüllendes Weidwerk, außerdem ist es nicht richtig, dem Wild den Hauptstress der Jagd in die ohnehin fordernde Winterzeit zu legen. Diese Lektion hatten wir nun gelernt, doch war der Novembermonat schon mehr als zur Hälfte vorbei – und auf der Habenseite des Gamsabschusses herrschte noch gähnende Leere. Wir erhofften uns nun von der einsetzenden Brunft eine Verbesserung der Jagdsituation.

 

Der Haupteinstand des Gamswildes in unserem Revier befindet sich in einem schroffen, schier unzugänglichen, steilen Bergmassiv, welches zudem noch dicht mit Lärchen und Fichten bestockt ist. Während der Hitzeperiode schützen diese Einstände die Gams vor der Sonne, erst wenn im Herbst kühlere Tage folgen oder die Gipfelregion von der weißen Pracht eingezuckert ist, zieht das Gamswild in tiefere Regionen und wird sichtbarer. Doch was den Schnee betrifft, war auch in der dritten Novemberwoche keine Kälteperiode oder Niederschlag zu erwarten. Dennoch mussten wir, Tom und ich, unser Bestmögliches versuchen.

 

Es war ein wunderschöner Spätherbsttag, als ich mich auf den Weg zum Felsensitz begab. Steil bergan geht der kaum sichtbare Steig durch einen schütter bestockten Fichtenhochwald. Rechts daneben zieht sich „die schmale Schneise“ hinauf, bis man zu einem mächtigen Felsmassiv gelangt, an dessen linker Vorderseite ein schmucker Bodensitz in das Gemäuer hineingebaut ist. Oberhalb des Sitzes verbreitert sich die Schneise stark und gewährt einen guten Ausblick auf einen breiten Kessel, der oben von weiteren Felsen begrenzt ist, die den Beginn des bevorzugten Sommereinstandes des Gamswildes markieren. Doch diesmal kam ich gar nicht hoch bis zum Sitz. Vorsichtig an der Kante des Felsmassivs hochpirschend, verharrte ich immer wieder, um mit dem Fernglas den Bereich über mir zu beleuchten. Und wirklich, zwischen den Lärchenstämmen hindurch gewahrte ich einen schwarzen Fleck – Gams! Ich getraute mich kaum, mich zu rühren, stützte meinen Feldstecher auf den Bergstock und blickte hinauf zum Wild. Sakra – das war ja eine ganz gut passende Geiß! Weit und breit kein anderes Stück. Und vor allem kein Kitz, das war das Wichtigste. Mit den Vorderläufen stand die Geiß auf einem Wurzelstock und es verging Minute um Minute, aber immerwährend verhoffte sie auf mich herab. Langsam wurde meine Position des stillen Verharrens unangenehm und Muskeln und Glieder begannen zu schmerzen. Nach einer gefühlten Ewigkeit trat die Geiß von ihrer erhöhten Position herunter und widmete sich wieder der Nahrungsaufnahme. Zum Eingang des Bodensitzes waren es noch gut fünfzehn Meter. Vor allem hätte ich aber jegliche Deckungsmöglichkeit aufgeben müssen, denn während des Einstiegs in den Sitz befindet man sich für wenige Augenblicke ganz frei – wie auf dem Präsentierteller. Also entschloss ich mich dazu, nicht ganz hochzusteigen, sondern mich hinter einen nur ein, zwei Meter höher gelegenen mit feuchtem Moos besetzten Felsbrocken zu kauern. Vorsichtig ließ ich den Rucksack von den Schultern gleiten, zog die Kipplaufbüchse aus der Waffenhalterung heraus und richtete mich ein. Die Geiß schien misstrauisch geworden zu sein und zog bereits höher, dem Einstand zu ...

 

Das vollständige Jagderelbnis von Hermann Reichl finden Sie in der Februar-Printausgabe. Kostenloses Probeheft anfordern.

 


Im Revier

Kleearten als Wildmagneten

Rehe als Konzentratselektierer äsen mit Vorliebe Knospen, Kräuter und Klee. Doch auch die anderen Schalenwildarten und selbst die Sauen verachten Klee als Äsung nicht. 
Dabei ist Klee nicht gleich Klee. Es gibt eine Reihe von Kleearten. Welche davon dem legendären Ruf eines echten Wildmagneten entsprechen, soll in einem Feldversuch unter gleichen Bedingungen in einem Waldrevier mit einem guten Reh-, Muffel- und Schwarzwildbestand geklärt werden.


Unser Wild im Februar

Nur eine Laune der Natur?

Brunfthirsche im Winter, ein zitternder Junghase auf blanker Scholle. Was wie ein Fehler der Natur aussieht, macht manchmal durchaus Sinn, bedeutet aber für das Individuum selbst ein lebensbedrohliches Risiko.

Das zentrale Ziel eines jeden Tieres ist, so viel eigenes genetisches Material wie möglich an die nächste Generation weiterzugeben. Das bedeutet im Wesentlichen, Junge zu produzieren, die vital genug sein müssen, um sich selbst erfolgreich fortzupflanzen. In diesem Zusammenhang werden permanent Strategien entwickelt. Die Logik der Natur ist dabei nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen, und gelegentlich kommt es auch zu „Unfällen“. Einen scheinbaren Unfall fand ich vor einiger Zeit bei einer Untersuchung an Feldhasen. Dabei fiel mir auf, dass einige Häsinnen bereits im ausgehenden Winter setzten. Bis zu vier Jungtiere können dann schon im Februar gesetzt werden. Normalerweise werden zu Beginn der Reproduktionszeit jedoch kleine Sätze produziert. Erst wenn sich die Bedingungen zum Sommer hin deutlich verbessert haben, wird die Jungenzahl pro Satz erhöht. Bereits im Winter viele Junghasen zur Welt zu bringen erscheint demnach zuerst einmal widersinnig. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass es noch einmal richtig kalt und nass wird, ist hoch. Die Situation erschwert sich für die jungen Hasen zudem dadurch, dass das Geburtsgewicht bei größeren Sätzen reduziert ist. Entsprechend gering ist ihre Überlebenswahrscheinlichkeit. Für die Häsin bedeutet dies eine hohe Investition mit ungewissem Ausgang. Bleibt diese Phase jedoch mild, hat sich das Risiko ausgezahlt. Inwieweit diese Strategie vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung künftig öfter zu beobachten ist, bleibt abzuwarten. Das Verschieben des Setzzeitpunktes gehört zu den Anpassungen, die in der jüngeren Vergangenheit öfter nachgewiesen werden konnten. Forscher machten auf der schottischen Insel Rum diesbezüglich interessante Beobachtungen. Dort wird Rotwild dauerhaft seit Anfang der 1970er-Jahre wissenschaftlich erforscht. Die Auswertung der Langzeitergebnisse unter der Leitung von Prof. Tim Clutton-Brock wies nach, dass es über die Jahre zu einer allmählichen Verschiebung des Brunftbeginns gekommen war. Danach hatte sich die Brunft in den vergangenen Jahrzehnten um etwa zwei Wochen nach vorne verschoben. Der Grund für diese Verschiebung wird im zeitiger eintretenden Frühjahr gesehen.

 

Winterliche Brunft bei unserem Rotwild

Auch bei uns lässt sich teilweise zeitlich mehr oder weniger stark abweichendes Brunftgeschehen feststellen. Dabei werden zum Beispiel Nachbrunften beim Rotwild bis in den Dezember hinein festgestellt. Im Gegensatz zum vorherigen Beispiel sind diese jedoch nicht Ergebnis einer systematischen Veränderung. Vereinzelte spätbrunftige Stücke lösen aus, dass auch die Hirsche noch einmal brunftig werden. Nimmt ein Alttier während des ersten Eisprungs nicht erfolgreich auf, erfolgt im Mittel 18 Tage später ein erneuter Östrus. Dies kann sich bis zu sechsmal wiederholen. Besonders häufig kommt es bei körperlich schwachen und überalterten Alttieren vor. Im Ergebnis kann dies zu der paradoxen Situation röhrender Hirsche im Winter führen. Die Kälber aus diesen Beschlägen werden dann jedoch erst im August oder September gesetzt – weit nach der sonst üblichen Setzzeit im Mai/Juni. Entsprechend groß ist das Entwicklungsdefizit dieser Stücke. Im Allgemeinen überleben sie den nachfolgenden Winter nicht. Ein vergleichbares Phänomen lässt sich beim Rehwild feststellen. Auch bei dieser Wildtierart kann es zu sehr späten Beschlägen kommen. Dies ist jedoch nicht die Regel. Entsprechend liegt die Zahl der in der Winterbrunft gezeugten Kitze im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Eine Keimruhe findet bei diesen Beschlägen nicht statt, denn die Embryos wachsen dann ohne Verzögerung bis zum Setzzeitpunkt. Besonders interessant ist, dass dabei auch Kitze beschlagen werden können, die zu diesem Zeitpunkt selbst erst etwa ein halbes Jahr alt sind. Dieses Verhalten wird in der Biologie als Säuglingsträchtigkeit bezeichnet, ist bei unserem Rehwild allerdings äußerst selten. Anders verhält es sich diesbezüglich zum Beispiel bei Feldmäusen. Sie setzen diese Strategie konsequent im Sinne der Steigerung ihrer Reproduktionsleistung ein. Feldmäuse können bereits ab dem 13. Lebenstag aufnehmen. Die Kopulation erfolgt demnach zu einem Zeitpunkt, wo sie selbst noch gesäugt werden.

 

Den ausführlichen Beitrag von Dr. Konstantin Börner finden Sie in der Februar-Printausgabe. Kostenloses Probeheft anfordern.

 


Waffe, Schuss & Optik

Wärme bringt Licht ins Dunkel

Wie von Geisterhand wird scheinbar Unsichtbares plötzlich wahrnehmbar: sei es das Reh, das vormittags gut getarnt im herbstlich braunen Brombeergestrüpp äst, oder der Fuchs, der in finsterer Nacht entlang der Ackerfurche schnürt. Dank der vom Körper abgegebenen, aber für das menschliche Auge nicht sichtbaren Infrarotstrahlung lassen sich mit Wärmebildgeräten Lebewesen rasch und zuverlässig lokalisieren.


Verhaltensforschung in der Wildbiologie

Liebe geht durch den Pansen

In ihrer Verhaltensforschung beschäftigen sich Wildbiologen häufig mit dem Sozialverhalten, beispielsweise bei der Paarung oder der Jungenaufzucht. Doch auch das Äsungsverhalten gibt viele Rätsel auf, denn Gämsen beispielsweise nutzen Äsungsflächen ganz bewusst, während sie andere aus gutem Grunde meiden.

 

Weit oberhalb der Waldgrenze auf über 2.000 Meter Seehöhe ruht schon seit den frühen Morgenstunden ein Gamsbock. Es ist ein kalter, jedoch sonniger Wintertag und die zaghaft wärmenden Sonnenstrahlen tun dem Wildtier nach Tagen mit Schnee und Sturm ebenso gut wie mir. Erst um etwa zehn Uhr vormittags wird der Gams hoch und beginnt auf dem abgewehten Rücken zu äsen. Dabei bewegt er sich kaum vom Fleck und sichert auch nicht. Nach einer guten halben Stunde liegt der Bock wieder dort, wo er wahrscheinlich die lange, kalte Winternacht verbracht hat. Wer über das Verhalten von Wildtieren nachdenkt, dem kommen zunächst wohl Bilder von Balz und Brunft in den Sinn, die Brutpflege, das Spiel der Jungtiere, Angriff und Verteidigung. Optimale Ernährungsstrategien sind da eher nicht dabei – dennoch, Energieaufnahme und Energieverbrauch sagen mehr über Verhalten und Gemeinschaftsleben von Wildtieren, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Eigentlich stehen sie ganz am Anfang.

 

Grün ist die Welt

Der Gams oben am Berg hat nicht mehr viel Auswahl, wenn er im Winter Äsung aufnimmt – Ruhe und Energiesparen sind deshalb wichtige Verhaltensweisen, um die Energiereserven, die er während des Sommerhalbjahres angelegt hat, nicht allzu schnell aufzubrauchen. Je nach Jahreszeit können Pflanzenfresser jedoch aus einem weiten Nahrungsspektrum auswählen. Das reicht von nahrhaften Nüssen und Sämereien über Beeren und Obst bis zu Trieben, Knospen, Blättern, Kräutern, Gräsern und Rinde. Je nach Lebensraum schwankt dieses Angebot, und je nach Lebensraum passen sich auch Wildtiere daran an. Vereinfacht leben im Wald eher kleinere Arten, die hochwertige Äsung selektieren. Im offenen Grasland sind größere Pflanzenfresser daheim – sie brauchen mehr, aber dafür weniger gute Nahrung. Diese Raufutterfresser sind größer als die Selektierer. Die kleineren Arten im Wald leben meist einzeln oder paarweise, die großen Tiere in der offenen oder halb offenen Landschaft wandern in Gruppen, Rudeln oder Herden gemeinsam durch weite Streifgebiete. Das sind Grundmuster. Sowohl die Ernährungsweise als auch der Lebensraum korrelieren also gut mit der Körpergröße. Nur um die Bandbreite deutlich zu machen: Das Körpergewicht von Huftieren schwankt je nach Art zwischen 1,5 und 1.600 Kilogramm. Ernährung und Lebensraum führen uns dann zur Größe der Gruppe, und die Größe der Rudel führt wieder zu bestimmten Verhaltensformen. Die kleinen Busch- oder Waldbewohner verhalten sich häufig territorial – sie verteidigen Reviere. In den offenen Grassteppen gibt es Äsung genug, da braucht man nichts verteidigen. In den großen Herden gibt es aber auch viele Weibchen. Jedes Männchen, das um sie wirbt, muss sich gegen Konkurrenten durchsetzen. Für gewöhnlich sind die großen, stärkeren Männchen erfolgreich. Nachdem sie sich öfter paaren, geben sie auch ihr Erbgut häufiger weiter. Bei vielen Arten entwickelten die Männchen auch Geweihe oder deutlich stärkere Hörner als die Weibchen. In der Regel dienen diese nur, um die Kräfte im Wettstreit um die Fortpflanzung zu messen. Vereinfacht führte das über Jahrmillionen zu einem auffälligen Geschlechtsdimorphismus, verbunden mit Polygamie. Das heißt, die großen, dominanten Männchen setzen sich gegen Konkurrenten eher durch und verteidigen einen Harem – ein Brunftrudel. Wir sind nun über Ernährung, Lebensraum und Gruppengröße mitten beim Thema Verhalten angekommen.

 

Den ausführlichen Beitrag von Dr. Hubert Zeiler finden Sie in der Jänner-Printausgabe. Kostenloses Probeheft anfordern.

 


Im Revier

Raubwildbälge spannen und trocknen

Reife Winterbälge sind wertvolle Naturprodukte. Es lohnt sich in jedem Fall, sie zu Pelzwerk verarbeiten zu lassen. Neben einer den Balg schonenden Jagd muss der Jäger dafür das Streifen der Jagdbeute beherrschen. Das Trocknen des Rauchwerks im Anschluss stellt immer noch die beste und in vielen Fällen auch die einzige Lösung dar.  


Im Revier

Gamswild ansprechen

Anders als bei den Hirschartigen tragen beim Gamswild beide Geschlechter praktisch gleich aussehende Hörner, was es schwierig macht, Bock und Geiß auf den ersten Blick zu unterscheiden. Daher kommt es auf mehrere Merkmale und einige Übung an, um sie besser unterscheiden zu lernen. Gerade das richtige Ansprechen ist aber wichtig, um einen guten Erhaltungszustand dieser Wildart zu garantieren.

Beim Nässen sind die Geschlechter zu allen Jahreszeiten und in allen Altersklassen recht zuverlässig erkennbar. Geißen haben einen nach hinten gerichteten Harnstrahl (links). Böcke nehmen beim Nässen zwar oft eine ähnliche Haltung ein, der Harn wird aber über die Brunftrute nach vorne abgesetzt.

 

Wie bei allen anderen Schalenwildarten erfordert auch das Ansprechen von Gamswild Übung, Erfahrung und (selbst)kritisches Denken. Ist es oft schon nicht auf den ersten Blick möglich, zwischen einem Gamsbock und einer Gamsgeiß zu unterscheiden, gestaltet sich das Ansprechen zwischen Mittel- und Altersklasse, vor allem im Grenzbereich, noch viel schwieriger. Die Bestimmung des Alters am erlegten Gams bereitet aufgrund der Jahresringe an den Krucken nur selten Probleme. Gamsjägerinnen und Gamsjäger sollten allerdings am lebenden Stück zumindest entscheiden können, welches Geschlecht und ungefähre Alter eine Gämse hat.

 

Geschlecht, Alter, Gesundheit

Angesprochen werden Gämsen hauptsächlich nach Geschlecht, Alter und Gesundheitszustand. Mitunter gestaltet sich bereits die Unterscheidung zwischen Bock und Geiß schwierig. Erschwerend wirkt sich beim Ansprechen von Gamswild auch das im Jahreslauf sich stark ändernde Erscheinungsbild aus. Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere Anhaltspunkte, auch Verhaltensweisen oder spezielle Körperhaltungen, wie beispielsweise beim Nässen, stellen Entscheidungshilfen dar. Für das Ansprechen sind ausreichend Zeit und eine gute Optik (Spektiv) erforderlich. 

 

Gamsbock oder Gamsgeiß?

Das wichtigste Ansprechkriterium beim Gams ist zuallererst das Geschlecht. Um es zweifelsfrei erkennen zu können, kann man sich mehrerer Indizien bedienen. Die im Normalfall im Umfang massigere und stärker gehakelte Krucke spricht in der Regel für einen Bock. Dieses Merkmal lässt sich ab dem zweijährigen Stück – meist jedoch schon beim Jahrling – feststellen. Auslage und Höhe der Krucke sagen nichts über das Geschlecht aus, falls die Form des Querschnitts erkennbar ist, kann eine ovale Form auf eine Geiß hindeuten, während die Schläuche des Bockes im Querschnitt annähernd rund sind. Bilden sich Bockrudel, verhalten sich diese größtenteils standorttreuer als Geißenverbände, die wegen des hohen Energiebedarfs aufgrund der Laktation und der meist größeren Rudel im freien Gelände häufig weiter umherziehen. 

Das Gesäuge der Geiß oder das Kurzwildbret des Bockes sind meist nur im Sommer bei günstiger Position des Beobachters sichtbar. Das längere Winterhaar verdeckt diese Region, zudem ist dann das Gesäuge führender Geißen auch schon kleiner. Einen relativ sicheren Anhaltspunkt zum Ansprechen des Geschlechtes bietet die Haltung des Stücks beim Nässen. Geißen knicken die Hinterläufe dabei ein, während der Bock seine Körperhaltung beim Nässen meist nicht ändert oder den Rücken nur leicht senkt – ein Verhalten, das auch schon bei den Kitzen beobachtet werden kann. Absolute Sicherheit bei jüngeren Tieren, aber auch manchem älteren Bock bietet die Körperhaltung beim Nässen allerdings erst, wenn auch der Harnstrahl beobachtet werden kann – bei Kitzen ist dies der einzige sichere Weiser für das Geschlecht.

 

DER neue Lernbehelf für Gamsjäger!

 

Aus umfangreichem und hochwertigem Bildmaterial wurden die besten Beispiele herausgesucht, um dem interessierten Gamsjäger weitere Hilfestellung zu bieten, wie er sein Ansprechen in der freien Natur verbessern kann. Denn wir sind österreichweit in der Gesamtverantwortung, das Durchschnittsalter der Gamswildbestände durch bemühtes Ansprechen und umsichtige Jagd zu heben. Damit wäre dem Gamswild in der derzeitigen Situation sehr geholfen. Ausreichend alte Gams sind von enormer Bedeutung für den Bestand. Dieser Ratgeber für die Praxis soll zur fachgerechten, zielorientierten und disziplinierten Bejagung des Gamswildes beitragen und damit die Akzeptanz für diese faszinierende Wildart erhalten helfen.

 

Armin Deutz, Rupert Prem, Gunther Greßmann, Friedrich Völk, Flurin Filli: „Gamswild ansprechen. Geschlecht – Alter – Gesundheit“ (1. Auflage 12/2021). 50 Seiten, Format A 4, durchgehend in Farbe. Erhältlich direkt bei Armin Deutz (armin.deutz@aon.at) und den österreichischen Landesjagdverbänden.

 


Waffe, Schuss & Optik

Präzision aus Erding

Die Unique Alpine AG aus dem bayerischen Erding steht mit ihrem Namen seit Jahren hauptsächlich für Präzisionswaffen in den Bereichen Militär, Behörden und Sport. Doch auch für die Jagd haben die findigen Waffenbauer einige Modelle in ihrer Palette. Unter anderem die JPR-1 Nordland Scout, die uns übers Jahr im Revier und auf dem Schießplatz begleitete.